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von GoldenEagle
Agent
KES
GB, 1969
Vorwiegend Laiendarsteller.
KES ist ein sozialkritisches Drama, das ich als sozialwissenschaftlich interessierter Mensch gerne ansah.
Dieses sozialkritische Werk handelt von einem 14jährigen Jungen namens Billy Casper, der in den armen Verhältnissen englischer Arbeitervierteln aufwächst und dort als lustloser und verschlossener Schüler dem Lehrer Farthing auffällt, als er, durch seinen Englischlehrer motiviert, von seinem selbst aufgezogenen Falken erzählt.
Lehrer Farthing respektiert Kes, den Falken, als besonderes Tier, würdigt Billys Feingefühl gegenüber der Aufzucht des Falken und sieht diesen, im Gegensatz zu Billys gewaltbereiten Bruder, als kein Spielzeug an.
Dieser Film gewinnt einen dokumentarischen Charakter, zumal viele Laiendarsteller (bis auf die Rolle von Farthing), mitwirkten und ein um 1969 verfilmtes und realistisches Bild der sozialen Verhältnisse von Arbeits- und Hoffnungslosigkeit zeigen.
Regisseur Ken Loach, gewann mit diesen Film das Internationale Filmfestival von Karlovy Vary.
Die Rolle des Billy wird sehr behutsam, geradezu einfühlsam und ohne filmischen Schnickschnack geschildert. Die Atmosphäre wirkt bedrückend-melancholisch, setzt aber durch unwillkürlich witzig wirkende alltägliche Situationen innerhalb der Schulzeiten, das real-vermittlelte Bild lückenlos fort und arbeitet sehr gut die menschliche Selbstsucht und Stumpfheit heraus, die gleichzeitig verurteilt wird.
Fazit:
Der unspektakulär anmutende Film, ließ mich, der gerne sozialkritische (hochwertige) Filme ansieht, erstaunt zurück, gerade weil er so realistisch und spartanisch wirkte. Vergleichsweise, als hielte man eine Kamera direkt in ein alltägliches Geschehen.
Der sozialkritische, fast schon düstere Alltag und die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen, begründet aus mangelnden Zukunftsperspektiven, rauen alltäglichen Zuständen (bspw. Bergwerkstätigkeit) usw., wird auch an dem Verhalten der Lehrer und der Haltung der Schüler deutlich.
Der dokumentarisch wirkende, jedoch mit vollständiger Handlung ausgestattete Film, geht auf die Jugendbuchvorlage von Barry Hines zurück (Und fing sich einen Falken, A Kestral for a Knave).
1971 gewann Collin Welland (Farthing) und David Bradley (Billy Casper) den BAFTA Award.
+ psychologisch einfühlsam, realistisch, dokumentarischer Charakter, weiterhin aktuell, sozialkritisch, verdeutlicht Klischees, prangert sie aber gleichfalls an, sehr handlungsbezogen (wie viele ältere Filme), für die "schwere thematische Kost" überraschend leicht verdaubare Bilder
- keine, die ins Gewicht fielen, um genannt zu werden
Subjektive Einschätzung: Aufgrund des guten Einblicks in die Arbeiterviertel als Zeitzeugnis von 1969, der Sozialstudie an den einzelnen Personen und den hohen Gehalt, der vermittelt wird: 10/10 Punkten
Film: "Die Hälfte von allem ist Glück, James. Und die andere Hälfte? Schicksal." (006/Alec Travelyan und James Bond 007, aus: "GoldenEye", 1995)
Roman: "Wen die Götter vernichten wollen, den liefern sie zuerst der Langeweile aus." (007 in: "Liebesgrüße aus Moskau", 1957)