Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

1
Steven Spielberg halte ich für einen der wichtigsten Regisseure des modernen Unterhaltungskinos. Und allgemein auch für einen Regisseur, der mich mit seinen Filmen absolut verzaubert und zu einem Filmfan werden ließ.

Hier seine Filmografie inkl. meiner Wertungen:

Regie

1968: Amblin’
1969: … und die Alpträume gehen weiter (Night Gallery) (Fernsehserie), Episode Eyes
1971: Duell (Duel) (Fernsehfilm; 1973 erweitert als Kinofilm)
1971: Columbo – Tödliche Trennung (Columbo: Murder By The Book) (Fernsehfilm)
1972: Haus des Bösen (Something Evil) (Fernsehfilm)
1973: Savage (Fernsehfilm)
1974: Sugarland Express (The Sugarland Express)
1975: Der weiße Hai (Jaws) 7,5/10
1977: Unheimliche Begegnung der dritten Art (Close Encounters Of The Third Kind)
1979: 1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood (1941)
1981: Jäger des verlorenen Schatzes (Raiders Of The Lost Ark) 10/10
1982: E. T. – Der Außerirdische (E.T. the Extra-Terrestrial) 8/10
1983: Unheimliche Schattenlichter (Twilight Zone – The Movie) (Segment 2: Kick The Can)
1984: Indiana Jones und der Tempel des Todes (Indiana Jones And The Temple Of Doom) 10/10
1985: Die Farbe Lila (The Color Purple)
1987: Das Reich der Sonne (Empire Of The Sun)
1989: Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (Indiana Jones And The Last Crusade) 12/10
1989: Always – Der Feuerengel von Montana (Always)
1992: Hook 8/10
1993: Jurassic Park 12/10
1993: Schindlers Liste (Schindler’s List) 9/10
1997: Vergessene Welt: Jurassic Park (The Lost World: Jurassic Park) 8,5/10
1997: Amistad
1998: Der Soldat James Ryan (Saving Private Ryan) 8/10
1999: The Unfinished Journey
2001: A.I. – Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence: AI)
2002: Minority Report 8,5/10
2002: Catch Me If You Can 6/10 Sichtung damals im Kino
2004: Terminal (The Terminal)
2005: Krieg der Welten (War of the Worlds) 5,5/10
2005: München (Munich)
2008: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels 8/10
2011: Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn 7,5/10
2011: Gefährten (War Horse)
2012: Lincoln

Leider habe ich seine letzten 2 Filme noch nicht sehen können, erwarte aber viel da ich hörte das er sich nach Tintin und Co. wieder gesteigert habe. Die Wertungen von JP und Indy³ sind so besonders weil sie Teil meiner Kindheit waren und mich auch heute noch absolut begeistern wie kaum ein anderer Film. Für sowas guckt man Filme. Review zu Indy fangen da an:

viewtopic.php?f=44&t=4329&hilit=Indiana+Jones&start=75

Jurassic Park kurz:

12/10

Einfach einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Klasse Darsteller, klasse Story, klasse Effekte und ein gigantischer Soundtrack. Die BD war stellenweise echt gut, vom Bild her. Hier und da aber schwächen, Filmkorn usw. Der Sound ist auch nicht sooo das wahre. Ändert nichts dran, das dieser Film bis heute noch absolut unerreicht ist was Dinosaurierfilme angeht. Faszinierend, ergreifend und einfach beeindruckend.

The Lost World: Jurassic Park 8,5/10

Ebenfalls großartig und noch von Spielberg. Mit Goldblum & Julianne Moore 2 tolle Hauptfiguren. Mit Vince Vaughn, Peter Stormare, Pete Postlethwaite, Richard Attenborough & Richad Smith ziemlich gute Nebendarsteller. Der Soundtrack ist natürlich wieder klasse, genau wie die Effekte. Die Story ist für eine Fortsetzung auch sehr gut umgesetzt.

Was JP für mich so stark macht, sind die tollen Dinos und die atmosphäre. So toll das man nicht nur auf CGI gesetzt hat, sondern auch echte Modelle und gesteuerte Dinos genommen hat. Die Maschinen wirken so unglaublich echt, da kommt kein CGI dran. Und auch heute noch wirken die Filme einfach großartig und kein bisschen veraltet. ;)

Zu anderen Spielbergs kommt bei Zeiten was, wenn ich sie nochmal gesichtet habe.

