Das Versprechen historischer Korrektheit

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The Promise

Kaum ein Film wurde in letzter Zeit so zum Gegenstand einer politischen Debatte ausgeweitet wie „The Promise“. Doch das Werk von Regisseur Terry George weckt damit im Vorfeld Erwartungen, die der fertige Film kaum einhalten kann. Der Reihe nach: 2016 kam es zu politischen Streitigkeiten zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei, als die Bundesregierung eine Resolution beschloss, nach der die Vertreibung der Armenier aus dem Türkischen Reich 1915 (in deren Zuge zwischen 300000 und 15000000 Menschen den Tod fanden) fortan als Völkermord zu bezeichnen sei, während die türkische Regierung sich gegen eine Verwendung des Genozid-Begriffs wehrt: die damaligen Geschehnisse seien Konsequenzen des Ersten Weltkriegs gewesen und eine derartige Titulierung daher unangebracht. Auf welcher Seite George und sein Film stehen, ist nach wenigen Minuten klar, und dennoch ist „The Promise“ ein seltsam mitleidsloses Werk geworden, welches Authenzität, Empathie und Sensibilität in allen Punkten vermissen lässt.

In vielerlei Hinsicht fühlt sich der Filmkenner bei „The Promise“ schnell an die klassischen Hollywood-Epen eines David Lean erinnert. Sowohl in der Ausstattung als auch inhaltlich ist die Orientierung an den Kostümfilmen überdeutlich: die Detailverliebtheit der Produktion ist produktionsdesign-technischer Traum, natürlich mit modernen Mitteln, denn wo Lean einst echte Landschaften und große Kulissen abfilmte, greift der zwischen 90 und 100 Millionen Dollar teure Film auf weite Panoramaaufnahmen von CGI-Replikationen der Türkei des frühen 20 Jahrhunderts zurück. Geschenkt, da der Wille einer um Exaktheit bemühten Nachstellung der damaligen Zeit auf der Leinwand durchaus erkennbar wird. Die inhaltlichen Parallelen zu Leans Filmen liegen im Fokus der Geschichte: Zentral ist hier nämlich kein Soldat oder direkt vom Krieg geschädigter Charakter zu finden, sondern ein turbulentes Liebesdreieck, welches allzu schnell durch den ausbrechenden Krieg in Mitleidenschaft gezogen wird. Liebe und Krieg als Kontraste – ein Kniff, so alt wie das Kino selbst. Die Liebe der beiden Armenier Mikael und Ana steht daher von Anfang an merklich unter keinem Stern – und das nicht nur, weil Mikael durch eine arrangierte Verlobung eigentlich bereits vergeben ist, genauso wie Ana, die sich in einer Beziehung mit dem US-amerikanischen Fotoreporter Christopher befindet…

Was hatte die Produktionsfirma Survival Pictures sich doch bemüht, große Stars wie Elton John oder Leonardo DiCaprio hinzuzuziehen, um in einer Marketingoffensive auf die Botschaft des Films aufmerksam zu machen. Gleichzeitig standen schwere Sabotage-Vorwürfe im Raum: Türkische Internettrolle sollen die Bewertungen für den Film auf der Webplattform imdb.com manipuliert haben, um dem Ansehen des Films zu schaden. Und wie enttäuscht wird der politisch interessiert oder desinteressierte Zuschauer doch sein, wenn er im Kino erfahren muss, dass „The Promise“ bei allem vorgeschobenen Interesse am Schicksal der Armenier ein platter Liebesfilm mit unausgegorenen Dialogen und klischeehafter Aufmachung geworden ist. Denn wo weltweit Diplomaten wie Historiker über den „Völkermords“-Begriff diskutieren, ist sich „The Promise“ seiner Sache zwar sicher, scheint aber deshalb auch seine Position kaum genauer ausgestalten zu wollen. Die Liebesgeschichte zeigt sich von den Gräueltaten und Massakern jedenfalls wahrlich unbeeindruckt: Ganz klassisch finden Mikael und Ana zusammen, überstehen kleinere und größere Konflikte an denen ihre Liebe immer weiter wächst, bis am Ende alles ganz melodramatisch in große Tränenausbrüche mündet. Eingeschobene Episoden, wie ein Ausflug des Reporters Christopher in ein Kriegsgefangenenlager wirken so willkürlich wie beiläufig und so verpasst es der Film zu jeder Zeit, dem Krieg ein dramaturgisches Sujet zu vermitteln. Dies schwächt zeitgleich auch die Liebesgeschichte, denn da diese in ihrer Tragik erst durch das Kriegsleid deutlich werden soll, fehlt es hier vollständig an jedweder Emotionalität für das Leinwandgeschehen.

Unbegreiflich bleibt, wie George eine solche Starriege versammeln konnte, um sie in Rollen von Cameo-artiger Länge zu präsentieren. Wer vorab von der Verpflichtung von Tom Hollander oder Jean Reno gehört haben sollte, kann seine Vorfreude auf deren Auftritte getrost ad acta legen, so winzig fällt ihre Teilnahme aus. Auch die begabte Angela Sarafyan bleibt verschenkt und so bleibt nur die Dreieckskonstellation aus Oscar Isaac (Mikael), Christian Bale (Christopher) und Charlotte Le Bon (Ana) im Gedächtnis, die dafür überaus kompetent gegen die Plattheiten von Inszenierung wie Script anspielen. Besonders Bale, der die emotional distanzierteste Rolle verkörpert, deutet nicht selten an, welches Potential in „The Promise“ gesteckt hätte, wenn die Ausarbeitung des Projekts im Vorfeld überlegter gewesen wäre. Historisch genau arbeitet der Film schließlich und zitiert nicht selten sogar Fotos aus Armenischen Museen nahezu 1:1, so wie allgemein das Anliegen, den Fokus auf ein bislang historisch kaum filmisch aufgearbeitetes Thema auch aus aktueller Sicht durchaus lobenswert ist, auch wenn „The Promise“ in die Falle tappt, das Leiden eines ganzen Volkes durch eine Episode darzustellen, die von einem Großteil der beteiligten Personen überlebt wurde, was der eh schon empfundenen Emotionslosigkeit der konventionell-tränendrückerischen Herangehensweise nicht unbedingt gut tut.

Fazit: Historiker und Diplomaten, die seit jeher eine Schwäche für die thematischen Begebenheiten in der Türkei 1915 haben, werden den Kinobesuch ohnehin wagen. Eine Kinoempfehlung für dieses Klientel ist daher so redundant wie abgedroschen. Doch die Frage, an wen sich „The Promise“ sonst richten will, bleibt offen. Natürlich ist der Film trotz ehrbaren Anliegens (produziert vom vor zwei Jahren verstorbenen amerikanischen Milliardär Kirk Kerkorian, der selbst armenischer Abstammung ist) in seinem Sendungsbewusstsein so grob wie es das Mainstream-Publikum verträgt und mit seinem großen Fokus auf die standardisierte Liebesgeschichte ein ziemlicher Langweiler bei einer Länge von 130 Minuten. Fans historischer Liebesdramen können den Kinobesuch trotzdem wagen, um sich immerhin an der prächtigen Ausstattung und den respektablen Darstellern zu erfreuen. Für alle anderen bleibt „The Promise“ nur ein Versprechen, auf dessen Einlösung man aber vergeblich wartet.

4/10
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Re: Zuletzt gesehener Film

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Hille, du hast es geschafft mir jegliche Lust an dem FIlm zu nehmen. :D David Lean in CGI - brrr, klingt allein schon gruselig. Die Lovestory-Fokusierung würde mich nicht schrecken, wenn sie gut gelöst ist. So finde ich beispielsweise den englischen Patienten ganz hervorragend. Aber auf ein steriles Möchtergernepos verzichte ich dann lieber, zumal man das auch heute ohne digitalen Zinnober gut hinbekommt, wenn man denn will - siehe Russell Crowes ordentliches Regiedebut Das Versprechen eines Lebens, welches praktisch in der gleichen Zeitepoche spielt.
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Re: Zuletzt gesehener Film

8091
AnatolGogol hat geschrieben:Hille, du hast es geschafft mir jegliche Lust an dem FIlm zu nehmen. :D
Upps, das tut mir natürlich leid. :D Habe den Film schon vor ein paar Tagen vorab sehen dürfen, konnte die Kritik daher erst heute hier posten. Immerhin wohl noch rechtzeitig. :wink: Leider ist übrigens gerade die Liebesgeschichte überhaupt nicht gut gelöst, sie ist der zentrale Problemfaktor für die Emotionalität der gesamten Handlung: Sie bleibt zu losgelöst vom sonstigen Kriegsgeschehen, da sie in völlig gewohnten Bahnen verläuft und daher der Krieg nur zum austauschbaren Handlungskatalysator wird, der die Probleme für das/die Pärchen aufwirft. Das hätte man schon im Script besser lösen müssen, so bleibt der Film trotz des gewählten unverbrauchten historischen Hintergrunds eine Randnotiz.
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Re: Zuletzt gesehener Film

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Free State of Jones (2016) - Gary Ross

Sehr starkes Bürgerkriegsdrama mit einem wie um sein Leben spielenden Matthew McConaughey. Die Geschichte um einen Haufen desillusionierter Menschen im Süden, die genug haben von Bürgerkrieg, Feudalismus und Militärwillkür und ihren eigenen zivilen Konflikt starten ist packend und wendungsreich. Der Film fällt aufgrund seiner gemächlichen Erzählweise sowie seinem Verzeicht auf trendige Farbfilter oder CGI-Eskapaden regelrecht aus der Zeit, gerade das macht ihn wie ich finde aber auch so charmant. Für Feunde historischer Dramen eine echte Empfehlung. Und McConaughey wird wirklich von Jahr zu Jahr besser, wow.

Wertung: 8,5 / 10
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Re: Zuletzt gesehener Film

8093
Interessant, wie Meinungen zu Filmen hier immer wieder auseinandergehen - "Free State of Jones" wäre thematisch besser eine Miniserie geworden als ein langweiliger Film geworden. Was "The Promise" angeht, sehe ich das ganze nicht so kritisch wie Casino Hille:

iHaveCNit: The Promise (2017)


Im letzten Jahr um diese Zeit kamen eine Reihe Trailer, die meine künftigen Kinobesuche beeinflusst haben. Dazu gehörte auch „The Promise“, der mir zuerst durch die Partizipation von Christian Bale und Oscar Isaac und dem sehr interessanten Thema zugesagt hat. Im Angesicht der aktuellen, politischen und brisanten Beziehung zwischen der Türkei und Deutschland ist der Film in meinen Augen genau zur richtigen Zeit produziert und veröffentlicht worden. Auch wenn er natürlich einige Versprechen nicht einlösen kann.

Der armenische Pharmazeut Michael reist nach Konstantinopel in den letzten Tagen des osmanischen Reichs um für den Berufsstand des Arztes Medizin zu studieren. Dabei lernt der den amerikanischen Journalisten Chris Myers und dessen künstlerisch begabte Partnerin Ana kennen, die ebenfalls armenische Wurzeln hat. Beide verlieben sich ineinander, werden aber durch die Verfolgung der Türken voneinander getrennt und müssen nun überleben, um sich wiederzusehen.

