Re: Zuletzt gesehener Film

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GoldenProjectile hat geschrieben: 23. Oktober 2022 22:45 Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens (F.W. Murnau, 1922)
Die Murnau-Version ist auch nicht so wirklich meins. Atmosphärisch sicherlich toll, aber darüberhinaus konnte ich da wenig begeisterndes rausziehen, obwohl ich mit Stummfilmen durchaus etwas anzufangen weiss. 6 Punkte klingt auch in meiner Welt fair.

GoldenProjectile hat geschrieben: 23. Oktober 2022 22:45Nosferatu - Phantom der Nacht (Werner Herzog, 1979)
(...)
Einzig das zwei- oder dreimal wiederkehrende Traumbild (?) eines Kindes mit Geige regt eher zum Lachen an (nicht zuletzt weil mich der Dreikäsehoch mit seinen dürftigen Geigenkünsten immer an den obligatorischen, alljährlichen Musikauftritt meines jüngsten Cousins am Weihnachtsfest erinnert).
Hahaha :D , ich sagte es dir ja bereits im Vorfeld:
AnatolGogol hat geschrieben: 19. Oktober 2022 07:49
GoldenProjectile hat geschrieben: 18. Oktober 2022 23:17 Anfangs schien Aguirre nämlich trotz des eindrucksvollen Dschungelbackgrounds immer ein bisschen wie ein ziemlich ordentlicher Laienfilm auszusehen
Das ist etwas, was ich bei Herzog sehr häufig wahrnehme, gerade auch in seinem Kernwerk. Es gibt in seinen Filmen immer wieder entsprechende Elemente (wir werden bei Nosferatu nochmal darauf zurückkommen müssen :) ),
Der Geigenjunge ist für mich gleichzeitig das lächerlichste wie auch das in seiner Absurdität coolste Element des Films. Es soll wohl tatsächlch eine Art Harker quälenden Traum darstellen, aber das ist inhaltlich und inszenatorisch so bizarr, dass man wirklich nur lachend den Kopf schütteln kann. Die laienhafte Integration lässt mich jedesmal aufs neue an Herzogs Professionalität zweifeln. Aber es ist halt wie gesagt irgendwie mittlerweile auch absolut kultverdächtig, obwohl der Film ja sicherlich nicht darauf abzielen möchte sein Publikum zu erheitern.


GoldenProjectile hat geschrieben: 23. Oktober 2022 22:45Darstellerisch tritt Isabelle Adjani ziemlich hölzern und theaterhaft auf, und Bruno Ganz verrichtet eher Dienst nach Vorschrift, von dem bin ich deutlich besseres gewohnt.
Sehe ich genau so. Vor allem Adjanis Overacting ist irritierend, wobei ich auch hier von einem bewussten Stilmittel (vermutlich als Hommage ans sehr theatralische Stummfilmschauspiel) ausgehe. Da sie aber die Einzige ist, die sich dieses Stilmittels bedient, ragt ihr Spiel etwas unangenehm heraus. Ganz ist ok, vor allem in den Teilen, in denen er den ausgebrannten Harker gibt. Aber auch bei seinem Spiel nehme ich etwas amateurhaftes wahr (er spielt oft auffallend teilnahmslos), was ich so nicht von ihm kenne und daher auch eher auf die Regie zurückführen würde.

A propos: wenn wir schon bei ungewöhnlichem Schauspiel sind muss ich unbedingt noch zwei meiner Lieblingsakteure in Herzogs Nosferatu erwähnen: zum einen Roland Topor, der einen hinreissend irrsinnigen Renfield zum besten gibt, zum anderen Walter Ladengast, dessen spröde und desinteressierte Darstellung des Van Helsing in nicht unwesentlichem Maße zu dystopischen Grundstimmung der zweiten Filmhälfte beiträgt (nach dem Motto: bevor man sich von dem retten lässt, dann lieber gleich den Gang vor die Hunde antreten).
GoldenProjectile hat geschrieben: 23. Oktober 2022 22:45 Den besten Auftritt hat Kinski, der den betörenden Grafenlook aus dem Murnau-Film zur Schau stellen, dabei aber verglichen mit seinem Vorgänger Max Schreck auch viel mehr schauspielern und zwischendurch sogar die verletzlichen Seiten des Schreckgespenstes aufzeigen darf.
Nanu, findest du den rattigen Nosferatu-Look tatsächlich betörend? :D Bei dem Adjektiv würden mir eher Frank Langella, George Hamilton oder Gary Oldman in den Sinn kommen als die abgenagten Schreck und Kinski. Ansonsten bin ich bei dir, Schreck ist sicherlich eine eindrucksvolle Erscheinung, mehr aber halt auch nicht. Kinski dagegen liefert ein sehr stimmiges und feines Charakterbild ab, welches vor allem auch sehr zurückhaltend in Kinskis Schauspiel ist und damit ein schöner Gegenentwurf zum "wilden Kinski".

GoldenProjectile hat geschrieben: 23. Oktober 2022 22:45 In der zweiten Hälfte bestätigt der Film dann, dass das Problem wohl beim Stoff liegen muss, denn auch Herzogs "Hommage" verliert mit der Schiffsreise und der Rückkehr nach *Name der Stadt einfügen* zumindest teilweise mein Interesse - hier kann ich wiederholen, was schon weiter oben steht: Es zieht sich alles ein bisschen und die spannende Prämisse der vom Vampirfluch heimgesuchten und dahinsiechenden Stadt kann die zweite Hälfte einer Geschichte nicht mehr ganz tragen. Da ist die erste Hälfte auf dem Schloss des Grafen, mit einvernehmender Gruselatmosphäre und einem sinistren, dem Wolfsgeheul lauschenden Kinski einfach die bessere. Herzog darf heute aber 6,5 Punkte von mir mitnehmen.
Das ging mir früher ähnlich, also dass ich die zweite Hälfte als weniger gut wie die erste empfand. Mittlerweile aber eigentlich nicht mehr, da mir Herzogs elegische Darstellung der in sich verfallenden Stadt sehr gut gefällt. Er trifft die Stimmung zwischen Angst, Verzweiflung und letztem Aufbäumen wie ich finde atmosphärisch sehr gut und bringt auch die Geschichte um Nosferatu inhaltlich stimmig zu Ende.

