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Re: Grasp for resonant symbols – Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 18. Juli 2026 16:39
von danielcc
@Patrice:
Dein Wunsch nach einer kriegsrealistischeren Darstellung kann ich nicht nachvollziehen. Zum Einen ist dies ja kein Kriegsfilm wie Petersens Troja, zum anderen ist der Film ja schon extrem realistisch oder drastisch da wo es Sinn macht. Die Eroberung Trojas zum Beispiel ist mitreißend und realistisch. Besonders drastisch fand ich aber wie ausführlich Nolan das Ausharren im Pferd beschreibt, mit allen ekligen Details die da genannt werden. Wüsste jetzt nicht, wo eine realistischere Kriegsdarstellung genutzt hätte. Ich kann höchstens nachvollziehen, wenn einem nach Filmen wie Herr der Ringe, Gladiator, Troja und co. das hier alles eine Nummer zu klein vorkommt (u.a. weil man es nicht durch CGI aufgeblasen hat).

Deinen Punkt zum emotionaleren Ende kann ich nachvollziehen. Dazu muss ich sagen, dass ich den überraschenden "Kniff" am Ende schon von der ersten Minute des Films an erkannt habe (tatsächlich ohne dass ich die Vorlage an der Stelle im Kopf hatte), aber das war auch egal.
Mich stört an der Geschichte generell, dass Odysseus überhaupt keinen Grund für seinen enormen Rachedurst hat! Da hat das Drehbuch geschludert! Man überlege sich das mal: Er war 20 Jahre weg! Niemand kann ernsthaft glaube, dass er noch lebt. Für seine lange trägt er selbst die Verantwortung (oder meinet wegen die Götter). Dennoch macht sich niemand explizit an seine Frau ran! Der Film vermittelt den Eindruck, als bestehe das Königreich Ithaka aus einem Raum in dem 30 Leute jeden Abend Party machen - eklig, schleimig, dreist und gierig, aber eben nicht mehr. Odysseus erfährt auch wenig, was dann seine enorme Rache rechtfertigen würde. Wenn man bedenkt, dass der Film über zwei Stunden darauf zusteuert, ist das schon etwas schwach

Re: Grasp for resonant symbols – Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 18. Juli 2026 18:48
von Maibaum
Nun ja, sie wollten seinen Sohn töten, was Odi gerade so noch verhindern konnte, aber das darf man nicht so eng sehen ... ;)
Also die machen auch sonst schon etwas mehr als Party, aber sie müssen nach außen den Schein wahren, und natürlich hätten sie Odi auch getötet, wenn er ihnen in die Finger gefallen wäre.

Und was den Realismus betrifft, da verhält sich Nolan genau so unentschieden wie in seinem Ansatz mit der Mythologie (also der Vorlage) umzugehen. Die ganze Gewaltdarstellung ist PG 13 verniedlichend, und ich fand das sehr oft falsch. Ilias und Odyssee enthalten viele Grausamkeiten, das ist derbes Material, da aber bleibt Nolan ganz im Hollywood Bereich. Interessant ist dazu der Vergleich mit Gladiator II der da trotz einer ebenfalls schlichten Geschichte weiter geht.
Gerade das Ende hätte statt einer komplett langweiligen Standard Action Szene (von bescheidener Qualität) ein kurzes derbes Gemetzel sein müssen, am besten eine apokalyptische Explosion wie in Kobayashis Harakiri. Aber das ist ein Film für Erwachsene, während Nolan auch die Jugendlichen nicht überfordern will.

Was ist eigentlich aus der verräterischen Magd (Mia Goth) geworden? Habe ich da etwas verpasst?
Das ist im Buch übrigens sehr grausam:
"Sie muss zusammen mit den elf anderen treulosen Mägden die Leichen der Freier nach draußen vor den Palast tragen und die Halle, in der sich Odysseus blutig an den Freiern gerächt hat, reinigen. Danach wird sie zusammen mit den elf anderen von Telemachos, Philoitios und Eumaios im Hof des Palastes aufgehängt."

Re: Grasp for resonant symbols – Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 18. Juli 2026 18:49
von Maibaum
vodkamartini hat geschrieben: Heute 09:27 Dass Nolan es praktisch nie schafft, dass man mit seinen Figuren wirklich mitfiebert, kurz, emotional gepackt wird, wird sein Problem bleiben. Dennoch ist ihm dieser Aspekt hier viel besser gelungen als in Oppenheimer, Dunkirk oder Interstellar. Hathaway und Holland tragen viel dazu bei.
Da sind wir wieder komplett gegensätzlicher Meinung. Das sind eher die 3 Filme in denen ihm noch am ehesten "menschliche" Charaktere gelingen, für die ich mich interessieren kann. In der Odyssee dagegen wird das größtenteils verschenkt, schlimmer noch, all die tollen Schauspieler, die teils auch in früheren Nolans sehr gut waren, bleiben hier relativ blass ,sind jedenfalls überwiegend verschenkt, auch weil die Rollen (und Nolan) ihnen wenig bieten. (Am besten spielen im Prinzip die Rollen von Argos und Agamemnon)

Oppenheimer war übrigens der unterhaltsamere und sogar spannendere Film.
vodkamartini hat geschrieben: Heute 09:27 Das mit dem Krieg sehe ich nicht so, das hat er in Dunkirk viel schwächer inszeniert.
Genau umgekehrt, die elegante Brillanz von Dunkirk, das wird wohl singulär bleiben, in der Odyssee ist das alles wenig aufregend, und unentschlossen
vodkamartini hat geschrieben: Heute 09:27 Damon finde ich für eine Hauptrolle nie eine tolle Wahl, aber jedesmal denke ich mir nach dem Film: das hat er gut gemacht.
Mir gefällt der düstere Ansatz in diesem Fall, denn es ist eine finstere Geschichte und mir gefällt auch der Kommentar zu menschlichen Handlungen mit all ihren Konsequenzen und Auswirkungen. Kann man auch als heutiger Zuschauer was mitnehmen.
Damon sehe ich ähnlich, er ist wie immer ok, aber er fasziniert mich nicht, tut er nie. Pattinson oder John David Washington (ja, ich weiß bzw schwarz he he) wären die weitaus besseren Wahl für Odysseus gewesen. Leider ist Pattinson in Film selber ein trauriger Totalausfall, was aber nur an seinem extrem langweilig charakterisierten Schurken liegt. Das wäre die Chance gewesen einen differenzierten Mistkerl zu zeichnen, dann hätte auch das Ende spannend werden können.

Und der düstere bzw realistischere Ansatz, ist wie schon zuvor beschrieben, anfangs noch interessant, aber auch da meist zu unentschlossen umgesetzt, ist dann aber zum Ende hin eigentlich komplett verschwunden. Dann bleibt nur noch der Held übrig, alles was ihn tragisch macht ist längst vergessen.

Letztendlich hat Nolan keinen interessanten Ansatz gefunden um der Geschichte mehr abzugewinnen las hier und da ein paar starke Bilder, aber auch da hat er mir im Ganzen nicht viel zu bieten, vieles sieht belanglos aus, jedenfalls wenig beeindruckend.

Es mag aber sein da sich da mehr finde, wenn ich ihn noch mal sehe, aber da die letzte Stunde wenig Spaß machte, ist es für den Anfang nur eine 5/10