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Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 2. Dezember 2016 16:34
von Samedi
Das wär dem andern Maibaum nie passiert. :wink:

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 2. Dezember 2016 20:22
von Revoked
Samedi hat geschrieben:Das wär dem andern Maibaum nie passiert. :wink:
Gib mor mal die Adresswn von deinem Augenarzt.

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 25. Dezember 2016 17:14
von SirHillary
Immer wieder schön zu Weihnachten...

:-)

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 26. Dezember 2016 02:17
von Samedi
SirHillary hat geschrieben:Immer wieder schön zu Weihnachten...

:-)
OHMSS ist eigentlich immer schön. :wink:

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 26. Dezember 2016 22:02
von SirHillary
Das stimmt natürlich. Ganz ohne 'eigentlich'.

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 28. Dezember 2016 18:24
von Samedi
SirHillary hat geschrieben:Das stimmt natürlich. Ganz ohne 'eigentlich'.
Wohl wahr! :D

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 26. Mai 2017 15:42
von Henrik
Wurde dieser Fehler eigentlich schon mal angesprochen:
https://www.youtube.com/watch?v=11QOh1daDSU
http://www.autobild.de/bilder/auto-film ... tml#bild11

Glücklicherweise eher unscheinbar, das ist mir auch noch nie vorher aufgefallen.

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 26. Mai 2017 15:47
von Casino Hille
Doch, das ist ein ziemlich bekannter Goof in OHMSS. Also, zumindest ich kannte den schon. :D Wird glaube ich in den Extras der Ultimate Edition sogar angesprochen...

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 26. Mai 2017 21:29
von Henrik
Wenn man genau hinschaut merkt man aber, dass sich der Fahrer nicht so verhält, als hätte er sich gerade wirklich überschlagen.

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 25. Dezember 2017 03:06
von craigistheman
Mir fällt gerade ein, OHMSS ist mit Die Hard und The Hateful Eight mein ultimativer Weihnachtsfilm. Hab ihn neulich wieder auf deutsch gesehen, was die da mit der neuen Synchro veranstaltet haben - und das obendrein an Stellen, die nicht einmal hätten nachsynchronisiert werden müssen!!! - ist das reine Grauen. Hoffentlich kann ich die 2002er DVD noch irgendwo bekommen. Ist doch ein Trauerspiel sowas!

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 25. Dezember 2017 15:19
von Mr.Chrismas Jones
Deswegen gucke ich den Film auch immer im englischen Original.

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 27. Dezember 2017 14:56
von NickRivers
na ja: der Plot ist wirklich albern: Bond schleicht sich als Heraldiker und Ahnenforscher in Blofelds Bergfestung. Wird durch sein dumbes Helferlein, dem nichts blöderes einfält, den naiven Bergsteiger im Winter (!!) zu mimen (auf einen Berg, der leicht mit der Gondel erreichbar wäre) enttarnt. Blowy dumm wie immer erklärt Länge x Breite Bond sein wahrlich geniales Vorhaben: seine Models sollen Viren mit dem Parfumzerstäuber durch Hypnose in aller Welt verteilen; anstatt ihn einfach abzuknallen. Und dann bekommt er den Salat!
Zum Fremdschämen!

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 27. Dezember 2017 15:19
von Casino Hille
NickRivers hat geschrieben:Wird durch sein dumbes Helferlein, dem nichts blöderes einfält, den naiven Bergsteiger im Winter (!!) zu mimen (auf einen Berg, der leicht mit der Gondel erreichbar wäre) enttarnt.
Es ist ja schon echt drollig, dass du uns die Handlung des Films nacherzählst. Aber weißt du, Nick: Wir haben die Filme alle gesehen. Wach. Mit beiden Augen. Vollständig. Anders als du, denn der Gondel-Satz ist ziemlicher Kokolores. Immerhin wird im Film in einer Szene sehr deutlich gezeigt, dass das mit der Gondel nicht so einfach erreichbar ist, wie du es erläuterst. In Wahrheit ist der Berg in Blowys... Verzeihung, Blofelds Privatbesitz und die Gondel daher nur für Berechtigte.

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 27. Dezember 2017 15:23
von Maibaum
Das Nick auch immer wieder an eher einfachen Handlungen scheitert ist sicher kein Zufall ...

