The Hateful Eight
Back to the Roots, so könnte man den neusten Film von Quentin Tarantino beschreiben. Nicht nur, dass „The Hateful Eight“ auffallend viele Ähnlichkeiten zu seinem Erstling „Reservoir Dogs“ aufweist, nein, auch was das Kinoerlebnis an sich angeht sind Tarantino und seine Crew mit der 70mm-Fassung zurück zu den Wurzeln gegangen und haben einen Film so eingefangen, wie man es schon seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat.
Bei der ersten Sichtung (im Kino) empfand ich die Anfangssequenz in der Kutsche (vor allem Kapitel 2) als zu lange, und hatte auch im Mittelteil einige Längen, sowie schwach geschriebene Dialoge zu bemängeln, was jetzt bei der zweiten Sichtung völlig verschwunden ist. Kein Satz ist da zu viel, im Vergleich zu anderen Tarantinos wird sogar erstaunlich wenig belangloses geredet. Gespräche über die Leidenschaftslosigkeit eines Henkers („Gerechtigkeit ohne Leidenschaftslosigkeit läuft immer Gefahr, keine Gerechtigkeit zu sein.“), den amerikanischen Bürgerkrieg, oder die Lügen eines Schwarzen Majors haben alle einen Bezug zur Geschichte, was man von einem Dialog über die französische Bezeichnung eines Big Macs eher weniger behaupten kann

Auch die Tiefe der Figuren und ihre Beziehung untereinander ist gerade bei der zweiten Sichtung, wenn man die Charaktere bereits einigermaßen kennt hochinteressant. Das Verhältnis von John Ruth und Daisy Domergue offenbart mit jedem Kapitel neue Facetten und geht weit über „Alter Badass-Kopfgeldjäger hält hinterhältige Mörderin gefangen“ hinaus. Aber auch die anderen Figuren werden wundervoll gespielt, auch wenn Tim Roth und Walton Goggins mehrfach auf der Grenze zwischen genialer Schauspielleistung und starkem Overacting wandeln, wobei letzterer diese Grenze leider hin und wieder überschreitet. Die stärkste Leistung liefert vielleicht Samuel L. Jackson ab, auch wenn seine Figur auf den ersten Blick typische für ihn zu sein scheint. Doch er verkörpert Major Marquis Warren, der wohl die meisten Sympathien beim Publikum genießt, obwohl er sicher nicht der klassische gute ist, derart perfekt und schafft es ihn in jeder Situation packend zu verkörpern, sei es als cooler, alter Haudegen, als scharf denkender Detektiv, als kaltblütiger, bößer Mörder, überlegen, traurig, fassungslos oder hasserfüllt (gäbe vermutlich noch mehr aufzuzählen).
Tarantino ist hier vielleicht konsequenter, aber auch erbarmungsloser, als er es jemals war. Einzig Reservoir Dogs schafft ein ähnlich konsequentes Bild abzugeben (Wobei ich an dieser Stelle anmerken muss, dass mir Jackie Brown und die beiden Kill Bills noch fehlen). Aufgelockert wird die düstere Beklemmende Stimmung immer wieder durch Tarantinos typischen schwarzen Humor, der in nahezu jeder Situation sitzt den Zuschauer erreicht.
Abschließend kann man Chris Mannix dann auch noch in einem rührenden Moment nur beipflichten: „Meine Geliebte Mary Todd – Ein schöner Einfall.“ Wohl war.
The Hateful Eight ist in meinem Tarantino Ranking gleichauf mit Reservoir Dogs an der Spitze und erhält ebenfalls 9/10 Punkte.