Siegfried Tesche im Gespräch

Am 6. November 2008 startete das 22. James-Bond-Abenteuer mit Daniel Craig in seinem 2. Auftritt als 007! Alle Meldungen, Gerüchte, Fakten und Fragen zu QUANTUM OF SOLACE und allen weiteren Bondfilmen (BOND 23 etc.) hier herein! [Leseforum]
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Gernot
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5. Mai 2008 17:54

siegfried tesche hat heute beim orf fragen der bondfans beantwortet, insgesamt ganz interessant zu lesen, offensichtlich hat sich seine meinung über CR auch ein wenig gebessert - ich musste ihm eine frage dazu stellen ;)

er befand sich vorige woche am set in bregenz, und wird auch heute noch einmal vorort sein, da auch das größte österr. tv-magazin, und sicher noch einige andere große tv-stationen etc. auch aufs set gelassen wurden, werden wir wohl spätestens nächste woche neue berichte und artikel zu QOS lesen/sehen (der erste tv-bericht aus Ö folgt ja bereits heute im US-TV). achja: laut tesche wird der titelsong höchstwahrscheinlich nicht den namen des filmes tragen, was aber auch keine große überraschung wäre.
orf.at hat geschrieben:was macht eigentlich den mythos bond aus? gibt es dafür irgendeine erklärung, dass sich das über jahrzehnte hält?
Ich denke Bond enttäuscht nie. Man hat vielleicht immer ein kleines bisschen auszusetzen, weil man dies, das oder jenen nicht mag, aber generell gilt, dass man alle zwei oder drei Jahre einen hochklassig gemachten, unterhaltsamen und hoffentlich spannenden Film sieht. Wer bietet das schon?

O_o: Guten Tag. Wieviele Citroen 2-CV brauchte man für die Stunts bei den Dreharbeiten von In tödlicher Mission?
Die Zahlen schwanken beträchtlich. Es waren aber mindestens fünf für die verschiedensten Aufnahmen, also innen, außen, Sprünge, Überschläge etc. Am Gardasee gab es alleine sieben Aston Martin DBS.

Herr Tesche, grüßgott in Vorarlberg! Wieviele Bonds haben sie schon persönlich getroffen?
Ich habe alle der Darsteller persönlich getroffen - zum Teil mehrfach, also auch vor während oder nach ihrer Zeit als Bond.

Sind Sie in Bergenz Statist? Oder waren Sie sonst shon mal Statist oder gar mehr?
Ich bin hier kein Statist, war es aber mal bei "Der Hauch des Todes" in Wien, bin aber nicht zu sehen. Also, eine sehr, sehr, sehr, sehr kurze Filmkarriere ...

Grüßgott Herr Tesch, ein sehr unterhaltsamer Chat. Sehen Sie sich die bond Filme immer wieder an oder können sie die eh schon alle auswendig?
Ja und nein, komischerweise entdecke ich immer wieder neue Sachen und habe mit bei der letzten Vorführung von "Goldfinger" im Metro Kino auch schon wieder Notizen gemacht, weil ich an einem neuen Buch arbeite.

Markus Munk: Sehr geehrter Herr Tesche, werden Sie sich die Dreharbeiten als Zaungast in Bregenz ansehen?
Sehr geehrter Herr Munk, ich werde den Zaun überwinden. Ich war am letzten Mittwoch am Set und werde heute Abend/Nacht nochmals dabei sein.

ah und noch eine frage: ist bondexperte ihr hauptberuf??
Nein, Filmjournalismus in jeglicher Form.

Sind sie generell sehr filminteressiert oder nur wenns um bond geht
Ich arbeite seit 1980 als freier Filmjournalist, reise zu Festivals nach Cannes, Venedig, Berlin etc. und schreibe ständig über Filme, Akteure und Regisseure.

