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Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 8. November 2014 23:48
von Casino Hille
Agent 009 hat geschrieben:Nicht so typisch Zimmer wie zuletzt. (Klang alles sehr ähnlich)
Wie konnte sich die Meinung eigentlich durchsetzen? Der Mann hat in den letzten Jahren unter anderem die Scores zu "Inception", "The Dark Knight Rises", "Sherlock Holmes", "Madagascar 3", "Lone Ranger", "Man of Steel" und "The Amazing Spider-Man 2" geschrieben und kein Soundtrack klang wie der andere.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 8. November 2014 23:59
von Agent 009
Ich meinte das nicht als Kritik aber ab und an wirkte es als würde er sich selber kopieren. Seine Soundtracks sind immer noch großartig aber dieser hier wirkte auf mich total anders. Total untypisch und nicht wie eine Kopie von sich selbst. ;)

Review:

Interstellar

Nolan hat mich mit so vielen seiner Filme gepackt und begeistert. Die Dark Knight Trilogie, Prestige und Inception sind nur ein Teil seiner großartigen Filmografie. Nach Thrillern, Dramen und dergleichen widmet er sich nun erstmals vollständig dem Sci-Fui Genre das Kultfilme wie '2001', 'Star Wars' oder 'Star Trek' hervorgebracht hat, nur um mal ein paar der bekanntesten und beliebtesten zu nennen. Er versammelt einen großartigen Cast und packt eine starke, interessante und überaus emotionale und gewaltige Geschichte in das Gewand eines Blockbusters und zaubert einen der beeindruckendsten Kinofilme des Jahres 2014.

Die Erde stirbt. Es ist immer weniger Nahrung vorhanden und die Population nimmt immer weiter zu, während Farmer Cooper (McConaughey) versucht sich und seine Familie über die Runden zu bringen. Der ehemalige NASA-Astronaut wird im Verlaufe des Films durch seinen ehemaligen Mentor (Caine) dazu motiviert noch einmal in ein Raumschiff zu steigen und einen Versuch zu wagen, die Menschheit vor dem aussterben zu retten. Die Reise soll ihn durch ein Wurmloch führen, dass ihn zu neuen Welten bringt, bei denen ein Leben für die Menschheit möglich ist.

Nolan lässt der Geschichte viel Zeit sich zu entwickeln und bringt Stückchenweise immer mehr interessante und vorallem optisch atemberaubende Aspekte der Reise von Cooper und seinem Team. Der Film ist Visuell sehr beeindruckend und fantastisch gefilmt. Es kam zu keiner Zeit die geringste Langweile auf. Ich wurde regelrecht in den Sitz gedrückt und empfand den Film extrem interessant. Gerade die Themen Gravitation, Relativität waren großartig in den Film integriert und man musste gut aufpassen, um den Faden nicht zu verlieren. Auch die Thematik rund um das Wurmloch und seine zeitlichen Auswirkungen, der Ablauf auf den Planeten im Vergleich zu dem auf der Erde, all diese Dinge wurden fantastisch und spannend umgesetzt. Auch der Wechsel zwischen den "Storylines" auf der Erde und im Weltraum waren fantastisch.

Neben McConaughey, der einen fantastischen Hauptdarsteller und glaubwürdigen Vater gibt brilliert hier vorallem seine junge Filmtochter, gespielt von Mackenzie Foy. Authentisch und verdammt emotional würde ich ihr Spiel nennen. Die Figuren sind nicht oberflächlich sondern äußerst gut gespielt und bekommen durch ihre beiden Darsteller an Tiefe. Auch Chastain, Caine, Damon und Hathaway machen ihre Sache gut. Die beiden erst gennanten machen es aber einfach noch besser, intensiver. Mich hat der Film mitgerissen, verwirrt, sprachlos gemacht und zutiefst beeindruckt. Ich hoffe Nolan wagt noch einmal so ein Projekt, es wäre großartig.

Hans Zimmer's Soundtrack ist ebenfalls fantastisch und nicht so "runtergeleiert" wie seine letzten. Es wirkt nicht wie eine weitere Kopie von sich selbst sondern neu und vorallem perfekt zum Film gemacht. Einige Stücke verleihen dem Film und den jeweiligen Szenen noch viel mehr Emotionen, viel mehr Wert und das ist sicherlich von Vorteil. Ich kann da jetzt nicht näher ins Detail gehen ohne zu viel zu verraten.

