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von Casino Hille
'Q Branch' - MODERATOR
Star Trek: Am Rande des Universums
Man kann dem deutschen Verleih manchmal nur für seinen Einfallsreichtum gratulieren: "Am Rande des Universums", so wurde der fünfte Kinofilm der beliebten "Star Trek"-Reihe (basierend auf der TV-Serie "Raumschiff Enterprise" aus den 60er Jahren) genannt, doch das Gegenteil wäre deutlich passender. In "The Final Frontier", wie der Film im Original heißt, stoßen Captain Kirk, Mr. Spock und die Crew des Raumschiffs Enterprise schließlich in den Mittelpunkt des Universums vor, um die Antwort darauf zu finden, wer wir sind und woher wir kommen. Der Captain machte es sich dabei gleich doppelt bequem, so übernahm William Shatner nicht nur wieder das Kommando über die Enterprise, sondern gab auch sein Regiedebüt. Und er erweist sich (wenig überraschend) als wahrer Kenner eines Sci-Fi-Kosmos, der 1989 (zwei Jahre nach dem Start einer neuen TV-Serie namens "Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert") selbst längst zum Mythos geworden war und besinnt sich auf jene Floskel, die seit 1966 der Beginn jedes Enterprise-Abenteuers war: "To boldly go where no man has gone before"...
Doch dieses Mal ist jener Satz mehr als nur eine Floskel. Shatner bindet ihn in die Handlung ein und macht ihn gar zum Leitmotiv seiner Odyssee. Wie nie zuvor, steht bei "The Final Frontier" das Entdecken, das Erkunden im Vordergrund, sowohl im großen metaphilosophischen Sinne, wie auch im persönlichen. Damit ähnelt der Film dem Erstling der Reihe "The Motion Picture" teilweise frappierend (so kehrt Jerry Goldsmith als Filmkomponist zurück und liefert eine gewohnt ausgezeichnete Arbeit auf höchstem Niveau!) und auch das Script scheint strukturelle Ähnlichkeiten zu besitzen, doch tonal ist Shatner so weit von Robert Wise meditativer Irrfahrt entfernt wie nur möglich. Er setzt auf die Stärken der Originalserie von "Star Trek"-Schöpfer wie Gene Roddenberry und versucht, die gesamte Bandbreite dieser 79 Episoden zusammenzufassen. So gibt es die üblichen philosophischen und religiösen Metaphern und Diskussionen, aber auch actionreichere Passagen und ironischen Humor, der hier teils Gestalt einer Selbstironie annimmt, wenn ausgerechnet die Navigatoren Sulu und Chekov sich beim Landurlaub verlaufen oder das Traum-Trio Kirk, Pille und Spock gemeinsam beim Lagerfeuer sitzen, Marsh Melonen rösten und das berühmte Lied "Row row row your boat" zum besten geben. Der Humor in "The Final Frontier" ist oft etwas verspielt und voller Naivität, doch sitzt ihm das Herz am rechten Fleck und entfaltet sofort einen bezeichnend eigenwilligen Charme, der die Schwere der thematischen Motive der komplexen Handlung etwas entwaffnet und erst akzeptabel werden lässt. Besonders schön ist, dass Shatner auf eine Ego-Show seines Alter Egos Kirk verzichtete, sondern lieber die erwähnte Dreierkonstellation, welche in ihren Rollen mit schlafwandlerischer Souveränität agieren, vollends in den Fokus rückt und zum Dreh- und Angelpunkt des Scripts macht.
