Ah, Daniel sehr schön, du schaust also auch Discovery. Bin gerade mit Folge 4 durch, keine Ahnung, warum ich für die jetzt so lange gebraucht habe. Wobei, eigentlich doch. Habe nämlich längst keine Lust mehr, weiterzuschauen und werde nur noch davon motiviert, dass ich zumindest die erste Staffel vervollständigen möchte.
Ich finde nicht, dass alles schlecht ist an der neuen Serie. Interessant finde ich an Discovery, daß die Geschichte diesmal nicht aus der Sicht eines "perfekten" Führungsoffiziers gezeigt wird. Auch der unkonventionelle Captain scheint interessant zu werden. Nicht, dass ich seine Methoden gut finde, aber es ist halt mal was anderes. Man wird sehen und lässt viel Spielraum für die Charakterentwicklung.
Leider handelt es sich bei DIS nicht um eine Star Trek-Serie, sondern um reinen Etikettenschwindel. Hier wird eine bekannte und etablierte Marke dazu verwendet um Abos zu verkaufen. Ziemlich traurig. Leider ist die gesamte Handlung und die Charakterisierung so unintelligent, dass man fast schon schreien möchte. Meiner Meinung nach hat es auch nichts mit modernen oder altmodischen Sehgewohnheiten zu tun, wenn man solch klaffende Logik- und Handlungslöcher produziert wie hier. Von allem anderen ist dabei noch gar nicht die Rede. Thematisch und atmosphärisch liegt man natürlich voll im Trend. Dadurch schafft man es auch sehr gekonnt austauschbar und generisch zu werden. Wenn das das Ziel der Serie (und alle Beweise sprechen dafür), dann herzlichen Glückwunsch. Mission erfüllt. Alleinstellungsmerkmale? Fehlanzeige.
Die Charaktere gleichen sich irgendwie auch alle:
Captain Lorca- ein gefühlskalter, irrationaler Veteran mit Persönlichkeitsstörung, der über Leichen geht.
Michael Burnham- eine gefühlskalte Veteranin, auf der verzweifelten Suche nach einem zweiten Gesichtsausdruck.
Lt. Stamets- ein gefühlskalter Wissenschaftler, dessen Gewissen nur bis zur nächsten Durchsage des Captains reicht.
Cmdr. Landry- eine gefühlskalte, antagonistische Sicherheitschefin, die in einer derartig unfassbar dummen Aktion ums Leben kommt, dass man sich wundern muss, wie sie es überhaupt geschafft hat einen Schulabschluss zu erreichen oder sich selber die Uniform zuzumachen.
Kadettin Sylvia Crusher- warum genau ist eine Kadettin an Bord eines Schiffes, dass eine hochgeheime Technologie entwickelt und weshalb genau hat sie Zugang zu allen sensiblen Systemen des Schiffes und nimmt an kritischen Außenmissionen teil?
Cmdr. Saru- der allen gegenüber feindselige Sidekick.
Es wird viel heiße Luft gemacht und man hat das starke Gefühl, dass alle in der Crew gegeneinander arbeiten. Wo ist der Gemeinschaftssinn? Die Atmosphäre ist derartig dunkel, dass das ganze einfach überhaupt nichts mehr mit Star Trek zu tun hat. Und die Klingonen... oh je. Die Klingonen sind absolut lächerlich. Die Kostüme sehen aus wie der Karneval des Schreckens und schränken die Schauspieler dermaßen ein, dass sie wirken wie die Hauptdarsteller in "die Dinos".
Ständige Versuche eine gewisse Pseudo-Kontinuität zu erzeugen tun ihr Übriges. Tribbles (ich kann die Viecher nicht mehr sehen), Gorn, das Haus Kor, Corvas II usw. usw. Bunt zusammengewürfelt, egal ob es passt oder nicht, Hauptsache ein paar bekannte Namen genannt, damit auch keiner behaupten kann, die Fans lägen einem nicht am Herzen... Ziemlich durchschaubar, ziemlich schwach. (P.S.: Warum sehen wir in den Reboots eigentlich nie bekannte Spezies? Das würde wenigstens optisch etwas dazu beitragen ein gewisses Star Trek-Gefühl zu erzeugen. Zwar spielen "Klingonen" und Vulkanier eine Rolle, aber sonst? Das macht das ganze noch generischer, als es eh schon ist.)
Enttäuschend und traurig ist, dass die Produzenten zu Beginn darauf beharrt haben, dass sich DIS in den bestehenden Canon einfügen wird und die Werte und vor allem der Zukunftsoptimismus von Star Trek beherzigen wird.
Pustekuchen! Leider war das nur heiße Luft. Optisch und inhaltlich ist das Ganze so weit von echtem Star Trek entfernt, dass es keine Chance gibt, dass ganze noch in das Gesamtbild zu zwängen. Hierbei drängt sich mir der Verdacht auf, dass versucht wurde Fans wie mich dazu zu bringen All Access zu abonnieren, die das nicht getan hätten, wenn man wahrheitsgemäß gesagt hätte, dass man einen kompletten Reboot plant. Schäbig.
Besonderes Highlight in Episode 4: das Dahinscheiden von Landry.
5 Minuten vorher reden sie noch davon, dass Phaser dem Tierchen nichts anhaben können und dann steht die Trulla da mit einem verdammten Phaser und sagt "Mach mal die Tür auf". Unglaublich.
Die wollen einem also weismachen, dass man mit solch irrationalem Verhalten rechnen muss, wenn man eine Frau zur Sicherheitschefin macht. Really?
Die brauchen nicht nur einen neuen Sicherheitschef, die brauchen endlich mal einen Arbeitsschutzbeauftragten, der da für Ordnung sorgt!