Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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Gernot hat geschrieben: Gestern 23:22 Gibson hat seinen Jesus doch möglichst nah an bekannten, katholischen, frühchristlichen Darstellungen orientiert
Eigentlich wollte ich nicht mehr, aber gut, wenn du so eine Steilvorlage lieferst:

Diese katholischen Darstellungen haben ja in sich - wie du richtig sagst - auch keine hohe historische Genauigkeit. Wenn wir Jesus mal nicht als fiktive Märchengestalt, sondern als womöglich historische Figur begreifen, dann wurde er - laut Bibel - im Westjordanland bzw. den heutigen palästinensischen Autonomiegebieten geboren. Er dürfte also eine olivfarbene bis braun/schwarze Haut gehabt haben, wie es für die Menschen aus der Region üblich ist. Betrachten wir nun, wer Jesus alles so spielen durfte in der Filmgeschichte und beschränken uns dabei auf die bekanntesten Fälle:

- H. B. Warner
- Jeffrey Hunter
- Max von Sydow
- Donald Sutherland
- Chris Sarandon
- Willem Dafoe
- Christian Bale
- James Caviezel
- Ewan McGregor
- Joaquin Phoenix

Schaue ich mir diese Aufzählung an, stelle ich ganz objektiv fest, dass keiner von denen als Mensch aus Jesus' Geburtsregion so wirklich passen will. Sie mögen den späteren katholischen Darstellungen von Jesus als weißer Mann mit gelockten Haaren weitgehend entsprechen, sind aber aus historischer Betrachtung ziemlich daneben. Und jetzt stelle ich einfach mal eine Behauptung auf, die ich nicht beweisen kann: 99 Prozent der Menschen, die sich an einer schwarzen Helena in Christopher Nolans "The Odyssey" stören und deshalb auf Social Media Amok laufen, haben mit keinem der genannten Jesus-Darsteller ein Problem. Wie merkwürdig ...
Gernot hat geschrieben: Gestern 23:22 Da ist der neue Mozart aber schon etwas anderes. Kann man natürlich alles aus künstlerischer Sicht machen, oder weil der Schauspieler einfach am überzeugendsten war, alles OK. Kritik daran ist aber genauso legitim und sollte man dann auch aushalten.
Aber Gernot, wer hat denn was anderes behauptet? Man darf an allem Kritik haben, und Kritik ist grundsätzlich immer legitim. Es geht darum, wie sie geäußert wird. Was da im Internet jedes Mal passiert, wenn beispielsweise eine schwarze Darstellerin eine Disney-Prinzessin spielt oder jetzt eben eine schwarze Darstellerin bei Nolan die Helena (oder eine Transfigur mutmaßlich eine bekannte Figur), hat mit "legitimer Kritik" größtenteils nicht zu tun, sondern ist offener Hass und Hetze. Und das muss keiner aushalten, sondern ist gefälligst zu unterlassen. Es gibt eine ganze Internet-Kultur, die Hass zum Geschäftsmodell gemacht, und alles "Woke" verteufelt, wobei "Woke" hier einfach nur "nicht-männlich" und "nicht-hellhäutig" bedeutet.

Es geht überhaupt nicht darum, dass jemand etwas kritisiert. Mir ging es darum, was manche sich entscheiden zu kritisieren, und wo sie plötzlich kein Problem mehr damit haben. Siehe die Jesus-Vergleiche. Oder bei der "Odyssey" ganz konkret: Wer sich die Trailer anguckt, kann wunderbar betrachten, dass Nolan sich für historische Genauigkeit nicht groß interessiert. Alles was wir an Ausstattung sehen, also sämtliche Rüstungen sowie die Schiffe stammen aus anderen Jahrhunderten, teils aus anderen Jahrtausenden. Odysseus und Mannschaft schippern da auf einem Wikinger-Boot durch die Gegend.

Das ist auch alles völlig okay, denn wie du ja schreibst: "Kann man natürlich alles aus künstlerischer Sicht machen". Bloß wenn die Rüstungen alle historisch falsch sind, wenn die Schiffe allesamt historisch falsch sind, und wenn dann keiner der Darsteller den südländischen Hautton hat, den die alten Griechen gehabt hätten, sondern alle irgendwie anglosächsisch weiß sind - ausgerechnet dann heben jetzt zig Leute nur die schwarze Helena-Darstellerin hervor? Diese Casting-Entscheidung bricht jetzt mit der Immersion? Der ganze Rest passt schon irgendwie, aber die eine schwarze Person bringt Leute so sehr aus der Fassung, dass man auf Social Media seit Wochen dem Thema kaum entkommen kann?

Da zitiere ich mich gerne selbst: Wer das so sieht, der offenbart nur, wessen Geistes Kind er ist. Davon rücke ich nicht ab.
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

Let the sheep out, kid.

Re: Mega Flops - Das Blockbuster Kino geht den Bach runter

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Was genau hast du oder willst du denn an der einfachen Aussage nicht verstehen, dass sich Gibson offenbar an bekannten Jesus-Darstellungen orientiert hat? Er hat Jesus so dargestellt, wie in 99% der Christen kennen. Nicht mehr nicht weniger.

Mir ist die Herkunft und das Aussehen völlig egal, es geht um die Darstellung. Ob der Hautton genau getroffen wird, ist dann auch völlig nebensächlich. Oder ob James Bond dunkelblondes oder pechschwarzes Haar hat.

Auch dein Vergleich mit Nolan’s Helena hinkt etwas - gibt‘s denn bekannte historische Darstellungen, Beschreibungen von ihr, oder nicht? Wenn Nolan dann davon abweicht, aus welchen Gründen auch immer, dann wird es natürlich eine Diskussion darüber geben. Das ist völlig legitim. Das heißt nicht und das verteidige ich auch nicht, dass dann nicht manche Gruppen diese Diskussion ausnutzen und für ihre ideologische Agenda ausnutzen wollen, was natürlich abzulehnen ist. Sachliche Kritik daran muss trotzdem erlaubt sein.

Und es ist auch völlig legitim, dass Nolan, wie geschrieben, für seinen Film sie so darstellt, wie er will. Selbstverständlich helfen da diese neuen, durchaus diskussionswürdigen Academy-Regeln nicht unbedingt. Aber auch das kann oder könnte man natürlich einfach klarstellen. Vielleicht hat er das eh schon gemacht? Keine Ahnung.

Jeden sofort abzukanzeln und in eine Schublade stecken zu wollen, hilft da jedenfalls nicht weiter und ist wohl eines der aktuellen Problemen unserer Social Media Zeit…
Bond... JamesBond.de