Filmkritik: James Bond 007: Man lebt nur zweimal
Gestern Abend habe ich Man lebt nur zweimal gesichtet, Bonds 5ter (nicht der 6ten

) Mission aus dem Jahre 1967.
Ein amerikanisches und ein russisches Raumschiff verschwinden spurlos und der Geheimdienst ihrer Majestät beauftragt Bond, dessen Tod in Hongkong gerade vorgetäuscht wurde, das Verschwinden aufzuklären. Zusammen mit dem Chef des japanischen Geheimdienstes Tanaka, wird er als japanischer Fischer auf eine kleine Insel eingeschleust, findet er das Spectre-Hauptquartier in einem Vulkan und verhindert mithilfe einer Ninja Armee knapp, wie immer, den dritten Weltkrieg.
Für diesen Film zeichnet sich zum ersten Mal Lewis Gilbert verantwortlich und zaubert einen mehr oder weniger gelungenen Film auf die Leinwand. Richard Maibaum ist an diesem Film erstmalig nicht beteiligt. Den Part des Drehbuch Autors haben Harold Bloom und Roald Dahl übernommen. Vielleicht fehlt deshalb ein bisschen die Bodenhaftung. Von Flemings Buch wurde nur sehr wenig in den Film eingebaut, eigentlich nur Japan und Tanaka.
Sean Connery spielt zwar immer noch fantastisch, aber er zeigt bereits erste Ermüdungserscheinungen. Auch wirkt er nicht mehr ganz so fit wie in den Vorgängern und sieht irgendwie auch gealtert aus. Irgendwie wirkt fehlt mir ein bisschen das Herzblut in seiner Darstellung, an irgendetwas konkret festmachen kann ich es nicht, aber es ist mein Eindruck. Trotz alle dem ist er DER Bond und ist des Films größter Pluspunkt.
Tanaka ist für mich der (neben Connery) überzeugendste Darsteller des Streifens. Tetsurō Tamba füllt die Rolle mit einer gekonnten Mischung aus Vaterfigur (M) und Agent (Bond) aus.
Nun hat man die Figur des Blofeld über 4 Jahre geheim gehalten und in „Man lebt nur zweimal“ sollte wohl die große Enthüllung stattfinden. Leider ist Donald Pleasence hierfür nicht die beste Besetzung, ich musste lachen, als ich ihn heute Abend gesehen habe. Leider nicht gut besetzt.
Helga Brandt, gespielt von Karin Dor, kommt mir wie die zweite Auflage von Fiona Volpe vor, Spectres Killerin. Von den Ähnlichkeiten zu Volpe einmal abgesehen, spielt Karin Dor jederzeit überzeugend.
M und Moneypenny agieren dieses Mal von einem U-Boot aus, indem das Büro von M nachgebaut ist. Eine Idee, die Lewis Gilbert anscheinend sehr gefallen hat, denn schließlich sind in allen Bondfilmen die er gedreht hat, solchen Außeneinsätze vorhanden. (TSWLM zusammen mit Gogol, in MR in Brasilien (?) ) Auch Q, oder sollte man sagen „Little Nellie’s Vater“,ist zum zweiten Mal im Außeneinsatz und stattet Bond mit einem Minihubschrauber aus. Mit ein paar Neuerungen, selbstverständlich.
Die restlichen Bondgirls sind dieses Mal alle asiatischer, bzw. japanischer Herkunft. Ich verwechsle sie ständig. Außerdem kann ich bei Kissy kein „Pfannkuchen Gesicht“ feststellen.
Trotz aller Kritik, muss man dem Film die Locations hoch anrechnen. Japan ist klasse eingesetzt. Ich finde, die Inszenierung ist sogar besser, als die Karibik-Szenen in Dr. No. In Sachen Flair ist der Film also bisher der beste. Hier stechen das Ninja-Hauptquartier, sowie das Fischerdorf auf der Insel besonders hervor. Unterstütz wird der Japaneindruck noch vom Soundtrack, wieder einmal von John Barry, der dem Film ein wunderbar asiatisch-klingendes Grundthema verpasst hat. Passt wunderbar zu den idyllischen Landschaftsaufnahmen.
Das Ganze ist sehr kitschig geworden, nicht zu vergleichen mit dem Ernst von FRWL, oder TB. Leider auch ein bisschen lächerlich, weil in diesem Streifen, wie so oft, das Thema „Weltherrschaft“ behandelt wird.
So, fast hätte ich das Loblied auf Ken Adam vergessen

. Mit den Sets zum 5ten Bondfilm hat er wohl Geschichte geschrieben. Der Vulkankrater ist zwar unrealistisch, aber verdammt cool. Die Technik war damals noch nicht so gut, dass man das Schließen des Vulkans richtig animieren konnte, man sieht immer den Bildschirm. Aber sonst ist dieses Set Weltklasse. Auch die Wohnung in Hongkong und Hendersons Hotelzimmer gefallen mir ausgesprochen gut.
Fazit:
Früher habe ich den Film wirklich gerne gemocht, aber irgendwie ist der ganz schön abgestürzt in meinem Ranking. Er ist zu kitschig und zu bombastisch. Ein unterhaltsamer Filmabend, nicht mehr und nicht weniger. 6 von 10 Punkten.
Heute Abend wird dann OHMSS gesichtet.