Ich finde es wichtig, dass man in historischen Filmen wichtige Themen aufarbeitet und da gehört der bis dato von der türkischen Regierung geleugnete Genozid an der armenischen Bevölkerung auch dazu. The Promise ist ein sehr ambitioniertes Herzensprojekt des bereits verstorbenen Armeniers Kirk Kerkorian, der den „Hotel Ruanda“-Regisseur Terry George mit dessen sehr kompetenten Regie betraut hat. Allgemein ist der Film in Ausstattung, Bildern, Musik und gewisser historischer Genauigkeit extrem atmosphärisch und lässt einen regelrecht in diese Zeit zurückreisen und die Ereignisse mitfühlen. Darstellerisch ist mit Christian Bale, Oscar Isaac und auch Charlotte Le Bon für eine gute Arbeit auf dieser Seite gesorgt. „Notwendige Unausgewogenheit“ - Das ist natürlich auch hier der Fall, wenn sich die Handlung um wichtige geschichtliche Stationen auch um die Liebesgeschichte dreht und manche Klischees nicht vollends umschifft werden können. Für „The Promise“ ist es Fluch und Segen zugleich, dass dieser Film den Anfang macht, filmisch den Genozid zu verarbeiten. Er ist streckenweise überambitioniert und will uns zuviel unterschiedliche Themen vermitteln und verarbeitet gewollt/ungewollt auch durch Kleinigkeiten brandaktuelle Themen wie Flüchtlingskrisen, die Verhaftung/Ausgrenzung von Leuten wie Can Dündar, Deniz Yücel und auch Peter Steudtner. Ich mache dem Film aber in dieser Sache keinen Vorwurf, keinen klaren Fokus zu haben. Ich freue mich jedenfalls, dass Capelight Pictures als deutscher Verleih trotz der brisanten politischen Beziehung von Deutschland zur Türkei den Mut aufgebracht hat, den Film in ihr Programm aufzunehmen und in die deutschen Kinos zu bringen. Ich glaube es ist schon bezeichnend, was eine türkische Regierung von dem Film hält, indem man in der internationalen Veröffentlichungsphase des Films Internettrolle Negativwertungen und Schmähkritiken hat lancieren lassen, um dem Film zu schaden. Wenn ein Land wie die Türkei einen solchen nationalsozialistischen Genozid leugnet, der auch später eine Inspiration für Adolf Hitler für den Holocaust gewesen ist, sollte sich ein türkischer Präsident mit „Nazivergleichen“ gegenüber Deutschland hüten. Mir hat der Film jedenfalls gut gefallen und ich hoffe mal, dass dieser Film nun den Weg ebnet, auch genau dieses Kapitel der Geschichte filmisch verarbeiten zu können.

„The Promise“ - My First Look – 7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

8094
The Party (2017, Sally Potter)

Polanskis drögen Carnage gibt's nun also auch in besserer Form. Dieses Mal findet die Gaudi bei einer kleinen Freundes- und Bekanntenparty zu Ehren der frischgebackenen Gesundheitsministerin Englands statt. Und natürlich gerät der als gemütliche Feier angedachte Abend im Nullkommanix komplett aus den Fugen und kommen unangenehme Geheimnisse und Charakterzüge der sieben Anwesenden zum Vorschein, was die gutbürgerlichen Fassaden aufbrechen lässt und in besten zwischenmenschlichen Eskalationen endet. In einer angenehm komprimierten Laufzeit von nur etwas mehr als 70 Minuten werden Komik, Tragik und schwarzer Humor authentisch miteinander untergebracht und entwickeln sich aus den Karikaturen - vom nervösen Yuppie-Banker mit Nasenstaub-Problem bis hin zum spirituell angehauchte Binsenweisheiten schwingenden Hobbyguru ist wirklich jeder dabei - mehrdimensionale Charaktere, die den Interaktionen Glaubwürdigkeit verleihen. Einen nicht unerheblichen Teil tragen die Darsteller dazu bei, Potter versammelt ein Ensemble charismatischer und talentierter Kempen - Kristin Scott Thomas, Timothy Spall, Cherry Jones, Cillian Murphy, Bruno Ganz, Patricia Clarkson und Emily Mortimer - und ein wirklich jeder passt in die Rolle, wobei natürlich einer immer herausragen muss und in diesem Fall ist es Murphy, der geradezu übermenschlich agiert. Völlig zeitlose Schwarzweissbilder, die den Kammerspiel-Effekt geschickt umschiffen, runden den Film ab. Kein Meisterwerk für die Analen der Filmgeschichte, aber ein schöner, kleiner Kinobesuch.

