Welcher ist der beste Film von Quentin Tarantino?

Reservoir Dogs
Insgesamt abgegebene Stimmen: 5 (15%)
Pulp Fiction
Insgesamt abgegebene Stimmen: 8 (24%)
Jackie Brown
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (3%)
Kill Bill: Volume 1
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (6%)
Kill Bill: Volume 2
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (6%)
Death Proof: Todsicher
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (6%)
Inglourious Basterds
Insgesamt abgegebene Stimmen: 7 (21%)
Django Unchained
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (6%)
The Hateful Eight
Insgesamt abgegebene Stimmen: 3 (9%)
Once Upon a Time... in Hollywood
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2 (6%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 34

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

586
Casino Hille hat geschrieben:Es ist ein Film über die amerikanische Geschichte, ganz besonders über den Sezessionskrieg und seine Nachwirkungen, aber überhaupt auch ein Film über Kriege und das Patriarchat und was sie aus den Menschen machen.
Ja, in der Tat. Nicht umsonst legt Tarantino ja den größten Wert auf die einzelnen Persönlichkeiten und deren Handlungsweisen. Bei dem Einblick, den man in die Gedanken und den Hass der einzelnen Figuren bekommt, wird die eigentliche Geschichte um die Suche nach dem Verräter beinahe schon zur Nebensächlichkeit, dabei unterstützt sie den Einblick in die Personen nur noch.
Casino Hille hat geschrieben:mit dem meterologischem Phänomen Schneesturm, welches hier die Funktion eines Monsters aus alten Horrorfilmen übernimmt
So habe ich den Schneesturm gar nicht betrachtet, wobei ich mich sowieso eher wenig um diesen gekümmert habe. Aber eigentlich begleitet er das Ganze ziemlich gut, da er mit der immer stärker werdenden Kraft auch die immer stärker werdende Anspannung in der Hütte symbolisiert. Aber ist ja auch kein Wunder, in H8ful 8 passt ja auch wirklich jedes einzelne Detail.
Wenn überhaupt etwas stört, dann die Tatsache, dass die Tür der Hütte nicht oft genug zugenagelt wurde :D .
Casino Hille hat geschrieben:wir beide haben eben den besten Geschmack!
Das versteht sich ja von selbst :wink: !
dernamenlose hat geschrieben:"The Hateful Eight" ist einfach ein großartiger Film, dem ich exakt die gleichen Eigenschaften und Wirkungsweisen zuschreiben würde, wie du es tust.
Schön, dass es so viele Menschen mit gutem Filmgeschmack gibt 8) .
"East, West, just points of the compass, each as stupid as the other."
(Joseph Wiseman in Dr. No)

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

590
00T hat geschrieben:So habe ich den Schneesturm gar nicht betrachtet, wobei ich mich sowieso eher wenig um diesen gekümmert habe.
Ist sogar eine von Tarantino bestätigte Interpretation, und auch nur folgerichtig, wie du ja selbst erkannt hast. Der Schneesturm als äußerer Rahmen war absolut fantastisch, ein weiterer Beweis für die Brillanz des Scripts von Old Quentin. Ich teile auch vodkas Meinung nicht, dass die hasserfüllten Acht schwafelig ausfallen, ganz im Gegenteil. Die Dialoge sind höchst pointiert und wie immer bei QT ein Hörgenuss.
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Re: Die Filme des Quentin Tarantino

591
Die Dialoge in TH8 sind für mich auch weniger das triviale Gelaber, was üblich für Tarantino ist, sondern perfekt pointiert auf die stattfindende Handlung und die Charaktere zugeschnitten. Über seine Laufzeit ist das eine absolut meisterliche Maßarbeit von Tarantino !
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