Q: Welcher Film gefällt ihnen eigentlich am besten?
Ich mag mehrere besonders gerne: "Im Geheimdienst Ihrer Majestät", "Liebesgrüße aus Moskau", "Goldfinger", "Feuerball", "Man lebt nur zweimal", "Der Spion, der mich liebte", "In tödlicher Mission", "Sag niemals nie", "Der Hauch des Todes" und die ersten 2/3 von "Der Morgen stirbt nie".

Man sagt doch oft, ein Auftritt als Bondgirl sei das Ende jeder Karriere als Schauspielerin, und irgendwie scheint was dran zu sein. Können Sie sich das erklären?
Sie haben als Bondgirl nicht viel zu spielen, kaum guten Text und dienen doch zumeist nur als schöne Staffage. Neben einem Star darf es eben keinen weiteren geben. Britt Ekland hat mal gesagt, einen Bondfilm zu drehen ist 30 % Spiel und 70% Publicity. Das gilt sicher immer noch.

Haben sie als experte alle bondfilme gesehen und wie oft?
Ja, ich habe alle Filme mehrfach gesehen, und schaue sie auch immer mal wieder. Gezählt habe ich nicht.

Gibt es einen Schauspieler, der ihr persönlicher Traumbond wäre, und hätten sie auch für andere Rollen Besetzungsvorschläge?

Ich würde sehr gern Clive Owen in der Rolle sehen und würde mir einen Song von Dido wünschen. Zudem schätze ich Edward Norton als Schauspieler - wenn er nur mal wieder bessere Filme drehen würde.

Thomas Waldek: Was hat es ihrer Meinung nach, mit dem "Tosca"-Auge auf sich? Da Marc Forster in einem kürzlichen Interview erwähnte, dass das Tosca-Auge eine Metapher für die Bond-Filme ist? Grüße aus Wien, Thomas Waldek
Herr Waldek, für ihn hat das Auge viel mit der Eröffnungssequenz (fast) jeden Bondfilms zu tun. Zudem braucht jeder gute Schütze ein gutes Auge, und Verletzlichkeit ist natürlich auch ein Thema.

Sven: Hallo Herr Tesche, ich hätte mal eine Frage: Von wieviel und welchen Schauspielern wurde Q gespielt?
Es waren drei Akteure in den Filmen von Eon Productions und jeweils einer in "Casino Royale" von 1967 und "Sag niemals nie", 1983.

Emser007: Denken Sie, dass in Bregenz auch ein Bond-Tourismus ähnlich dem beim Piz Gloria in der Schweiz einsetzen wird, obwohl das "Auge" bald nicht mehr existent sein wird?
Das müsste man das Stadt Marketing der Stadt Bregenz fragen. In diesem Sommer wird die Seebühne sicherlich voll sein, und im nächsten Sommer werden die Gäste sicher nach dem Auge fragen. Die Seebühne ist aber so spektakulär, dass sie (zurecht) auch ohne Bond die Massen anziehen wird. Ich hätte mir auch vorstellen können, dass irgendeine der anderen Dekorationen (Ein Maskenball etwa) Filmemacher angezogen hätte.

glauben sie, dass daniel craig noch länger bond sein wird oder wird man ihn bald austauschen?
Soviel ich weiß, hat er einen Vertrag für drei Filme und eine Option für einen weiteren. Das machte man schon früher so.

Apanatschka: Wenn der Executive Producer bei den Dreharbeiten in Vorarlberg sagt, das Bond-Team wolle wieder zum Dreh nach Österreich kommen, ist das Höflichkeit? Oder weiß der Mann jetzt schon mehr über den weiteren Verlauf der Serie?
Das ist Höflichkeit. Bond Macher suchen immer nach spektakulären Orten. Wiederkehrende Orte sind nur in London zu finden wie etwa Big Ben oder das Gebäude von MI 6, etc.

Wissen sie vielleicht, wer zum neuen Bond das Titelied singen wird?
Nein, erwarten Sie eine Überraschung. Auch soll der Titel des Films nicht der Titel des Liedes sein - confidential information.

