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von Casino Hille
'Q Branch' - MODERATOR
Ja, kann man, aber es ist in dem Fall ja ein Symptom dessen, was grundsätzlich bei dem Film schiefläuft. Charakterentwicklungen werden zurückgedreht, damit Figuren sich wieder wie damals benehmen, gleichzeitig sind die Figuren in Teil 2 nicht mehr "sie selbst", sondern vor allem, woran Fans sich erinnern. Miranda ist im Original keine Figur, die man wirklich mögen soll, aber sie ist ikonisch geworden, Fans mögen sie (oder mögen es, sie zu hassen), also spielt Streep jetzt keine logische Weiterentwicklung von Miranda, sondern die Figur, zu der die Fans Miranda in ihrem Kopf zwanzig Jahre lang gemacht haben. Das ist alles sehr anbiedernd - und wenn man ehrlich ist eben voll und ganz PC.
Auch die Auflösung des Plots ist extrem fragwürdig. Der erste Film (und das Buch, auf dem er basiert) hatte einen system- und kapitalismuskritischen Unterton, einen Subtext. Teil 2 hingegen erklärt, dass das System und die Superreichen überhaupt kein Problem sind, solange es töfte Typen (oder Typinnen, weil eben PC-freundlich) sind.
Da geht vieles sehr gegen das Original, und es ist bizarr, dass das von quasi demselben Ensemble samt selber Crew stammt. Sagt aber auch wieder viel darüber aus, wie egal den Leuten bei diesen Nostalgie-Nachklapps das alles ist. Hauptsache Hathaway, Blunt, Tucci und Streep sind wieder zusammen zu sehen, und es "erinnert" irgendwie an den ersten Teil. Das reicht schon. Wer stellt da noch Fragen? Ach ja, 3/10.
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Let the sheep out, kid.