Bond folgt dem Toilettenschild, wo zwei Korridore, einer für die Damen und einer für die Herren, je zu einer rückwärtigen Tür mit Verbotsschild führen. Er öffnet sachte eine davon und späht auf den Hinterhof. Ein Küchengehilfe bringt gerade den Müll raus. Als er durch eine andere Tür wieder ins Innere geht, bewegt sich Bond in Socken über den Kies. Mittlerweile ist es Nacht geworden. Geduckt schleicht sich Bond an einem schmalen Gebäude entlang, das den Hof von einem Wäldchen trennt. Als zwei Japaner aus der Tür kommen duckt er sich hinter eine Ecke. Die beiden verschwinden schwatzend im Gebüsch. Auf leisen Sohlen betritt er das Haus. Es scheint verlassen zu sein, obwohl das Licht noch brennt und auf einem Fernseher ein Baseball-Spiel mit lautem Kommentator läuft. Es handelt sich offenbar um eine Art Wachhäuschen mit Umkleideraum, an Schranktüren hängen Sakkos und Pistolenholster, ein Spind ist mit obszönen Manga-Bildern zugepflastert. Bond sucht, bis er ein paar Schuhe findet, die ihm passen. So ausgestattet verlässt er das Häuschen wieder und bewegt sich wie zuvor die beiden Männer ins Wäldchen.
Dem Restaurant gegenüber liegt ein zweites, ähnliches Gebäude, das fast schon an einen Tempel erinnert. Die Fläche dazwischen fällt in ein leichtes Tal ab, das von einem herrlichen japanischen Garten bedeckt ist. Gewundene Pfade führen zwischen Bäumen hindurch, es gibt einen grossen Teich mit einem kleinen Wasserfall, halbrunde Brücken über sanften Bächen, kleinere Stein- und Zen-Gärten und eine Vielzahl an Statuen und Schreinen. Ebenfalls zur Anlage gehören einige kleinere, flache Häuser, die rundum mit
Shōji, verschiebbaren Papierwänden ausgestattet und von schmalen Terrassen umgeben sind. Jedes davon ist mit Papierlaternen in einer bestimmten Farbe geschmückt. Bond visiert das Haus mit roten Laternen. Wie einst Dalton verschliesst er das Sakko am Kragen, dass sein weisses Hemd nicht mehr zu sehen ist, und setzt sich in Bewegung.
Er kommt bei einer Brücke an, doch sobald er einen Fuss daraufsetzt, knarren die Bretter. Das Geräusch dröhnt in der Stille buchstäblich. Geistesgegenwärtig macht er einen Schritt rückwärts und hechtet stattdessen unter die Brücke, als auch schon zwei Yakuza-Männer mit Stablampen aufkreuzen und miteinander auf Japanisch sprechen. Bond ergreift einen Stein, zielt und wirft ihn flussaufwärts in ein Gebüsch. Die beiden Wachen drehen sich um und Bond huscht über runde Trittsteine, die sich etwa zwei Meter flussabwärts befinden, ans andere Ufer, wo er hinter einem dicken Buddha in Deckung geht. Die beiden Männer leuchten ins Gebüsch und entdecken einen Fuchs. Einer zielt mit der Pistole auf das Tier, und als es im Unterholz verschwindet, lachen beide und entfernen sich wieder. Bond setzt seinen Weg fort und nähert sich dem Haus mit den roten Laternen. Es liegt leicht erhöht vor ihm, ein Steinpfad führt direkt an die Terrasse. Unter dem Vordach entdeckt er eine Kamera, die auf den Weg gerichtet ist. Bond duckt sich hinter eine Hecke, die den Hügel umringt und aktiviert seine Magnetuhr. Mit ausgestreckter Hand schleicht er die Hecke entlang und die Kamera dreht sich und folgt ihm, ohne ihn zu sehen. Nach ein paar Metern schaltet er die Rolex wieder aus, geht den gleichen Weg zurück und folgt dem nun unbeobachteten Steinpfad.
Bond folgt der Terrasse um das Haus, bis er einen halb geöffneten
Shōji findet. Er späht ins Innere. Der Raum, mit Tatami-Matten ausgelegt, ist leer. Er geht zur nächsten Tür, die auf einen Flur führt, von dem insgesamt sechs Räume abzweigen. Bonds Tür ist die Nummer 18, gegenüber die Nummer 17. Die Nummer 13 befindet sich am anderen Ende des Ganges auf der gegenüberliegenden Seite. Bond setzt sich in Bewegung. In der Nummer 16 spielt ein Mann mit Kopfhörern im Schneidersitz ein Konsolenspiel, während ein zweiter auf einem Futon schnarcht. Sie bemerken Bond nicht und er erreicht ungestört die Nummer 13. Die Wohnstätte des Schweigsamen ist spärlich eingerichtet, der Futon gemacht. Das Einzige, was auffällt, ist ein Bilderrahmen auf einem Tischchen. Jemand hat das Foto herausgenommen, aber der untere Teil ist dabei offenbar abgerissen und steckt noch darin. Man erkennt fünf paar Stiefel auf einem Waldboden, und sonst nichts. Bond sucht weiter. In einer Schublade findet er eine einzelne Gewehrpatrone. Auf der Kugel sind japanische Schriftzeichen eingraviert. In Zimmer 16 schmeisst der Yakuza seinen Controller rum und flucht laut, sein Kollege wacht auf und sie fangen an zu streiten. Bond steckt die Patrone ein und verschwindet durch den
Shōji nach draussen.