Insgesamt hat die Herzog-Version bei mir im Laufe der Jahre immer mehr gewonnen, auch weil ich mich mit den vielen bizarren (vermeintlichen/vermutlichen) Stilmitteln mittlerweile gut arrangieren kann bzw. diese - zumindest in Teilen - durchaus zu schätzen weiss. Phantom der Nacht ist für mich ein schöne Mixtur aus Charakterfilm und atmosphärischer Reise in den Untergang, wobei sich diese beiden Elemente nie zweifelsfrei voneinander trennen lassen (da ja auch die Charaktere ihrem ganz persönlichen Untergang entgegen gehen). Punktemäßig irgendwo bei 7,5 Punkten mit einer leichten Tendenz nach oben.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

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Blond

Um mal gleich mit einem Missverständnis aufzuräumen, bei diesem Marylin-Monroe-Film handelt es sich nicht um ein klassisches Biopic mit Anspruch auf Vollständigkeit und biografische Korrektheit, sondern um eine Romanverfilmung, weshalb sich dieses Mammutwerk permanent in einem Bereich zwischen "War so", "Könnte so gewesen sein" und "War ganz sicherlich nicht so" bewegt.

Stilistisch hat mich "Blond" ein wenig an Dominik Grafs "Fabian" erinnert. Expermimentelle Passagen, albtraumhafte Wahnszenen, mal schwarzweiß, mal in Farbe, mal im 4:3-Format, mal 16:9, gestochen scharfe Bilder hier und körnige Handkamerabilder dort (wobei mir die Einsatzlogik dieser Stilmittel etwas verborgen blieb).

"Blond" erzählt die Geschichte einer durch und durch gepeinigten Seele. Als kleines Mädchen von der Mutter in der Badewanne fast ertränkt, später von Studiobossen vergewaltigt, zu Schwangerschaftsabbrüchen gedrängt, von Ehemännern verprügelt, in jedem Mann den "Daddy" sehend, den sie nie kennengelernt hat, das geht nahe, ist teilweise schwer zu ertragen, sperrig, verstörend und zum Ende hin vielleicht etwas zu viel Leiden. Dennoch hat mich "Blond" beeindruckt wie kein anderer Film in diesem Jahr. Ein darstellerisches wie visuelles Meisterwerk, gespickt mit intelligenten Regieeinfällen, atemberaubend gespielt von Ana de Armas.
"Der Baggersee war Ozean, die Ente war ein Schwan, ein Topf ein Hut, damals hinterm Mond."

Re: Zuletzt gesehener Film

10353
AnatolGogol hat geschrieben: 24. Oktober 2022 07:20 Der Geigenjunge ist für mich gleichzeitig das lächerlichste wie auch das in seiner Absurdität coolste Element des Films. Es soll wohl tatsächlch eine Art Harker quälenden Traum darstellen, aber das ist inhaltlich und inszenatorisch so bizarr, dass man wirklich nur lachend den Kopf schütteln kann. Die laienhafte Integration lässt mich jedesmal aufs neue an Herzogs Professionalität zweifeln. Aber es ist halt wie gesagt irgendwie mittlerweile auch absolut kultverdächtig, obwohl der Film ja sicherlich nicht darauf abzielen möchte sein Publikum zu erheitern.
Soll das vielleicht irgendetwas mit den Zigeunern zu tun haben, die Harker in der Gaststätte vor einem Besuch bei Dracula warnen? Der kleine Rotzlöffel sieht schon ein bisschen wie ein Roma aus. Aber hast recht, die Szene in der er über dem bewusstlosen Harker stehend seinen Katzenjammer von der Leine bzw. von der Geige lässt ist schon so merkwürdig doof, dass es wieder cool ist. :D
AnatolGogol hat geschrieben: 24. Oktober 2022 07:20 Nanu, findest du den rattigen Nosferatu-Look tatsächlich betörend? :D Bei dem Adjektiv würden mir eher Frank Langella, George Hamilton oder Gary Oldman in den Sinn kommen als die abgenagten Schreck und Kinski. Ansonsten bin ich bei dir, Schreck ist sicherlich eine eindrucksvolle Erscheinung, mehr aber halt auch nicht. Kinski dagegen liefert ein sehr stimmiges und feines Charakterbild ab, welches vor allem auch sehr zurückhaltend in Kinskis Schauspiel ist und damit ein schöner Gegenentwurf zum "wilden Kinski".
Dann nenn es anders als betörend, aber es ist von der Sicherheit des heimischen Sofas aus ein cooler und faszinierender Gesamtlook für den Grafen (in beiden Filmen, da nahezu identisch). Vielleicht wäre es lediglich besser, wenn der Graf nicht durchgehend so bizarr aussehen würde. Gerade bei Murnau wäre die Szene seines nächtlichen Besuchs bei Harker/Hutter und wie er da einem Albtraum gleich durch die Tür kommt womöglich eindrucksvoller, wenn er zuvor eine etwas menschlichere Form gehabt hätte. Bem Aussehen des Grafen müssten bei Harker/Hutter ja eigentlich von der ersten Sekunde an die Alarmglocken sturm läuten. :)

Ich habe gerade noch gelesen dass die feingeistige Darbietung Kinskis Herzog zu verdanken sei, der sich vergewisserte, Kinski vor Dreh gehörig auf die Palme zu bringen. Nach dem unvermeidlichen Wutausbruch soll Kinski dann ausgelaugt und handzahm gewesen sein, was zur ruhigeren Darstellung geführt hat.

By the way, bin ich eigentlich der Einzige, für den das Wort Nosferatu irgendwie extrem "ägyptisch" klingt? Für mich hat sich das immer schon angehört wie der Name eines Pharaos, was es irgendwie bizarr unpassend macht für den ollen Dracula.
We'll always have Marburg

Let the sheep out, kid.

Re: Zuletzt gesehener Film

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GoldenProjectile hat geschrieben: 24. Oktober 2022 11:59 Soll das vielleicht irgendetwas mit den Zigeunern zu tun haben, die Harker in der Gaststätte vor einem Besuch bei Dracula warnen? Der kleine Rotzlöffel sieht schon ein bisschen wie ein Roma aus. Aber hast recht, die Szene in der er über dem bewusstlosen Harker stehend seinen Katzenjammer von der Leine bzw. von der Geige lässt ist schon so merkwürdig doof, dass es wieder cool ist. :D
Ich meine auch mal wo gelesen zu haben, dass der Geigenvirtuose ein Roma sei. So oder so: die Szene vergisst man so schnell nicht wieder, das muss man Old Herzog lassen. :D
GoldenProjectile hat geschrieben: 24. Oktober 2022 11:59 Bem Aussehen des Grafen müssten bei Harker/Hutter ja eigentlich von der ersten Sekunde an die Alarmglocken sturm läuten. :)
Ich bin kein Kenner der Vorlage, aber da Coppola den Grafen im Zusammenspiel mit dem John Wick-Harker auch als verwahrlosten Greis zeigt würde ich vermuten, dass das wohl schon so beim Stoker Bram drin steht.
GoldenProjectile hat geschrieben: 24. Oktober 2022 11:59Ich habe gerade noch gelesen dass die feingeistige Darbietung Kinskis Herzog zu verdanken sei, der sich vergewisserte, Kinski vor Dreh gehörig auf die Palme zu bringen. Nach dem unvermeidlichen Wutausbruch soll Kinski dann ausgelaugt und handzahm gewesen sein, was zur ruhigeren Darstellung geführt hat.
So geht jedenfalls die Legende, deren Autor und Verbreiter Werner H. höchstselbst ist. Wie schon mal geschrieben würde ich Old Herzogs Erzählungen aber mit ein bisschen Vorsicht geniessen, da er dazu neigt die Vergangenheit so zu deuten, dass er möglichst gut dabei wegkommt. Ich würde die Geschichte um den ausgetobten und dadurch ruhigen Kinski jedenfalls eher glauben, wenn Kläuschen nicht in diversen anderen Rollen auch sehr zurückgenommen agiert hätte. Aber es ist zugegebenermaßen eine schöne Geschichte.

GoldenProjectile hat geschrieben: 24. Oktober 2022 11:59By the way, bin ich eigentlich der Einzige, für den das Wort Nosferatu irgendwie extrem "ägyptisch" klingt? Für mich hat sich das immer schon angehört wie der Name eines Pharaos, was es irgendwie bizarr unpassend macht für den ollen Dracula.
Klingt ein bissel wie Nofretete, aber den Zusammenhang mit ägyptischen Pharaonen hatte ich bisher noch nicht auf dem Schirm. Irgendwie muss ich gerade an den geschminkten Joel Edgerton denken. :lol:
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

10355
Halloween Ends (2022)
Der Film scheint ja unter Fans der Reihe sehr zu polarisieren, wird dort aber weitestgehend negativ aufgenommen.
Die originalen Filme kenne ich nicht, sondern nur die letzten 3 Filme. Halloween Kills hat mir letztes Jahr nur mäßig gefallen und wirkte auf mich wie ein Filler und eine Brücke zwischen Teil 1 und 3.
Halloween Ends verfolgt eine komplett neue Herangehensweise an den Stoff und lässt sich viel, aber nicht zu viel, Zeit mit Charakterentwicklung. Einzelne Beziehungen wurden (für einen Horrorfilm) umfänglich beleuchtet , wodurch die jeweiligen Motivationen gut verständlich und auf ihre Art und Weise nachvollziehbar wurden.
Klar kann man sich über die ein oder andere Entscheidung der Macher etwas wundern, aber insgesamt ist es ein schöner, runder Abschluss der Trilogie.

