Nun sehen wir wieder das La Mamounia von außen, jetzt ist es bereits dunkler geworden, die Abendröte zeigt sich. Auf der Mauer um das Hotel herum sitzt ein kleines Äffchen und haut mit einem Steinchen in der Hand auf seine eigenen Knie. Die Kamera fährt das Gebäude herauf zu einem Balkon, auf dessen Geländer ein Aschenbecher steht. Die Zigarette darin wurde ausgedrückt, doch der geringe aufsteigende Rauch verrät, dass noch vor wenigen Sekunden jemand hier draußen geraucht hatte. Ein Schwenk in das Zimmer zeigt, wie Bond sich wieder an den Tisch zu Felix setzt, während June an die Wand gelehnt steht. „Erwartet Ihr Jungs eigentlich, dass ich euch das glaube?“, fragt sie in die Runde. Felix und Bond schauen sich ganz unschuldig an.
„Nun ja, es ist die Wahrheit“, sagt Bond, erntet von June aber nur einen spöttischen Blick. „Mr. Bond, ich habe in meiner Karriere schon so einige investigative Reportagen durchgeführt, habe Firmenbosse und Whistleblower interviewt. Ich erkenne, wenn mir jemand etwas vormacht.“ „Zweifellos“, antwortet Felix, steht entspannt auf und holt sich noch ein Corona. „Leiter, Sie wollen mir wirklich erzählen, Ihr alter Studienfreund sei Ihnen zufällig am Flughafen über den Weg gelaufen?“ Bond will antworten, doch Felix ist schneller: „June, im Ernst, da ist doch nichts Absurdes dran. James und ich haben vor einer Ewigkeit gemeinsam in Cambridge studiert. Ich arbeitete mich nach unserer Zeit dort durch die britischen und amerikanischen Redaktionen, immer auf der Suche nach dem perfekten Schnappschuss“ – er zeigt auf seine High-Tech-Kameras, die überall im Zimmer verstreut sind – „während James einige Jahre als Vogelbeobachter arbeitete.“ Er grinst 007 an: „Wie nennt man noch das, was du tust, Kumpel? Oni... Ona...?“ 007 wirft seinem Kollegen einen stechenden Blick zu: „Ornithologie. Das weißt du doch... Kumpel.“
„Genau“, lacht Felix. „Erst vor einiger Zeit hatten wir sogar zusammengearbeitet. Er half mir in Italien ein sehr seltenes Exemplar zu fotografieren. James, wie hieß das Tier noch gleich?“ Er trinkt genüsslich aus der Corona-Flasche. Bond wischt sich den Schweiß von der Stirn: „Geronticus eremita. Ein Waldrapp. Vom Aussterben bedroht. Prächtiges Exemplar.“ Er schaut zu Felix: „Besonders markant ist seine Gewohnheit, blitzschnell davon zu fliegen, wenn ihm Ärger droht. Ohne Rücksicht auf andere. Oder Freunde.“ Felix hält dem Blick stand.
June hat all dem sehr genau zugehört. „Aber Sie waren auch in Japan!“, wendet sie ein. James erhebt sich und geht ebenfalls zur Minibar. „Wie schon gesagt, Ornithologie ist eher ein Hobby von mir. Reich wird man damit nicht.“ Er öffnet die Minibar und sieht entsetzt, dass Felix sich das letzte Corona genommen hat. Stattdessen nimmt er sich eine Flasche Mineralwasser heraus. „Deshalb habe ich seit einiger Zeit angefa-“. Wieder unterbricht ihn Felix: „Als James mit seiner Karriere strauchelte, habe ich ihn mit Captain Renault, ehemals Interpol bekannt gemacht. Er betreibt seit einigen Jahren eine gut florierende Detektei. Sei dem ist er immer mal wieder für ihn als Schnüffler unterwegs. So ein Ornithologe kommt viel rum, und keiner stellt Fragen, wenn man mal ein paar Fotos macht.“ Bond hat aufgegeben, selbst zu Wort zu kommen und trinkt einen Schluck Wasser.
„Aber Felix, nochmal: er war in Japan.“ Bond bleibt drei Sekunden ruhig, bis er merkt, dass Felix dieses Mal nicht für ihn antwortet. „Aus demselben Grund wie Sie, Miss Flavours. Interessierte Klienten von mir wollten mich ursprünglich für Industriespionage bei Harvest Globe engagieren.“ Felix lacht ihm ins Wort: „Du, ein Spion? Da kann ich mir dich gar nicht vorstellen, James.“ Bond überhört die erneute Spitze und erklärt weiter: „Über meine Kontakte habe ich so mitbekommen, dass ein Vorstandsmitglied von Bānshī auf einer Geschäftsreise in Japan zu Tode kam. Ich wollte wissen, was dahintersteckt. Vielleicht ist ein wenig die Spürnase mit mir durchgegangen. Also bin ich dorthin gereist und wollte mich ein wenig umhören.“ June ist sichtlich nicht überzeugt von der Geschichte, hat in dem Moment aber keine passende Antwort parat. „Wenn ich Sie mit meinem Verhalten in Tokio verärgert habe, kann ich nur noch einmal ganz herzlich um Entschuldigung bitten“, wiederholt Bond und hält June die Hand hin: „James.“ Sie zögert, ergreift dann aber seine Hand. „June.“ Leiter guckt auf und ruft ein „Felix“ in den Raum, über das alle lachen müssen.
Felix hebt Bonds Arm und schaut auf dessen Uhr. „Ich schlage vor, wir gehen jetzt alle auf unsere Zimmer. Da wir an derselben Sache arbeiten, würde es Sinn ergeben, wenn wir morgen den Rest besprechen. Vielleicht bei einem ausgedehnten Frühstück?“ June und Bond bejahen. „Dann um 9 Uhr“, stellt Felix klar. June verlässt als Erste das Zimmer, nicht, ohne vorher ihr Whiteboard einzupacken. Als sie außer Hörweite ist, haut Bond seinem Freund in die Seite: „Ornithologe? Was Besseres fiel dir nicht ein?“ Der lacht nur amüsiert: „Nun hab dich nicht so, James. Irgendwas musste ich doch sagen.“ Bond verdreht genervt die Augen. „Gut mitgespielt übrigens, James. Die Tarnung als Fotojournalist gab mir die Agency schon vor einigen Jahren. Es wäre übel, wenn eine Weltklasse-Reporterin wie June dahintergekommen wäre.“ Bond dreht sich noch einmal um und deutet auf die Kameras: „Reist du immer gleich mit mehreren von denen? Einige davon hab ich noch nie gesehen.“ Er deutet auf eine auf einer kleinen Kommode direkt neben der Zimmertür. „Was ist das überhaupt für eine?“
„Keine Ahnung, ich hab noch nie irgendwas fotografiert“, antwortet Leiter. „Glaub mir, Felix“, antwortet Bond ihm mit einem aufgesetzten Grinsen, „das ist die erste Information heute, die mich kein bisschen überrascht.“
Re: Bond 27 XXL - Mods sind schneller als Amazon
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Let the sheep out, kid.
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