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Komme gerade aus einer IMAX Vorstellung von:
Ohne Spoiler soweit ich das sehen kann. Sagt mir, wenn ich doch was verraten sollte
The Odyssey
Wo fange ich an? Vielleicht zur Einordnung:
- Ich habe Homer nicht gelesen, kenne nur die diversen Episoden aus der Odyssee und mehr aus der Ilias
- Zu Nolan habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Einige seiner Filme finde ich großartig, aber aus meiner Sicht hat er sich - Erfolg hin oder her - mit einigen verkopften Filmen auch vom Publikum entfernt (Dunkirk, Oppenheimer, auch Tenet und Interstellar sind mehr interessant als unterhaltsam für mich)
Es fällt mir noch recht schwer, meine Sicht zu Odyssey in Worte zu fassen. Oft hat man ja direkt nach dem Kinobesuch ein klares Fazit zu einem Film im Kopf - vielleicht muss das hier aber auch gar nicht so klar sein. Es gibt wirklich sehr vieles was mir außerordentlich gut gefallen hat, es gibt aber auch ein paar Einschränkungen.
Zunächst etwas sehr gutes vorweg: Ausgerechnet die Homer Verfilmung ist für mich einer der zugänglichsten Filme Nolans! Die hier gewählte nicht-lineare Erzählung macht für mich explizit Sinn, und sie ist auch sehr leicht zu verstehen. Man muss nicht mal das Original kennen, um hier zu verstehen, was Nolan wie und wann erzählt. Es gibt zwar drei Erzählebenen, aber die sind recht klar auseinander zu halten, und man kann alles immer gut einordnen. Die Art WIE Nolan die Geschichte erzählt passt auch einfach wirklich gut zu dem WAS er erzählt. Man wird relativ direkt in einen Strudel von Ereignissen hineingeworfen. Am Anfang fühlt man sich noch etwas überladen mit Rückblenden und verschiedenen Handlungsorten, doch das trägt gerade dazu bei, dass man in den Zustand des Protagonisten (und anderer wichtiger Figuren) hineinversetzen kann. Überhaupt wirkte The Odyssey für mich als der persönlichste Film Nolans. Mehr als in vielen seiner Filme spielt hier auch das Herz eine große Rolle, und es liegt vor allem an einer großartigen (und großartig anderen) Anne Hathaway, dass das richtig rüberkommt.
Überhaupt der Cast - mit sehr viel Licht und sehr wenig Schatten!
Hathaway und Holland kommen sehr wichtige Rollen zu. Beide machen das großartig, wobei ich mich nicht ganz mit der Besetzung von Holland anfreunden konnte. Er ist zu alt (oder Hathaway als seine Mutter zu jung), und ich wurde das Gefühl nicht los, dass man hier den übermächtigen Spiderman zu einem Orlando-Bloom-Paris Verschnitt gemacht hat.
Dafür ist Pattinson exzellent besetzt als schleimig, feiger und intriganter Antagonist. Gleiches gilt für John Leguizamo in einer nicht zu unterschätzenden Rolle. Die beiden ach so viel diskutierten "diversity castings" funktionieren großartig. Elliot Page macht in ihrer Rolle wirklich auch Sinn, und Nyong'o hinterlässt in ihren vielleicht fünf Minuten Screentime hundert mal mehr Eindruck als die schön-blasse Kruger in Troja. Und ja, vielleicht gerade wegen ihres Aussehens kann man sich viel besser vorstellen, dass Kriege für sie geführt worden wären.
Weniger passend fand ich Zendaya. Ihr wird wenig gegeben und daraus kann sie auch nicht mehr machen. Sie ist nett anzuschauen aber wirkt wie ein Fremdkörper - buchstäblich als habe man einen Social Media Influencer in die Antike versetzt. Anders ist da Theron, die auch nicht so wahnsinnig viel zu tun hat, das aber doch mit Präsenz und Charisma ausfüllt.