592
Casino Hille hat geschrieben:
00T hat geschrieben:So habe ich den Schneesturm gar nicht betrachtet, wobei ich mich sowieso eher wenig um diesen gekümmert habe.
Ist sogar eine von Tarantino bestätigte Interpretation, und auch nur folgerichtig, wie du ja selbst erkannt hast. Der Schneesturm als äußerer Rahmen war absolut fantastisch, ein weiterer Beweis für die Brillanz des Scripts von Old Quentin. Ich teile auch vodkas Meinung nicht, dass die hasserfüllten Acht schwafelig ausfallen, ganz im Gegenteil. Die Dialoge sind höchst pointiert und wie immer bei QT ein Hörgenuss.
Ich mag den Quentin ja, aber diesmal hat er bei mir nicht gezündet. Für mich waren Death Proof und eben H8 die schwafeligsten und am wenigsten pointierten Filme von ihm. Ich finde seine Idee, den Sezessionskrieg zu verhandeln durchaus spannend genauso den Einfall das mit einem Crime-Kammeraspiel zu verbinden, nur sind ihm diesmal einfach keine entsprechenden Dialoge eingefallen. Es gibt viel Lärm um nichts, soll heißen viel ödes Geplapper. Zudem finde ich die Charaktere von Kurt und Jason Leigh ziemlich fad. Und das übersuppende Ende hat mir überhaupt nicht gefallen, bin ja bestimmt nicht zimperlich, aber das war irgendwie grotesk deplatziert. Diese Unsitte hatte sich schon bei Django Unchained angedeutet, als er einfach nicht genug kriegen konnte und noch ein zweites Blutfinale hinterher gejagt hat.
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

593
Das muss in "The Hateful Eight" aber genau so sein. Nicht umsonst lässt sich Tarantino so viel Zeit das ganze vorzubereiten. Der erste Schuss fällt ja erst nach ca. anderthalb Stunden. Von der Gewalt gegenüber Daisy abgesehen, verläuft bis dahin alles vollkommen blutlos, was sehr ungewöhnlich für Tarantino ist.
Er lässt sich unglaublich viel Zeit um die Spannung aufzubauen, einmal wurde der Film auch mit einem Schachspiel verglichen, in dem sich erst alle Figuren in Position bringen und gegenseitig ausloten, bevor dann das Eliminieren beginnt, aber die brutale Gewaltexplosion, in der sich dann alles entlädt muss so heftig sein, darauf arbeitet der ganze Film konsequent hin.
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

