photographer hat geschrieben:.
Auch wenn das Thema
"John Carter" (2012) eigentlich off-topic ist und scheinbar mit diesem Thread im ersten Moment wenig gemein zu haben scheint, so sind doch die aktuellen Berichte über das Boxoffice-Desaster, welches
Disney gerade einfährt, hinsichtlich seiner Zahlenangaben, dahingehend sehr aussagekräftig, so dass man einiges davon auch auf die Bond-Serie übertagen kann.
Auszug aus einem Bericht bei SPIEGEL online:
...
Insgesamt hat Disney etwa 350 Millionen Dollar in das Projekt gesteckt - davon 100 Millionen Dollar allein in das Marketing. (Produktionskosten = 250 Millionen Dollar)
...
Allerdings müsste der Film nach Einschätzung von Experten mit rund 600 Millionen Dollar annähernd das Doppelte der Kosten einnehmen, damit Disney auf schwarze Zahlen kommt. Denn eine Faustregel besagt, dass etwa die Hälfte der Erlöse bei den Kinos verbleibt.
Denkt man darüber nach, dass bei einem Bondfilm die Produktionsgesellschaft und die jeweilige Verleih- und Vertriebsfirma nach Abzug aller Kosten den Gewinn auch nur zur Hälfte teilen müssen, wird schon deutlich klar, warum der einzelne Filmbeitrag einen bestimmten Einspielwert erreichen muss, damit die Rechnung für beide Seiten schon beim reinen Kinoeinspielergebnis sich rechnet und man nicht möchte, dass man einen Deckungsbeitrag erst beim Verkauf von Senderechten und Bildträgern für den Heimvideomarkt erwirtschaftet.
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Der Artikel weist so einige Fehler auf, die teilweise auch Denkfehler sind.
Was beim Kino bleibt:
Ich weiß, dass von einer 9-10€ Kinokarte etwa 2€ an das Kino gehen. Die alte Weisheit, dass Kinos am meisten mit Popcorn und Cola verdienen stimmt. Ist übrigens in der Gastronomie so, dass man mit Getränken am meisten verdient und nicht mit dem Essen.
Was Filme einspielen müssen:
Schon bei den Budgetzahlen ist es mehr oder weniger schmarrn diese zu vergleichen. Jede Produktionsfirma rechnet das anders zusammen. Mal wird Marketing mit reingeschmissen in den Betrag manchmal nicht. Es soll auch nicht vergessen werden, dass Studios in wenig erfolgreiche Projekte noch sonstige Aufwendungen mit rein rechnen. Das hat wieder was mit der Jahresbilanz, dem Ausweisen von Gewinn / rechnerischem Verlust und daraus resultierendem zu
versteuerndem Gewinn zu tun.
Allgemein reicht es bei einem Film wenn er 1,5 mal seine Produktionskosten einspielt um für die Firma ein versöhnliches Ergebnis (besseres als eine schwarze Null) zu erwirtschaften.
Die Rolle von DVDs und BluRays:
Mittlerweile haben diese Medien eine mindestens so hohe Bedeutung wie die Kinoauswertung. Mitunter ist die Gewinnspanne sogar höher als in der Kinoauswertung. Es gibt so einige Filme, die an der Kinokasse hinter den Erwartungen blieben, aber dann im DVD und BR-Markt wie eine Bombe eingeschlagen sind. Folge waren dann Sequels, die man auf Basis der Kinoauswertung nicht genehmigt hätte.
Das US-Eröffnungswochenende:
Oftmals wird nur anhand dieser Daten entschieden wie Erfolgreich ein Film ist. Tatsächlich kommen aber 2/3 der Einspiele i.d.R. aus Übersee. Leider sind in den Studios mittlerweile oft nur Leute am Ruder die 3 Tage nach Kinostart und nur anhand des Einspiels USA in den USA entscheiden.
Ergo: John Carter wird nach der Kinoauswertung sicher keinen Verlust gemacht haben. Vielleicht wird es eben nur nicht ein Rekordfilm.
Und bei Bond ist das ganze Geflecht ohnehin anders. Im Zuge von QOS wurde da auch ein wenig Licht ins Dunkel gebracht. Die Verteilung EON/MGM dürfte den eingefleischten Fans bekannt sein. EON hat das IP (Intellectual Property) an der Serie, MGM dagegen den exklsuiven Vermarktungsvertrag. Dementsprechend ist die Finanzierung überwiegend in MGMs Händen und mehr als Geld gibt MGM nicht dazu. Am Ende geht der Großteil der Einnahmen an MGM und EON bekommt einen gewissen Prozentanteil (ich persönlich vermute 10 bis 20%). Darüber hinaus verdient EON wohl aber mehr mit Merchandise und anderne Bondartikeln. Wobei man bedenken muss dass EON teil der Broccoli/Wilson-eigenen Danjaq-Holding ist.
Die Finanzierung liegt also primär bei MGM, allerdings musste MGM bei weitem nicht bei QOS oder CR mit 150 bis 200 Mio anrücken. Mehr als bei allen anderen Filmen trägt bei Bond das Product Placement wesentlich zur Finanzierung bei. Wie viel pro Film über das Product Placement finanziert wird ist nicht bekannt, aber man geht von 40-50% aus. Diese Zahl basiert auf verschiedenen Medienberichten und ist auch nur geschätzt. Bei QOS gab es die inoffizielle Meldung, dass man für das Ford-Product-Placement allein 65 Mio $ bekam. Diese Zahl halte ich aber für übertrieben.
Was das für Bond bedeutet?
Dadurch, dass MGM nur noch mit 75 oder 100 Mio einen Film der 150 Mio-Liga finanzieren muss rechnet sich der Film bei wesentlich kleinerem Einspiel. EON dürfte durch seine Prozentbeteiligung ohnehin über eine sehr dicke Kriegskasse verfügen. Für beide Seiten ist dies eine optimale Konstellation.