Da deute ich den Schluss einfach ganz anders als du.
Die allerletzte Einstellung, in der Grant nochmal den Arm um Fontaine legt, weckt bei mir wieder massive Zweifel an der Glaubwürdigkeit seiner etwas zu perfekten vorherigen Heile-Welt-Erklärung. Hitchcock könnte beide auch nur wegfahrend zeigen, aber wie Grant ganz langsam und beinahe creepy den Arm um Fontaine legt, lässt mich beim Anschauen dann wieder denken: Ach scheiße, der Schuft hat sich rausgeredet. Er wird sie doch noch umbringen!
Der ganze Film nimmt ja eigentlich den drei Jahre später erschienenen "Gaslight" mit Ingrid Bergman vorweg, ist aber noch eine Spur stärker und cleverer, weil er konsequent neben der Fontaine Figur auch den Zuschauer "gaslightet", ihn also immer wieder etwas glauben macht, ihm etwas suggeriert, was dann womöglich gar nicht der Fall ist. Es ist eigentlich einer der besten Filme, der Hitchcocks Fähigkeiten als Manipulator zeigt. Er zwingt uns die subjektive Sichtweise von Fontaine regelrecht auf, schürt immer nur mit seiner Inszenierung Misstrauen an dem, was eigentlich passiert. Cary Grant spielt seine Rolle ziemlich straight, kein Stück mehr oder weniger "bedrohlich" oder "unheilvoll" als in anderen Filmen (weshalb er oft als Fehlbesetzung galt), aber grade das macht es wirkungsvoll. Es gibt eigentlich keinen Grund, Grant zu verdächtigen, nur Hitchcocks visuelle Grammatik deutet etwas gegenteiliges an.
Und deshalb ist das Ende auch so stark, weil alles was gesagt wird für sich schlüssig ist und Sinn ergibt (es ist quasi ein Anti-Twist, eine Enthüllung zwar, aber sie wirkt eher wie eine Entschärfung), die dann durch Hitchcock wieder kurz in etwas anderes verkehrt wird. Toll!
Dass das Ende eigentlich ein Kompromiss war, und Hitchcock es gerne an vielen Stellen deutlicher gemacht hätte, mag sein bzw. ist natürlich ganz eindeutig so, aber der Zwang zur Verkürzung und "Selbstzensur" macht diesen Film für mich psychologisch viel unangenehmer als das intendierte Ende gewesen wäre. Bei dem geplanten Ende hätten wir Gewissheit, und Ungewissheit ist manchmal noch viel nachhallender.