7/10
No retreat, baby, no surrender

Re: Zuletzt gesehener Film

10356
Der Film spaltet ja die Fangemeinde, wobei ich das Gefühl habe, dass er in Summe eher schlechter ankommt. Am US-Box Office ist er in Woche zwei gefallen wie ein Stein (-80%). Ich persönlich fand ihn gar nicht so schlecht und im Prinzip ist es ein konsequenter Abschluss in vielerlei Hinsicht. Konsequent im Hinblick auf Michael, konsequent aber auch im Hinblick auf den Ansatz sich an den ersten drei Filmen zu orientieren. Und ich sehe durchaus Parallelen zum ebenfalls sehr umstrittenen Halloween III.
Würde aus diversen Gründen so 6/10 geben-.
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Zuletzt gesehener Film

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iHaveCNit: Ach du Scheiße! (2022) – Lukas Rinker – Neopol Film
Deutscher Kinostart: 20.10.2022
gesehen am 24.10.2022
Capitol & Palatin Mainz – Palatin 4 – Freie Platzwahl – 20:30 Uhr


Ich stehe auf abgefahrene Filmideen. Vor keine Ahnung wie langer Zeit habe ich irgendwann Anfang des Jahres eine Nachricht über einen Film gelesen, der mein Interesse definitiv geweckt hat und für mich zu einem der meist erwarteten Filme des Jahres gezählt – und mich definitiv nicht enttäuscht hat. Es geht hier um den Debütfilm des aus dem Raum Rhein-Main stammenden jungen Filmemachers Lukas Rinker, der den treffenden Titel „Ach du Scheiße!“ trägt. Warum der Film sogar für mich am Ende des Jahres einer der besten deutschen Filme ist, darauf komme ich noch zu sprechen.

Gerade noch im Traum ein zu Münchner Freiheits „Ohne dich“ tanzendes Erotikmodel gesehen, wacht der Architekt Frank benommen und verletzt in einem umgestürzten Dixiklo auf. Einfach aufstehen geht nicht weil einer seiner Arme ist von einer Metallstange durchbohrt ist. Als er langsam zu Sinnen kommt, bekommt er über Lautsprecherdurchsagen und Beobachtungen mit, dass sein Dixiklo mitten auf einer Abbruchsstelle liegt, auf dem in einer halben Stunde eine Sprengung stattfindet. Ihm bleibt nur noch wenig Zeit herauszufinden, wie er in diese missliche Lage gekommen ist und wie er wieder aus dieser Lage rausfindet.

Überlebenskämpfe auf engem Raum sind filmisch gesehen sehr effektiv. Bei der Idee des Films könnte einem klar „Buried“ mit Ryan Reynolds in den Sinn kommen – nur eben in einem Dixiklo. Doch mir kam bei der Sichtung ein anderer Film in den Sinn – Danny Boyles „127 Hours“, der einen auf wahren Begebenheiten beruhenden ähnlichen Überlebenskampf auf engem Raum liefert.
„Ach du Scheiße!“ ist eine großartige Genreperle geworden, die eine Mischung wunderbar ausbalanciert – Von sowohl ernstem Survivalthriller als auch Provinzkomödie und Splatter-Body-Horror-Trash-Film – all das balanciert der Film großartig in seinen 90 Minuten aus und er schafft es sogar, dass man in den witzigen, überzeichneten und durchaus übertriebenen Exzessen inmitten von Dreck, Blut, Schweiß und Fäkalien den Film immer noch mit einer Prise Ernst betrachten kann und der Film sich durchaus auch Ernst nehmen darf und kann. Der Film nutzt im Rahmen seiner Möglichkeiten ebendiese vollumfänglich aus und lässt das Dixiklo selbst zu einem lebendigen Set werden, dass seine ganz eigene Rolle im Film spielt. Darstellerisch nimmt man dem von Thomas Niehaus gespielten Architekten Frank den verzweifelten, ideenreichen Überlebenskampf zu jeder Minute ab und Gedeon Burkhard funktioniert prächtig als potentieller Bürgermeister, Bauunternehmer und Antagonist des Films, der gleichwohl ernst als auch als humoristische Karikatur gesehen werden kann. Die blutigen, brutalen, überzeichneten Gewaltexzesse können genauso Ernst genommen und nicht als Fremdkörper betrachtet werden und die letzten Konsequenzen im Überlebenskampf haben die Härte eines „127 Hours“ und dagegen sind selbst die Überlebenskämpfe der Saw-Reihe meiner Meinung nach harmloser. Mein Schlussfazit kann bei dem Film nur die Fortsetzung des Filmtitels mit dem Ausspruch „... ist der Film gut und unterhaltsam“ lauten.

„Ach du Scheiße!“ – My First Look – 9/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

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Sondervorstellung
iHaveCNit: Girl Gang (2022) – Susanne Regina Meures – Rise and Shine Cinema
Deutscher Kinostart: 20.10.2022
gesehen am 25.10.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 3, Platz 9 – 20:45 Uhr

In der Reihe „Schamlos Harmlos – Die Reihe für Queer-, Sex- und Subkultur“ der Arthouse-Kinos Frankfurt gab es den von Susanne Regina Meures inszenierten Dokumentarfilm „Girl Gang“. Leider musste die Vorstellung selbst ohne ein Interview oder eine gefilmte Einführung der Regisseurin auskommen, so dass ein Fachgespräch am Ende leider nicht möglich gewesen ist. In „Girl Gang“ hat die Regisseurin die zu Beginn der Dokumentation 14-jährige Leonie Balys und ihre Eltern ganze 4 Jahre begleitet. Leonie ist als „leoobalys“ in den sozialen Netzwerken bekannt und als Influencerin für ihre Generation ein Idol und „Star“. Der Film liefert einen sehr intimen, auch teils sehr harten und tragischen und auch kritischen Blick in das Leben von Leonie, die in jungen Jahren inmitten des Drucks, der von ihren Eltern, ihren Followern und auch von Werbepartnern gefangen ist und trotz ihrer enormen Reichweite und des doch schon größeren Reichtums in ihrer Körpersprache sehr viel von Traurigkeit, Leere und Einsamkeit herauslesen lässt. Demgegenüber stellt die Regisseurin auch Melanie vor, eine Followerin von Leonie aus Bad Tölz und welchen durchaus auch erschreckenden, toxischen Einfluss die parasoziale Nähe von Influencern zu ihren Followern haben kann und dass beide Seiten dadurch eigentlich nur traurig, leer und einsam zurückgelassen werden.
„Girl Gang“ - My First Look – Ohne Wertung
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

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Das schwarze Quadrat

Ein Forumskollege hatte diesen Film immerhin in seinen Top 25 des Jahres 2021, Filmstarts vergibt satte 4,0 von 5 Sternen, eine deutsche Gaunerkomödie, was soll da schon schiefgehen? Natürlich alles.