Re: Filmbesprechung: "On Her Majesty's Secret Service (OHMSS)"

Verfasst: 7. Februar 2018 08:50
von AnatolGogol
Im Geheimdienst Ihrer Majestät / On Her Majesty’s Secret Service (1969) – Peter Hunt

Durch das Ausscheiden ihres Zugpferdes Sean Connery auf dem Höhepunkt der Bondmanie der 60er Jahre befanden sich Harry Saltzman und Albert R. Broccoli in einer denkbar schwierigen Situation. Den EON-Machern war klar, dass jeder Nachfolger Connerys – und sei er noch so prominent - es zu diesem Zeitpunkt schwer haben würde in die gewaltigen Schuhe des bereits zum damaligen Zeitpunkt zur Ikone gewordenen Schotten zu treten. Nichtsdestotrotz hatten die Produzenten sehr genaue Vorstellungen, wie ihr neuer Hauptdarsteller auszusehen hatte: eine blendende Erscheinung von beeindruckender Statur mit einer außergewöhnlichen Ausstrahlung auf seine Mitwelt (besonders auf die weibliche). Vor allem sollte der neue Mann aber kein Star sein, da man ihn kontrollieren und formen wollte. Die Wahl fiel auf den bis dahin nahezu unbekannten Dressman George Lazenby, der in Aussehen und Statur sicherlich nicht von Ungefähr eine deutliche Ähnlichkeit zu seinem Vorgänger aufwies. Statt eines eigensinnigen und (verständlicherweise) zunehmend teurer werdenden Originals hatte man eine vermeintlich kontrollierbare und deutlich günstigere Kopie aus dem Ärmel gezaubert.

Über die Beweggründe für diese Entscheidung lässt sich freilich trefflich spekulieren. Die bereits angesprochene finanzielle Komponente sowie eine langfristige Planungssicherheit aufgrund einer vorgesehenen mehrjährigen und exklusiven Rollenbindung Lazenbys waren sicherlich die Hauptmotivation des Produzentenduos. Darüber hinaus ist es aber auch gut denkbar, dass aufgrund des massiven Erfolges der Serie man selbst mit einem völligen Neuling von einem Selbstläufer ausging. Und es wäre wohl nur menschlich, wenn auch der Gedanke an eine kleine Revanche mitgespielt hätte nach dem Motto: „seht her, der Erfolg ist im Produkt begründet, nicht in seinem Hauptdarsteller! Wir können nehmen, wen wir wollen!“. So oder so: EON ging ein nicht unbeträchtliches Risiko mit der Wahl eines Unbekannten ein, zumal Lazenby bis dato keinerlei schauspielerische Erfahrung vorzuweisen hatte.

Die Verantwortung den darstellerischen Novizen Lazenby fit für die Hauptrolle eines Multimillionen-Dollar-Films zu machen gedachte man Peter Hunt zu. Obwohl strenggenommen genauso ein Berufsanfänger wie sein Hauptdarsteller Lazenby (da zuvor nie eigenverantwortlich als Regisseur tätig), genoss er jedoch aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Editor und Bond-Veteran der ersten Stunde nicht nur hohes Ansehen bei den Produzenten, sondern war darüber hinaus ein bestens belesener Kenner des Flemingschen Kanons. Als solcher schien er prädestiniert den gemeinhin als Kronjuwel im Oevre des Autors angesehenen „On her Majesty’s Secret Service“ auf die Leinwand zu bringen.

Angesichts Hunts Begeisterung für Flemings Werk ist es keine Überraschung, dass OHMSS sich deutlich enger an seine literarische Vorlage hält als die direkten Vorgängerfilme (vor allem YOLT hatte sich diesbezüglich doch sehr große Freiheiten erlaubt). Aufgrund dessen kommt der Film auch erkennbar weniger formelhaft daher, gerade im Vergleich mit TB und YOLT. Der Spagat zwischen ernsthafteren und tiefergehenden Beziehungen zwischen den Charakteren (im Wesentlichen zwischen Bond und Tracy) einerseits und einem fantastischen Bedrohungsszenario andererseits ist erstaunlich selbstverständlich gelungen. Die Inszenierung blendet dabei den romantischen Aspekt der Bond-Tracy-Beziehung (welche in einer kurzen, aber im Zusammenspiel mit der sentimentalen Louis Armstrong Nummer „We have all the time in the World“ sehr effektiven Szenenkollage etabliert wird) im auf dem Piz Gloria spielenden Mittelteil bewusst aus und entpuppt sich dadurch in diesen Passagen als „normaler“ Bond-Film, bevor er ihn im finalen Drittel wieder aufgreift und den Film vorlagengetreu mit einem Paukenschlag in Moll ausklingen lässt.