594
The Hateful Eight

„Let´s slow it down. Let´s slow it way down.“ Dieser Satz von Major Marquis Warren ist Programm. The Hateful Eight ist ein entschleunigter, ein langsam erzählter Film. Doch das muss nicht gleichbedeutend damit sein, dass er zäh oder gar langweilig wäre. Auch unnötig ausschweifend ist er nicht. Im Gegenteil. Der Film geht zielstrebiger und geradliniger seinen Weg, als es die meisten schneller erzählten Filme tun. Von manchem wurde „The Hateful Eight“ als Tarantinos geschwätzigster Film bezeichnet. Wenn das die Anzahl der Dialoge angeht mag das vielleicht sogar stimmen, wenn darin eine Wertung über die Notwendigkeit der Dialoge liegt, dann ist das definitiv falsch. Denn kein einziger Dialog, ja vermutlich noch nicht mal ein einziges Wort in diesem Westernkammerspiel ist unnötig. Die Dialoge erscheinen bei jeder Sichtung kürzer, und jeder trägt etwas zum Fortlauf der Geschichte, zur Charakterisierung der Figuren oder zu den behandelten Themen bei.
Egal ob Warren und Mannix in der Kutsche über den Sezzesionskrieg diskutieren und dabei Themen wie Rassismus, Rache und das Wesen des Krieges anschneiden („That´s the ting about war, Mannix: People die.“), oder Oswaldo Mobray über das Wesen der Gerechtigkeit philosophiert („For justice delivered without dispassion, is always in danger, of not be justice.“), es ist immer eine Freude den herrlich geschriebenen Dialogen zu folgen, die sich von Mal zu mal mehr entfalten.
Doch nicht nur die Dialoge sind phantastisch, auch die Charakterisierung der einzelnen Figuren ist meisterhaft gelungen, sowie ihre Beziehungen untereinander. Jeder einzelne fügt der Gruppe einen essentiellen Teil hinzu, was speziell bei der Ankunft in Minnies Miederwarenladen, als die Neuankömmlinge tröpfchenweise die Hütte betreten (Erst John Ruth mit Daisy Domergue, dann Chris Mannix mit Kutscher O.B., und schließlich Marquis Warren mit dem Mexikaner) deutlich wird, da sich jedes Mal die Atmosphäre in der Hütte, sowie die Chemie zwischen den einzelnen Charakteren verändert. Am interessantesten empfan dich aber die Beziehung zwischen John Ruth und seiner Gefangenen. Die Fesseln lassen nämlich nicht nur keine Fluchtmöglichkeit zu, sondern sorgen tagelang (bei den Schauspielern moantelang) für eine gezwungene Nähe. Das wird immer wieder deutlich. John Ruth verachtet Daisy Domergue nicht nur, auch eine Spur von Fürsorglichkeit fließt in das Spiel mit ein, nie zu deutlich, aber doch immer wieder spürbar, auch wenn es von Domergue nur abgeschwächt erwiedert wird.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass keine der Figuren ein klassischer Hauptprotagonist ist. Am ehesten passen John Ruth und Major Marquis Warren in diese Rollen, doch auch sie sind es nur bedingt. Auch wenn sie streckenweise zu leichten Sympathieträgern werden, so können sie sich nie ganz zu solchen entwickeln, da auch sie keineswegs moralisch über jeden Zweifel erhaben sind, selbst Ruth nicht, Warren schon gar nicht, der vielleicht sogar der hasserfüllteste von allen ist, wenn man sich die Berechnung und Zielstrebigkeit ansieht, mit der er den General Smithers auf die grausame Erzählung rund um die Ermordung und Erniedrigung dessen Sohnes vorbereitet, um ihn am tiefsten treffen zu können.
Auch Spannungsaufbau und Dynamik in „The Hateful Eight“ sind meisterhaft. Der erste Schuss fällt erst nach 91 Minuten, doch keine Sekunde zu spät. Das bis zu diesem Zeitpunkt aufgestaute Misstrauen, der Hass, all das entlädt sich in den folgenden 70 Minuten. Der Einsatz des Erzählers zu Beginn des vierten Kapitels passt nicht nur wunderbar, auch diese wenigen Zeilen sind wunderbar geschrieben. Und von diesem Zeitpunkt an, kann man die Spannung mit beiden Händen greifen. Mit stoischer Ruhe treibt Major Marquis Warren die Auflösung des Giftanschlags, und Quentin Tarantino die Handlung auf das unvermeidliche Ende zu.
Und in dem Moment, in dem eine weitere Figur völlig überraschend in die Handlung eingreift und die Situation zu kippen droht, kommt ein Cut, und mit einer Rückblende wird die Ausgangslage erklärt. Die Spannung aus der Haupthandlung geht nicht verloren, und überschattet die komplette Rückblende wie mit einem unbehaglichen Unterton, doch auch die Rückblende selbst ist an Spannung kaum zu übertreffen und das, obwohl man ihr Ende gewissermaßen bereits kennt.
Doch selbst zu diesem Zeitpunkt, in Phasen knisternder Spannung, schafft Tarantino es, seinen etwas skurilen Humor immer wieder einzuschieben, ohne dass es deplatziert wirkt. Der Humor ist generell eine Sache, die sich in „The Hateful Eight“ von Sichtung zu Sichtung weiterentwickelt. War mir bei meiner Kinosichtung das mehrfache Zunageln der Tür(samtzugehörigem Geschrei), sowie das häufige Wiederholen von „Abraham Lincoln“ noch zu viel, so hätte ich dieses Mal nichts gegen einen weiteren Anlass gehabt die Tür unter großem Geschrei zunageln zu müssen.
Das letzte Kapitel lässt schließlich alle zuvor angestauten Emotionen der Charaktere in brutaler Gewalt und purer Grausamkeit zum Ausbruch kommen. Und spätestens hierbei erwischt sich der Zuschauer dabei, wie er bei der Gewalt die Domergue zuletzt erfährt („You only need to hang mean basterds, but mean basterds you need to hang.“), eine gewisse Genugtuung erfährt und seine eigenen Gefühle in Frage stellen.
Und schließlich entlässt Roy Orbison den Zuschauer mit seinem Song „There won´t be many coming home“ als trockenem Kommentar in den Abspann. Besser kann „The Hateful Eight“ nicht enden.

Viele sagen, dass Quentin Tarantino mit „The Hateful Eight“ sein übliches Niveau nicht halten konnte. Dem habe ich noch nie zugestimmt, aber jetzt würde ich noch weiter gehen und sagen: Tarantino war nie besser! Es ist definitiv ein Film, bei dem eine Sichtung nicht genügt, um ein Urteil bilden zu können. Dafür steckt viel zu viel in ihm drin. Wenn ich an meine erste Sichtung denke, muss ich auch zugeben, dass ich ihn (auch wenn ich ihn mochte) damals nicht verstanden hatte (auch wenn ich davon ausgegangen bin), oder zumindest nur einen kleinen Teil dessen erfasst hatte, was eigentlich in diesem Werk steckt. Und auch nach nun drei Sichtungen habe ich mit ziemlicher Sicherheit noch längst nicht alles erfasst. Und ich freue mich schon darauf bei der nächsten Sichtung noch einmal neues entdecken zu können.

