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Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 8. Februar 2017 22:40
von Casino Hille
Anders als du oder Maibaum oder Tarantino himself würde ich die Kill Bill Teile nicht als ein Werk sehen. Das geht emotional für mich nicht wirklich auf.

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 8. Februar 2017 22:54
von DonRedhorse
Casino Hille hat geschrieben:Anders als du oder Maibaum oder Tarantino himself würde ich die Kill Bill Teile nicht als ein Werk sehen. Das geht emotional für mich nicht wirklich auf.
Seh ich auch so. Zumal 2 deutlich schwächer ist.

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 8. Februar 2017 22:56
von Casino Hille
Ich meinte das weniger qualitativ. Aber alleine die letzte Szene von KB1 (die einfach brillant ist) sagt mir einfach, dass hier ein Cut erfolgen muss.
Und da KB2 dann auch stimmungstechnisch ein ganz anderes Paket ist, sind es einfach so offensichtlich zwei Filme...

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 8. Februar 2017 22:59
von DonRedhorse
Absolut. Zwei vollkommen verschiedene Filme, gerade was die Stimmung angeht. Trotzdem ist 2 deutlich schlechter, weil langweiliger.

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 8. Februar 2017 23:05
von Maibaum
Weder noch. Teil 1 ist ja auch episodisch, und macht in seiner Struktur nur Sinn wenn es einen 2ten Teil gibt.

Außerdem waren beide beim Drehen noch als 1 Film geplant, die Idee einen Zweiteiler draus zu machen kam aufgrund der Masse des Materials erst später.

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 8. Februar 2017 23:12
von DonRedhorse
Das kann ja sein. Trotzdem fühlen sich die Teile (man könnte auch sagen, die beiden Hälften) unterschiedlich an und sind auch Qualitativ unterschiedlich. Für eins würde ich 8 Punkte vergeben, für zwei nur 5.

Pulp Fiction ist für mich der beste Tarantino.

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 8. Februar 2017 23:16
von Casino Hille
Maibaum hat geschrieben:Weder noch. Teil 1 ist ja auch episodisch, und macht in seiner Struktur nur Sinn wenn es einen 2ten Teil gibt.
Ja, aber dieser 2 Teil ist dann eben auch ein Teil 2. Und deshalb wäre es unsinnig, die Filme als einen Film zu sehen. Es ist ein Zweiteiler, auch in seiner Struktur. Durch die Endszene von Teil 1 ist das glasklar.
DonRedhorse hat geschrieben:Pulp Fiction ist für mich der beste Tarantino.
Das unterschreibe ich nach meinen Tarantino-Neusichtungen komplett, wenngleich IB und KB1 dicht folgen.

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 8. Februar 2017 23:19
von Maibaum
Casino Hille hat geschrieben:
Maibaum hat geschrieben:Weder noch. Teil 1 ist ja auch episodisch, und macht in seiner Struktur nur Sinn wenn es einen 2ten Teil gibt.
Ja, aber dieser 2 Teil ist dann eben auch ein Teil 2. Und deshalb wäre es unsinnig, die Filme als einen Film zu sehen. Es ist ein Zweiteiler, auch in seiner Struktur. Durch die Endszene von Teil 1 ist das glasklar.
Häähh .., ich nix verstehen ...

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 8. Februar 2017 23:19
von DonRedhorse
Bist Du nicht ein großer Fan von Hateful 8? @Hille

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 8. Februar 2017 23:23
von Casino Hille
Hateful Eight käme eben dann. Die 4 bilden für mich die 10er von QT. Jedenfalls nach den Neusichtungen, bei denen JB noch aussteht.

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 13. Februar 2017 22:04
von dernamenlose
HCN007 hat geschrieben:1. Hateful Eight (10/10)
2. Kill Bill [Volume 1 und 2 im Komplettpaket] (10/10)
3. Jackie Brown (10/10)
4. Reservoir Dogs (9/10)
5. Pulp Fiction (9/10)
6. Django Unchained (8/10)
7. Inglorious Basterds (8/10)
8. Death Proof (8/10)
The Hateful Eight schön hoch und IB, sowie DP ganz unten. So eine Rangliste gefällt mir. Da kann ich sogar Platz 6 für DU verschmerzen.
Casino Hille hat geschrieben:Das unterschreibe ich nach meinen Tarantino-Neusichtungen komplett, wenngleich IB und KB1 dicht folgen.
Dann hat sich deine Haltung zu den Tarantinofilmen ja völlig geändert. Als ich vor ein paar Wochen mal diesen Thread komplett durchgestöbert habe, bin ich da auf Aussagen von dir gestoßen, in denen du sagtest, dass du nichts mit seinen Werken vor IB anfangen könntest. Jetzt hast du dich kurz hintereinander so positiv über PF und DP geäußert, das erstaunt dann doch sehr.