Marcel Reich-Ranicki sagte einmal: Ich lache gerne, aber nicht unter meinem Niveau. Daran musste ich gestern denken, als ich mich fragte, ob der Film das Problem ist oder ob ich es bin. Habe ich das Lachen verlernt, die Fähigkeit, mal loszulassen, einfach unkomplizierten Spaß zu haben? Nein, die Wahrheit ist, dass dieser Film auf allen Ebenen so erbärmlich ist, dass es über ein gelegentliches, anfänglich noch wohlwollendes Schnauben nicht hinausging. Denn hier stimmt buchstäblich nichts, gar nichts. Nicht die Dialoge, nicht das Tempo, nicht das Timing. Ein verkrampfter deutscher Film, wie ihn selbst ein Detlev Buck kaum schlechter drehen könnte. Von der ersten Einstellung an ist klar, dass hier wieder mal die üblichen Knallchargen am Werk sind, die in jeder Sekunde bemüht sind, ein Feuerwerk an Gags zu zünden, aber nur Rohrkrepierer am Fließband produzieren. Selbst Szenen, die Potential hätten (etwa der Showdown auf der Zauberbühne), gehen einfach nur fürchterlich in die Hose. Unglaubwürdige Schauspieler inklusive der renommierten Sandra Hüller, die ich einfach nicht mag, affiger Slapstick, nicht nachvollziehbare Drehbuchentscheidungen, gespickt mit völlig deplatzierten Gewaltausbrüchen - hier ist die deutsche Komödie mal wieder am Tiefpunkt angelangt.


Ad Astra

Eure jüngsten Diskussionen haben mich neugierig gemacht. Ich mag ja das SciFi-Genre sehr, gerne auch in seiner etwas anspruchsvolleren Variante, also eher "Interstellar" oder "Sunshine" als "Star Trek Discovery". Und so wundert es auch nicht, dass ich mit "Ad Astra" sehr viel anfangen konnte. Da gibt es visuell wirklich faszinierende Momente, sie wurden bereits aufgezählt, auch die Aufnahmen vom Neptun fand ich überwältigend. Brad Pitt sehe ich ohnehin immer gerne, überrascht war ich allerdings, dass Donald Sutherland noch lebt, der war doch schon bei "Space Cowboys" (2001) uralt. Die Auflösung des Vater-Sohn-Konflikts bzw. der Gefährdung (inwiefern und wodurch genau ist das ganze Universum bedroht und wer ist dafür verantwortlich) hat vielleicht nicht vollständig überzeugt, das schien mir etwas überhastet entworfen. Davon abgesehen ein rundes Vergnügen.
Zuletzt geändert von ollistone am 26. Oktober 2022 14:42, insgesamt 2-mal geändert.
"Der Baggersee war Ozean, die Ente war ein Schwan, ein Topf ein Hut, damals hinterm Mond."

Re: Zuletzt gesehener Film

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ollistone hat geschrieben: 26. Oktober 2022 10:11 überrascht war ich allerdings, dass Donald Sutherland noch lebt, der war doch schon bei "Space Cowboys" (2001) uralt.
Zu Donalds Ehrenrettung sei gesagt, dass er in Clints Weltallausflug auch bewusst älter dargestellt wurde, als er es im echten Leben mit seinen damals gerade mal 64 Jahren war (u.a. durch falsche 3. Zähne und falsche Halbglatze). :)
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

10361
iHaveCNit: Bros (2022) – Nicholas Stoller – Universal
Deutscher Kinostart: 27.10.2022
gesehen am 28.10.2022
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 11 – Reihe 16, Platz 15 – 20:00 Uhr


Mich haben in den letzten Jahren auch durchaus immer mal Filme begeistern können, die die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Männern zum Gegenstand hat, meistens im eher nischigen Arthouse-Sektor durch großartige Filme wie Xavier Dolans „Matthias & Maxime“ sowie Luca Guadagninos „Call Me By Your Name“. Doch im Bereich klassischer Rom-Coms ist die Repräsentation noch etwas ausbaufähig. „Bros“ von Nicholas Stollas schickt sich an, das zu ändern. „Bros“ hat mich begeistern können, auch wenn der Blick in die USA verrät, dass der finanzielle Erfolg leider ausbleibt und vorwiegend der traditionell-konservative, rechte Teil des Landes natürlich seine Probleme mit „Bros“ hat.

Bobby Leiber ist schwul, Podcaster, Aktivist und Museumsleiter eines Museums für die Geschichte der LGBTQ+-Geschichte. Doch nicht nur das. Mit mittlerweile 40 Jahren betrachtet er sich als emotional unfähig zu Bindungen. Bis er eines Abends im Club auf den gut aussehenden Aaron trifft, der ebenfalls seine Probleme mit Bindungen zu haben scheint. Eine Begegnung, die das Leben beider Männer ändern und auf die Probe stellen wird.

