Maibaum hat geschrieben: 18. Juli 2026 18:49
Letztendlich hat Nolan keinen interessanten Ansatz gefunden um der Geschichte mehr abzugewinnen als hier und da ein paar starke Bilder, aber auch da hat er mir im Ganzen nicht viel zu bieten, vieles sieht belanglos aus, jedenfalls wenig beeindruckend.
5/10
Bin da bei dir. Ein teilweise schön anzusehendes, aber emotional völlig leeres Spektakel, welches der Vorlage wenig abgewinnen kann. Das Ensemble ist teils recht okay (Holland, Damon, Morton), teils erbärmlich schlecht (Hathaway, Pattinson, Bernthal). Die Action ist insgesamt mittelmäßig choreographiert, vor allem den Endkampf fand ich einem Regisseur von Nolans Größe unwürdig. Wie da die Freier einer nach dem anderen Odysseus angreifen und alle brav warten, bis sie an der Reihe sind, geht eigentlich gar nicht. Die Zyklop-Episode hat er auch völlig verkackt, das war öde und fantasielos. Dafür fand ich Circe richtig super. Die Sequenz hatte schön fiese Bodyhorror-Elemente. Auch sein Verweilen bei Kalypso funktioniert gut. Witzig: Damon spielt mal wieder jemanden, der in den Ozean plumpst und danach an Amnesie leidet.
Eine richtige Katastrophe war das Kostüm- und Produktionsdesign:
- Agamemnons "Darth Vader bei Wish bestellt" Rüstung sieht aus wie aus dem 3D Drucker.
- Kaum Bronze in der Bronze Ära. Dabei wird die Bronze Ära sogar im Dialog benannt (was ein wenig albern ist).
- Alle Outfits wirken stets wie aus dem Ei gepellt.
- Die Riesen tragen einfach Mittelalter-Ritterrüstungen? Häää? Wieso haben die überhaupt Rüstungen?
- Das Wikingerschiff von Odysseus reißt mich völlig aus der Immersion. War es so schwer, da was historisch halbwegs Passenderes zu finden?
- Ob Sparta oder Ithaka, all diese farblosen dunkelbraunen Thronsäle lösen nullkommanull Abenteuerfeeling aus.
- Generell sind die Settings oft abstrus weit weg von der Mittelmeer-Region. Dieser nordenglische Düsterwald bei den Riesen sieht mehr nach "King Arthur" als "The Odyssey" aus.
Ansonsten fand ich alles um das trojanische Pferd und die Eroberung Trojas gut - wie Athene in den Plot und das Spiel mit Zeitebenen integriert wird, ist sogar großartig -, obwohl Petersen hinsichtlich der Grausamkeiten und Kriegsverbrechen der Griechen in seinem Film deutlich weiter gegangen ist. In "Troja" reißen die Griechen Babys ihren Müttern aus den Händen und werfen sie ins Feuer. Während Nolan da immer zahmer und konsumierbar bleibt, kaum handfeste Gewalt zeigt oder Dinge wie Vergewaltigungen nicht mal andeutet. Und das ausgerechnet in einem Film, in dem wieder groß und sinnfrei um zivilisatorische Brüche schwadroniert wird und wie ausgerechnet das blöde Attrappen-Hottehü die Menschlichkeit verraten und "die Welt für immer verändert hat". Drunter macht er es wohl nicht mehr.
Kein Film für mich. Aber ich gönne es allen, die es irgendwie mochten. Ich hab mich leider meist eher gelangweilt.