GoldenProjectile hat geschrieben: 18. Mai 2020 15:48
aber auch nicht gerade den Grossmeister der Filmkunst
Wer ist das schon? Und wer weiß, wie Johnson in 30 Jahren gesehen wird? Vielleicht wird es dann ganz normal sein, ihn in einen Atemzug mit denen zu meinen, die jeder von uns sofort im Sinn hatte, als wir "Grossmeister der Filmkunst" gelesen haben. Kann man nie wissen.
Johnson steht für mich für ungewöhnliches Kino, dass Erwartungen unterläuft und jeweils geschickt die Grenzen des gewählten Genres sprengt und expandiert. Du hast in "Knives Out" einen Whodunnit, der sich nach dem ersten Akt als Hitchcockscher Thriller herausstellt und der auf diesem Wege das Whodunnit und seine Genremuster selbst zum Teil-Antagonisten macht. Mit The Last Jedi hast du einen Blockbuster, der jede Konvention des Franchises (hier: Star Wars) bedient, und dabei aber einen neuen Twist hinzufügt. Dabei geht Johnson ähnlich vor wie Phil Lord & Chris Miller in ihren Filmen (vor allem: 21 Jump Street, Lego Movie, Into the Spider-Verse), in dem er die festgefahrenen Muster der Filmreihe selbst zum Inhalt der Filme macht und sich so am Ende leisten kann, diese zu bedienen, ohne abgedroschen und wiederholend zu wirken. Und Brick ist ein Genre-Mix, wie es ihn immer wieder gibt, aber auch hier ist es die Kreuzung der beiden Genre selbst, welche in der Geschichte direkt Thema ist und wesentlich zur Struktur des Drehbuchs beiträgt.
Ob das für einen Grossmeister der Filmkunst reicht, weiß ich nicht, aber es macht Johnson zu einem der interessantesten Köpfe aus dieser Ecke des Kinos – und das er bei einem Film wie The Last Jedi beweist, dass er sich vom großen Studiosystem nicht einschüchtern lässt, sondern sein Denken kompromisslos auf einen Franchise-Film anwenden kann, ist durchaus imponierend.