10/10
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Die Filme des Quentin Tarantino

595
Da ich nun gerade gestern mal wieder Jackie Brown gesehen habe: das ist ein absolut herrlicher Cast, den Tarantino da versammelt hat. Und macht einen ein wenig wehmütig, weil er wohl die letzte gute Rolle innehat, die Robert De Niro in seiner Karriere gespielt hat (herrlich gegen den Strich besetzt, wohlgemerkt!). Da Tarantino ja nun in H8ful 8 mehrmals unter Beweis gestellt hat, dass er auf etabliertes Personal setzt (bis auf Tatum und Bichir hatten meine ich alle Darsteller vorab bereits bei ihm mitgespielt), würde ich mir irgendwie wünschen, dass er noch einmal Michael Keaton in sein Ensemble holt. Der ist in Jackie Brown als Ray Nicolette schon sehr sehr gut, und Keaton ist allgemein ein wirklich feiner Schauspieler, aber jetzt ist er im Alter eher sogar noch besser geworden und könnte in einem Tarantino Film noch mal nach Birdman und Spotlight wirklich großes vollbringen. Das wäre tatsächlich für ein kommendes neuntes (bzw. zehntes) Projekt des Großmeisters meine größte Wunschbesetzung. Am besten dann noch an der Seite von Wiederholungstäter Michael Fassbender und Tarantino-Neuling Mark Hamill. Das wäre ein wirklich interessanter Cast. Übrigens fänd ich auch Alt-Bond Pierce Brosnan spannend in einem QT-Film. Fragt mich jetzt nicht, wieso, aber ich glaube, dass die Kombi durchaus passen könnte.
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Re: Die Filme des Quentin Tarantino

596
Jackie Brown mag ich auch sehr gerne, ist natürlich der weitaus bessere Film gegenüber Django und Hateful. De Niro zeigt ausserdem zum wiederholten Male, dass er auch innerhalb seiner obligatorischen Gangsterrolle sehr variabel ist, wie er den dumpfen Schläger gibt ist einfach köstlich. Keaton ist für mich aber beinahe noch der schwächste des Ensembles, am spannendsten ist natürlich Robert Forsters Kautionsfritze herausgearbeitet. Und Bridget Fonda ist köstlich, alleine wegen ihr lohnt sich der Film.
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Re: Die Filme des Quentin Tarantino

597
GoldenProjectile hat geschrieben:Bridget Fonda ist köstlich, alleine wegen ihr lohnt sich der Film.
Bridget Fonda ist wahnsinnig witzig, gerade auch im Zusammenspiel mit De Niro, den ich als grummliger Schläger kongenial besetzt finde. Jackie Brown ist sicher der unterschätzteste Film des Großmeisters, aber genau wie der Rest seiner Filmografie ein sehr gelungener Film. Und vermutlich sein ungewöhnlichster Film, weil der "reifste" und ruhigste. Er hat nicht die großen erzählerischen Ambitionen und Dimensionen wie Pulp Fiction oder Inglourious Basterds und ist nicht so symbolkräftig und interpretierbar wie Reservoir Dogs oder The Hateful Eight und hat praktisch nichts von der selbstreferenziellen postmodernen Attitüde, die Death Proof und die Kill Bill Filme beinhalten, auch wenn es sicherlich in der Theorie genügend gäbe, allerdings meiner Ansicht nach dann doch weitaus weniger relevant für den Film ist als bei den genannten Beispielen. Jackie Brown ist wirklich viel mehr ein Personenstück, eine Charakterstudie, und eine sehr klug konstruierte und auf den Punkt entwickelte noch dazu. Und ein fantastisches Stück Schauspielkino. Dass Keaton hier am wenigsten raussticht, sehe ich im Bezug auf die 6 großen Figuren (Grier, Jackson, Keaton, Fonda, Forster, De Niro) genauso, was aber nicht gegen ihn spricht, sondern mehr für die Leistungen der anderen (Jackson zu loben wäre ja fast schon hinfällig, seine Performance steht absolut für sich!).