Die Ausnahmestellung, die OHMSS innerhalb der Serie aufgrund der ungewöhnlich starken emotionalen Involvierung des Protagonisten genießt ist sowohl inhaltlich als auch inszenatorisch begründet. Neben der bereits erwähnten filmischen Kollage ist dies vor allem in der Rettung Bonds durch Tracy vor Blofeld und seinen Häschern in der Schweiz auffällig. Äußerst ungewöhnlich für die Serie ist hier, dass Bond kurz vor dem Treffen mit Tracy allein in einer scheinbar ausweglosen Situation in Szene gesetzt wird. Für einen kurzen Moment scheint Bond tatsächlich am Ende zu sein. Das wunderbar gefilmte Auftauchen (man sieht zunächst nur ihre Schlittschuhe) von und die damit einhergehende Rettung durch Tracy bekommt so ein viel stärkeres Gewicht als beispielsweise inhaltlich ähnliche Szenen mit Aki im direkten Vorgänger. Zudem erweitert diese Szene die Beziehung der beiden auch dadurch, dass die Rettung nicht nur auf vordergründiger Ebene erfolgt (also vor Blofelds Meute), sondern Tracy in letzter Konsequenz Bond auch vor sich selbst rettet (was sehr deutlich wird, als Bond ihr seinen Entschluss mitteilt, den Geheimdienst zu verlassen). Dies ist dann auch die Verknüpfung zwischen dem „klassischen“ Bond, der auf dem Piz sein amouröses „Unwesen“ treibt und dem „neuen“ Bond, der sich verliebt und eine Bindung eingeht. Durch diese unterschwellig moralisierende Komponente entfernt sich OHMSS dann auch sehr deutlich von seinen Vorgängern (und Nachfolgern), in welchen Bonds Rolle als nichts anbrennen lassender Womanizer nie in Frage gestellt wurde (jedenfalls hinsichtlich des „klassischen“ Kanons bis 1985/89 – je nachdem, wie weit man diesen fasst und ob man die „one-woman-policy“ von TLD als ähnlich moralisierend ansieht).

Ungewöhnlich ist darüber hinaus auch die Lauflänge des beinahe zweieinhalbstündigen Films. Auch wenn nie wirklich langatmig, so macht sich vor allem in den Szenen auf dem Piz Gloria durchaus eine gewisse Länge bemerkbar. Man sieht über eine recht lange Zeit hinweg Bond bei dessen amourösen Bemühungen zu. Diese sind zwar amüsant geschrieben und gespielt, gleichzeitig kommt die Handlung hier aber kaum voran bzw. wird durch die sich wiederholenden Szenen ausgebremst. Zudem hat der Film einige Szenen an Bord, die dramaturgisch nur bedingt notwendig sind und auf die man problemlos durch kleinere Änderungen im Drehbuch hätte verzichten können. Ich denke hierbei beispielsweise an die krawallige und auch nicht besonders gut in Szene gesetzte Stock-Car-Sequenz oder die Einbruchszene im Büro der Kanzlei Gumbold. Letztere ist zwar eine sehr schöne Fingerübung in Sachen Suspense, hält die eigentliche Handlung aber nur auf. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die gekürzte deutsche Kinofassung auf genau diese Szene verzichtet hat, ohne dass es dramaturgische Auswirkungen hatte. Letztlich leidet meines Erachtens OHMSS durchaus etwas an seiner langen Laufzeit, da eine straffere Handlungsentwicklung dem Tempo des Films gut zu Gesicht stehen würde.