Wann hat sie das Bond-Fieber gepackt?
Es war 1969 mit den ersten Kinobesuchen.

Wer entscheidet welche Autos im Bond vorkommen - die Autofirmen werden sich wahrscheinlich darum reißen - das wird wahrscheinlich eine Geld-Sache sein.
Vollkommen richtig mit dem Geld. Die Firma Ford hat einen langfristigen Vertrag mit der Produktionsfirma geschlossen - so wie BMW damals auch. Daher fährt Bond im neuen Film Aston Martin, Ford Ka, Volvo und andere Jaguar - alle Marken gehören zu Ford, auch wenn Jaguar kürzlich von dem indischen Unternehmer Tata erworben wurde. Natürlich müssen die Autos zum Charakter von James Bond passen, aber die Auswahl bei Ford ist ja auch wirklich groß. Ford war erstmalig bei "Goldfinger" (1964!) präsent.

Was macht die Faszination Bond aus - warum funktioniert dieser Film obwohl immer wieder andere den Bond spielen?
Ich denke es handelt sich um formelle Filme, die immer wieder gleich sind. Diese Struktur funktioniert seit "Goldfinger" und die Formel wurde so gut wie nie verändert. Die Faszination macht sicher aus, dass Bond nur alle zwei oder drei Jahre erscheint - das nervt nicht so wie TV-Serien, die jeden Tag dieselbe Formel verkaufen. Zudem ist keiner der Hauptakteure ein Star, sondern "James Bond" ist der Star. Darauf haben die Produzenten immer geachtet.

Schade, dass Moneypenny beim letzten Bond keine Rolle mehr gespielt hat - sie gehörte einfach dazu, auch auf Q wurde verzichtet - ich finde das schade.
Ich finde das genauso schade wie Sie und hoffe inständig, dass die Macher im nächsten Film auf die geliebten Charaktere zurückgreifen.

fabjan: Bei Wetten, dass war mal einer der konnte alle Bond-Filme auswendig - können Sie das auch?
Keine Ahnung - laden Sie mich ein?

Bondgirl: Hallo, werden Sie sich im Sommer eine "Tosca"-Vorstellung auf der Seebühne ansehen oder auf die Kinopremiere im November warten?
Ich hoffe, dass es im Sommer klappt und mein neues Buch, an dem ich gerade sitze, mich nicht davon abhält. Ich werde vermutlich bei der Premiere in London oder in deutschland zu Gast sein.

anni: Wer war der beste Bond-Regisseur - ihrer meinung nach. Das man für den neuen, den Foster ausgewählt hat, ist schon eine Überraschung, oder?
Ohne Terence Young hätte es Bond so wie er bekannt und berühmt geworden ist nie gegeben. Peter Hunt hat für mich mit "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" einen fantastischen Bondfilm gedreht. Ich war von der Wahl des neuen Regisseurs genauso überrascht wie sie - er hat übrigens auch ganz viele seiner Kollegen zum Film mitgebracht. Es wurde also nicht nur der Regisseur "ausgewechselt".

Bondfan: Guten Tag, widersprüchlich kommentiert wird derzeit die zentrale Frage, ob James Bond mit seinem "Tosca"-Besuch in Bregenz nun zum ersten Mal in eine Opernvorstellung geht oder ob dies bereits in einem früheren Film der Fall war?
Das stimmt. Bond war ja bereits in "Der Hauch des Todes" in der Volksoper in Wien/Bratislava, zudem bestellt er Karten für die Oper und geht dann in ein Konzert in der Oper. Entscheiden Sie doch wie man das zählt.

Wäre es möglich, einmal einen farbigen Bond-Darsteller zu haben? So weit ich weiß, war auch Denzel Washington im Gespräch.
Ein farbiger Bond Darsteller hat meiner Meinung nach keine Chance - und Denzel Washington als Amerikaner sowieso nicht.

