Also: Ich liebe den Blofeld der Sechziger, aber was man hier gemacht hat, finde ich einfach unwürdig; sorry. Spectre ist kein schlechter Film, aber die ganze Blofeld-Geschichte ärgert mich einfach immer mehr; je öfter ich den Film sehe.
Auch wenn ich die Abneigung von Mr. Christmas Jones bezüglich Christoph Waltz nicht teile, muss ich doch auch sagen, dass ich ihn als Blofeld höchstens durschnittlich finde. Wäre er einfach nur Franz Oberhauser, Spectre`s Vize/Nummer Zwei oder so gewesen, wäre es okay gewesen. Aber Blofeld?? Waltz gelingt in Spectre einfach zu wenig, um ein würdiger Blofeld zu sein. Seine ganzen Vasallen LeChiffre, Greene und Silva waren jeder für sich erfolgreicher als der große Boss mit seiner Monsterorganisation. Das ist schon irgendwie schwach. LeChiffre und White haben Vesper auf dem Gewissen, Greene hat die Tode von Mathis und Fields zu verantworten und Silva M ermordet. Irgendwie kann ich es Oberhauser nicht abnehmen der Strippenzieher hinter alledem zu sein, da man vor Spectre nie, nie etwas von ihm gesehen oder gehört hat. In keinem der drei Filme gibt es einen Hinweis auf ihn oder einen großen Hintermann mit Hassgedanken oder Masterplan. Man hatte also keinen Plan, wo es eigentlich hingehen sollte. Na super. Können die Produzenten etwa nicht weiter als einen Film denken??
In den alten Filmen wurde die Figur Blofeld Schritt für Schritt geheimnisvoll und bedrohlich aufgebaut. Jetzt bringt man ihn für einen Film zurück und entzaubert ihn gleich komplett. Alle seine Vorhaben scheitern, er kann Bond nicht nachhaltig schaden, und am Ende kauert er wie ein hilfloser Käfer am Boden. Den Bruderkomplex zu Bond finde ich zwar auch deplatziert, aber letztlich nicht so dramatisch. Viel schlimmer finde ich, dass der Mastermind Blofeld in diesem Film geradezu vorgeführt wird. Mag sein, dass er wiederkommen wird, mag sein, dass Bond im nächsten Film vielleicht mehr leider muss; das wird kaum etwas an der mageren Neuinterpretation dieser Figur ändern. Ich nehme es Oberhauser einfach nicht ab, dass übermächtigen Verbrecher und Psychopathen wie LeChiffre, Mr. White und vor allem Silva unter ihm "gedient" haben sollen. Bei White funktioniert das nur, weil man bei seinem Charakter ein 180-Graddrehung vollzogen hat. Streng genommen sind der White aus Spectre und der aus den anderen Filmen zwei verschiedene Persönlichkeiten. Dem White aus Casino Royale und Ein Quantum Trost hätte ich nie abgenommen, unter dem Kommado von so einem blassen, jüngeren Charakter wie Oberhauser zu stehen. All diese Schwächen muss man jedoch den Autoren ankreiden. Waltz macht ja noch das beste draus.
Trotzdem finde ich ihn beileibe nicht ideal besetzt, eben weil seine Figur genau wie bei Bond größer ist, als der Schauspieler. Blofeld ist der Oberschurke schlechthin. Bei vielen Zuschauern merkte man aber mehr Reaktionen wie "Ach ne, ist ja der Waltz. War ja klar, dass der mal wieder der Böse ist." Blofeld ist für mich ein geheimnisvolle, chamäleonhafte Figur. Da empfinde ich einen berühmten Schauspieler, der auch noch so eine Bösewichtvergangenheit mit sich rumschleppt, als kontraproduktiv. Pleseance, Savalas und Gray waren in den Sechzigern auch keine Stars. Eigentlich hätte es jemanden wie Jesper Christensen für die Rolle gebraucht; dummerweise war der ja schon Mr. White. Irgendwo habe ich gelesen, wieso man nicht Werner Herzog als Blofeld besetzt hat. Leider hatten diese Idee schon die Macher von Jack Reacher. Aber die Grundidee finde ich super. Hier hätte ich ein raffinierteres Casting für angebracht gefunden. Waltz ist letztlich - ohne ihm etwas böses zu wollen - zu sehr eine "Nummer Sicher"-Personalie. Aber das ist mein persönlicher Geschmack. Ich finde Waltz eigentlich ganz gut. Die Autoren und Script-doctors haben es aber am Ende schlicht vermasselt.