Jetzt erstmal ihr. :)

Re: Der Spielberg Thread

2
Ach ja, der Onkel Steven. Er ist einer der Regisseure, die ich immer mehr als Handwerker und weniger als Künstler wahrgenommen habe, was nicht zwingend negativ gemeint ist da ich einige seiner Filme durchaus herausragend finde. Sein Werk deckt in meinen Augen ein breit gefächertes Spektrum an Qualität ab, von absoluten Gurken über ein paar mittelmässige und einige gute Filme bis hin zu launigen Unterhaltungs-Feuerwerken: Meine Meinung über Spielbergs Filme ist fast so vielseitig wie seine Themenwahl. Tendenziell lässt sich sagen dass ich seine Werke meist dann sehr unterhaltsam finde, wenn diese aufs Abenteuergenre setzen, während Geschichtsstunde mit Spielberg meist langweilig ist. Ein paar Lücken hab ich noch, den Rest haken wir mal ab:

Jaws
Spielbergs erster Blockbuster punktet mit subtil aufbereiteter Spannung, ausgefeilten Trickeffekten und einer latenten Atmosphäre des Grauens. Von Anfang an sind die blutigen Badetrips der Hai-Opfer toll gemacht in Aufbau und Wirkung, in der zweiten Hälfte kommen die Protagonisten noch besser zum Zuge und erscheint die Gefahr fokussierter. Durchgehend unterhaltsam und eigentlich immer wieder gut.
8 / 10

Raiders of the Lost Ark
Eine abenteuerliche Geschichte, spassige Action und Harrison Ford in der Rolle seines Lebens; ein spritziger Cocktail und ein einmaliges Vergnügen. Für mich einer der besten Filme von Spielberg.
9 / 10

E.T. – The Extra-Terrestrial
Science-Fiction für Kinder und Junggebliebene. Tut keinem weh und hat einige echt rührende Momente, da der Spielberg’sche Kitsch sich (noch) in Grenzen hält und der Märchenonkel ein gutes Gespür für die Figuren und deren Freundschaft hat.
8 / 10

Indiana Jones and the Temple of Doom
Spielbergs Quasi-Prequel zu Raiders of the Lost Ark nimmt zwar einige markante Stilbrüche in Kauf und wirkt insgesamt nicht ganz so ausgegoren, federt diese Mängel aber eigentlich mit Musik, Kulissen, Atmosphären, Action und Humor ganz gut ab und bereitet in den meisten Passagen grossen Spass!
8 / 10

The Color Purple
Das erste Glied in einer langen Kette von Historiendramen der Marke Spielberg. Wie bei vielen späteren ist auch hier die Thematik für sich gesehen ziemlich interessant, aber das Endprodukt lässt mich eher kalt. Zu lang, und irgendwie berührt mich da nicht wirklich viel.
5 / 10

The Empire of the Sun
Bildgewaltiges Kriegsdrama, das nach einer holprigen Exposition langsam Fahrt aufnimmt, im mittleren Teil als hart-dokumentarischer Überlebens-Thriller richtig gut wird, im Schlussakt aber immer mehr den Biss verliert. Die pathetisch aufgesetzten, spirituell-verworrenen Szenen wirken irgendwie deplatziert, sind viel zu dick aufgetragen und Christian Bales darstellerische Leistung – wenn man sie so bezeichnen will – ist zum Davonrennen.
5,5 / 10

Indiana Jones and the Last Crusade
Wieder einmal werden eine halbwegs spannende Story, flotte Sprüche, okkulte Mythen und feine Actionsequenzen in einem launigen Blockbuster-Feuerwerk kombiniert. Nicht zuletzt dank eines treffend besetzten Sean Connery überragt der Film in seinem Unterhaltungswert sogar Raiders of the Lost Ark!
10 / 10