„Bros“ ist eine nach den klassischen, klischeehaften Regeln gestrickte Rom-Com geworden, die auch zeigt, dass es bei gleichgeschlechtlicher Liebe und Sexualität eben ähnliche Herausforderungen gemeistert werden müssen wie im üblichen heteronormativen Sinne klassischer Rom-Coms im Sinne „Boy meets Girl“. Das Interessante an Bros ist, dass er durchaus stellenweise in sich selbst ein Meta-Kommentar auf sich selbst ist. Am Drehbuch war auch Hauptdarsteller Billy Eichner beteiligt, der auch wie sein Co-Darsteller Luke McFarlane selbst homosexuell ist und damit im Film einen feinen, aus seiner Perspektive leicht authentischen Blick auf das Dating als Homosexueller liefert und mit welchen Herausforderungen und Klischees das Ganze verbunden ist. Natürlich liefert der Film auch einen leichten Blick in die Szene selbst und die Klischees und Widersprüche innerhalb von sowohl homosexuellen Männern als auch der LGBTQ+-Community, die aber weder aufklärend und belehrend in den Film integriert sind, sondern als in sich stimmiges Milieu etabliert werden, indem der Film spielt. Auch wenn nicht unbedingt jeder Gag des Films für mich gezündet hat und der Hauptprotagonist seine Sympathien erst erspielen muss, hatte ich meinen Spaß an „Bros“ und verstehe an der Stelle nicht, warum sich ausgerechnet ein traditionell-konservativer, rechter Teil der Gesellschaft durch einen solchen Film getriggert und angegriffen fühlt. Das ist kein Film für euch und was habt ihr für einen Anspruch an die Sexualität und sexuelle Identität anderer Personen ? Ich bin der Meinung, dass es hier konsequent um Koexistenz statt Konkurrenz gehen sollte und das nicht-heteronormative und heteronormative Beziehungen in unserer Welt und Gesellschaft gleichermaßen einen Platz verdient haben – und das auch auf der großen Leinwand des Kinos.

„Bros“ – My First Look – 8/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Zuletzt gesehener Film

10362
iHaveCNit
Spotlight-Sneak 02.11.2022
Überraschungsfilm in OmU mit unbekanntem Kinostart
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 21:00 Uhr


Spotlight Sneak Nummer 19 des Jahres 2022 für mich !

Wie immer ein Überraschungsfilm mit unbekanntem Kinostart aus dem Programm der Arthouse-Kinos Frankfurt – meist aus der kommenden oder übernächsten Kinowoche – Mit Anmoderation, gelegentlichem Gewinnspiel und am Ende darf eine Wertung abgegeben werden.

Das Ranking an der Stelle:

1. Come On Come On (1,9) / Der schlimmste Mensch der Welt (1,9)
2. Abteil Nr. 6 (2,0) / Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (2,0)
3. One Of These Days (2,1) / Triangle Of Sadness (2,1)
4. Belfast (2,2) / Was geschah mit Bus 670 ? (2,2)
5. Eine Sekunde (2,4)
6. Licorice Pizza (2,5) / Die Magnetischen (2,5) / Peter von Kant (2,5)
7. Spencer (2,7) /Sundown (2,7) / Mona Lisa and the Blood Moon (2,7)
8. Massive Talent (2,8) / November (2,8)
9. Der Gesang der Flusskrebse (2,9) / Das Glücksrad (2,9)
10. France (3,4)
11. Willkommen in Siegheilkirchen (4,6)

Der Hinweis war folgender:
Das heutige Filmland haben wir traditionellerweise eher selten bei uns auf den Leinwänden präsent, was schade ist, kommen in den letzten Jahren vermehrt starke Geschichten und Produktionen von dort. Der heutige Überraschungsfilm geht für die geheimnisvolle Nation als Beitrag für die Oscarverleihung 2023 als bester Internationaler Film ins Rennen. Für viele Sehnsuchtsort, mythendurchtränkt und definitiv touristisch immer eine Reise wert!

So manchmal kommt es auch vor, dass ich auf dem einen oder anderen Film schlafe und diesen auch nicht auf meinem Schirm habe. Das war dieses Mal der Fall. Der Film schafft es jedoch nicht ins reguläre Programm der Arthouse-Kinos und die Möglichkeiten nach dieser Sneak sind für mich eher rar gesät, womit diese Exklusiv-Vorstellung auch meine einzige Sichtung in den Kinos bleibt.

Die Auflösung:
In der gestrigen SPOTLIGHT-Sneak haben wir euch das isländische Sozialdrama BEAUTIFUL BEINGS von Guðmundur Arnar Guðmundsson gezeigt. Der Film ist isländischer Oscar-Kandidat von 2023 und startet bundesweit am 10.11. in den deutschen Kinos.
Bisher ist leider kein regulärer Start in den Arthouse Kinos Frankfurt geplant, daher handelte es sich bei der gestrigen Vorstellung um eine exklusive Frankfurt-Premiere. In einem isländischen Küstenstädtchen wird ein in der Schule brutal gemobbter 14-jähriger Junge von drei Gleichaltrigen zunächst fast widerwillig in ihrer Gang aufgenommen. In einem von schwerer Gewalt, Aggression und Verwahrlosung bestimmten Alltag erleben die neuen Freunde zusammen Abenteuer und Katastrophen, bei denen ihr enger Zusammenhalt der einzige Lichtblick ist.
Eure Bewertung = 2,0
Note 1 = 36x
Note 2 = 22x
Note 3 = 11x
Note 4 = 9x
Note 5 = 0x
Note 6 = 1x
Die kommende Spotlight-Sneak findet dann wieder am 16.11. in der Harmonie statt. Wir freuen uns auf euch.


