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von GoldenProjectile
'Q Branch' - MODERATOR
Ein Bettler sitzt auf einer Straße und bekommt gerade eine Wasserflasche gereicht. Direkt neben ihm bietet ein Verkäufer Uhren an, die von Touristen beäugt werden. Wir sind in der Neustadt von Marrakesch am Rande der Medina, im Hintergrund sehen wir Palmengärten und die Koutoubia-Moschee. Bond, Leiter und June stehen nebeneinander vor einem modernen Bürogebäude wie Cowboys vor einem Saloon. Sie treten ein in die marmorne Eingangshalle und finden den Namen Bānshī Industries auf einer Übersichtstafel. Zweiter Stock, Westflügel. Sie gehen hoch. Der zweite Stock zieht sich als Galerie um die Eingangshalle, ein Korridor zweigt zu den Büros ab. Alle drei stecken sich Leiters Ohrhörer in die Ohren, die Männer bitten June, aufzupassen, und machen sich auf den Weg. "Das war eine fiese Nummer, James", beklagt sich Felix, während sie dem Korridor folgen. "Aber ich hätte mir eigentlich denken müssen, dass du zu solchen billigen Tricks greifst, um meinen Vorsprung aufzuholen." - "Vorsprung aufholen? Ich weiß nicht, was du meinst, Cowboy." Felix verdreht die Augen und hält seinen Arm vor Bond, um ihn zum Anhalten zu zwingen. "Ich fürchte ein Büffet wird nicht reichen, um June zu beeindrucken." Bond nimmt Felix' Arm und schiebt ihn von sich: "Der Tag ist noch lang, Felix. Wir haben immer noch das Abendessen", kontert er. Sie erreichen die Bürotür von Bānshī Industries am Ende des Korridors und Bond fängt sofort an, seine Gürtelschnalle aufzufummeln. "Um Himmels Willen, James! Sie ist doch nicht einmal hier!", spottet Leiter. Bond sagt: "Ich versuche nur, die Tür aufzukriegen. Du bist nicht der einzige hier mit einem Trick im Ärmel" – "Was hältst du von diesem Trick?" Leiter verpasst der Tür einen sanften Stoss und sie schwingt auf. Das Schloss ist bereits aufgebrochen.
June steht Schmiere. Da öffnet sich die Fahrstuhltür und heraus tritt ein INDER (Ram Charan) mit perfekt frisiertem Bart, Sakko und T-Shirt und – sogar im Gebäudeinnern – Sonnenbrille. Er ist auf dem Weg zum Westflügel, doch June stellt sich ihm geistesgegenwärtig in den Weg. "Entschuldigen Sie, wissen Sie vielleicht, wo es hier zum dritten Stock geht?" Der Inder nimmt interessiert seine Sonnenbrille ab und zeigt auf eine mannshohe Ziffer 2 an der Wand neben dem Fahrstuhl. "Nach oben" – "Ach so", stammelt June. "Aber da war ich schon und hab den richtigen Raum nicht gefunden. Wissen Sie vielleicht, wo ich, äh… Mohammed finde?" Der Inder wirkt halb irritiert, halb belustigt. "Kommt drauf an, ob Sie den König oder einen seiner Millionen Namensvettern meinen".
Bond und Leiter betreten das Büro. Der Raum wurde völlig verwüstet. Computer sind von den Tischen gefegt worden, Schubladen und Schränke stehen offen, der Teppich verschwindet unter zerknüllten Akten. Ein Bild an der Wand steht schräg und gibt den Blick frei auf einen leeren Safe. Die beiden durchstreifen den Raum. "Schau jetzt nicht hin, James. Das tut deinem britischen Ordnungsfimmel nicht gut", frotzelt Felix. "Sieht aus, als wären wir nicht die einzigen, die hinter Bānshī Industries her sind", kommentiert Bond. "Meinst du, June hat uns nicht alles erzählt, was sie weiss?" Leiter gibt keine Antwort. Er ist am Fenster stehengeblieben und blickt stirnrunzelnd auf die Strasse. Bond eilt zu ihm, um nachzuschauen. Sechs japanisch aussehende Männer, die trotz der Hitze schwarze Anzüge und rote Stoffmasken tragen, kommen gerade hintereinander aus dem Gebäude. Der Mann an der Spitze trägt einen Aktenkoffer. Bond und Leiter blicken sich an.
"Arbeiten Sie denn auch hier? Ich bin nämlich neu", plappert June gerade, um den Inder weiter aufzuhalten. Dessen Stirn runzelt sich immer mehr. "Wer sind Sie eigentlich?", fragt er. June überlegt rasch. "Ich bin… Die neue Hausmeisterin". Der Inder zieht die Augenbrauen hoch und betrachtet vielsagend ihren modischen Hosenanzug. Da kommt Leiter angerannt, rast an ihnen vorbei und nimmt drei Treppenstufen auf einmal. Nach drei Sekunden begreift June, und hetzt ihm hinterher. Nach weiteren drei Sekunden begreift auch der stehengelassene Inder und eilt in Richtung Westflügel.