Wertung: 7,5 / 10
We'll always have Marburg

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Re: Zuletzt gesehener Film

8096
iHaveCNit: Kill Switch – Two Worlds Collide (Deutscher Verkaufsstart: 18.8.2017)

Zuletzt habe ich auf der Suche nach weiteren Filmen im „Str8 2 HC“-Bereich den Trailer zu „Kill Switch“ gesehen. Stellenweise dachte ich mir so, das ist ja fast wie bei „Hardcore Henry“ aus dem letzten Jahr, den ich gerne gemocht habe, also her damit. Dan Stevens spielt hier die Hauptrolle und in einer Nebenrolle sehen wir das „Skyfall“-Bondgirl Berenice Marlohe. Herausgekommen ist ein guter, wenn nicht ganz ausgereifter Science-Fiction-Actioner.

Auf der Suche nach neuen Methoden der Energiegewinnung hat eine Firma namens Alterplex experimentell ein Paralleluniversum geschaffen, aus dem durch einen Portalturm unbegrenzte Energie abgezapft wird. Doch das Experiment läuft schief und die Welt steht kurz vor einer destruktiven Überladung. Will Porter hat für Alterplex gearbeitet und durch seine physikalischen und kampferprobten Kenntnisse soll er zum Ausgleich der Energie im Paralleluniversum am Turm eine Redivider-Box anbringen. Dort angekommen muss er feststellen, dass diese Mission mit vielen lebensgefährlichen Widerständen gepflastert ist und sein Handeln konsequente Folgen für eine der beiden Universen haben könnte.

Ich musste nach der Sichtung des Films mal meine alte Review von „Hardcore Henry“ raussuchen. Dort hatte ich erwähnt, dass sich das Gimmick über eine GoPro den kompletten Film über in POV zu zeigen doch über 90 Minuten abnutzt und besser als einzelne Sequenzen innerhalb eines Films funktioniert. Genau das passiert auch hier bei „Kill Switch“. Wir wechseln zwischen Flashbacks, in dem wichtige Stationen und auch die emotionalen Hintergründe von Will Porter gezeigt werden, kurzen Werbespots für die neue Technologie von Alterplex und den POV-Aufnahmen. Das gibt uns einen besseren Einblick in das ganze Geschehen, dass trotz der technologischen Innovation und den Konsequenzen dann doch duch seinen Blau- bzw. Graustich sehr kühl und distanziert rüberkommt. Auch den Wechsel von POV in Flashbacks hätte man eleganter lösen können. Die Effekte sind ganz cool für eine solche Produktion und in der POV werden durch Einblendung diverser UIs auch noch zusätzliche Informationen an die Hand gegeben. An sich ist der Film recht schnörkellos inszeniert. Seine Optik und das klassische Schema: „Bringe Objekt XY von Punkt A zu Punkt B“ erinnert dann auch stark an ein Videospiel in Egoperspektive. Auch ganz witzig fand ich ohne direktes Vorwissen, als der Film an Orten in und um Amsterdam gespielt – und mich somit an meinen 2013er-Urlaub dort erinnert hat.

„Kill Switch – Two Worlds Collide“ - My First Look – 7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

8097
iHaveCNit: A United Kingdom (2017)

Im ganzen Fahrwasser der Renaissance des „Black Cinema“ kommt auch ein ganz feiner britischer Film im die Ecke, der Liebesgeschichte, Bürgerrechtsdrama und Historienfilm vereint. „A United Kingdom“ heißt er und hat mit Rosamund Pike und David Oyelowo bereits 2 Argumente gehabt, warum ich mir den Film ansehen wollte. Und wie immer hatte ich für mich ein stilsicheres Händchen gehabt, auch wenn der große Wurf ausgeblieben ist.