Das Ranking an der Stelle:

1. Come On, Come On (1,9)
Der Schlimmste Mensch der Welt (1,9)
2. Abteil Nr. 6 (2,0)
Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (2,0)
Beautiful Beings (2,0)
3. Triangle Of Sadness (2,1)
One Of These Days (2,1)
4. Belfast (2,2)
Was geschah mit Bus 670 ? (2,2)
5. Eine Sekunde (2,4)
6. Licorice Pizza (2,5)
Die Magnetischen (2,5)
Peter von Kant (2,5)
7. Spencer (2,7)
Sundown (2,7)
Mona Lisa And The Blood Moon (2,7)
8. Massive Talent (2,8)
November (2,8)
9. Der Gesang der Flusskrebse (2,9)
Das Glücksrad (2,9)
10. France (3,4)
11. Willkommen in Siegheilkirchen (4,6)

Ich habe eine 2 vergeben – nach reiflicher Überlegung jedoch könnte das zu niedrig gewesen sein, da ich ihn punktemäßig bei 9/10 sehe.

Bisher vergebene eigene Noten Spotlight Sneaks 2022 (in Klammern 10er-Wertung):

1 – Spencer (9) / Licorice Pizza (9) / Come On Come On (10) / Triangle Of Sadness (10)
2 – Belfast (8) / Abteil Nr. 6 (9) / Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush (9) / Der Schlimmste Mensch der Welt (9) / One Of These Days (8) / France (8) / Eine Sekunde (9) / Die Magnetischen (8) / Der Gesang der Flusskrebse (6) / Peter von Kant (8) / Mona Lisa And The Blood Moon (8) / Beautiful Beings (9)
3 – Sundown (7) / Massive Talent (7)
4 – Willkommen in Siegheilkirchen (5)


iHaveCNit: Beautiful Beings (2022) – Gudmundur Arnar Gudmondson – Salzgeber
Deutscher Kinostart: 10.11.2022
gesehen am 02.11.2022 in OmU in der Spotlight-Sneak
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 4, Platz 9 – 21:00 Uhr


So manches Mal kommt es vor, dass auch ich einen Film nicht auf dem Schirm habe und im Rahmen einer Sneak überrascht werde – und das sogar auf sehr positiver Linie. Einer dieser Filme ist der isländische Kandidat für den Oscar in der Kategorie „Best International Feature Film“, der in Island unter „Berdreymi“ bekannt ist und international „Beautiful Beings“ heißt.

Der junge, etwas schmächtige Balli führt ein verwahrlostes, von Armut betroffenes Leben in den Vororten von Reykjavik. Seine Mutter ist drogenabhängig, seine ältere Schwester ist von zu Hause abgehauen und der Vater sitzt eine Haftstrafe ab, so dass Balli seine Tage allein verbringt und sowohl in der Schule als auch in der Freizeit brutal gemobbt und dabei sogar schwer verletzt wird. Bis er auf den jungen Addi trifft, der ihn entgegen den Willen seiner Kumpel Siggi und Konni in die Clique aufnimmt. Aus der langsam entstehenden Freundschaft scheint Balli endlich etwas Mut, Kraft und Hoffnung zu schöpfen, auch wenn sich die Clique in einem Strudel der Gewalt befindet, bis zu einer Entscheidung und entsprechenden Konsequenzen.

Mir gefallen Filme aus dem nördlichen Bereich Europas und auch Filme der Sorte „Milieustudie“, „Coming-Of-Age“ und „Sozialdrama“ gehören auf jeden Fall dazu.“Beautiful Beings“ ist wie bereits erläutert in den Vororten der isländischen Landeshauptstadt Reykjavik verortet und betrachtet dort vor allem die eher verwahrloste, von Armut betroffene und in prekären Verhältnissen lebende und gewaltbereite Jugend inmitten dieses sehr tristen, harten und hoffnungslosen Lebens. So mitfühlend ich am Ende für den jungen Balli bin – gerade weil ich in jungen Jahren auch in Ansätzen ähnliche Probleme hatte – so schön auch die Geschichte über Freundschaft und die wichtigen Erfahrungen und Herausforderungen im Heranwachsen von Jugendlichen ist – so hart und trist ist der Film dann auch, wenn die Gewalt ihren Platz einnimmt und dann auch die ein oder andere sehr harte Szene liefert. Interessant finde ich aus metaphorischer Sicht auch die Einbindung von feinen mysteriösen Elementen und kleineren befremdlich wirkenden visuellen Spielereien, die so passend ausgewogen sind, dass sie sich nicht wie ein unpassender Fremdkörper anfühlen. Schön, dass ich diesen Film im Kino sehen konnte.

„Beautiful Beings“ - My First Look – 9/10 Punkte.
Zuletzt geändert von HCN007 am 6. November 2022 20:23, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zuletzt gesehener Film

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The Nice Guys (2016)
Sehr kurzweiliger, amüsanter Thriller mit deutlichem komödiantischem Anteil. Der Humor ist zu keiner Sekunde deplatziert und fügt sich stimmig in die Handlung ein. Es wirkt im Vergleich zu anderen Filmen nicht erzwungen und passt perfekt. Gerade die Szene im Aufzug ist grandios 😂
Der Soundtrack passt (ich gebe zu ich habe eine Schwäche für 70s Rock ˋn Pop) und Ryan Gosling und Russell Corwe bilden ein klasse Duo.
Einziger Kritikpunkt ist, dass die Action nichts außergewöhnliches ist und nicht immer die Handlung weiterbringt.