Gernot: S.g. Hr. Tesche, Anfang November 2006 haben Sie für die FAZ eine äußerst negative und sarkastische Filmkritik über Daniel Craigs 1. Bondfilm "Casino Royale" verfasst. Hat sich Ihre Meinung zu dem Film mittlerweile geändert, oder sind Sie nach wie vor der Meinung, dass dieser Film unwürdig ist, den Titel "Casino Royale" zu tragen und man keine Spur vom Neuanfang der Serie erkenne...? Vielen Dank für Ihre Antwort, mit "bondigen" Grüßen aus Wien Gernot Seidl von der 007-Fanseite www.JamesBond.de
Sehr geehrter Herr Seidl, der Text erschien in der "Welt" und nicht in der FAZ. es war keine Kritik, sondern eine Vorschau, auf das was von dem Film zu erwarten ist. Ich bin dem Film immer noch in einigen Punkten gegenüber kritisch eingestellt und bemängele weiterhin die fehlende Werktreue zur Romanvorlage, empfinde "Casino Royale" abseits davon aber zu 2/3 gut gelungen und endlich mal wieder als einen spannenden Bondfilm. PS: Ihr Fachwissen ehrt Sie!

Guten Tag! Wie sehr, glauben Sie, wird Vorarlberg touristisch davon profitieren, dass Bond hier gedreht wird? Werden Bond-Fans zum Schauplatz anreisen?
Bond Fans werden anreisen, und haben das auch schon getan, werden aber nicht weiter als bis zum Zaun kommen ... Voralberg profitiert jetzt schon davon, sonst würden Sie nicht danach fragen. Ich sprach vorgestern mit einem Restaurantbesitzer, der sagte, dass er am Abend der Bond Night 20 % mehr Umsatz gemacht hat. Das ist doch was!
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5. Mai 2008 20:32

Ich versteh diesen Mann einfach nicht. In der Zeitung schreib er schlecht über den jüngsten Film und im Fernsehen schwärmt er zusammen mit Ludger Pistor von ihm. :roll:
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10. Mai 2008 19:29

Hallo,

meinen Einstandspost in diesem Forum hatte ich mir eigentlich etwas anders vorgestellt, aber ich möchte hier etwas zu Herrn Dr. Siegfried Tesches Entlastung schreiben
- obwohl ich nicht zu seinen ausgewiesenen Fans gehöre und wer mich aus dem Bondforum.de.vu kennt, weiss dies auch.


Zufälliger Weise kamen bei zwei von mir geführten Telefonaten mit verschiedenen Redakteuren des BKD-Magazins in den letzten Tagen gerade die damals abgedruckte "Casino Royale"-Kritik von Herrn D. Siegfried Tesche auch zur Sprache. Hierzu wurde mir einvernämlich mitgeteilt, dass ein ungenehmigter Vorabentwurf von Autor Tesche - der weit vor Start des Films enstanden war - vom Verlag aus der Schublade genommen und ohne Tesches Zutun und Wissen abgeändert und gedruckt wurde. Wer sich an die Negativkampagnen und Voreingenommenheit zahlreicher Medien gegenüber dem neugecasteten Bond-Darsteller Daniel Craig in 2005/06 erinnert, weiss dass ein gewisses Gros an Medienvertretern ohne Nachfassen und Recherche-Kontrollen jede damals noch so unsinnige Meldung aus der Regenbogenpresse hinsichtlich Daniel Craig unkommentiert übernommen und abgedruckt hat. Vielleicht hat sich damals ein Redaktionskollege aus dem "Welt"-Verlag auch bewußt den Spass gemacht und Tesches Kritik schärfer ausgewertet als sie ursprünglich verfasst war.