London 1947. Seretse Khama studiert Jura in der britischen Metropole und lernt die Büroangestellte Ruth Williams kennen und lieben. Beide heiraten. Da Seretse Khama jedoch im damaligen Beschuanaland (heutiges Botswana) der Thronfolger ist, missfällt seiner Familie diese Eheschließung. Und die politischen Bündnisse zwischen Großbritannien und Beschuanaland verschärfen sich damit zunehmends, weil auch die in Südafrika Einzug haltende Apartheid entsprechenden Druck und Einfluss auf diese politische Lage und auch die Liebe zwischen Seretse und Ruth ausübt, die somit um ihre Liebe kämpfen müssen.

Der Film ist extrem überambitioniert und komplex, wenn man sich die Synopsis des Films anschaut – so dass er sein ehrenwertes durchaus vom Leben für das Kino gemachte Thema in seinen 113 Minuten kaum mit dem notwendigen Tiefgang erzählen kann und etwas überladen wirkt. Gerade der Kernpunkt eines Liebesdrama vor bürgerrechtlichem Hintergrund hat z.B. Jeff Nichols dieses Jahr in „Loving“ bewusst feiner, zurückhaltender, nuancierter und fokussierter gestaltet, in dem er sich auf seine beiden Hauptdarsteller (Joel Edgerton und Ruth Negga) konzentriert hat. Aber die Liebesgeschichte hier zwischen Rosamund Pike und David Oyelowo hält den ganzen Film dennoch sehr gut zusammen und beide spielen ihre Charaktere mit einer tollen Chemie und Glaubwürdigkeit, dass einem die Geschichte dann doch als entsprechendes Gefühlskino mitnimmt. Optisch wechselt der Film von einem grauen, vernebelten, tristen London hin zu einem sonnigen, lichtdurchfluteten, warmen und faszinierenden Botswana hin und her. Mir hat der Film gut gefallen, auch wenn er etwas zu viel wollte.

„A United Kingdom“ - My First Look – 7/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

8098
Zweite Chance

Auch wenn ich den Film manchmal etwas klischeehaft in der Figurenzeichnung und Handlungsentwicklung finde, muss ich sagen, dass ich ausgehend von der Grundsituation beim Betrachten viele "Ach du scheiße!"-Momente erlebt habe, die bei mir nachhaltig Eindruck hinterlassen haben. Außerdem ertappte ich mich auch dabei, dass ich mir an vielen Stellen "Was wäre geschehen, wenn X in der Situation Y stattdessen Z getan hätte?"-Fragen gestellt habe. Es gab einen üblen Twist, der kurz vor Schluss das seltsame Verhalten einer Nebenfigur völlig nachvollziehbar machte. Kurzum: ein Film, der packt.

8 von 10 Punkte
"Nelly, I'm about to get neck-ed back here. So: No peekin'! ... I said: No peekin'!"
(Joe Bang)

Re: Zuletzt gesehener Film

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HCN007 hat geschrieben:Allgemein ist der Film in Ausstattung, Bildern, Musik und gewisser historischer Genauigkeit extrem atmosphärisch und lässt einen regelrecht in diese Zeit zurückreisen
Genau das sehe ich in "The Promise" nicht. Der Film ist groß, nah an David Lean in seiner rein visuellen Aufmachung, aber er ist eben auch sehr steril und klinisch, weil er voller digitaler Ergänzungen ist. Dass der Film historisch sehr genau rekonstruiert, mag sein, hilft aber wenig dabei, dass insgesamt der konsolengenerierte Eindruck zu sehr haften bleibt. Echte Steppen sind eben immer vorzuziehen.
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Re: Zuletzt gesehener Film

8100
Under the Skin

Experimental-Horror-Sci-Fi-Film mit einigen interessanten Sequenzen, allerdings auch mit einigem Leerlauf, der zu einem WTF?-Inland-Empire-Reloaded-Seherlebnis bei mir geführt hat. In Ermangelung klarer Gedanken zu diesem Film verbleibe ich

ohne Wertung
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(Joe Bang)