Dann ist da Matt Damon. Damon ist ein Schauspieler, den ich eigentlich nie sehen möchte in einem Film, der mich aber jedes mal wieder begeistert, wenn ich ihn dann sehe. Hier leider nicht - und das ist tragisch. Ich denke aber, dass liegt zu einem guten Teil an seiner deutschen Synchro, die zwar wunderbar zu lakonischen, zynischen, und leicht depperten Rollen passt, aber wirklich ganz und gar nicht zu diesem heldenhaften Kerl.
Was ist zur Inszenierung zu sagen. Der Film sieht weitestgehend großartig aus. Alles hat eine Authentizität wie sie vielen aufwendigen Filmen schon lange abgeht. In gewisser Weise ist dies Nolans Anti-MCU! Alles wirkt echt, alles ist lebendig, die Wellen, der Nebel, der Staub, der Schweiß,... Es gibt nicht einen Moment, woman etwas sofort als CGI identifizieren würde. Logischerweise wartet man besonders auf die bekannten Herausforderungen aus der antiken Geschichte. Manche sind sehr werkgetreu umgesetzt, manche sehr großzügig interpretiert, manches fehlt ganz. Ein früher Highlight ist das Aufeinandertreffen mit dem Zyklopen. Ich weiß nicht, ob das wirklich animatronisch gelöst wurde, aber egal wie, die Szene ist atemberaubend! Absolut grotesk und gleichzeitig beindruckend ist die Sequenz bei Circe. Mehr sage ich dazu mal nicht. An Stellen, wo es ohne CGI wohl nicht ging, zeigt Nolan nur das Mindeste was er braucht, um Spannung zu erzeugen. Auch mit CGI-aufgeblasene Heere sieht man nicht. Jeder einzelne Person die man sieh war wohl auch echt am Set. Dadurch ist aber auch der wahre Aufwand des Films vielleicht schwer einzuschätzen. Im Vergleich zu MCU, DCU oder auch dem Hobbit wirkt das alles gewaltig, weil eben ECHT, andererseits muss man den Film dann mit den großen Klassikern des Hollywood Sandalenfilms messen, und da gab es wahrscheinlich mehr Statisten und gewaltigere Kulissen.
Der beste Vergleich der mir einfällt in Bezug auf die Wirkung von The Odyssey ist der erste Herr der Ringe Film. Die Kombination von realen Schauplätzen atemberaubend eingefangen, cleveren optischen Tricks, oldschool Effekten und etwas CGI wirkt stimmig wie bei Peter Jackson. In Teilen wirkt der Film sogar klein und intim. Vor allem der Showdown ist dann sehr ungewöhnlich, fast Tarantino-esque.
A propos Bilder. Ich habe es schon oft gesagt und fühle mich um so mehr bestätigt: Niemand braucht IMAX. Das ist reines Marketing. Das was an dem Film wirkt, sind die Aufnahme von van Hoytema, nicht das Format! Im Gegenteil. In Teilen störte mich die vertikale Ausrichtung der Bilder und die seitliche Begrenzung, wo man es gerade bei großen Landschafts-Totalen gewohnt ist, breit zu sehen. Zudem, ich weiß nicht ob es ein Problem der IMAX Kameras ist, oder eine (wiederholte) Schwäche von van Hoytema, aber in einzelnen Dialogen (vor allem dem großartig gespielten Dialog von Holland und Hathaway) wirken Nahaufnahmen immer mal kurz unscharf. Gelohnt hat sich das Format dennoch, wenn auch viel mehr für Sound und Ton! Göransson hat mal wieder alles nur keinen normalen Score "ausgetüftelt", und so brummt, wummert und scheppert es den ganzen Film über gewaltig.
Fazit: Selten war ich zweieinhalb Stunden so auf die Leinwand gebannt. Das liegt aber an ganz vielen klassischen Tugenden des Filmemachens (Darsteller, Drehbuch, Kameraführung, echte Kulissen, Landschaften und Tricks und Stunts) und viel weniger an dem ach so viel diskutierten IMAX Format. Für mich der vielleicht zugänglichste Film Nolans, und bei all seinem Bombast auch der mit besonders viel Herz