'Interstellar' wurde ein fantastischer Film der viele interessante Aspekte aus dem Weltraum liefert, mit tollen Darstellern und einem grandiosen Soundtrack daher kommt, gleichzeitig aber auch ein paar Fragen und Erklärungen zu wenig liefert. Vielleicht aber besteht auch genau darin der Reiz des ganzen. Man muss sich einige Sachen einfach denken, vielleicht gewisse Gedankengänge selbst vollenden und gerade das macht es doch so spannend. Ein Film der nicht jedes kleine Detail erklärt. Ich bin begeistert und freue mich extrem auf die zweite Sichtung und hoffe auf mehr Nolan + SciFi.

9/10

/e:

Übrigens sehr interessant: (Netzfund)
Spoiler
Ich finde die Erklärungen von Nolan brilliant: Das Wurmloch, welches den Raum krümmt und in welchem die uns bekannten drei Dimensionen zu einem Kreis geformt werden, welche dann wiederum im Raum eine Kugel bilden, lässt Galaxien aus einer anderen Dimension im gekrümmten Raum plastisch darstellen und somit zwei-dimensional erscheinen. So können wir in der weiteren Dimension an Galaxien vorbeifliegen als seien sie nicht größer als unser Raumschiff. Des Weiteren ist auch die Erklärung der Kommunikation des Vaters mit seiner Tochter durch das Bücherregal extrem schlüssig. Gravitationswellen, welche als Morsecodes gesendet werden, können als Kommunikation genutzt werden, wobei sich hinter dem Horizont des schwarzen Lochs die Zeit nicht mehr linear verhält, da in dieser mehrdimensionalen Welt selbst Licht gebündelt wird und nur Gravitation als Bezugspunkt genommen werden kann. Die Raumzeit, welche relativ ist, wird in der Tat bei schwarzen Löchern verformt. So wie erklärt ist, warum die Astronauten nur wenige Minuten erleben, wobei es für die Menschen auf der Erde hingegen Jahre sind, so erklärt Nolan auch die Raum-Zeitkrümmung im schwarzen Loch mit Singularität.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 12:08
von Casino Hille
GoldenProjectile hat geschrieben:das im Grossen und Ganzen etwas zu sehr mit grösstenteils unnötigen verbalen Erklärungen vollgestopft ist.
Agent 009 hat geschrieben:Man muss sich einige Sachen einfach denken, vielleicht gewisse Gedankengänge selbst vollenden und gerade das macht es doch so spannend. Ein Film der nicht jedes kleine Detail erklärt.
Bislang ist laut Forenmeinung Interstellar also ein Film, der emotional total unterkühlt ist und keine Empathie entwickelt, aber insgesamt viel zu rührselig inszeniert ist, die gesamte Laufzeit über immer die ein oder andere Erklärung zu viel liefert, allerdings genug offen lässt, damit man selbst über alles nachdenken muss. Großartig! :lol: :wink:

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 12:42
von Martin007
Casino Hille hat geschrieben:kein Soundtrack klang wie der andere.
Das vielleicht nicht, aber ich fand fast alle Soundtracks sehr langweilig, nicht nur verglichen mit seinen früheren Arbeiten. Mal gucken, ob man in "Interstellar" mal wieder eine gute Arbeit von ihm hören kann.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 12:45
von Casino Hille
Das ist natürlich Geschmackssache. Ich mochte bei "Inception" das gefühlsbetonte sehr, genauso mochte ich bei den Holmes-Filmen die Blockbuster-untypische Musik. ("Not In Blood, But In Bond" kann ich da unter anderem sehr empfehlen, großartiges Stück, dass stark zur berauschenden Wirkung der Filme beiträgt)

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 13:06
von vodkamartini
Casino Hille hat geschrieben: Bislang ist laut Forenmeinung Interstellar also ein Film, der emotional total unterkühlt ist und keine Empathie entwickelt, aber insgesamt viel zu rührselig inszeniert ist, die gesamte Laufzeit über immer die ein oder andere Erklärung zu viel liefert, allerdings genug offen lässt, damit man selbst über alles nachdenken muss. Großartig! :lol: :wink:
Müsstest du als 2001-Fan doch super finden, unendlich viel Raum für eigene Interpretationen und Deutungen. :lol:

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 16:39
von Agent 009
Bitte fangt hier nicht nochmal so eine Diskussion an. Hier geht es um Nolan und Interstellar und nicht um Kubrik's 2001. ;)

Und Hille, der Interstellar Soundtrack ist großartig. Das Stück auf der Vorseite läuft bei mir ständig. So großartig. Besonders das "Finale" vom Song. Ganz groß.

Starten wir am 1.12 die Umfrage neu? Bis dahin ist Interstellar lange genug raus, jeder hatte Zeit ihn sich anzuschauen und gut wäre, wenn man die Stimme vielleicht neu setzen könnte, falls ok. :)

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 16:55
von GoldenProjectile
Casino Hille hat geschrieben:
GoldenProjectile hat geschrieben:das im Grossen und Ganzen etwas zu sehr mit grösstenteils unnötigen verbalen Erklärungen vollgestopft ist.
Agent 009 hat geschrieben:Man muss sich einige Sachen einfach denken, vielleicht gewisse Gedankengänge selbst vollenden und gerade das macht es doch so spannend. Ein Film der nicht jedes kleine Detail erklärt.
Bislang ist laut Forenmeinung Interstellar also ein Film, der emotional total unterkühlt ist und keine Empathie entwickelt, aber insgesamt viel zu rührselig inszeniert ist, die gesamte Laufzeit über immer die ein oder andere Erklärung zu viel liefert, allerdings genug offen lässt, damit man selbst über alles nachdenken muss. Großartig! :lol: :wink:
Ob einem der Film zu viele oder zu wenige Erklärungen liefert hängt halt wohl weitgehend von den Kubrick-Kenntnissen des Betrachters ab. Immerhin folgt Interstellar 2001 in nicht wenigen Punkten frappierend.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 17:23
von danielcc
@ Casino:

Erstens hat jeder seine eigene Meinung und zweitens widersprechen wir uns hier gar nicht.
Der Film hat unheimlich viele Momente, wo er auf die Tränendrüse drücken will. Aber dennoch bleibt er unterkühlt, weil er zumindest mich - und viele andere offensichtlich auch - emotional gar nicht erreicht.


Ich habe aber inzwischen viel über den Film nachgedacht. Von mir aus kann man den ganzen Film vergessen. Aber eines hat Nolan zumindest für mich wirklich geschafft, so naiv das jetzt auch klingen mag. ich habe erstmals wirklich darüber nachgedacht, was wäre, wenn wir die Erde wirklich verlassen müssten. Klingt jetzt echt albern, aber dieses Gefühl der Hilflosigkeit, dass wir die eigene Heimat zerstören und uns irgendwann kein anderer Ausweg bleibt, das vermittelt der Film ganz gut.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 17:25
von vodkamartini
So ist es. Nolan will unbedingt große Emotionen erzeugen, schafft es aber imo nicht. Wie (leider) immer lassen seine Figuren und deren Schicksale relativ kalt, obwohl er es diesmal minimal besser macht als sonst.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 18:01
von Casino Hille
danielcc hat geschrieben:Erstens hat jeder seine eigene Meinung und zweitens widersprechen wir uns hier gar nicht.
Deshalb war es ja auch nicht ganz ernst gemeint. :wink:

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 18:11
von danielcc
Mal ne blöde Frage: ist der mcconaughey eigentlich krank? War das schon immer so, das eine Gesichtshälfte bei ihm so scheif runter hängt wie nach einem Schlaganfall und seine Augen so halb zu sind? ist mir im Film oft aufgefallen

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 23:03
von danielcc
Interstellar nur auf Platz 2 gestartet - deutlich schwächer als Inception. Denke zudem, der Film wird bei Weitem nicht die Mundzumund Propaganda genießen wie Inception

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 23:06
von Agent 009
Weil es wohl auch der wesentlich weniger massentaugliche Film ist, so im Vergleich. Der "normale" Kinogänger dürfte bei Interstellar mehr Probleme bekommen als noch bei Inception. Ich fand den Film viel komplizierter. (Deswegen aber nicht gleich schlechter) Und ich denke sowas spricht sich rum. Das wird viele Leute abschrecken. ;)

Das Kino in dem ich saß war jedenfalls voll.

Re: Die Filme des Christopher Nolan

Verfasst: 9. November 2014 23:08
von Casino Hille
$52.2 Millionen seit Donnerstagabend für ein Sci-Fi-Drama inklusive weiterer $80 Millionen im internationalen Erwerb. Ja, das klingt nach einem potenziellen Flop. :lol: