Re: Zuletzt gesehener Film

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iHaveCNit: Six Shooter (2004)

Auf der aktuell erschienenen Blu-Ray von „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ ist als Extra der im Jahr 2006 oscarprämierte Kurzfilm des Regisseurs und Drehbuchautors Martin McDonagh „Six Shooter“ zu finden, den ich mir dann auch angeschaut habe.

Donnelly hat seine Frau verloren und ist mit dem Zug auf dem Weg nach Hause, im Zugabteil macht er Bekanntschaft mit einem nervigen Jungen und einem trauernden Ehepaar. Sie alle haben jemanden verloren und es wird eine Kette konsequenter Ereignisse in Gang gesetzt.

Knapp 27 Minuten geht der Kurzfilm und zeigt bereits mit welcher Raffinesse sowohl erzählerisch als auch filmisch Martin McDonagh vorgeht. Wie es Martin McDonagh schafft, die perfekte Balance zwischen Komödie und Drama zu finden und auch teils sehr grotesken oder auch schwarzen Humor einfließen zu lassen. Die Momente, die dich hin- und herreißen ob du Lachen oder Weinen sollst sind hier vorhanden wie auch Momente, bei denen du dich fragst: Ist das jetzt wirklich passiert ? Haben die das jetzt wirklich gebracht ? Wie gewohnt routiniert passt Brendan Gleeson perfekt in die Rolle des Donnelly und auch sein Sohnemann Domnhall Gleeson hat einen kurzen Auftritt. Man kann „Six Shooter“ und dem Erfolg von McDonaghs Kurzfilm nur danken, denn so hätte man nicht tolle Filme wie „In Bruges“ ; „7 Psychos“ und „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ bekommen.

„Six Shooter“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

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Wahrheit oder Pflich

ich habe mir den Film jetzt gegeben, da er mich entfernt an einen alten aber offenbar längst vergessenen Film von R. W: Fassbinder "Chinesisches Roulette" erinnerte.
Es ist wieder so ein typischer low budget B-Horror, der wirklich wieder sehr irritiert.
Die Idee ist eigentlich wieder sehr gut, dennoch wurde nicht das Optimum herausgeholt.
Eine Gruppe von University Kids machen einen Springbreak (Semesterferien) in Mexiko. Dort treffen sie einen Kommilitonen, der sie auf ein lustiges Spiel in einer Kirchenruine einlädt. Dort sollen sie das Partyspiel "Wahrheit oder Pflicht" spielen.
Nach der Reihe kann sich jeder Mitspieler entscheiden, ob er die Wahrheit über eine andere Person im Spiel aussagt, oder irgendeine Aufgabe, die ihm gegeben wird erfüllen muss.
Etwas irritiert erkennen sie nach der Heimfahrt, dass das Spiel im vollen Ernst weitergeht. Erfüllt man die Aufgabe nicht oder lügt, wird man zum Selbstmord gezwungen. Das führt natürlich zu brisanten Verwicklungen und Spannungen.
Wie schon angedeutet, hätte man sich einen professionellen Drehbuchschreiber - gar Stephen King - ans Ruder geholt, dann hätte der Film sogar das Zeug zum Klassiker, so bleibt hingegen der schale Geschmack von "Blair Witch Project" trifft "Chinesisches Roulette".
Leider ist auch das Ende komplett daneben gegangen.
6/10 Punkte
"There is sauerkraut in my lederhosen."
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Re: Zuletzt gesehener Film

8787
iHaveCNit: Hereditary (2018)

So langsam entwickelt sich das Filmstudio A24 zu einem meiner Lieblingsstudios, weil mich ein Großteil des filmischen Portfolios durch die Bank weg überzeugt. Und hier schlägt der neueste Film eine unglaublich starke Furche ins Kerbholz. Vor einiger Zeit wurde der Trailer zu diesem Film vor einer Vorstellung des Kinderfilms „Peter Hase“ in einem australischen Kino gezeigt und hat damit für ein gewisses Medienecho gesorgt. Aber aktuell macht dieser Film bei den Kritikern durch die Bank weg einen meisterhaften Eindruck. Zuschauer sehen das etwas anders, aber sie gehen zumindest rein um den Film zu sehen. Genau wie ich und ich wurde absolut umgehauen.

Die Familie Graham um Annie, Steve und die Kinder Charlie und Peter hat einige Tragödien hinter sich und aktuell ist auch der Verlust um Annies Mutter Elen zu verarbeiten. Doch nach und nach häufen sich unheimliche Ereignisse, die die Familie Graham in die Abgründe des Wahnsinns führt.

Der Regiedebütant Ari Aster hat es geschafft, den besten Horrorfilm der letzten Jahre zu erschaffen. Ich selbst bin zwar weniger der Freund von Superlativen, aber bei diesem Film können sie auch gerne mal verwendet werden. Der Film wird vermutlich daher von den amerikanischen Zuschauer nicht so gut empfunden, weil er sich nicht unbedingt an den Sehgewohnheiten klassisch typischer Horrorfilm-Kinogänger orientiert, mit keinen Jump Scares arbeitet und seine Geschichte unerträglich langsam aber effektiv erzählt. Man spürt in jeder Einstellung, dass sich der Regisseur etwas bei diesem Film gedacht hat. Nichts ist zufällig, alles hat seinen Platz. Der Film schafft es, mehrere Ebenen zu verbinden – Traumsequenzen, Okkultismus, Foreshadowing. Selbst die berufliche Tätigkeit Annies mit dem Bau von Miniaturmodellen wird inszenatorisch sehr kreativ und erzählerisch mit eingebunden. Der Film entwickelt einen ungemeinen Sog, der sich unbequem und unbehaglich bis zum Ende auf die Spitze treibt. Das unter anderem durch die Musik und die Inszenierung, aber auch durch die Darsteller, die alle einen unfassbar tollen Job machen – von Alex Wolff über Gabriel Byrne bishin zu Milly Shapiro und vor allem Toni Collette, deren Tour de Force einen anzieht, schockiert, verstört und abstößt aber immer fasziniert. Die Symbolik, die verschachtelte Erzählweise und sein Detailreichtum machen den Film auch noch unglaublich clever und sorgen bei mir dafür, dass ich den Film später im Heimkino am liebsten mehrfach sehen möchte, um alles zu analyisieren, egal wie unangenehm der Trip ist. Der Film referenziert Meisterwerke des Genres und kann auch ohne Probleme in einer Reihe mit diesen Filmen genannt werden. Ich würde mich freuen, wenn man in einigen Jahren an dieses Jahrzehnt und die Horrorfilme zurückdenkt und dabei „Hereditary“ als genau DEN Vertreter dieses Jahrzehnts nennt.

„Hereditary“ - My First Look – 10/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

8788
Wow, das klingt sehr gut. Bin eingefleischter Horror-Fan, aber der subtileren Art, und sehne mich seit langem nach etwas besonderem. Letztes Jahr gefiel mir Get Out - in der ersten Hälfte zumindest, danach hat der Film meiner Ansicht nach stark abgebaut, bis es ins unfreiwillig Komische ging.
Natürlich ist mir Hereditary nicht entgangen, muss da jetzt ganz schnell rein! :D

Re: Zuletzt gesehener Film

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iHaveCNit: (on Netflix): Beirut (2018)

Die nächste Netflix-Veröffentlichung auf meiner Liste ist der Film „Beirut“ aus der Feder des Drehbuchautors Tony Gilroy und des Regisseurs Brad Anderson mit Jon Hamm und Rosamund Pike in den Hauptrollen. Geboten hat sich mir ein interessanter, historischer Polit-Spionagethriller im Stil von „München“ ; „Bridge of Spies“ und „Body of Lies“.

1972: Mason Skiles ist US-Diplomat in Beirut. Zusammen mit seiner Frau beherbergt er den jungen Karim, was er nicht ahnen kann, dessen Bruder ist in das München-Attentat involviert und kaum erhält er die Info, stürmen Terroristen um den Bruder von Karim das Haus von Skiles und bringen unter anderem dessen Frau um. Zehn Jahre später, mittlerweile ist er privater Unterhändler, muss Skiles wieder nach Beirut um einen befreundeten Agenten rauszuholen, der von Karim festgehalten wird und nur gegen dessen Bruder freikommt. Ein Spiel gegen die Zeit und allerlei Hindernisse beginnt.

Beirut ist als Film sehr routiniert und besitzt die genau richtige Laufzeit mit 109 Minuten, um einen runden und spannenden Thriller zu erzählen, der sowohl historisch und politisch den Libanon-Konflikt aufgreift, als auch eine tolle Spionagegeschichte bietet. Atmosphärisch tauchen wir sehr gut in die damalige Zeit ein und rein optisch ist eine Ähnlichkeit zu zum Beispiel „München“ nicht abzustreiten. Die Geschichte wird spannend erzählt, bekommt auch aus charakterlicher und emotionaler Sicht genug Fallhöhe spendiert und hat mit Rosamund Pike und Jon Hamm zwei sehr gute Darsteller an Bord, die Ihre Sache auch sehr gut machen.

„Beirut“ - My First Look – 8/10 Punkte.
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Re: Zuletzt gesehener Film

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craigistheman hat geschrieben: 17. Juni 2018 12:07 Wow, das klingt sehr gut. Bin eingefleischter Horror-Fan, aber der subtileren Art, und sehne mich seit langem nach etwas besonderem. Letztes Jahr gefiel mir Get Out - in der ersten Hälfte zumindest, danach hat der Film meiner Ansicht nach stark abgebaut, bis es ins unfreiwillig Komische ging.
Natürlich ist mir Hereditary nicht entgangen, muss da jetzt ganz schnell rein! :D
Gibt aber auch einige, die vermutlich die ruhige Erzählweise als sehr zäh empfinden werden. "Hereditary" ist sicherlich nicht für jedermann. Es gab in meiner Vorstellung einige, die den Film mittendrin verlassen haben. Und das wohin der Film letztendlich hinsteuert mag auch nicht jedem gefallen.
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