Re: Der Hitchcock Thread
Verfasst: 30. Mai 2019 01:13
Heute war im Rahmen meiner locker-spontanen Hitchcock-Rückschau Vertigo an der Reihe, und ich mag gerade gar nicht allzu viel dazu schreiben. Ähnlich wie North by Northwest, nur noch in viel stärkerem Masse, entwickelt Hitchcocks 58er-Jahrgang mit fortschreitender Laufzeit zunehmend surreale Qualitäten, verlässt das geschriebene Wort und das reine Handlungsgerüst, um sich in filmischen Wegen zu entfalten. Es verschwimmen die Grenzen zwischen Madeleines sinisteren Schauergeschichten, Elsters grausamer Täuschung und Scotties erschütternder Besessenheit, während die Realität, die Bodenhaftung den tragischen Charakteren zunehmend entgleitet und irgendwann ganz verloren geht.
Ich hatte nach der neuerlichen Sichtung kurz das Gefühl, dass dies Hitchcocks einziger Film sei, dass sein gesamtes Oeuvre an tollen Film nur existiert, um auf diesen grossen Knall zu warten. Bemerkenswert, vor allem weil Vertigo der aussergewöhnlichste Film in seinem Werk ist und trotz klarer Regie-Handschrift auf seiner eigenen Wellenlänge zu sein scheint. Es ist übrigens auch der einzige von vierzehn Filmen in meiner Universal-/Paramount-Collection, dessen Hauptmenü nicht von der klassischen Titelmelodie aus "Presents" unterlegt ist. Stattdessen herrscht Stille. Und wenn Herrmanns schaurig-betörender Score, womöglich sein bester, zu dem surrealen Farbenspiel des Vorspanns einsetzt, ist die Wirkung umso prägender.
Jedenfalls, wenn die Sight&Sound-Fritzen wieder behaupten, Vertigo sei der beste Film aller Zeiten wird es mir schwerfallen, ihnen zu widersprechen.
Ich hatte nach der neuerlichen Sichtung kurz das Gefühl, dass dies Hitchcocks einziger Film sei, dass sein gesamtes Oeuvre an tollen Film nur existiert, um auf diesen grossen Knall zu warten. Bemerkenswert, vor allem weil Vertigo der aussergewöhnlichste Film in seinem Werk ist und trotz klarer Regie-Handschrift auf seiner eigenen Wellenlänge zu sein scheint. Es ist übrigens auch der einzige von vierzehn Filmen in meiner Universal-/Paramount-Collection, dessen Hauptmenü nicht von der klassischen Titelmelodie aus "Presents" unterlegt ist. Stattdessen herrscht Stille. Und wenn Herrmanns schaurig-betörender Score, womöglich sein bester, zu dem surrealen Farbenspiel des Vorspanns einsetzt, ist die Wirkung umso prägender.
Jedenfalls, wenn die Sight&Sound-Fritzen wieder behaupten, Vertigo sei der beste Film aller Zeiten wird es mir schwerfallen, ihnen zu widersprechen.