GoldenProjectile hat geschrieben: Auch wenn der Film auf einem Theaterstück basiert und ganz ähnlich konzipiert ist, hat Lumet die Schwüle und Enge des Szenarios visuell beinahe greifbar festgehalten.
Nicht nur beinahe, die Hitze im Raum IST völlig greifbar und überträgt sich auf den Zuschauer, dazu kommt natürlich noch, wie Lumet durch kleine Tricks (bei fortwährender Laufzeit ist die Kamera immer näher an den Protagonisten dran) eine zunehmende Nervosität entwickelt, die sich jedes Mal bei mir breitmacht, wenn ich den Film wieder schaue. Und wenn es dann regnet und die Hitze sich in befreiende Frische auflöst, dann ist das immer ein einmaliger Moment für mich in der Filmgeschichte, wenn Lumet so die Schwüle wegnimmt und nur die aufgebaute Nervosität übrig bleibt. Das ist ganz großes Kino. Und viel intelligenter als das moderne Theater.
Maibaum hat geschrieben:Ich empfinde auch die Dialoge und die Schauspielerei als eher theaterhaft.
Das ist eine interessante Ansicht. Ich finde eigentlich, dass mir spontan kaum ein Film einfällt, in dem alle Darsteller (in diesem Fall sind es fairerweise auch "nur" 12) so perfekt besetzt sind, wie hier. Fonda und seine Gegenspieler Cobb und Begley sind so gut wie wohl nie wieder in ihren Karrieren. Balsam, Klugman, Voskovec, Warden und Marshall, die alle fünf oft vergessen werden, wenn über den Film gesprochen wird, trumpfen mit einem sehr authentischen Spiel und auch der restliche Cast lebt stets die jeweilige Rolle auf der Leinwand. Da sehe ich kein theatralisches oder überdramatisiertes Auftreten, sondern absolut lebensnahes Schauspiel, dass man so nur selten geboten bekommt. Dass Lumet dazu auch noch ein Regisseur war, der ohnehin immer eine exzellente Schauspielführung hatte, also aus seinen Darstellern stets das Optimum an Leistung herauskitzelte, sieht man diesem Film hier mehr als an. Ich kann verstehen, wenn man das Setting und die Idee hinter dem Film als theaterhaft empfinden mag, aber im Film selbst sehe ich besonders an den Darstellern nichts, was bei mir diesen Gedanken aufkommen lassen würde. Und die Dialoge sind eigentlich eine Aneinanderreihung an grandiosen Wortgefechten, die man sicherlich teilweise (nicht alle!) so auch im Theater finden könnte, die aber genauso auch filmischer Natur sind.