Verfasste Beitäge von freiberuflichen Journalisten, die ihren Arbeiten an Verlage schicken, müssen immer damit rechnen, dass Verlagsredakteure sowohl Textpassagen streichen als auch ändern dürfen - laut Verlagssatzung. Dies gilt für jede Art von Beitrag, also nicht nur für Filmbesprechungen, sondern beispielsweise auch für Produktneuvorstellungen in Kennzifferfachzeitschriften. Hinzu kann - wie bei einer Filmproduktion - in letzter Konsequenz auch noch der Aspekt eintreten, dass die gefertigte Arbeit unter Umständen am Ende erst gar nicht veröffentlicht wird. Obwohl der/die Name(n) von (einem) Beitragsautor(en) in der Regel abgedruckt wird/werden, muss der ursprüngliche verfasste Text in Kontext und Erläuterung nicht unbedingt mehr der Originalvorlage entsprechen - was in diesem speziellen Fall auch bei Herrn Dr. Tesche passiert zu sein scheint.

Im Privatgespräch hat Herr Dr. Tesche seiner Zeit gegenüber dem BKD hinsichtlich dieser Veröffentlichung jedenfalls sein Bedauern ausgesprochen. Als freischaffender Journalist kann er gegenüber Verlagen hinsichtlich abgewandelter Beiträge dagegen wenig Druck machen, solange er dort weiterhin auch Geld verdienen möchte.
chief

10. Mai 2008 22:09

Das ist interessant und zeigt doch wieder einmal deutlich, dass nicht immer alles so ist wie es scheint. Ich kenne von Tesche nur zwei Bücher, halte diese beiden aber für recht gelungen. Auf mich wirkt er sachverständig und kompetent.
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Gernot
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10. Mai 2008 22:32

hier ein aktueller bericht von s. tesche aus bregenz. er ist sicherlich der kompetenteste bondautor im deutschsprachigen raum, das heißt aber nicht, dass man immer einer meinung mit ihm sein muss. dieser artikel scheint jedoch besser recherchiert zu sein, man merkt, dass er tatsächlich am set war und sich in der bondwelt auskennt. vor den pinewoodstudios sollte die bondcrew aber noch einen kurzen abstecher in siena machen.
Der Spiegel hat geschrieben:Wenn James Bond dir 38-mal auf den Fuß tritt

Aus Bregenz berichtet Siegfried Tesche

Etwa fünf Minuten des neuen Bond-Films "Quantum of Solace" spielen in Bregenz. In der österreichischen Stadt herrschte eine Woche lang Ausnahmezustand: Händler und Restaurants lockten mit 007-Specials, Regisseur Marc Forster und Hauptdarsteller Daniel Craig hatten keine ruhige Minute.

Marc Forster ist müde. Es ist kurz vor Mitternacht, und bis 6 Uhr wird noch gedreht. Forster zieht sich seine graue Strickmütze ins Gesicht, greift zur Wasserflasche, reibt sich die Augen und sinkt auf einem der schmucklosen grauen Regiesessel nieder, die am Set des neuen Bond-Films "Quantum of Solace" vor dem Festspielhaus in Bregenz stehen.

"Artist" steht auf der Rückenlehne. Nicht etwa sein Name oder der eines Hauptdarstellers. Seit Januar drehte Forster erst in den Pinewood Studios, dann in Panama, Italien, Chile - und jetzt in Österreich. Als der Schweizer Regisseur im November Berlin besuchte, um seinen Film "Drachenläufer" vorzustellen, sah er entspannter, erholter, gesünder aus als jetzt. Nicht so dünn und blass. Bond zehrt an den Nerven. Unter 200 Millionen Dollar soll er bleiben. Die Drehtage in Bregenz wurden von zehn auf acht gekürzt. "Auch bei James Bond hat man kein unbegrenztes Budget", sagt Location Manager Leonhard Gmür, der an seinem sechsten 007-Abenteuer arbeitet und einst bei "Octopussy" dafür sorgte, dass der Agent Ihrer Majestät über die Berliner Avus rasen durfte.

In den vergangenen Monaten haben Gmür und seine Frau Karin exakt 5297 Statisten gecastet, fotografiert und vermessen. Rund 300 sind an diesem Abend dabei, als Forster immer und immer wiederholen lässt, wie die Limousinen vor dem Festspielhaus vorfahren. Drinnen stehen die Gäste in eleganten Roben und schwarzen Smokings. Draußen sollen zahlreiche Kameras und Licht-Installationen dafür sorgen, dass der Platz vor dem Theater später im Film viel größer und beeindruckender wirkt als in der Realität.

Forster und sein Kameramann Roberto Schaefer haben sich ausführlich über das visuelle Konzept des Films Gedanken gemacht und festgestellt, dass sie beide die Polit-Thriller der siebziger Jahre schätzen – "Die drei Tage des Condor" etwa, oder "French Connection". Beides sind Klassiker des Genres. Und natürlich lieben sie - wie jeder - die frühen Bond-Filme mit Sean Connery.

Im Gespräch am nächsten Tag bestätigt der jetzt hellwache Forster, wie anstrengend der Bond-Dreh ist: "Ich habe das Gefühl, ich mache zwei oder drei Filme auf einmal, aber Orson Welles hat gesagt, man muss einmal in seinem Leben einen kommerziellen Film drehen." Er erwähnt auch, dass er speziell Terence Young schätzt. Der Brite hatte in den sechziger Jahren mit den ersten Agentenabenteuern "James Bond – 007 jagt Dr. No", "Liebesgrüße aus Moskau" und "Feuerball" einen Standard für die ganze Serie gesetzt.

Ob der neue Bond-Darsteller Daniel Craig in diesen Retro-Kosmos hineinpasst? Und ob, meint Forster. Auch mit Craig hat er lange gearbeitet und am Drehbuch gefeilt. Sogar den jungen amerikanischen Autor Joshua Zetumer hat er noch hinzugezogen, der die letzte Version von Star-Autor Paul Haggis ("Million Dollar Baby") noch einmal überarbeitet hat. "Daniel ist ein guter Schauspieler", so Forster, "und dieser Film wird vom Charakter James Bonds bestimmt werden, nicht von der Geschichte. Ich glaube nicht an Rache. Sie führt nicht weiter. Es geht um den zwiespältigen Helden."

Der muss in dieser Nacht mehrfach eine der Außentreppen zum Festspielhaus hinauflaufen. Hinein kommt er jedoch erstmal nicht: Eine verdreckte weiße Hose, braune Schuhe und eine dunkle Jacke sind in der Oper nicht hilfreich. Später klaut sich Bond einen Smoking und schafft es doch noch. Zwischen jeder Aufnahme stürmt Daniel Craig zu Forster, starrt auf den Monitor und sieht sich selbstkritisch seine Darstellung an. Mehrfach ändert er seinen Gesichtsausdruck, wenn er erneut die Treppe hinaufsprinten muss.

Auch Mathieu Amalric variiert viel. Mal verschafft er sich Platz, rempelt jemanden an, begrüßt jemanden oder spielt mit dem Treppengeländer. Der Franzose ("Schmetterling und Taucherglocke") ist als Gangster Dominic Greene zu sehen, der - im Gegensatz zu Bond - den Haupteingang der Oper benutzt – im Smoking. Nach sieben Takes sitzt Szene 65 N 6. Zwei Nächte zuvor wurden 38 Wiederholungen benötigt, denn Craig/Bond ist nicht nur im Auditorium des Gebäudes unterwegs, sondern flitzt auch durch Küche und Restaurant und erschießt einen Gangster. Dafür musste er einer Dame auf den Fuß treten – 38-mal. Sie trug es mit Fassung. Craig auch.