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 21. Februar 2017 18:40
von Samedi
Hier ein cooler Blick hinter die Kulissen von Reservoir Dogs:

http://dangerousminds.net/comments/behi ... rvoir_dogs

You only need to hang mean bastards but mean bastards you need to hang!

Verfasst: 26. Februar 2017 15:03
von 00T
The Hateful Eight(2015)

Quentin Tarantino, berüchtigt für seine meist sehr erfolgreichen Filme mit seinem ganz eigenen Stil, hatte bereits 2012 seinen ersten Film in Wild-West-Manier „Django Unchained“ vorgelegt. 2015 nun folgte direkt sein zweiter Streich aus diesem Genre – und das, obwohl er ursprünglich überhaupt nicht vorgehabt hatte, diesen Film zu drehe, nachdem das Drehbuch illegal verbreitet worden war. Schließlich entschloss er sich aber dennoch zu diesem Projekt, was nur befürwortet werden kann im Angesicht des Filmes, den er schlussendlich präsentierte.

Trotz seiner beachtlichen Länge weist „The Hateful Eight“ erstaunlich wenige Ortswechsel auf. Trotz der eindrucksvollen Panorama-Aufnahmen zu Beginn verlagert Tarantino das Geschehen sehr schnell in die beengten Räumlichkeiten einer Kutsche und eines Wirtshauses. Mehr braucht es jedoch auch nicht, da sich die Kameraführung auch lieber auf die Handlung und Mimik der einzelnen Akteuere konzentriert. Dass der Film dazu, wie bei Tarantions Filmen oft üblich, in mehrere Akte unterteilt ist, macht den Eindruck eines gefilmten Kammerspiels komplett. Denn vor allem in den ersten zwei Dritteln ist der Film sehr Dialog-belastet, was schnell in die gefürchtete Langeweile übergehen könnte, jedoch nicht zuletzt dank der Schauspieler kein einziges Mal der Fall ist und es durchaus unterhaltsam ist, den Männern zuzusehen, die von einer Frau an der Nase herumgeführt zu werden scheinen. Und auch die Musik des Western-Komponisten schlechthin, Ennio Morricone, trägt gehörig etwas dazu bei und ist alleine schon ein Grund, den Film zu genießen.

Tarantino nutzt die lange Laufzeit genüsslich aus, um sein Kammerspiel langsam, aber stetig zu entwickeln und auf das unvermeidliche Ende hinzuführen. In den teilweise sehr ausschweifenden Dialogen und auch Monologen der Figuren werden alle möglichen Themen angerissen, die teilweise mit dem eigentlichen Geschehen kaum einen Zusammenhang zu haben scheinen und doch allesamt zusammenhängen, insbesondere bei dem Thema, das der Titel bereits andeutet: Dem Hass. Lauter Konflikte aus der amerikanischen Geschichte werden gemeinsam in einen Topf geworfen, egal ob zwischen weiß und schwarz, den Nord- oder Südstaaten oder Männern und Frauen. Im Hass entwickelt Tarantino seine in einer Blockhütte zusammen eingepferchten Charaktere weiter, die alle nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Und so entwickeln sich auch unaufhaltsam die Kriminalgeschichte und die damit verbundene Spannung, erst noch unscheinbar und gewöhnlich, bis sich der Spannungsbogen immer mehr zuspitzt. Dabei benutzt er alle Mittel, die ihm zur Verfügung stehen. Durch humoristische Einlagen wird das Geschehen aufgelockert, um den Spannungsbogen dann durch bestimmte Dialoge wieder so auszureizen, dass man meint, die Spannung mit den Händen greifen zu können. Noch mehr geschieht das, wenn auf einmal surreale Elemente ihren Einzug finden, wie das Ergänzen eines auktorialen Erzählers oder effektiv gesetzte Rückblenden, bis die aufgebaute Spannung sich im blutigen Enddrittel so entlädt, wie sie es unweigerlich muss.

Dazu kommt noch, dass keine der handelnden Personen wirklich als Identifikationsfigur erscheint. So gut wie niemand, der sich in der engen Blockhütte befindet, ist wirklich der, der er zu sein scheint. Selbst die am ehesten als Sympathieträger taugenden Figuren von Kurt Russell und Samuel L. Jackson entpuppen sich im Laufe des Filmes als moralisch genauso wenig überlegen wie der Rest des Ensembles. Und doch kann der Zuschauer sich insbesondere im letzten Drittel nicht daran hindern, bei gewissen Gräueltaten bestimmter Personen heimlich zuzustimmen, da er die Handlungsweise irgendwie doch verstehen kann und so vielleicht auch mal über sich selbst nachdenkt.
Das liegt natürlich auch an den Leistungen der Schauspieler, die den Film teilweise komplett auf den eigenen Schultern tragen müssen. Von dem Ensemble in der Hütte kann jeder der Darsteller doppelt und dreifach überzeugen, wobei ganz besonders die unfassbar agierenden Samuel L. Jackson und Jennifer Janet Leigh herausstechen. Jackson liefert als Kopfgeldjäger Warren womöglich die beste schauspielerische Leistung seiner Karriere ab und Leigh als barbarische Mörderin ist herrlich abscheulich und übertrifft in ihrer Grausamkeit jeden einzelnen ihrer männlichen Mitgefangenen in der Hütte. Allerdings sichern sich auch Kurt Russell und Walton Gobbins ihren Platz neben diesen beiden mit Bravour und bleiben keinesfalls hinter den erstgenannten zurück. Die anderen Charaktere mögen vielleicht etwas weniger im Vordergrund stehen, machen ihre Sache allerdings mehr als nur gut, egal ob es sich um Demian Bichir, Tim Roth, Michael Madsen, Bruce Dern, James Parks oder Channing Tatum handelt. Ohne ihre schillernden Charaktere wäre Tarantino sein Stück garantiert nicht so bravurös gelungen, wie es der Fall ist.

In Tarantinos neuestem Werk verweben sich perfekt grandiose schauspielerische Leistungen, eine wunderbare Themenverflechtung, Spannung und ein umwerfender Soundtrack. Selten war, selbst für Tarantinos Verhältnisse, einer seiner Filme düsterer und verstörender, selten waren die einzelnen Elemente besser aufeinander abgestimmt. Und wenn das fast schon deprimierende und beunruhigend absolute Ende der beinahe wie im Flug vergehenden 160 Minuten eintritt, gefolgt vom Abspann, ist das durchaus schockierende Resultat der „hasserfüllten Acht(oder doch eher neun?)“ für den Zuschauer: Es gibt keine Helden, es gibt keine Sieger... und Hoffnung schon gar nicht.

Punkte: (10/10)

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

Verfasst: 26. Februar 2017 19:50
von dernamenlose
Tolle Review, der ich in nahezu jedem WOrt zustimmen kann. Auch wenn ich (bislang) bei "nur" 9/10 Punkten bin. Aber "The Hateful Eight" ist einfach ein großartiger Film, dem ich exakt die gleichen Eigenschaften und Wirkungsweisen zuschreiben würde, wie du es tust.

Re: You only need to hang mean bastards but mean bastards you need to hang!

Verfasst: 27. Februar 2017 12:47
von Casino Hille
00T hat geschrieben: Lauter Konflikte aus der amerikanischen Geschichte werden gemeinsam in einen Topf geworfen, egal ob zwischen weiß und schwarz, den Nord- oder Südstaaten oder Männern und Frauen.
Absolut. Dein toller Text (der meinem Review vom letzten Jahr wie schon bei Marvel mal wieder erschreckend ähnelt... wir beide haben eben den besten Geschmack!) trifft in diesem Satz sehr gut die Dimensionen des Films. Im besten Sinne ist Hateful Eight eben weitaus komplexer, als ihm die Fachpresse oft zugestehen wollte. Es ist ein Film über die amerikanische Geschichte, ganz besonders über den Sezessionskrieg und seine Nachwirkungen, aber überhaupt auch ein Film über Kriege und das Patriarchat und was sie aus den Menschen machen. Und das symbolisch wie erzählerisch auf allerhöchstem Niveau, gemäß den Gesetzen der postmodernen Kunst (mit dem meterologischem Phänomen Schneesturm, welches hier die Funktion eines Monsters aus alten Horrorfilmen übernimmt).