ollistone hat geschrieben: Heute 12:48
Würde man in einem Biopic über Martin Luther King einen Weißen besetzen?
Man hatte ja auch kein Problem damit, Joel Edgerton in "Exodus" vor zwölf Jahren als ägyptischen Pharao zu casten. Oder John Wayne als Dschinghis Khan oder Alec Guinness als saudi-arabischen Prinzen oder Scarlett Johansson als Japanerin oder eben einen Haufen amerikanischer Hollywood-Stars als Südländer aus dem osmanischen Raum.
Btw: Wie viele Weiße haben nochmal bislang Jesus gespielt? Bei dessen Herkunft ist das ja auch eine sehr ... naja, großzügige Auslegung seiner Ethnie.
ollistone hat geschrieben: Heute 12:48
Aber wenn wir beide uns jetzt mal nicht bewusst dumm stellen, dann verstehen wir, dass dieses Konzept des "colour-blind casting" darauf abzielt, "Stereotype aufzubrechen und die Vielfalt der Gesellschaft realistischer auf der Leinwand widerzuspiegeln." Da schwingt eben eine pädagogische, belehrende Komponente mit, die ich persönlich nicht brauche.
Das unterstellst du. Vielleicht waren die Darsteller auch jeweils wirklich die Talentiertesten, die am besten die Anforderungen erfüllt haben, die man an die Rolle hatte.
ollistone hat geschrieben: Heute 12:48
Euren Vergleich mit der Filmsprache verstehe ich nicht, ich sehe da auch wirklich keine Parallele.
Beides ist historisch falsch und unpassend. Salieri sprach kein Englisch mit Londoner Einschlag, und Mozart hatte keine asiatischen Gesichtszüge. Aber wir nehmen die eine "Falschheit" als gegeben hin und akzeptieren sie, und stoßen uns dafür an der anderen. Ich möchte ja nur mal die Frage aufwerfen, warum das so ist. Mel Gibson konnte seinen "The Passion of the Christ" auch auf Aramäisch und Hebräisch drehen. Warum geht dann Nolans "The Odyssey" nicht auf Altgriechisch? Quentin Tarantino lässt in "Inglourious Basterds" alle Landsleute in ihren jeweiligen Sprachen sprechen. Wenn er das kann, können es andere auch. Dann kann man nur den Cast nicht mehr mit den immer gleichen Hollywood-Millionären füllen, klar, den sauren Drops müsste man dann lutschen.
Ich verstehe schon, was du mit den "Mozart" und "Martin Luther King" Beispielen bezweckst, und bei historischen Personen lässt sich bis zu einem gewissen Grad sicher über Hautfarben-Entsprechung diskutieren. Aber um zur Ursprungsdiskussion zurückzukehren: Helena aus der "Odyssee" ist eine fiktive Fantasy-Gestalt und kann aussehen, wie immer der jeweilige Neuinterpret einer Verfilmung es für richtig hält. Für die Geschichte ist nur wichtig, dass sie von atemberaubender Schönheit sein muss - so schön, dass ihretwegen tausend Schiffsbesatzungen sich in Bewegung setzen. Geschmack ist sicher subjektiv, aber zumindest ich würde für Lupita Nyong'o ohne zu Zögern in den Krieg ziehen.