Um noch mal auf meinen fiktiven nächsten Tarantino Film zurück zu kommen. Viele wünschen sich ja von ihm einen Gangsterfilm im klassischen Stil, also aus der Prohibitionszeit oder zumindest aus der Ära von Godfather und Co. Andere hingegen hätten gerne einen dritten Western nach Django und H8. Und wieder andere hoffen immer noch auf Kill Bill 3 (der aber hoffentlich nicht kommen wird). Ich würde mich ja noch mal über etwas freuen, dass wie Jackie Brown, Natural Born Killers oder Pulp Fiction in der "Gegenwart" anzusiedeln ist, in unserer Zeit, und da dann gerne wieder aus dem Gangstermilieu. Vielleicht mal eine Geschichte über einen unschuldig Verfolgten, der seinen Namen reinwaschen will, nur dann eben nach der üblich unkonventionellen Tarantino-Art aufgezogen. Oder zur Abwechslung mal einen Film aus der Sicht der Ermittler, statt aus Gangstersicht. So oder so, etwas derartiges würde mich von QT am meisten reizen, nur dann bitte nicht im nachkonstruierten PF Stil, nicht als Rekonstruktion der 90er Jahre. Zurück zu meinem Cast-Vorschlag: ein etwas älterer Cast, gemischt aus Wiederholungstätern und QT-Neulingen wäre mir am liebsten. Mark Hamill, Michael Fassbender, Diane Ladd, Pierce Brosnan, Mandy Patinkin, Catherine Keener, Michael Keaton und die obligatorischen Zoe Bell und Samuel L. Jackson Auftritte, würden für mich einen einmalig guten QT-Cast machen. Auch wenn ich bei den Namen vermutlich relativ allein auf weiter Flur stehe.
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Re: Die Filme des Quentin Tarantino

598
Tarantino ist doch am besten wenn er entweder eine kleine Geschichte um eine Handvoll Personen erzählt (Reservoir Dogs, Jackie Brown) oder eine umfangreichere Handlung auf wenige Blickwinkel und Einzelszenen komprimiert (Inglourious Basterds). Django war mir zu sehr Mischmasch aus normal erzählter Geschichte, langen Zeitsprüngen und Kammerspiel, Hateful hatte andere Schwächen.
Casino Hille hat geschrieben:Auch wenn ich bei den Namen vermutlich relativ allein auf weiter Flur stehe.
Keineswegs, Hamill passt doch wie die Faust aufs Auge und hätte sowieso mehr Kinorollen verdient, ein Tarantino-Auftritt wäre da genau das richtige. Ladd kann ich mir auch gut vorstellen nach Wild at Heart und für Fassbender wäre es auch eine gute Alternative zu all seinen Mega-Blockbustern. Keener würde auch passen und Brosnan ebenso, übrigens könnte ich mir auch Craig gut bei Tarantino vorstellen und habe mir schon mal überlegt wie passend es wäre wenn Tarantino in Kombination mit den beiden endlich nach all den Jahrzehnten zwei Bonddarsteller im selben Film aufeinandertreffen lassen würde.

Für mich funktioniert Jackie Brown vor allem als eine Art Theaterstück, aber nicht im negativen Sinne denn dafür ist er zu filmisch und abwechslungsreich. Aber mit den verschiedenen klar begrenzten Schauplätzen (Wohnung, Mall, Polizeirevier, Strandhaus, Kautionsbüro usw.) und dem klar definierten Figurensextett hat er doch ein bisschen den Erzählcharakter eines Bühnenstücks und das passt wunderbar. Mindestens genauso sehr funktioniert der Film als Heist-Reisser mit Details die erst nach und nach offengelegt werden und einer klugen Auflösung.

Und um nochmal auf De Niro zurückzukommen: Wenn man mal seine Auftritte in Godfather, Goodfellas, Untouchables und Jackie Brown vergleicht ist es erstaunlich, wie unterschiedlich er auch in seinen obligatorischen Gangsterrollen spielt; vom aristokratischen Italiener über den aggressiven und verschlagenen Hilfsmobster, weiter über die total extrovertierte Capone-Karikatur bis hin zum dumpfbackigen Schläger bei Tarantino. Grandios.
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Re: Die Filme des Quentin Tarantino