Leiter sprintet um das Gebäude, den Japanern hinterher, als plötzlich ein Fenster zerspringt: Bond kommt aus dem zweiten Stock geflogen, federt auf einer Markise ab und purzelt vor Leiter auf die Strasse. Felix schüttelt den Schrecken, Bond den Sturz ab, sie rennen gemeinsam los, lassen June, die gerade mühselig aufgeholt hat, gleich wieder stehen und stürzen sich in die Tiefen der Medina. Noch befinden sie sich auf einer vergleichsweise breiten Einkaufsstrasse und erkennen vor sich bald die sechs Japaner, doch der Lärm, den ihr Gerenne zwischen den Touristen, Verkäufern und Maultieren verursacht, alarmiert die Yakuzas – sie nehmen die Beine in die Hand und flüchten in mindestens drei verschiedene Seitengassen. Bond folgt sofort dem Mann mit dem Koffer, doch Leiter biegt anders ab. "Felix, der Koffer!", brüllt Bond via Ohrstöpsel. "Teil des Plans. Weg abschneiden. Zangenmanöver", keucht Leiter zurück. Die Souks werden labyrinthischer, die Verfolgung immer wilder. Kreischende Touristen springen in letzter Sekunde aus dem Weg, Verkäufer protestieren lauthals auf Arabisch, Mopeds hupen. Die Japaner sind flink. Bond biegt um eine Ecke und prallt direkt in einen Yakuza, der gestoppt hat, um den Verfolger zu rammen. Beide verlieren die Kontrolle und fliegen quer durch ein Marktsortiment von Teppichen und orientalischen Tüchern. Bond befreit sich von den Stoffen und klopft rasch den Japaner ab, der hilflos in einen Teppich eingerollt am Boden liegt. Kein Koffer. 007 lässt den Mann liegen und rennt weiter.
"Wo seid ihr, was ist los?", mischt sich eine besorgte June in den Funkverkehr. Bond ignoriert sie, er hat gerade den Mann mit dem Koffer erblickt, der keuchend an einer Strassenecke verschnauft. Der Japaner sieht Bond auch und gibt Gas. "Felix, ich hab ihn. Er müsste irgendwo links von dir sein". Leiter biegt links ab und gelangt in einen kleinen Innenhof. Hier verschnauft tatsächlich ein Japaner. "Hab dich, du Scheisskerl!", ruft Leiter. Bond folgt einer Gasse, die immer schmaler wird. Er holt den Mann mit dem Koffer ein, der hilflos vor einer Mauer stehengeblieben ist. Es ist eine Sackgasse. 007 und der CIA-Mann gehen beide auf ihren jeweiligen eingekesselten Japaner zu. Da wirft Bonds Gegner den Koffer kurzerhand über die Mauer und rennt auf Bond zu. Bond hat eine Sekunde, um seine Prioritäten zu sortieren, dann lässt er den Mann an sich vorbeilaufen und fängt an, die Mauer hochzuklettern. Leiter und sein Gegner stehen sich mittlerweile direkt gegenüber – und staunen nicht schlecht, als der Koffer zwischen ihnen vom Himmel fällt. Beide greifen danach, doch in diesem Moment springt Bond von der Mauer, über die er geklettert ist und reisst bei seiner unsanften Landung Felix mit. Der Yakuza-Mann nutzt die Chance und verduftet mit dem Koffer.
Nach einem vernichtenden Blick von Felix geht die Verfolgung weiter. Binnen Sekunden haben sich die beiden im Labyrinth wieder verloren. Felix heftet sich an den ersten Yakuza, den er im Getümmel erkennt. Aber kurz bevor er ihn eingeholt hat, kommt ein anderer Japaner seitlich aus einer Abzweigung geschossen, und rennt Leiter über den Haufen. Der CIA-Mann stürzt mitten in ein Sortiment aus exotischen, kunstvoll aufgeschichteten Gewürzen und löst eine Staubwolke aus Safran und Kurkuma aus. Hustend blickt er auf und sieht gerade noch, dass der Mann, der ihn gerammt hat, den Koffer trägt. Leiter rappelt sich hoch und sieht seine Beute gerade noch irgendwo zwischen den Gassen und Markständen verschwinden. "Ich glaube, er ist irgendwo rechts von dir", ruft er. "Bist du sicher?", fragt Bond und lässt widerstrebend von einem Yakuza ab, den er fast eingeholt hatte, um rechts abzubiegen. Er schaut sich hektisch um, doch jede Ecke sieht gleich aus. Völlig ausser am Atem kommt er wieder bei derselben Kreuzung an und merkt, dass er im Kreis rennt. "Felix? Welche Richtung?" Doch Leiter wird von einer Traube aufgebrachter Verkäufer festgehalten und kriegt zugleich vor lauter Gewürzen einen Hustenanfall. Bond schaut schwer atmend in alle Richtungen. Kein einziger Japaner ist mehr zu sehen.