7,5/10


The Batman (2022)
Anfang des Jahres mal im Kino gesehen. Das Seherlebnis wurde leider getrübt durch extrem schlechte Akustik, weshalb man das gesprochene Wort nicht verstehen konnte und sich extrem konzentrieren musste um überhaupt etwas zu verstehen.
Also jetzt im Angebot auf 4K bestellt und in Ruhe daheim angeschaut (mit guter Akustik 😉).
Für mich ist der Film eine durchaus gelungene Neuinterpretation der Figur Batman und des Charakters Bruce Wayne. Ich bin zwar auch Fan der Dark-Knight-Trilogie, die mir aber immer zu perfekt und auf Hochglanz poliert erschien und bei der das gewisse Etwas fehlte. Dieses Etwas hat der 2022er Film. Nicht zu viel Bombast, wenige, aber sehr gute Actionszenen, ein düsterer Look (der wie ich finde zu Gotham dazugehört, wie auch schon in den Tim Burton Filmen), ein minimalistischer, aber einprägsamer Soundtrack, tolle Charaktere, Detektivarbeit,….
Und trotz der fast 3 Stunden Laufzeit keine Minute zu lang.
Lediglich der finale Showdown mit Riddlers Anhängern kann nicht 100%ig überzeugen. Ansonsten ein perfekter Film.

9,5/10
No retreat, baby, no surrender

Re: Zuletzt gesehener Film

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iHaveCNit: Der Russe ist einer, der Birken liebt (2022) – Pola Beck – Port-Au-Prince
Deutscher Kinostart: 03.11.2022
gesehen am 04.11.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema - Lumiere – Reihe 5, Platz 12 – 18:00 Uhr


Genauso vielschichtig und vielseitig wie das deutsche Filmangebot ist auch die Romanverfilmung von Olga Grjasnowas Roman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ von Pola Beck, bei dem mich erst kurzfristig das Interesse gepackt hat und ich nun mich davon überzeugen konnte, dass es richtig war, ihn mir anzusehen.

Mascha ist multilingual versiert, angehende Dolmetscherin und in einer Beziehung mit Elias. Nachdem es zu einer folgenreichen Verletzung ihres Freundes kommt, gerät Mascha in eine orientierungslose Krise, in der sie sich Fragen nach Identität und Heimat stellt. Ihre Reise wird gleichermaßen eine Flucht vor als auch eine Suche nach ihr selbst sein.

„Der Russe ist einer, der Birken liebt“ ist ein verschachtelter, nicht linear erzählter Film, der uns genau durch seine Struktur in eine ähnliche Orientierungslosigkeit wie seine Hauptprotagonistin wirft. Der Film funktioniert für mich hier als sehr interessantes Charakterporträt einer vielschichtigen, vielseitigen und sehr widersprüchlichen Hauptprotagonistin, die von Aylin Tezel großartig gespielt wird und deren Performance mich sehr mitgerissen hat in diesem sehr rastlosen, treibenden Film, der sich durchaus auch Zeit für emotionale, tragische und intensive Momente lässt.

„Der Russe ist einer, der Birken liebt“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

10365
iHaveCNit: Menschliche Dinge (2022) – Yvan Attal – MFA+
Deutscher Kinostart: 03.11.2022
gesehen am 06.11.2022
Arthouse-Kinos Frankfurt – Kleine Harmonie – Reihe 3, Platz 9 – 14:45 Uhr


Mit einem Blick auf das Kinoprogramm fiel mir aus dem französischen Filmangebot vor einigen Wochen Yvan Attals Romanverfilmung „Menschliche Dinge“ ins Auge, dessen Ensemble und vor allem die Herangehensweise an sein sehr komplexes Thema angesprochen hat.

Alexandres Leben könnte nicht besser laufen. Der Sohn eines Fernsehjournalisten und einer feministischen Aktivistin studiert in Stanford und seine Zukunft könnte nicht besser aussehen. Bis er bei einem Aufenthalt in Paris seine Eltern besucht und bei einem gemeinsamen Abendessen nicht nur den Lebensgefährten seiner Mutter kennenlernt, sondern auch dessen Tochter Mila kennenlernt, die er auch am gleichen Abend noch mit auf die Party von Freunden mitnehmen kann. Der Schock folgt kurze Zeit später, denn Alexandre wird festgenommen. Der Vorwurf steht im Raum, dass Mila von ihm vergewaltigt worden ist. Ein Vorfall, der das Leben aller Beteiligten aus den Fugen reißen wird.

„Menschliche Dinge“ ist ein sehr stark gespielter und inszenierter Film geworden, der in seiner Struktur sich in 4 Kapitel unterteilt, die sich im ersten Abschnitt Alexandre, im zweiten Abschnitt Mila, im dritten Abschnitt einer Gerichtsverhandlung und im vierten Abschnitt den Schlussplädoyers widmet und als Justizdrama einen Vergewaltigungsfall verhandelt. Dabei hat er Zeit für sowohl intensive als auch feine zwischenmenschliche Momente. Das gesamte Ensemble hat diesen Film für mich mit Leben gefüllt. Und er zeigt wie vielschichtig, komplex und ambivalent das Thema verhandelt werden kann und dabei selbst zu Diskussionen und Interpretationen anregt, weil er unterschiedlichste Aspekte und Wahrnehmungen beleuchtet und auch die Zerrissenheit der unterschiedlichen involvierten Personen darstellt. Am stärksten waren dann auch Szenen und Momente, in denen die Kamera während der Gerichtsverhandlung die betroffenen Personen im Fokus die volle Bandbreite der Emotionen gezeigt hat – in einer einzigen Einstellung. Ähnlich wie eine Plansequenz während der gesamten Schlussplädoyers. Insgesamt ein Film, dessen Thema großartig verhandelt worden ist und der Grundlage für viele Diskussionen gibt.

„Menschliche Dinge“ - My First Look – 9/10 Punkte.
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