Welcher Film von Christopher Nolan ist der Beste?

Following (1998) (Keine Stimmen)
Memento (2000)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 6 (15%)
Insomnia (2002) (Keine Stimmen)
Batman Begins (2005)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (3%)
Prestige (2006)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 5 (13%)
The Dark Knight (2008)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 7 (18%)
Inception (2010)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 5 (13%)
The Dark Knight Rises (2012)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (3%)
Interstellar (2014)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 5 (13%)
Dunkirk (2017)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (3%)
Tenet (2020)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 4 (10%)
Oppenheimer (2023)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 4 (10%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 39

Re: Grasp for resonant symbols – Die Filme des Christopher Nolan

1936
00T hat geschrieben: 6. Mai 2026 00:44 Eigentlich ist die Odyssee die Geschichte eines Spätheimkehrers, der sich fragen muss, ob er in seiner Heimat überhaupt noch erkannt und angenommen wird, und sich letztlich seinen Platz zurückkämpfen muss.
Das ist mir etwas zu pauschal. Ja, das "Nach Hause kommen" ist ein sehr wichtiges Thema der Odyssee, aber es ist nicht das einzige und je nach Übersetzung auch nicht unbedingt das Bestimmende. Genauso lässt sich die gesamte Erzählung als eine Allegorie auf Theoxenie, die altgriechische Idealvorstellung von tugendhafter Gastfreundschaft deuten.

Man muss vielleicht auch dazu sagen, dass sich über die Odyssee nicht so sprechen lässt wie über heutige Romane. Es gibt die Odyssee und es gibt die Odyssee. Das Homer'sche Gesamtwerk "Odyssee" ist - wie du beschrieben hast - in 24 Bücher bzw. Gesänge aufgeteilt, wobei nur die Bücher 9 bis 12 tatsächlich Odysseus Irrfahrten beschreiben. Die acht Bücher zuvor schildern hauptsächlich das Wirken der Götter, Telemachos nach seinen Vater suchen zu lassen und Odysseus von der Insel Ogygia loskommen zu lassen. Die Bücher 13 bis 24 behandeln dann die Heimkehr Odysseus nach Ithaka, und seine Rückeroberung der verlorenen Heimat.

Das Kernwerk der Odyssee, die von vielen Forschern als der zentrale Mythos gesehen wird, ist aber die Erzählung der Bücher 9 bis 12, also die tatsächliche Geschichte der Irrfahrten. Man geht in der Regel davon aus, dass dieses Märchen (es ist schon im Werk selbst als ein solches codiert, da Odysseus es selbst als Geschichte erzählt) das ursprüngliche Epos ist, welches später um weitere Elemente erweitert wurde. Die ersten vier einleitenden Bücher etwa über seinen Sohn Telemachos werden daher oft auch als die Telemachie bezeichnet, also wie ein eigener vorangestellter inhaltlicher Brocken behandelt. Die Rückkehr nach Ithaka samt Freiermord (auch als Mnesterophonia bekannt) ist dann für sich wieder angereichert durch verschiedene Einzelgeschichten, so bestehen mehrere Bücher hauptsächlich daraus, dass Odysseus in der Gestalt eines Bettlers namens Aithon auf Ithaka unterschiedliche Märchen über seine Herkunft erzählt, um seine wahre Identität zu verschleiern.

Man geht davon aus, dass der Mythos um den Heimkehrer Odysseus - also die Ithaka Geschichte - als Erzählung bereits lange vor der Odyssee in der jetzigen Form existierte, und dort nur im Zusammenhang mit anderen Kurzepen (deren Zusammenschluss die Irrfahrten bilden) sozusagen kanonisiert wurde. Die Telemachie kam wahrscheinlich erst deutlich später dazu.
00T hat geschrieben: 6. Mai 2026 00:44 Die homerische Odyssee ist jedenfalls nicht wirklich ein Abenteuer-Stoff, auch wenn ihr Name mittlerweile synonym damit geworden ist.
Doch, die homerische Odyssee ist letztlich eben doch ein Abenteuer-Stoff, sogar einer der ursprünglichen Abenteuer-Stoffe. Womit du aber recht hast ist, dass die Heimkehr und die desillusionierende Wirkung der Heimkehr aufgrund der Unwiederbringlichkeit alter Zeiten (nach Heraklit: "Man steigt nicht zweimal in denselben Fluss") in einer Adaption nicht ausbleiben dürfen, zumindest in einer heutigen, die den Spagat schaffen muss, in der Odyssee Themen zu identifizieren, die heute noch mit Menschen räsonieren.

Hat hier eigentlich jemand "Rückkehr nach Ithaka" mit Ralph Fiennes als Odysseus gesehen? Dieser Low-Budget-Film konzentriert sich nur auf den zweiten Teil der Homer'schen Odyssee, überspringt die Irrfahrten komplett und zeigt ausschließlich die Zeit ab Odysseus erfolgreicher titelgebender Rückkehr. Durchaus eine Empfehlung für am Stoff Interessierte:

https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

Let the sheep out, kid.