Auf 109 Drehtage ist der Film veranschlagt, in 101 davon wird der britische Schauspieler benötigt. Um das durchzustehen, stählt er auch hier seinen Körper. Im "Home of Balance" genannten Fitnesszentrum des Hotels Panoramahaus in Dornbirn nahe Bregenz hat Craig einen eigenen Trainingsbereich. Sporadisch tauchte er auch in der hauseigenen Sauna auf. Dass die Statisten ihn mögen ist offensichtlich. Immer wenn das befreiende "Cut! Reset" erklingt, und er an ihnen vorbeigeht, applaudieren sie, halten aber dennoch respektvollen Abstand.

Die Stadt umarmt den Kino-Helden geradezu. Rund 50 Geschäfte bieten "007 Prozent Rabatt" beim Shoppen, ein Schuhhändler wirbt mit den weichen Tretern, die Daniel Craig erworben hat, die Bäckerei Schähle hat "JB" und "007"-Brezeln im Angebot - und ein Kellner des Ristorante San Giuseppe erzählt froh, dass man am Vorabend der "Bond Night", in der acht echte Aston Martins in der Fußgängerzone standen, 400 Pizzas und 200 Nudelgerichte verkaufen konnte – 20 Prozent mehr als sonst. Es ist fast wie zu den legendären "Bondomanie"-Zeiten in den sechziger Jahren.

Mit einigen wenigen Schießereien und am Hemd explodierenden Blutkapseln geht Drehtag 80 für Craig und Regisseur Forster in den frühen Morgenstunden zu Ende. Man musste aufhören, weil die Vögel zu laut zwitscherten.

Die wirklich lauten Geräusche stehen erst noch an. Ab nächster Woche dreht das Team bis Mitte Juni in den Londoner Pinewood Studios. "Dort wird gerade ein Außenset gebaut", sagt der Sound Mixer und Oscargewinner Chris Munro, für den dies auch schon der fünfte Bond-Film ist. "Dort gibt es vor allem Explosionen, und das Eco-Hotel des Gangsters fliegt in die Luft." Es ist eben James Bond. So viel Action hätte es in den Thrillern der siebziger Jahre dann doch nicht gegeben.

"Quantum of Solace" kommt am 6. November in die deutschen Kinos. Etwa fünf Minuten des Films spielen in Bregenz.
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Chris
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11. Mai 2008 08:39

Gernot hat geschrieben:er ist sicherlich der kompetenteste bondautor im deutschsprachigen raum
Das glaubt aber auch nur er selbst und noch ein paar Ewiggestrige!
Seine Bücher sind geradezu lächerlich recherchiert und mit unendlich vielen Worthülsen ausstaffiert. Seine Zitierten Quellen sind immer die gleichen und sein ständiger Bezug auf den katholischen Filmdienst ist unzumutbar im Zusammenhang mit Bond!
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11. Mai 2008 09:40

Chris hat geschrieben:
Gernot hat geschrieben:er ist sicherlich der kompetenteste bondautor im deutschsprachigen raum
Das glaubt aber auch nur er selbst und noch ein paar Ewiggestrige!
Seine Bücher sind geradezu lächerlich recherchiert und mit unendlich vielen Worthülsen ausstaffiert. Seine Zitierten Quellen sind immer die gleichen und sein ständiger Bezug auf den katholischen Filmdienst ist unzumutbar im Zusammenhang mit Bond!
also das finde ich ein wenig übertrieben. er kann zwar meiner meinung nicht mit einigen britischen "bond-journalisten" mithalten, die 007 quasi studiert haben, aber im deutschsprachigen raum fällt mir sonst eigentlich kein journalist ein, der sich in der bondberichterstattung halbwegs gut auskennt.

aber wie gesagt, über seinen schreibstil & seine meinungen und ansichten kann man natürlich diskutieren. und dieser "welt"-artikel zu CR hat natürlich kein gutes licht auf ihn geworfen, weil da einfach viel blödsinn drinnen stand. wieviel da nun tatsächlich von ihm stammt und wieviel dazuerfunden wurde, kann ich natürlich von hier aus nicht beurteilen.
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