600
GoldenProjectile hat geschrieben: Wenn man mal seine Auftritte in Godfather, Goodfellas, Untouchables und Jackie Brown vergleicht ist es erstaunlich, wie unterschiedlich er auch in seinen obligatorischen Gangsterrollen spielt
Das stimmt wohl! Wie gesagt, Jackie Brown lässt mich da etwas wehmütig, fast melancholisch werden, wenn man den guten De Niro noch einmal in Höchstform erlebt. Bedenkt man, was er in den Folgejahren, bzw. heutzutage in den Lichtspielhäusern "abliefert", ist das wirklich ein reines Trauerspiel. Da ich nun auch neulich erst Untouchables gesehen habe (welch Filmperle!), ist der Vergleich umso eindrucksvoller. Performances wie in Jackie Brown als leicht genervter Schläger oder bei den Unantastbaren als völlig überdrehter Al Capone vermisst man heute völlig in seiner Vita, obwohl gerade diese beiden Auftritte klar machen, wie weit sein Spektrum ausfällt und wie mühelos er zwischen derartig unterschiedlichen Charakteren zu jonglieren weiß.
GoldenProjectile hat geschrieben: Keener würde auch passen und Brosnan ebenso
Da freu ich mich doch, wenn ich nicht der Einzige bin, der von meinen Cast-Ideen überzeugt ist. Ich finde, diese Besetzung wäre trotz des hohen Altersdurchschnitts möglicherweise genau Tarantinos Metier, zumal ich denke, dass es für ihn genau das richtige wäre, anders als bei PF und RD jetzt in einem wie von mir vorgeschlagenem Film auf reifere und ältere Charaktere zu setzen. Brosnan, Hamill und Patinkin sind in einem Tarantino eigentlich wirklich längst überfällig, Keener genauso. Auch wenn ich jetzt bei keinem von ihnen spezifisch weiß, wie QT zu ihren Leistungen steht. Interessant wäre natürlich auch eine erneute Zusammenarbeit mit Bruce Willis nach PF, allerdings ist das angesichts dessen derzeitigen Outputs und dazu gehörigen Leistungen eventuell gar nicht mal so unbedingt die beste Idee. Nicht falsch verstehen, Willis gehört zu meinen absoluten Lieblingsdarstellern, aber das ändert wenig daran, dass er in den letzten Jahren vermehrt durch enttäuschende, lustlose und gelangweilte Darbietungen in belanglosen B-Filmchen aufgefallen ist. Das trifft zwar auch auf bspw. einen Jackson zu, aber der hat dann zwischen durch auch noch große Leistungen erbracht, die mir bei Willis völlig fehlen (aber vllt wäre hierfür Tarantino dann ja auch gerade der richtige Regisseur... schwer zu sagen).
Agent 009 hat geschrieben:Ich mochte Jackie Brown damals deutlich weniger als PF, KB oder DP. Fand ihn langatmig, etwas öde und so.
Jackie Brown wächst definitiv mit der Zeit. Er ist sicherlich ein klein wenig schwächer als PF oder KB oder auch IB, aber dennoch ein fasziniernd geschriebener Film voll von Highlights, mit einer genial geschriebenen Story. Und im Tarantino Vergleich reden wir hier eh von ganz hohem Niveau, auf dem wir unterscheiden. Ich denke, dass der Film spätestens bei der dritten Sichtung wirklich zünden kann, weil man dann von dem Ballast befreit ist, der Handlung folgen zu müssen, und sich einfach in diesen herrlichen Tarantino/Leonard - Mix fallenlassen kann. Gib dem also auf jeden Fall noch mal eine Chance, jetzt weißt du auch etwas besser, was dich erwarten wird. Es ist eben kein zweiter Pulp Fiction. Spricht aber ja auch gerade für QT, dass er solch unterschiedliche Filme mit unterschiedlichen Stimmungen selbstbewusst angeht und auf seine Art umsetzt.
GoldenProjectile hat geschrieben:Für mich funktioniert Jackie Brown vor allem als eine Art Theaterstück, aber nicht im negativen Sinne denn dafür ist er zu filmisch und abwechslungsreich.
Gut gesprochen, Kollege. Ich finde auch, dass Jackie Brown in vielerlei Hinsicht als Theateradaption funktionieren könnte (die Gründe dafür hast du ganz wunderbar ausgeführt). Sehr schön dennoch dein Verweis, dass er widerrum sehr filmisch funktioniert und, auch wenn es bei einem QT Film hinfällig oder redundant erscheint, halte ich die Musikauswahl und Einbindung für herausragend. Vielleicht nicht ganz so auffällig offensiv wie in Pulp Fiction und Kill Bill 1, aber dennoch auf aller aller höchstem nur erdenklichen cineastischen Niveau. Da gibt es lauter toll abgestimmte Momente, wie sie nur ganz wenige Regisseure, jene, welche das Medium perfekt beherrschen, schaffen können. Ich denke da ganz besonders an die legendäre Kofferraum-Szene mit der Chris Tucker Figur. Wie hier mit der Musik aus dem Autoradio gespielt wird, ist pure Filmkunst, reine Magie. Absolut irres Zeug. Und es ließen sich noch viele andere Beispiele nennen.

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