Jurassic Park
Der Film ist unverkennbar eine Variation von Jaws, bei der Spielberg aber das Kunststück gelang, den „Vorgänger“ noch um eine Spur zu übertreffen. Der Pure Wahnsinn sind die Animationen der urzeitlichen Raubtiere, die lebensechter und beeindruckender daherkommen als alles was in den vergangenen Jahren über die Leinwände der Kinos geflackert ist. Ein Meisterstück der Tricktechnik. Besonders in der zweiten Filmhälfte zeigt sich zudem ganz deutlich Spielbergs grösste Stärke: Erstklassiges Spannungskino, verpackt in makellos und bildgewaltig inszeniertem Survival-Abenteuer und köstlich veredelt durch einen von Williams‘ besten Soundtracks. Dazu webt Spielberg aber immer wieder gekonnt ruhigere Momente ein, die der Charakterisierung seiner Protagonisten oder der Verstärkung der packenden Atmosphäre dienen. Neben dem Helden Sam Neill sticht besonders Richard Attenborough hervor, der zunächst als kindlicher Professor, im Verlauf der Erzählung aber immer mehr als tragische und bemitleidenswerte Figur auffällt.
9 / 10

Schindlers Liste
Die ganz grosse Ausnahme unter Spielbergs Historiendramen. Spannend und gefühlsvoll erzählt, wunderschön in seiner klassischen, schwarz-weissen Bildsprache, bewegend, aber nur selten unnötig pathetisch, und sehr feinsinnig gespielt von Neeson und dem gewohnt überragenden Ralph Fiennes.
9 / 10

Amistad
Historisch interessantes Thema, wäre es von Spielberg nicht staubtrocken, langatmig und gleichförmig erzählt worden. Die Sets und Kostüme sind nett, aber die Erzählung zieht sich nur mühsam vor sich hin, schweift immer wieder umher und baut Figuren und Geschichte mehr dröge als spannend auf. Da kann kein gelangweilter Morgan Freeman und leider auch kein herrlich spielfreudiger Hopkins gross was dran ändern.
3 / 10

Artificial Intelligence
Gezuckertes Science-Fiction-Märchen, das zu episodenhaft angelegt ist und dessen Handlung immer mehr die Luft ausgeht. Im ersten Drittel noch unterhaltsam durch spannende Kameraführung und Stanley Kubricks Einfluss knickt A.I. im Mittelfeld in eine völlig andere Richtung, wird zum konfusen Trash-Fest und bietet im endlos zähen Schluss eine romantisierte Plastikwelt und infantil-naiven Kitsch zum Davonlaufen.
4,5 / 10

Catch mei f you can
Die wahre Lebensgeschichte des Trickgenies Frank Abagnale ist an sich schon interessant genug, doch Spielberg setzt das Ganze auch apart in Szene. DiCaprio macht eine gute Figur und spielt gekonnt seinen Charme aus, die 1960er-Jahre werden geradezu zum Leben erweckt.
7,5 / 10

Indiana Jones and the Kingdom of Crystal Skull
Die späte Fortsetzung zu Spielbergs Klassiker fällt im Direktvergleich nicht zuletzt aufgrund der teilweise plakativen (und wenn man sich die Umsetzung der früheren Filme ansieht auch völlig unnötigen) CGI-Effekte etwas zurück, auch bei den Gags und Dialogen sind ein paar Ausrutscher dabei und an manchen Stellen dümpelt der Film vor sich hin. Nichtdestotrotz über weite Strecken unterhaltsam.
7 / 10
We'll always have Marburg

Re: Der Spielberg Thread

3
Spielberg in Zahlen:

Duell - 9/10
Der weiße Hai - 10/10
Unheimliche Begegnung der dritten Art - 8/10
1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood - 7/10
Jäger des verlorenen Schatzes - 7/10
E. T. – Der Außerirdische - 8/10
Indiana Jones und der Tempel des Todes - 8,5/10
Die Farbe Lila - 6/10
Das Reich der Sonne - 6,5/10
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug - 10/10
Hook - 4/10
Jurassic Park - 6/10
Schindlers Liste -7,5/10
Vergessene Welt: Jurassic Park - 8,5/10
Amistad - 4/10
Der Soldat James Ryan - 2,5/10
A.I. – Künstliche Intelligenz - 5/10
Minority Report - 8/10
Catch Me If You Can - 9/10
Terminal - 6/10
Krieg der Welten - 7/10
München - 7/10
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels - 7,5/10
Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn - 9/10
Gefährten - 3/10
Lincoln - 7/10
Prejudice always obscures the truth.

Re: Der Spielberg Thread

4
Spielberg ist ein schwieriger Fall für mich. Vor allem stellt sich mir da die Frage, ob man bei einer qualitativen Einschätzung eines Gesamtwerkes die Höhepunkte schwerer gewichten sollte oder doch eher den Durchschnitt des ganzen Oevres. Eigentlich tendiere ich eher zu ersterem, da es mir lieber ist ein Regisseur haut ab und zu mal daneben, hat dafür aber auch richtige Perlen im Repertoire. Mike Cimino hat bei mir genau deswegen zB ein recht hohes Standing. Wenn ein Regisseur sich allerdings die Hälfte seiner Karriere im qualitativen Niemandsland tummelt, dann kann ich das nicht mehr ganz so einfach ignorieren. Und bei Spielberg ist halt genau das der Fall, so toll seine Arbeiten in den ersten zwei Jahrzehnten seiner Karriere (zumeist) waren, so belanglos und oft auch ärgerlich waren sie in den letzten 20 Jahren. Sein fast schon zwanghafter Wunsch auch als „ernsthafter“ Filmemacher anerkannt zu werden hat ohne Zweifel deutliche Spuren in seinem Oevre hinterlassen und so gelungen Schindlers Liste auch war entschädigt das in meinen Augen nicht für die vielen missratenen Gehversuche in den „seriöseren“ Genres. Mehr noch als das hat er in meinen Augen aber auch das Gespür für unterhaltsame Stoffe verloren bzw. für deren Umsetzung. Sah ich ihn bis Mitte der 90er noch weitgehend als Mann mit dem Midas Touch wenns um sehr unterhaltsame Filme geht an (damals liess sich der Mantel des Schweigens noch einfacher über seine drei Pleiten Lila, Sonne und Always legen), so sind seine Filme mittlerweile in meinen Augen oftmals nur noch ein langweiliges Wiederkäuen von Klischees ohne erzählerische Raffinesse und leider eben auch ohne echten Unterhaltungswert. Frei nach Homer Simpson könnte man es natürlich auch kürzer formulieren: „laaaaaaaaangweilig!“.

Was daher bleibt sind für mich in erster Linie die diversen Highlights bis 1994 – und davon gab es ja schon etliche. Herausragend innerhalb dieser Reihe an tollen Filme sind für mich Der Weisse Hai, E.T. und Indy 3, die filmisch doch erstaunlich unterschiedlich angelegt sind. Erwarten tu ich von Spielberg nix mehr, dafür erscheint er mir seit langem einfach zu ausgebrannt.

Duell 7 / 10
Sugarland Express 6 / 10
Der Weisse Hai 10/10
Unheimliche Begegnung der dritten Art 8,5 / 10
1941 6 / 10
Jäger des verlorenen Schatzes 9 / 10
E.T. 10 / 10
Poltergeist 8,5 / 10 (ja, ich weiss dass sein „Regieassistent“ Tobe Hooper hier „offiziell“ die Verantwortung trug)
Unheimliche Schattenlichter 5 / 10
Indiana Jones und der Tempel des Todes 7 / 10
Die Farbe Lila 5 / 10
Das Reich der Sonne 5 / 10
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug 10 / 10
Always 4 / 10
Hook 6,5 / 10
Jurassic Park 7,5 / 10
Schindlers Liste 8,5 / 10
Vergessene Welt 6 / 10
Amistad 5 / 10
Der Soldat James Ryan 5 / 10
A.I. 4 / 10
Minority Report 6 / 10
Catch me if you can 7 / 10
Terminal 6 / 10
Krieg der Welten 5 / 10
München 6,5 / 10
Indiana Jones und das Königreich des Kristalschädels 6 / 10
Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn 6,5 / 10
Gefährten 8 / 10
Lincoln 4,5 / 10

Macht rein rechnerisch einen Durchschnitt von 6,6 – und das trotz drei 10er Filmen – was subjektiv betrachtet eine Menge über die Durchschnittlichkeit seines Gesamtwerkes aussagt.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Der Spielberg Thread

5
AnatolGogol hat geschrieben:Gefährten 8 / 10
Da schließe ich mich deiner Wertung an, auch wenn viele diesen Film nicht mögen.
Das ist für mich ein typischer Spielberg wie er ihn auch in den 80er hätte drehen können.
Da kommt die alte Spielberg-Magie rüber. Und der Film schert sich in keinster Weise um aktuelle Sehgewohnheiten oder Themen. Er lebt ganz allein für die Story.

