Casino Hille hat geschrieben:Der Ölprinz
Harald Philipp saß dies mal auf dem Regiestuhl.Zum Glück!Keine Ahnung warum dieser Film oft als langweilig bezeichnet wird denn er ist alles andere.Erstmal wieder Stewart Granger der wieder eine großartige Leistung ablieferte.Dann die großartigen Floßaufnahmen und (viele werden es mir übel nehmen) die super witzigen Szenen mit Heinz Erhardt.Die Schießereien sind auf gewohntem Nievau und Pierre Brice überzeugt wie immer als Winnetou.Einzig die zum x-ten Mal erzählte Story mit dem toten Häuptlingssohn wirkt etwas langweilig beim 100-Mal sehen.Dem spannenden Action-Western tut das aber keinen Abbruch.
9/10
Interessante Sichtweise! Ich sehe Unter Geiern und den Ölprinzen gerade anders rum, bewertungstechnisch würde ich aber bei beiden doch einiges niedriger ansetzen (eher so 7,5 vs 5,5). Was mich beim Ölprinzen immer am meisten gestört hat ist zum einen die völlig beliebige und so oft in den Karl-May-Filmen abgenudelte Story vom Weissen Schurken, der die gutgläubigen Indianer gegen die guten Weissen Siedler/Eisenbahner oder was auch immer aufhetzt. Wirklich entäuschend finde ich dabei, dass mit zunehmender Dauer diese Problematik innerhalb der Karl-May-Western immer schlimmer zu Tage tritt. Hatten zB Winnetou 1 und 2 (und bedingt auch 3) abseits des Standardthemas wenigstens noch interessante Nebenthemen wie den Eisenbahnbau, die Blutsbrüderschaft, die Befriedung durch die US-Army oder die Friedensverhandlungen zwischen Weiss und Rot, so ist der Ölprinz schon ein gutes Beispiel für den zunehmenden Qualitätsverlust der Handlung innerhalb der Serie und das zunehmende Verharren auf den etablierten Standards. Der Ölprinz hat leider keine interessante Nebenhandlung, er wärmt dafür aber viele Sachen auf, die im „Vorgänger“ Unter Geiern so gut geklappt haben (den Siedlertreck, die Gangsterbanden (Geier vs Finders), das Aufklären eines Missverständnisses zwischen Rot und Weiss durch Surehand in letzter Minute), dies alles aber weit weniger überzeugend und weitgehend losgelöst von einer plausiblen Handlung. Noch deutlicher wird dieses Aufwärmen und Verharren in Bewährtem (allerdings ohne die durchaus vorhandene Qualitäten der Erstlinge) dann in den weiteren Serienbeiträgen, Old Surehand ist hier leider ein Negativbeispiel.
Des weiteren leidet der Ölprinz meiner Meinung nach an einem fehlbesetzten Schurken. Es ist mir eigentlich unverständlich, warum Leipnitz in der einschlägigen Literatur durch die Bank gelobt wird für seine Darstellung (im Gegensatz zB zu dem meist kritisierten Rupp). Für mich ist er den ganzen Film über viel zu passiv und ausschliesslich aufs Intrigieren konzentriert. Natürlich ist dies mal ein etwas anderer Ansatz, aber er funktioniert meiner Meinung nach nicht, da man Leipnitz vieles einfach nicht abkauft (zB die Blutsbruderschaft mit dem Häuptling). Auch die Nebenhandlung um seinen betrügerischen Ölquellenverkauf hängt handlungstechnisch völlig in der Luft und hilft auch nicht wirklich bei der Charaktererklärung weiter.
Die Action ist passabel, kann aber meiner Meinung der in Unter Geiern nicht annähernd das Wasser reichen. So ist zB ist der „Angriff“ der Indianer am Schluss auf den Siedlertreck ein schlechter Scherz (mit einem mit dem Tomahawk Pfeile abwehrenden Winnetou) gegenüber dem Vohrerschen Spektakel im Vorgänger. Die Flossszene reisst manches raus und ist für damalige Verhältnisse gut gemacht, auch die zwar erkennbaren Studioinserts sah man in Filmen damaliger Zeit schon bedeutend schlechter.
Granger ist auch diesmal eine Wucht, Brice spielt seinen Winnetou diesmal (gerade im Vergleich zu Unter Geiern) weitaus weniger entrückt, was sich unter anderem darin äussert, das er erstmals (und ich glaube auch einmalig) mit Surehand einen anderen duzt. Das könnte aber auch nur ein Versäumnis der Synchro gewesen sein. Jedenfalls verhält er sich bei weitem nicht mehr so distanziert gegenüber Granger wie im Vorgänger, was dem Film gut tut. Erhardt und Srdoc harmonieren prima und trotz aller gemeinhin geäusserter Kritik sorgen die zuweilen mehr als skurrilen Diaologe der beiden in meinen Augen für echte Highlights. Neben dem bereits erwähnten und mir eher negativ aufgefallenen Leipnitz bietet die Besetzung ansonsten halt nur altbewährtes wie Walter Barnes der zum gefühlt 20. mal die gleiche Rolle spielt (und mal wieder stellvertretend das Hohelied auf das „Deutschtum“ singen darf mit seiner Anbetung der von Antje Weissgerber gespielten Frau Ebersbach („Sie achtet sehr auf Disziplin und Ordnung, sie ist eine Deutsche!“)). Girotti darf diesmal ein bisschen mehr spielen als immer nur den guten, braven Burschen und lässt hier und da schon mal den Schalk seiner späteren Terence Hill-Rollen aufblitzen. Alles in allem spielt er wie immer bei Karl May aber auch hier die gleiche Rolle.
All das macht für mich aus dem Ölprinzen nur einen durchschnittlichen Film, bei dem man in meinen Augen viel Potenzial verschenkt hat. Granger meinte während des Drehs zu Wendlandt: „Du kannst diese Filme noch viele Jahre weiterproduzieren, du musst sie nur jedes Mal besser und besser machen!“. Damit traf er genau den Punkt, leider war genau das Gegenteil der Fall und man verharrte in den immergleichen Klischees. Das in Kombination mit der Übersättigung des Publikums durch zu viele Produktionen in zu kurzer Zeit liess die Karl-May-Ära dann auch schneller vorbei sein als es viele gedacht hatten. Für durchschnittliche Einspielergebnisse waren die Filme dann eben auch viel zu teuer (im Gegensatz zB zu den noch einige Jahre mehr oder weniger erfolgreich laufenden Wallace-Filmen).
Übrigens habe ich vor ein paar Tagen seit langem mal wieder den ersten Teil von Winnetou gesehen und war sehr angetan, der Film gefiel mir genauso gut wie Unter Geiern. Das Reinlsche Kontrastprogramm zur Vohrerschen straffen Action mit viel gelungener Stimmungserzeugung und der viel zitierten Mayschen Wildwest-Romantik funktioniert in diesem Film so gut wie in keinem anderen. Das liegt sicher auch an der dramatischen Handlung (mit Klekhipetra, Nschotschi und Intschutschuna müssen gleich drei Sympathieträger sterben, der Film entlässt einem doch sehr melancholisch) und der perfekt eingefangenen jugoslawischen Natur (die hier noch nicht den permanenten Deja-Vu-Effekt vermittelt wie in den späteren Filmen). Die Unterschiede zwischen Reinl und Vohrer sind fast so ein bisschen wie zwischen Ford und Hawks, natürlich in kleineren Dimensionen. Das war schon richtig großes Kino aus Deutschland! Schade, dass es so etwas heutzutage nicht mehr gibt.