So ist "The Final Frontier" neben der Gott-Suche des vulkanischen religiösen Fundamentalisten und Sektenanführers Sybok (vortrefflich vielseitig gespielt von Laurence Luckinbill), der die Enterprise kurzerhand kapert, vor allem auch eine Geschichte über Familie und Freundschaft und was es bedeutet, seinen Platz im Universum zu finden. Sybok, der mit hypnotischen Fähigkeiten seinen zukünftigen Anhängern ihren größten Schmerz nimmt und so von jeder Angst kuriert, scheitert dabei nicht an der starken Mentalität des Helden-Trios oder deren Ideologie, sondern an deren tiefer emotionaler Verwurzelung zueinander. "Where no man has gone before" muss nicht heißen, Grenzen zu überqueren, sondern seine eigenen zu akzeptieren und mit ihnen umgehen zu können. Spielerisch leicht verwebt Shatner diese Ideen in einen temporeichen Mix aus lockerer Action, vielen ausführlichen und stets pointiert geschriebenen Charaktermomenten und intelligenter Spannungserzeugung, wobei ihm besonders sein beachtliches Auge für atmosphärische Landschaften zu Gute kommt. Das Opening ist derartig stimmungsvoll, dass es schon zu den Highlights der Reihe zählen dürfte, die Action in der kargen Wüstenstadt ist knackig und packend und auch im Finale auf dem Planeten Sha-Ka-Ree gelingt ihm eine teils furiose Bebilderung des zu erforschenden Gebiets. Höchst gelungen ist auch sein Spiel mit Farben und Licht, etwa in der Szene, wenn Spock und McCoy ihren größten Ängsten begegnen oder bei den prächtigen Panoramaaufnahmen des Yosemite Parks. Hier gestaltet sich oft mit weniger und simpeln Methoden ein gewaltiger mitreißender Effekt. A propos: Auch die oft gescholtenen Special Effects verdienen ein großes Lob. Mag das ganze aus technischer Sicht nicht die Klasse der Vorgänger erreichen, so ist es optisch schon sehr passend und ideal für den Film, besonders die Barriere rund um Sha-Ka-Ree sieht absolut fantastisch aus.
Was "The Final Frontier" dann aber wirklich zu einem der besten Filme der Reihe macht, ist sein ungezwungener, beinahe selbstverständlicher Umgang mit dem Thema "Gott" und Religion im Allgemeinen. Dass die Suche der Enterprise am Ende ein Stückweit ins Leere verlaufen muss, ist natürlich klar. Doch in der letzten halben Stunde kitzelt Shatner alles raus, was die Phrase "where no man has gone before" zu bieten hat. Mit nahezu unerträglicher Spannung entfesselt die Regie die Neugierde nach dem, was dort im Mittelpunkt der Galaxie zu finden sein wird und liefert eine Antwort, die viele unbefriedigt zurücklassen wird, im Kern aber nicht nur konsequent, sondern logisch und in ihrer interessanten Ausgestaltung faszinierend ist und durchaus sowohl atheistische als auch alttestamentarische Denkmuster übernimmt und in ein visuelles Gewand überträgt, gleichzeitig aber auch eindeutig formuliert, dass der Weg das Ziel ist und im Falle der Suche nach dem Sinn der Existenz und dem Schöpfer sogar das Ziel sein muss, während die Antwort selbst immer unbefrieidgend sein wird. Man klettert eben nur deshalb auf einen Berg, weil er da ist, weil er das mit seinem Dasein einfach herausfordert. So bleibt Gott selbst einem die Antwort am Ende womöglich schuldigt, eröffnet aber vielleicht die Erkenntnis, dass man von Anfang an die falsche Frage gestellt hat.
Fazit: "The Final Frontier" erweist sich als fulminante und packende Science Fiction der allerbesten Art, die gleichzeitig Herz wie Hirn herausfordert, mit einem interessanten Antagonisten aufwartet und visuell wie narrativ herausragende Passagen für Auge und Ohr beinhaltet, die den Geist der eigentlichen Idee hinter "Star Trek" so wunderbar auf den Punkt treffen wie nie zuvor und am Ende nur eine absolut herrlich einfallsreiche wie tiefschürfende Frage offenlässt: What does God need with a starship?
9/10
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Let the sheep out, kid.