Natürlich ist eine Portion Kitsch dabei, aber es ist gut gemachter Kitsch. Und den gab es bei E.T. und Co. ja auch.

Re: Der Spielberg Thread

6
Anatol, warum Jurassic Park so vergleichsweise nüchtern mit 7,5 bewertet? Der schlägt doch konzeptionell so ziemlich in die gleiche Kerbe wie Der Weisse Hai.

Amistad hingegen ist bei dir noch ziemlich gnädig weggekommen. Für mich ein Film, bei dem ich mich nach zehn Minuten geistig ausgeklinkt habe und nach weiteren zehn Minuten der Verzweiflung nahestand. Zu keinem Zeitpunkt sind für mich Story, Figuren und Erzählung auch nur ansatzweise interessant und lediglich die Rede des spielfreudigen Hopkins rettet den Film noch halbwegs vor dem kompletten Totalabsturz.
We'll always have Marburg

Re: Der Spielberg Thread

7
Invincible1958 hat geschrieben:
AnatolGogol hat geschrieben:Gefährten 8 / 10
Da schließe ich mich deiner Wertung an, auch wenn viele diesen Film nicht mögen.
Das ist für mich ein typischer Spielberg wie er ihn auch in den 80er hätte drehen können.
Da kommt die alte Spielberg-Magie rüber. Und der Film schert sich in keinster Weise um aktuelle Sehgewohnheiten oder Themen. Er lebt ganz allein für die Story.

Natürlich ist eine Portion Kitsch dabei, aber es ist gut gemachter Kitsch. Und den gab es bei E.T. und Co. ja auch.
Sehe ich absolut genauso und habe ich tatsächlich fast wörtlich in meiner Kurzreview hier irgendwo in den Weiten des Forum vor längerem so geschrieben gehabt. :D Der Film erinnert mich in vielen Dingen stark an Spielbergs Filme der 70er und 80er, ich fühlte mich da wesentlich mehr erinnert an Filme wie Unheimliche Begegnung der dritten Art oder E.T.. Klar, jede Menge Kitsch, aber der Film bekennt sich freimütig dazu und will nie mehr als eine sentimental-kitschige Freundschaftsgeschichte sein. Gerade vor dem Hintergrund des 1.Weltkrieges hat mich das schon verblüfft, da ich hier von Spielberg ganz was anderes erwartet hatte. Und trotzdem hat er ein paar sehr eindrucksvolle Momente drin, die die Knochenmühle WWI sehr nachhaltig, aber eben eigentlich völlig Spielberg-untypisch nicht aufdringlich festhalten. Für mich die ganz große Überraschung im späten Oevre von Spielberg. Um so ernüchternder, dass er mit dem anschliessenden Lincoln wieder in die altbekannte ärgerliche Kerbe reingedroschen hat.

GoldenProjectile hat geschrieben:Anatol, warum Jurassic Park so vergleichsweise nüchtern mit 7,5 bewertet? Der schlägt doch konzeptionell so ziemlich in die gleiche Kerbe wie Der Weisse Hai.
Das sind für mich zwei Welten. Klar, auf dem Papier ähneln sich die Filme, aber Jurassic Park erreicht für mich nie auch nur annähernd die Top-Qualität von Jaws. Das ist alles ganz nett und unterhaltsam, aber Jaws ist in Dramaturgie, Atmosphäre, Musik, Darsteller und nicht zuletzt natürlich Inszenierung für mich eine komplett andere Liga. Jaws ist jugendlicher Elan und Begeisterung, Jura Park dagegen eher routiniertes Können. So schwungvoll, dynamisch und atmosphärisch war Spielberg sonst nie wieder. Und das Hauptdarstellertrio ist einfach genial, die Chemie stimmt 101%ig, jeder spielt wohl so gut wie sonst nie in seiner Karriere – was bei Shaw, Dreyfuss und Scheider schon was heissen will. Neill als Gute-Laune-Onkel und Goldblum als cooler Zausel sind gut und routiniert, aber eben auch nicht mehr. Nett eben.
GoldenProjectile hat geschrieben:Amistad hingegen ist bei dir noch ziemlich gnädig weggekommen. Für mich ein Film, bei dem ich mich nach zehn Minuten geistig ausgeklinkt habe und nach weiteren zehn Minuten der Verzweiflung nahestand. Zu keinem Zeitpunkt sind für mich Story, Figuren und Erzählung auch nur ansatzweise interessant und lediglich die Rede des spielfreudigen Hopkins rettet den Film noch halbwegs vor dem kompletten Totalabsturz.
Du wirst lachen: Amistad fand ich bei Erstsichtung gar nicht soooo schlecht. Aus der Erinnerung heraus hätte ich ihn so bei 7 Punkten gesehen. Als ich ihn dann vor ca. anderthalb Jahren mal wieder gesehen habe traute ich meinen Augen nicht und konnte angesichts des lahmenden und langweiligen Films kaum glauben, dass ich den mal irgendwie anders als langweilig empfunden hatte. 5 Punkte bekommt er in erster Linie, weil mir Hopkins auch beim zweiten mal noch gut gefiel, aber vermutlich hast du recht und ich war hier etwas gnädig. Andererseits: Lincoln war wirklich noch schlimmer, von A.I. oder Always ganz zu schweigen.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Der Spielberg Thread

8
1971: Duell >>> 9/10
1971: Columbo: Murder By The Book >>> 8/10
1975: Jaws >>> 10/10
1981: Raiders Of The Lost Ark >>> 9/10
1982: E. T. >>> 9/10
1984: Indiana Jones And The Temple Of Doom >>> 7/10
1989: Indiana Jones And The Last Crusade >>> 10/10
1993: Jurassic Park >>> 10/10
1993: Schindler’s List >>> 7/10
1997: The Lost World: Jurassic Park >>> 8/10
1998: Saving Private Ryan >>> 3/10
2002: Catch Me If You Can >>> 9/10
2004: Terminal >>> 6/10
2005: München >>> 8/10
2008: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels >>> 7/10
2011: Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn >>> 6/10

Re: Der Spielberg Thread

9
Duell 8 / 10
Sugarland Express 7,5 / 10
Der Weisse Hai 8 / 10
Unheimliche Begegnung der dritten Art 7 / 10
1941 7 / 10
Jäger des verlorenen Schatzes 8 / 10
E.T. 8 / 10
Poltergeist 7/ 10
Unheimliche Schattenlichter 5 / 10
Indiana Jones und der Tempel des Todes 6 / 10
Die Farbe Lila 7 / 10
Das Reich der Sonne - / 10
Indiana Jones und der letzte Kreuzzug 7,5 / 10
Always - / 10
Hook - / 10
Jurassic Park 7 / 10
Schindlers Liste 8 / 10
Vergessene Welt 6 / 10
Amistad 5 / 10 (puh, irgendwie fast Null Erinnerung wie der war)
Savin Private Ryan 8 / 10
A.I. 6,5 / 10
Minority Report 6 / 10
Catch me if you can - / 10
Terminal - / 10
Krieg der Welten 6 / 10
München 8 / 10
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels 6 / 10
Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn 6 / 10
War Horse 7 / 10
Lincoln 6 / 10
Zuletzt geändert von Maibaum am 2. Juli 2018 13:14, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Der Spielberg Thread

11
Eines der grössten Problemkinder im Oeuvre des Märchenonkels ist wahrscheinlich noch Artificial Intelligence. Ich würde lügen wenn ich behaupte, dass mich der nicht zumindest stellenweise beeindruckt hat. Das erste Drittel (bis zur "Auswilderung" des Roboters) ist sehr stark inszeniert, spannend und atmosphärisch, dass sogar der nervige Haley Joel Osment nicht mehr nervt. :wink: Danach folgt wenigstens noch der charismatische Auftritt von Jude Law, aber ansonsten hat AI eigentlich nichts mehr zu bieten. Der belanglose Mittelteil ist mit seinen knallbunten Edeltrash-Kulissen optisch Total Recall für Arme, die Unterwasserszenen sind wiederum recht schick und der Rest kalter, steriler Kitsch, geradezu im Pathos erstickt. Hätte Kubrick wie geplant den Film gedreht und den Stil des ersten Drittels konsequent fortgesetzt, wäre vielleicht ein Meisterwerk entstanden. SO aber nur 4 / 10
We'll always have Marburg

Re: Der Spielberg Thread

12
Anatol, Wieso?
Der ist doch klasse inszeniert. Und durchweg spannend, also das Gegenteil von Agenten nerven einsam. Leider versemmelt Stevie es dann zum Schluß wieder ein wenig, in dem er sich selber in den Fuß schießt und dann auch noch ein wenig sentimentalen Stuß dranhängt.