A propos Tempo, dieses nimmt OHMSS vor allem in den Actionszenen auf, wodurch gerade nach der langen und recht ereignislosen Piz Gloria-Sequenz die von Willi Bogner konzipierte und vom späteren Bondregisseur John Glen überwachte Ski-Verfolgung eine ganz erstaunliche Dynamik gewinnt (wodurch der etwas lahmende Mittelteil des Films dann zumindest teilweise seine Berechtigung erhält). Egal ob vorwärts, rückwärts oder auf einem Ski fahrend: Bogner und Glen haben mit den spektakulären Ski-Stunts einen stilprägenden Meilenstein geschaffen, der fraglos zu den besten Actionszenen der Serie zu zählen ist. Ebenfalls höchst spektakulär sind alle Faustkämpfe, von denen es in OHMSS reichlich gibt. Neben Lazenbys bemerkenswertem Talent für solche handfesten Szenen ist es vor allem das gekonnte Zusammenspiel von Regie und Schnitt, wodurch die Schlagabtäusche ihre brachiale Wirkung erzielen (z.B. durch den effektiven Einsatz von Soundeffekten). Dieses ganz hohe Niveau können die restlichen Actionszenen nicht halten, da sowohl die Autoverfolgung (bei der wie bereits erwähnt eine Straffung nottun würde), als auch der weitgehend auf Schauwertbedienung setzende Sturm auf den Piz Gloria keine echten Highlights bieten. Dies gilt bedingt auch für die klimaktische Bob-Verfolgung, die zwar stunttechnisch gut umgesetzt ist, aber gleichzeitig auch unter den oftmals sehr unecht (da im Studio gedreht) wirkenden Inserts mit den Gesichtern der Schauspieler leidet. Auch wenn der Film in Punkto Setdesign deutlich reduzierter agiert und es keine Mega-Kulisse wie den gigantischen Adam-Krater in YOLT gibt, so wird dies durch die gut gewählte Location des Piz Gloria nahezu vollständig ausgeglichen. Das seinerzeit gerade erst entstandene Gipfeldomizil ist als Schurkenbastion und Schauplatz der finalen Actionszene perfekt gewählt und ermöglicht grandiose Alpenpanoramen.

Interessant ist das in OHMSS wiederkehrend betriebene Spiel mit dem Thema Zeit. Am auffälligsten sicherlich im Quasi-Titelsong „We have all the time in the World“ und daraus resultierend Bonds finalen Worten. Der Film greift dieses Thema aber auch an anderen Stellen auf, beispielsweise in der von Maurice Binder einmal mehr grandios kreierten Titelsequenz (in Form des durchs Stundenglas rinnenden Sands), mit Bonds Messerwurf auf den Kalender in Dracos Büro oder durch die gelungenen Anspielungen an die Vorgängerfilme, wenn Bond in seinem Büro Erinnerungen an vergangene Zeit(en) Revue passieren lässt (durch letzteres schafft der Film dann auch sehr elegant die Verbindung zur Connery-Ära). Ähnlich wie beim Motiv des „gerettet werden“ ist die Thematisierung von Zeit (und damit Vergänglichkeit) bemerkenswert, da man es in einem Bondfilm, noch dazu in einem der 60er Jahre und als direkter Nachfolger des Prototyps des (weitgehend) oberflächlichen Over-the-Top-Spektakels, nicht unbedingt erwarten würde.

Es war fraglos ein gewagter Entschluss der Produzenten Flemings Ende mit Teresas Ermordung so zu belassen und damit dem Publikum in der letzten Sekunde des Films einen echten Tiefschlag zu versetzen. Die Frage, ob es sinnvoller gewesen wäre, den Film nicht derart deprimierend enden zu lassen ist diskutabel. Als Alternativen wären in Frage gekommen, den Film direkt nach der Hochzeit enden zu lassen oder nach der Ermordung Teresas noch quasi die PTS aus DAF vorweg zu nehmen und damit Bond zumindest einen Teil-Erfolg in Form seiner Rache zuzugestehen. Beide Alternativen hätten dem Ende den trostlosen Eindruck genommen und dadurch insgesamt besser in den Gesamtkontext der Filmserie gepasst. Gleichzeitig muss man dem radikalen Ende aber auch zugestehen, dass es einer der Gründe für die Ausnahmestellung des Films innerhalb der Serie ist, da durch eine der angesprochenen Alternativen OHMSS fraglos konventioneller ausgefallen wäre (nicht zuletzt auch, da die „We have all the time in the World“-Szene dann weitgehend ihres Gewichts beraubt worden wäre – wenn es sie denn überhaupt gegeben hätte). Wie nachhaltig die Resonanz des Endes von OHMSS noch Jahrzehnte später spürbar ist zeigt die Tatsache, dass man sich bei der Verfilmung des dramaturgisch ähnlich düsteren Stoffes Casino Royale im Jahre 2006 bewusst dazu entschloss, den Film mit einer positiven, triumphierenden Szene zu beenden und eben nicht mit dem Tod Vespers.

Die PTS von OHMSS stellt für mich neben der Ski-Verfolgung den eigentlichen Höhepunkt des Films dar. Die komplette Sequenz ist prächtig gefilmt, auch da sich die Entscheidung im Zwielicht der Dämmerung zu drehen als goldrichtig erweist. Auch setzen die packenden und rauen Kampfszenen am Strand einen unerhört hohen Standard, den die nachfolgenden Actionszenen (sieht man von der Ski-Verfolgung ab) im besten Fall nur noch erreichen, aber nicht mehr überbieten. Im Zentrum steht natürlich die Einführung des neuen James Bond als Zwischending aus Hommage an Youngs Vorgehen in DN (auch dieses Mal ist wieder eine Fluppe unabdingbares Requisit, Bonds Gesicht wird lange nicht gezeigt) und eigenständigem Ansatz – letzteres vor allem durch den Einsatz von Witz (die klassische pointierte Auflösung der PTS „das wär dem Anderen nie passiert“) und Barrys nervös-treibender Musik. A propos Barry: mit OHMSS schuf er den fünften Klassiker in Folge ohne sich dabei zu wiederholen oder Qualität einzubüßen. Das Fehlen eines Titelsongs fällt überhaupt nicht negativ ins Gewicht, da sich das instrumentale Titelthema als enorm flott und eingängig erweist. Barrys Score brilliert nicht zuletzt im Spagat zwischen flotter Actionuntermalung und romantischen Momenten, die von ihm geschriebene melancholische Louis Armstrong-Nummer trägt einen nicht geringen Teil zur Glaubwürdigkeit der Liebesbeziehung zwischen Bond und Tracy bei.

Aufgrund der Neubesetzung der Bondrolle durch einen Nobody wurde bei der Verpflichtung der beiden anderen Hauptrollen Wert auf vergleichsweise große und potenziell zugkräftige Namen gelegt. Telly Savalas und vor allem die durch ihre Rolle als Emma Peel in der TV-Serie „The Avengers“ (deutsch „Mit Schirm, Charme und Melone“) zu Weltruhm gekommene Diana Rigg erfüllten diese Vorgabe mustergültig. Zwar stand Savalas noch vor seinem Karrierehöhepunkt als Theo Kojak, hatte sich aber längst als bekannter Darsteller in Großproduktionen etabliert und besaß damit ein ganz anderes internationales Gewicht (vor allem im Hinblick auf den so wichtigen US-amerikanischen Markt) als seine vorangegangenen Schurkenkollegen (mit der Ausnahme von vielleicht Pleasance).

So gelungen die Besetzung von Rigg und Savalas für sich genommen ist (Rigg ist das schauspielerisch vielleicht befähigtste Bondgirl und Savalas Blofeld-Darbietung strotzt nur so vor Charisma und Vitalität), so gnadenlos legt diese Konstellation die Defizite des eigentlichen Hauptdarstellers offen. Lazenbys Darstellung variiert zwischen ordentlich-zweckdienlich und hölzern-unbeholfen, was ihm aber vor allem abgeht ist die leinwandfüllende Ausstrahlung, nach der die Bondrolle förmlich schreit. Der Australier ist dabei noch nicht einmal schlecht, angesichts seines Anfängerstatus ist er sogar oftmals bemerkenswert gut, es gelingt ihm aber zu keiner Zeit dem Film seinen Stempel aufzudrücken und die Leinwand zu dominieren. Dies wird wie bereits angedeutet vor allem im direkten Kontrast zu Rigg und Savalas deutlich und es verwundert daher eigentlich auch nicht, dass zu Lazenbys besten Szenen die amourösen Episoden mit Blofelds darstellerisch auch nicht übermäßig talentierten Todesengeln gehören. So oder so: Lazenbys mangelndes Charisma erweist sich als durchgängige Bürde, da dem Film so das leuchtende Zentrum fehlt.

Absolut grandios ist hingegen Ilse Steppat als Blofelds Wachhund Irma Bunt. Die deutsche Charakterdarstellerin zieht in ihrer Rolle alle Register und steht Lotte Lenyas ähnlich angelegter Rosa Klepp aus FRWL in nichts nach. Ebenfalls eine echte Bereicherung des Films ist Gabriele Ferzetti als Draco. Seine joviale Vertrautheit lässt nicht von Ungefähr Erinnerung an Pedro Armandariz in FRWL wachwerden wie auch Ferzettis Darstellung in derselben Liga spielt wie die des großartigen Mexikaners. Und nicht zu vergessen: der einzigartige Gert Günther Hofmann sorgt durch seine gewohnt souveräne und erstklassige Synchronisation dafür, dass selbst der zuweilen hölzerne Schauspielnovize Lazenby in der deutschen Fassung humorvoll und elegant rüberkommt. Akustisch zumindest (wobei dadurch zugegebenermaßen auch der Eindruck einer Connery-Kopie weiter verstärkt wird).

OHMSS ist einer der erstaunlichsten Serienbeiträge, da es ihn eigentlich gar nicht geben dürfte. Die eindeutigen Tendenz hin zu immer mehr Spektakel und Oberflächlichkeit, zu Schauwerten statt Charakteren wird mit dem sechsten Beitrag der Serie nicht nur jäh unterbrochen, sondern in Teilen sogar auf den Kopf gestellt. Dies ist sicherlich zum Großteil der Vision Peter Hunts geschuldet Flemings Schlüsselwerk möglichst authentisch auf die Leinwand zu bringen. Auch erscheint es im Nachhinein äußerst ungewöhnlich, dass sich die ansonsten so dominanten Produzenten Saltzman und Broccoli hier weitgehend bedingungslos den Ideen Hunts anschlossen bzw. diese teilten (was sicherlich auch der Bewunderung für Flemings literarische Vorlage zu verdanken ist). Man kann aber wohl davon ausgehen, dass der eher verhaltene Publikumsanklang des Films die EON-Bosse dies im Nachhinein hat bereuen lassen, jedenfalls wurde mit dem im Anschluss produzierten DAF genau die Art Film gedreht, die man eigentlich der Serienentwicklung folgend bereits 1969 erwartet hätte (inklusive des Zurückgreifens auf so vertraute Schlüsselfiguren wie Guy Hamilton und Sean Connery).

Ungeachtet der filmhistorischen Einordnung muss man Peter Hunt jedoch Anerkennung für seine Leistung zollen – auch wenn ihm in seinem Erstling als Regisseur nicht alles gelungen ist. Viele Szenen weisen eine sehr eigenständige Handschrift auf und begeistern durch visuell elegante Ideen (etwa der zeitliche Wechsel von Tag zu Nacht über eine zeitgerafft eingebundene Hotelpool-Reflektion oder der örtliche Wechsel von der Schweiz nach London im Anschluss an die Lawine, bei welchem ein Teil der vorangegangenen Szene als Reflektion in Ms Fenster weiterläuft). Leider gelingt es Hunt nicht immer Tempo und Fluss des Films so zu kontrollieren, wie man (respektive ich) sich das wünschen würde und generell erweist sich die Laufzeit als mindestens 15-20 Minuten zu lang. Die wohl größte Bürde des Films ist aber die Absenz eines strahlenden, die Gesamtqualität verbessernden Hauptdarstellers, was besonders im Kontrast zu den diesbezüglich so vorbildlichen Filmen der Connery-Ära sehr augenscheinlich wird. Ebenso hätte gerade der in OHMSS vorhandene zusätzliche charakterliche Tiefgang einen erfahreneren und versierteren Schauspieler erfordert - der Rezensent erlaubt sich hier gerne den Hinweis auf Mr. Oliver Reed.

Wertung: 7 / 10