Der Inder überquert schnellen Schrittes den Djemaa el Fna, den riesigen zentralen Marktplatz, und steuert auf ein Restaurant mit Dachterrasse zu. Er geht die Treppe hoch, manövriert zwischen den Kellnern und macht vor einer abgelegenen Nische mit Sitzbank Halt, wo ein stattlicher ITALIENER (Pierfrancesco Favino) gerade eine Lamm-Tajine verspeist. Wir erkennen ihn als den zweiten Mann vom Überwachungsfoto aus Junes Whiteboard. "Die ersten von ihnen sind eingetroffen", sagt der Inder zum Italiener. "Welche?", fragt dieser, ohne sein Mahl zu unterbrechen. "Die Japaner", antwortet der Inder. "Damit hatte ich gerechnet", sagt der Italiener und tupft sich die Lippen mit einer Serviette ab. "Wir hätten eine Wette abschliessen sollen" – "Sie sind in unser Büro eingebrochen und haben die Unterlagen aus dem Safe gestohlen!" Erst jetzt blickt der Italiener auf. "Haben wir Kopien davon?", fragt er. Der Inder sagt: "Das waren Kopien. Die Originale sind sicher". Der Italiener nickt. Sein Gehirn arbeitet. "Die Yakuza wird mit den Papieren nichts anfangen können. Und selbst wenn, interessieren sie sich nicht dafür. Wir wissen genau, weshalb sie hier und hinter wem sie her sind" Er schiebt entschieden seinen Teller beiseite. "Trotzdem, je schneller wir sie gefunden und ausgeschaltet und uns die Kopien zurückgeholt haben, desto besser. Wir sollten keine Zeit verlieren". Er steht auf. "Da ist noch etwas", stoppt ihn der Inder. "Die Yakuza waren nicht die einzigen, die bei unserem Büro herumgeschnüffelt haben".
Bond und Leiter treffen sich auf dem Djemaa el Fna. Der CIA-Mann ist fuchsteufelswild und seine Haare sind immer noch voller Gewürze. Er zeigt mit dem Finger auf sein Ohr. "Die Dinger hier dürfen durchaus benutzt werden, James! Dafür haben wir sie. Um deinen miserablen Orientierungssinn zu kompensieren". Bond ist ruhiger, doch ob der Niederlage und Leiters Schuldzuweisung offensichtlich genervt. "Ach ja? Ich hab die Dinger benutzt und auf dich gehört. Darum habe ich auch keinen von denen einfangen können. Wurden Sie etwa dafür entwickelt?" Felix verwirft aufgebracht die Hände. "Das ist doch nicht zu fassen! In Langley haben die Rekruten besseres Teamwork". Bond zeigt auf Leiters Kopf. "Wenn wir von Langley sprechen, frisieren sich da alle so? Ein geschmacksintensiver Trend, ich muss schon sagen". Jetzt kommt Leiter bedrohlich nahe. "Immerhin riechst du mich damit von Weitem und springst mir beim nächsten Mal vielleicht nicht direkt auf den Kopf!" Bevor die beiden Streithähne weiter aufeinander losgehen können, kommt eine aufgelöste June angerannt und geht dazwischen. "Sofort aufhören! So kommen wir doch nicht weiter. Erzählt mir in Ruhe, was passiert ist, dann planen wir weiter". Doch jetzt wird der Kreis aus Schaulustigen, der sich um die Szene gebildet hat, von Polizisten durchbrochen. Bond und der lauthals protestierende Leiter werden trotz Junes heftigen Einwänden zu Boden gerungen und bekommen Handschellen angelegt.
Von der Dachterrasse aus beobachten der Inder und der Italiener perplex, wie die beiden Agenten in bereitstehende Polizeiautos verfrachtet werden. Der Inder zeigt auf sie. "Das sind die beiden Hampelmänner, die sich gestern vom Flughafen aus verfolgt haben, und wegen denen wir die Einreise der Japaner verpasst haben müssen. Keine Ahnung, zu wem diese Dilettanten gehören". Der Italiener zuckt mit den Schultern. "Zu wem auch immer sie gehören, sie werden uns so schnell keinen Ärger mehr machen". Er wendet sich an den Inder. "Ich gebe den anderen Bescheid, und dann machen wir Jagd auf diese Japaner und schaffen dieses Problem ein für allemal aus der Welt. Ich schlage vor, du bleibst hier im Zentrum und hältst die Augen gut offen. Bist du ausgerüstet?" Als Antwort zieht der Inder diskret sein Sakko zur Seite und zeigt eine Pistole in einem Schulterholster. Der Italiener lacht auf. "Eine stumpfe Knarre? So kenne ich dich gar nicht. Wer bist du und was hast du mit meinem Freund gemacht?" Der Inder zeigt die andere Seite seines Sakkos. In einem Band, das ins Futter eingenäht ist, stecken Spritzen und verkorkte Reagenzgläser. Der Italiener klopft ihm auf die Schulter und sagt: "Das sieht schon eher nach dir aus".
We'll always have Marburg
Let the sheep out, kid.