Re: Der Spielberg Thread

13
Maibaum hat geschrieben:Anatol, Wieso?
Der ist doch klasse inszeniert. Und durchweg spannend, also das Gegenteil von Agenten nerven einsam. Leider versemmelt Stevie es dann zum Schluß wieder ein wenig, in dem er sich selber in den Fuß schießt und dann auch noch ein wenig sentimentalen Stuß dranhängt.
Ich find den grässlich inszeniert, voller pathetischem Mist, historisch verzerrt, voller Klischees und ohne Gefühl für Tempo und Spannung. Herausragend inszeniert ist die erste Viertelstunde, hätte er das durchgehalten wäre der Film toll geworden. So ist es nur ein Versprechen auf einen Film, der nicht kam. Ein ganz dummer Film für mich, der nur deshalb bei mir notenmäßig nicht schlechter weg kommt, weil er eben einen Anfang auf 10er Niveau hat, der Rest ist eher bei 3-4 Punkten.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Der Spielberg Thread

14
Wie auch bei so manch anderem Regisseur, kann ich auch bei Spielberg sagen, dass ich nicht gerade allzu viele Filme gesehen habe. Bei manchen ist die letzte Sichtung extrem lang her.

Indiana Jones und der letzte Kreuzzug bekommt auf alle Fälle 10/10. Mein Interesse and der "Indy"-Reihe wurde erst vor zwei, drei Jahren geweckt, gesehen habe ich natürlich alle vier, aber der dritte hat es auf meine All-Time Favourites geschafft. Das Zusammenspiel Ford/Connery ist einfach brilliant! Klasse Dialoge, herrlich amüsante Szenen (Stichworte "schon wieder Boote" und "kein Flugschein") und eine spannende, wohldosierte Story machen diesen Film zu einem ganz Grossen für mich.

Jurassic Park war der allererste Film, den ich überhaupt im Kino gesehen habe. Von daher wird er immer einen kleinen Bonus haben, aber er ist auch einfach sehr sehr gut. 10/10

Der Soldat James Ryan erhält bei mir 9/10. Bitte steinigt mich jetzt nicht, aber ich finde ihn klasse! Vor allem die Nebenrollen mit Vin Diesel, Barry Pepper und Edward Burns sind top besetzt, wie ich finde.

Schindlers Liste ist ein packender Film, der mich nach der ersten Sichtung damals in der Schule richtig nachdenklich gemacht hat. Aus heutiger Sicht und nach mehreren Sichtungen kann ich sagen, dass er zwar immer noch packend und einprägsam ist, jedoch lebt der Film von den zwei exzellenten Schauspielern Neeson und Fiennes. Eine sehr gute und in Erinnerung bleibende Nebenrolle spielt Ben Kingsley. 8/10

Die drei weiteren Teile der Indy-Reihe, Amistad, ET, Jurassic Park: Lost World sowie Minority Report sind zu lange her, um sie jetzt aus der schwachen Erinnerung heraus zu bewerten.
"Bond! Ich will sie zurückhaben." - "Ich war nie weg."

Quantum of Solace (2008)

Re: Der Spielberg Thread

15
Hier ein paar wie ich finde sehr treffende Bemerkungen von John Milius über einige der Schwächen von Private Ryan:

MILIUS: He (Spielberg) has very funny moments and things, but you know, even later films there's some very awkward moments with people trying to be human and funny that are just terrible. In some very sophisticated films, you know. Like Private Ryan. There was a horrible scene where Matt Damon starts talking about something they did to an ugly girl, and how ugly this girl was that they were all screwing or something, and right there, you just say, "Why'd these guys come over like this to save this little creep?" Just put him out there and let the tanks run over him. Sacrifice him to the Panzer God right now. Blow up the bridge and leave, fellas.

IGNFF: I've heard that film described as Spielberg's version of Milius...

MILIUS: He's said that, too, sometimes.

IGNFF: What differences would you automatically draw between the two?

MILIUS: Well, he had a lot more money and time.

IGNFF: Stylistically, where would you compare?

MILIUS: Well, you can see mine – mine's Rough Riders. You can look at the two of them. There are similarities in both those films, but they're very different.

IGNFF: What was your enjoyment or lack of enjoyment factor for Private Ryan?

MILIUS: Well, I think the script is not very good. It has enormous holes in it, some of which I was tasked to fill. I was burned out after Rough Riders. I was separated from my wife, and Steven wanted me to come over and shoot second unit on Private Ryan and fix the script and everything. I just didn't want to do any of that ... I said, "This is a bad thing. This is a gimmick film." Which is the worst part of it, because he likes gimmick films. He loves gimmicks, and he makes very good gimmicks. He's very good at making gimmick films.

IGNFF: Which goes back to his commerciality.

MILIUS: That film is a gimmick film. The last brother and all this kind of stuff. He's off there and now they have to go find the last brother. Of course, you've got this terrible hole in it that they take what's left of this ranger company that got shredded and saying to them, "You're on the beach here." There's a whole peninsula, this is historically what's going on, and beyond our lines here, there's probably five German divisions, into which we've dropped three whole divisions of 17,000 men each – two American, one British. They're out there too, somewhere. That's how many men, about 60,000 American Allied troops, and probably about 100,000 Germans out there, fighting. And you're going to go out and find this guy?

IGNFF: We believe he has blond hair.

MILIUS: Blond hair, and you'll find him, his name is Ryan. Now go get him! No one else can get through, by the way. There's no tanks going forward or anything, these guys just take off and go find him. I was supposed to figure that out. I did, later. I figured out a good reason for it. But he was already shooting the movie by then.

IGNFF: What would have been the reason?

MILIUS: What they should have done is they should have said – which was the only logical thing, that I as a writer ask, is what was this Private Ryan doing? Nobody ever says that. He's a paratrooper, that's what he's doing. Well, he had a job, and so what was the job of the paratroopers? What was the job of the 101st and the 82nd? Well, one of the jobs was that there was just five or six bridges on the Merderet River. They wanted to take these bridges so that we could get out of Normandy and get out of the Hedgerows. They never explain that. If they had a little briefing where they said, "There are these five bridges, we're going to go to the first one," that the Brits took, which was Pegasus Bridge, and "We're going to go there, and then we're going to go to the next one. We don't know who has that bridge yet." When they get there, maybe it's being fought over, or maybe they blew it up or something like that. They don't find him there. Then as they're going from bridge to bridge, the tension is building. When you get to the last bridge, you say, "That's where he's got to be!"

IGNFF: And it's something that easily could have been fit into the rest of the structure.

MILIUS: Yeah, and they could sit there and they say, "Well, he was dropped on the such and such bridge, he was with the 505th ... and that's where he'd likely be." Then you've got a reason for him being there, or them finding him.

IGNFF: What other plot holes did you see?

MILIUS: Well the other thing that's a big hole that I heard Colin Powell commented on when he looked at it – at the end when that battle is taking place, he said, "Blow the bridge and leave, fellas."

IGNFF: Can't get more succinct than that.

MILIUS: Yeah, and as Oliver (Stone) told me – he said that Tom Hanks had told him, "This is the decent thing to do, to stay and hold this bridge." He (Stone) said, "I wouldn't have waited until he turned his back and got into the jungle to frag him – I'd have just shot him right there."

IGNFF: The decent thing to do.

MILIUS: He said part of it was he'd have shot him because he was Tom Hanks. I think Oliver just would like to shoot Tom Hanks anyway, just to see which way he'd fall. I think that the other thing was the ridiculousness of it – they're holding this bridge against the f***ing Panzer regiment, or something? I mean, these guys have M1s. They've got rifles. They're going to hold this bridge against the Panzer regiment? That's just nuts.

http://www.ign.com/articles/2003/05/07/ ... ohn-milius
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"