Re: Grasp for resonant symbols – Die Filme des Christopher Nolan

1938
Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
Welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung,
Vieler Menschen Städte gesehn, und Sitte gelernt hat,
Und auf dem Meere so viel' unnennbare Leiden erduldet,
Seine Seele zu retten, und seiner Freunde Zurückkunft.
Aber die Freunde rettet' er nicht, wie eifrig er strebte,
Denn sie bereiteten selbst durch Missetat ihr Verderben:
Toren! welche die Rinder des hohen Sonnenbeherrschers
Schlachteten; siehe, der Gott nahm ihnen den Tag der Zurückkunft,
Sage hievon auch uns ein weniges, Tochter Kronions.
Ich würde ja gerne behaupten, meine Odyssee-Ausgabe gelesen zu haben, aber weiter als bis Zeile 10 habe ich es nie geschafft.
"Der Baggersee war Ozean, die Ente war ein Schwan, ein Topf ein Hut, damals hinterm Mond."

Re: Grasp for resonant symbols – Die Filme des Christopher Nolan

1942
Casino Hille hat geschrieben: 6. Mai 2026 12:12 Frei nach Mr. White: Homer ist nicht für jedermann. :wink:
Mein Homer steht in der Schmähecke meines Bücherregals neben Proust's "Suche nach der verlorenen Zeit", dem "Dritten Buch über Achim" von Uwe Johnson und einigem von Pynchon. Im Moment des Erwerbs fühlt man sich noch sehr intellektuell.
"Der Baggersee war Ozean, die Ente war ein Schwan, ein Topf ein Hut, damals hinterm Mond."

Re: Grasp for resonant symbols – Die Filme des Christopher Nolan

1943
Casino Hille hat geschrieben: Das ist mir etwas zu pauschal. Ja, das "Nach Hause kommen" ist ein sehr wichtiges Thema der Odyssee, aber es ist nicht das einzige und je nach Übersetzung auch nicht unbedingt das Bestimmende. Genauso lässt sich die gesamte Erzählung als eine Allegorie auf Theoxenie, die altgriechische Idealvorstellung von tugendhafter Gastfreundschaft deuten.
Klar, ein so komplexes Werk wie die Odyssee auf ein einzelnes Thema festzulegen ist zu pauschal (das gilt dann aber auch dafür, die Seeabenteuer als den eigentlich wichtigen Teil dieses Mammutwerks anzusehen, wenn noch so viel anderes geschieht). Was Ilias und Odyssee so besonders macht, ist ja gerade die Neuanordnung von mündlich tradierten Mythen in einer Struktur, wie sie erst durch die Schriftlichkeit und die damit zugrundeliegenden Möglichkeiten der Planung einer Erzählung über einen riesigen Umfang hinaus realisierbar wurde. Meines Wissens nach geht die Forschung mittlerweile auch eher von einer direkten Gesamtkomposition des Epos aus, und nicht von einem Stückwerk verschiedener Kleinepen zu einem großen. Dazu sind die einzelnen Teile zu sehr miteinander verwoben, gerade die Telemachie bildet einen essentiellen Bogen zum Geschehen auf Ithaka in der zweiten Hälfte des Epos (nicht selten wird die Odyssee ja auch als Geschichte eines Reifeprozesses des Telemachos gedeutet). Und ich tu mich persönlich schwer damit, die in vier von 24 Büchern erzählten Märchen als den Hauptteil eines Werks zu sehen, das sehr viel mehr Zeit für das Versteckspiel seines Protagonisten auf Ithaka aufwendet als für dessen Abenteuer auf See (die natürlich trotzdem einen wichtigen Teil ausmachen). Dafür sind die Abenteuer teilweise auch sehr fix erzählt, dabei bot griechische Epik genügend Möglichkeiten zum Auswalzen solcher Stoffe (siehe manche sehr ausführlichen Schlachtszenen in der Ilias). Vielleicht, weil die Abenteuer auch nur Teil eines größeren Ganzen sind. Rein von den Proportionen ist die homerische Odyssee irgendwie doch sehr viel „Political Trouble on Ithaca“.

Ich will damit nur sagen, dass eine „werkgetreue“ Adaption speziell der Odyssee des Homer genannten Dichters sich idealerweise mehr mit Odysseus’ und Telemachos’ Problemen auf Ithaka als mit den berühmteren Abenteuern beschäftigt. Es ist etwas anderes, den mythischen Stoff als solchen zu adaptieren, den der/die Dichter ja nicht erfunden, sondern nur auf eine sehr spezifische Weise neu erzählt haben. Ich halte den Urfantasy-Stoff der Irrfahrten ja selbst für den spannendsten Teil des Ganzen, und natürlich wird dieser Stoff auch immer besonders betont und auch bei Nolan eine große Rolle spielen. Aber man könnte auch sagen: wo „The Odyssey“ im Titel steht, sollte dann auch wirklich die Odyssee drinstecken, und die ist nun mal wesentlich mehr als nur die Irrfahrten. Petersen hat seinen Film auch „Troy“ genannt und nicht „The Iliad“, weil er – sehr frei – den Trojazyklus erzählt, aber eben nicht Homers Ilias. Klar ist wirkliche „Werktreue“ im Falle von Homer gar nicht möglich, denn eine Verfilmung archaischer Epen, die drei Tage lang beim Gastmahl griechischer Aristokraten vorgetragen wurden, will natürlich niemand sehen. :lol:
ollistone hat geschrieben: Ich würde ja gerne behaupten, meine Odyssee-Ausgabe gelesen zu haben, aber weiter als bis Zeile 10 habe ich es nie geschafft.
Selbst Schuld, du hättest sie natürlich im Original lesen sollen! :D
"East, West, just points of the compass, each as stupid as the other."
(Joseph Wiseman in Dr. No)