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von HCN007
Agent
Review zu „Warcraft“ (2016)
Mammutaufgabe fällt mir als erstes zu diesem Film ein. Vor allem Videospielverfilmungen lastet ein Fluch an, bei dem kaum ein Film über dem Durchschnitt landet. Und das Genre Fantasy liefert auch bereits ein extrem großes Repertoire an Filmen, die alle möglichen qualitativen Ebenen abdecken. Die Videospielreihe Warcraft hat natürlich auch eine enorme Vielfältigkeit im Lore-technischen Bereich, so dass es für „Warcraft“ eine extrem große Mammutaufgabe ist, die Außnahme im Videospielverfilmungen-Bereich sowie ein guter Fantasy-Film zu sein und natürlich auch entsprechenden Fan-Service zu liefern.
Mit welcher Erwartungshaltung bin ich an diesen Film gegangen ? Für die allgemeine Kinolandschaft ist das Universum von „Warcraft“ noch #Neuland. Und dieses komplette Universum in 124 Minuten Filmdauer zu verpacken, ist absolut unmöglich. Von daher habe ich erstmals erwartet, dass uns der Film einen ersten, kleinen Einblick in das Universum liefert, wir die ersten Konflikte zwischen Orks und Menschen und auch untereinander zu sehen bekommen.
Vorneweg muss ich sagen, dass meine Erwartungshaltung vollkommen erfüllt wurde. Uns wird zudem mit der Orkinvasion Azeroths aus dem ersten Teil des Warcraft-Universums ein für den Fantasy-Sektor vollkommen neuer und eigenständiger Plot geliefert. Warcraft gibt sich nie die Mühe, in die Regionen von „Herr der Ringe“ vorzudringen, sondern quasi etwas losgelöstes Neues zu präsentieren. Dabei geht der Film von Station zu Station und arbeitet quasi die Konflikte heraus und auf den Klimax hin – und die Entwicklung wird durch das „notwendigste“ Maß unterstützt, nicht mehr und nicht weniger. Die Story ist auch sehr konsequent und liefert auch entsprechende Konsequenzen für die Protagonisten.
Schwach auf der Brust ist der Film bei einigen Charakteren und teilweise arg soap-lastigen und genretypischen Dialogen und der Gewichtung von Menschen gegenüber den Orks. Auch der stark künstliche Look kann für den ein oder anderen etwas befremdlich sein, aber im Film funktioniert das extrem gut. Der Film ist vor allem in einem Punkt der stärkste Fantasy-Film überhaupt – Wenn es um die Orks geht, die von realen Darstellern im Motion- und Performancecapturing-Verfahren dargestellt werden. Jeder Ork ist so unglaublich detailliert und eigenständig kreiert worden – nicht nur optisch, sondern auch charakterlich mit entsprechenden Konflikten untereinander. Das sind die menschlichsten Orks, die uns bisher im Kino geliefert worden sind. Die menschlichen Charaktere müssen sich in diesem Film leider den sehr starken Orks unterwerfen. Aber die Konflikte sind immer gut integriert und nachvollziehbar auf beiden Seiten, genau wie die Kultur der beiden Parteien.
Für die Fans des Warcraft-Universums liefert der Film auch durch entsprechende Referenzen und Easter-Eggs genug Fan-Service, der nie deplatziert wirkt und sehr gut funktioniert. In Deutschland hat der Film den passenden Beititel „The Beginning“ bekommen. Denn dieser Film liefert uns erst den Anfang eines großen, neuen Film-Universums, das keine Probleme haben wird, neben Marvel und DC zu bestehen. Und das Universum „Warcraft“ liefert genug interessante Storys für Unmengen an tollen Filmen.
Der Film ist schnell, unterhaltsam und hat meine Erwartungshaltung komplett erfüllt. In manchen Bereichen ist er sogar in seinem Genre das Beste, was wir bis dato zu sehen bekommen haben. Natürlich muss ich bei meiner Bewertung auch berücksichtigen, dass dies erst der Anfang ist.
Aber ich nehme den Film mit meiner Wertung in den Kreis der Filme auf, die dieses Jahr am besten abgeliefert haben und auch Top10-Kandidaten sein können.
„Warcraft“ bekommt von mir 9/10 Punkte
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "