Re: Nachrichten Thread (Politik, Doku, Wissen)

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HCN007 hat geschrieben:So kann man die Wahl auch als representatives Ergebnis des Volkes verstehen. Oder zumindest die Leute, die nicht abgestimmt haben, als Enthaltung werten.
Man kann sogar sagen, dass die Bürger, die nicht abgestimmt haben, sich enthalten werden. Das taucht im Wahlergebnis nur nicht auf, da es nur die Entscheidung "Verbleib" oder "Austritt" gibt. Am logischsten wäre es, zu sagen, Enthaltung bedeutet "Alles bleibt beim alten". Das wäre aber besonders bei dieser Abstimmung nicht demokratisch, da die Brexit-Gegner somit auch die Stimmen derer bekommen hätten, die gar nicht abgestimmt haben.

Re: Nachrichten Thread (Politik, Doku, Wissen)

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Nun ja, eine normale Wahl hat Auswirkung für 4 Jahre und es werden realistischerwei selten Entscheidungen gefällt die von großer Relevanz oder Auswirkung sind und last but not least, die nicht sowieso wieder zurückgenommen werden können. Da verstehe ich teils die Politikverdrossenheit vor allem wenn eine CDU schon oft mehr sozialdemokratische Politik macht als die SPD und eine SPD ausgerechnet das Programm 2010 durchsetzt...

Aber sei es drum:
Hier wurde über etwas von immenser Auswirkung abgestimmt. Es geht hier nicht um 4 Jahre und es geht auch nicht blos um UK. Hier haben ein Ungebildete, Uninformierte und eben auch viele Alte über etwas entschieden, was gravierende Auswirkungen für Weltwirtschaft und den europäischen Kontinent für Jahrzehnte haben kann.

Soll heißen:
1. Nein, sowas lässt man nicht in "direkter Demokratie" entscheiden. Genau für Entscheidungen solcher Tragweite will ich gestandene Politiker
2. Ja, die Wahlbeteiligung war hoch aber sie war eben weit entfernt von 100% und eine Differenz im Ergebnis von 2% ist für mich kein Votum was solche Konsequenzen rechtfertigen würde.
3. So bitter und undemokratisch es klingt: Es ist schade, dass de facto die Mehrheit der "Vergangenheit" (die Alten) über den Willen der Zukünftigen über deren Zukunft entschieden hat

A propos Fakten: Es gibt ja Tabellen in denen man sieht wie pro Altersgruppe gewählt wurde. Da ist schon ein gravierendes Gefälle und ich glaube wenn die Wahl unter den unter 60 jährigen entschieden worden wäre, wäre sie anders ausgegangen


Pro Brexit:
- 24 Jahre: 20%
- 25 - 49 Jahre: 45%
In Summe sicherlich eine deutliche Pro-EU Mehrheit unter 50 Jahren

- 50 - 64 Jahre: 56%
Vermutlich selbst in Summe bis 64 Jahre eine leichte Pro-EU Mehrheit

- 65 und älter: 63%
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Nachrichten Thread (Politik, Doku, Wissen)

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danielcc hat geschrieben:Hier haben ein Ungebildete, Uninformierte und eben auch viele Alte über etwas entschieden, was gravierende Auswirkungen für Weltwirtschaft und den europäischen Kontinent für Jahrzehnte haben kann.
Das ist anmaßend. Du weißt überhaupt nicht, wie gut informiert die Leute waren. Sicher waren da viele uninformierte dabei (in beiden Lagern), aber das so auf eine Gruppe zu pauschalisieren ist schlichtweg anmaßend, weil das niemand wissen kann. Es kann selbstverständlich sein, dass es so war, aber das ist schlichtweg kaum statistisch feststellbar.
danielcc hat geschrieben:1. Nein, sowas lässt man nicht in "direkter Demokratie" entscheiden. Genau für Entscheidungen solcher Tragweite will ich gestandene Politiker
Darüber ließe sich streiten. Ich fovorisiere da das Schweizer Modell, aber auch deine Sichtweise ist natürlich völlig legitim. Fakt ist aber, dass gewählt wurde, also muss man sich jetzt auch daran halten.
danielcc hat geschrieben:2. Ja, die Wahlbeteiligung war hoch aber sie war eben weit entfernt von 100% und eine Differenz im Ergebnis von 2% ist für mich kein Votum was solche Konsequenzen rechtfertigen würde.
Sie war aber sehr viel höher als bei den letzten (Parlaments)-Wahlen in GB. Da lag die Wahlbeteiligung teilweise 20% darunter. Die 72% sind ein sehr hoher Wert, noch höhere Wahlbeteiligungen findest du heute kaum noch.
danielcc hat geschrieben:3. So bitter und undemokratisch es klingt: Es ist schade, dass de facto die Mehrheit der "Vergangenheit" (die Alten) über den Willen der Zukünftigen über deren Zukunft entschieden hat
Auch die "Alten" leben noch ein paar Jährchen und haben damit die gleichen Rechte wie die jüngeren. Und ganz ehrlich: Sollten die Briten in 40 Jahren (Wenn die ganzen "Alten" tot sind) merken, dass sie zurück in die EU wollen, wird es mit Sicherheit ohne große Probleme realisierbar sein.
danielcc hat geschrieben:A propos Fakten: Es gibt ja Tabellen in denen man sieht wie pro Altersgruppe gewählt wurde. Da ist schon ein gravierendes Gefälle und ich glaube wenn die Wahl unter den unter 60 jährigen entschieden worden wäre, wäre sie anders ausgegangen
Sicher, das wäre sie. Ohne die über 60-jährigen hätte es den Brexit nicht gegeben. Allerdings wäre die Wahl genauso knapp ausgefallen. Nur halt in die andere Richtung. Wie gesagt, so groß ist der Anteil der über 65-jährigen nicht (ca. 17%).
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Nachrichten Thread (Politik, Doku, Wissen)

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Nico hat geschrieben:Natürlich hat er das... Bin absolut kein Fan von Volksabstimmungen.
Ich schon. Auch, wenn einem das Ergebnis mal nicht passt. Ich war 2011 auch nicht begeistert, als sich die Mehrheit in BadenWürtemberg für die Beteiligung des Landes an Stuttgart 21 ausgesprochen hat (Ich war klar gegen dieses Projekt), aber die Landesregierung hat sich dann vollkommen professionell verhalten und sorgt jetzt dafür, dass es verwirklicht werden kann, und das obwohl die Grünen geschlossen und die SPD zum Teil dagegen waren.
(Ich halte das Projekt immer noch für Unsinn, akzeptiere aber das Ergebnis der Volksabstimmung.)
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Nachrichten Thread (Politik, Doku, Wissen)

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Das Problem bei Volksabstimmungen ist für mich, dass sie in einer Demokratie eigentlich unnötig sind. Ein Parlament wird demokratisch gewählt, aus dem setzt sich dann eine Regierung zusammen. So wirkt eine Volksabstimmung, als ob die Regierung nur keine Verantwortung übernehmen will.
Ist das Ergebnis dann nicht bindend und der Wille der Bevölkerung wird nicht umgesetzt wirkt es nochmals undemokratischer (z.B. in Griechenland 2015, wobei ich in dem Fall erfreut bin, dass das Referendum nicht berücksichtigt wurde).