Vor ihm liegt nun das andere Ende des Gartens mit dem grossen Haupthaus. Irgendwo sind Stimmen zu vernehmen. Zwischen Bäumen und Büschen bewegt sich Bond eine Anhöhe hinauf, von der aus er in einen abgeschotteten Teil des Gartens direkt am Haus blicken kann. In einem Onsen, der japanischen heissen Quelle, sitzt mit dem Rücken zu Bond ein alter Mann. Nur sein Kopf ragt aus dem dampfenden Wasser und er brüllt laut auf Japanisch. Vor ihm im Halbkreis aufgereiht stehen sechs Männer in schwarzen Anzügen und roten Stoffmasken, die andauernd "Hai!" sagen und sich in einem fort verbeugen. Der Kopf kommt in seiner Rage etwas weiter aus dem Wasser, wodurch deutlich wird, dass der alte Mann auch unfassbar dick ist und dass seine massigen Schultern flächendeckend mit Yakuza-Motiven tätowiert sind. Bond steckt sich einen Knopf ins Ohr und richtet sein Smartphone auf die Szenerie unter sich. Nach einem kurzen Knistern fängt eine tiefe Stimme in seinem Ohr an, simultan zu übersetzen: "…ste Schande! Die anderen Clans lachen schon über uns, und was noch viel schlimmer ist, sie trauen uns nicht mehr! Wie Idioten stehen wir da!" Bond rümpft die Nase und drückt auf den Einstellungen seines Smartphones herum, bis der Yakuza-Boss in seinem Ohrhörer mit einer sanften Frauenstimme spricht. Jetzt ist Bond zufrieden. "Was glaubt der Schweigsame eigentlich, wer er ist?", säuselt der Boss in Bonds Ohr. "Wir bezahlen ihn gut für seine Dienste, behandeln ihn als einen von uns, und er raubt mein Geld und tötet sechs meiner besten Männer! Jetzt muss ich auf euch sechs Idioten zurückgreifen! Findet ihn und bringt ihn mir! Tot ist gut, lebendig ist besser. Und wenn ihr bis ans Ende der Welt suchen müsst, mir ist es egal!" Die sechs verbeugen und entschuldigen sich. "Worauf wartet ihr? Aus meinen Augen! Und last euch erst wieder blicken, wenn ihr den Schweigsamen gefunden habt!" Die sechs Yakuzas nehmen die Beine in die Hand und verschwinden. Bond will dasselbe tun, tritt dabei aber auf einen Zweig. Unter ihm versucht der Boss, sich umzudrehen, aber er ist dafür viel zu dick. Er ruft etwas. "Ist da jemand?", flötet die Frauenstimme in Bonds Ohr. Bond wartet einige Sekunden. Als der Dicke sich wieder tiefer ins heisse Wasser gleiten lässt, tritt er den Rückweg an.
Bond kommt wieder beim Kiesplatz hinter dem Restaurant an und schlüpft vorsichtig durch dieselbe Tür wie zuvor. Es sieht aus, als käme er gerade von der Toilette. Auf dem Korridor nebenan, der zur Damentoilette und zur zweiten Hintertür führt, ist irgendetwas los, und als Bond vorbeigeht sieht er die kleine Frau von vorhin, die offenbar dabei erwischt wurde, wie sie durch die Hintertür wollte. Zwei breite Herren, beide einen Kopf größer als sie (was allerdings nicht schwer ist) stehen bedrohlich vor ihr und reden auf sie ein, einer von beiden packt sie dabei am Handgelenk. „Moment“, erhebt Bond die Stimme und dreht sich zur Situation, „gibt’s hier ein Problem?“ Die Frau dreht sich zu ihm um und mustert ihn. „Hotel-Angelegenheit“, brummt einer der beiden Wachmänner zurück, und fügt noch hinzu: „Gehen Sie weiter, hier gibt’s nichts zu sehen.“ Bond erwidert den Blick der schönen Unbekannten und fährt mit den Augen ein Stück an ihr herunter: „Das sehe ich anders“, sagt er mit einem leicht verschmitzten Grinsen im Gesicht. Dann schaut er zu den Herren: „Lassen Sie die Dame los, sie gehört zu mir.“ Der eine Wachmann lässt das Handgelenk der Frau los, dafür packt der andere es. „Was soll das? Wer ist sie?“ Die Frau windet sich. „Nun lassen Sie mich endlich los, ich bin…“ Bond unterbricht sie schnell: „Ich hatte die Dame gebeten, dass wir uns hier bei der Hintertür treffen, damit meine Geschäftspartner von ihrer Anwesenheit nichts mitbekommen. Ich wollte sie ohne großes Aufsehen mit auf mein Zimmer nehmen.“
Man sieht im Gesicht der Schönheit ihren inneren Konflikt: Einerseits ist sie froh, dass der gutaussehende Engländer aufgetaucht ist, andererseits kann sie ihre Empörung um seine Andeutung nicht verbergen. Und es wird nicht besser, als Bond fortfährt: „Sie müssen wissen, ich habe bei dem Etablissement dieser reizenden Frau vorhin von der Rezeption aus anrufen lassen.“ Der eine Japaner ist nicht überzeugt. „Stimmt das?“, will er wissen und reißt ihr weiter grob am Arm. „Ich, also…“, stammelt sie. Bond bleibt cool: „Ich mache doch hoffentlich keinen Fehler oder? Sie sind doch Miss Jackie Mehoff, nicht wahr?“ Völlig verdattert bringt sein Gegenüber nur ein stummes Nicken hervor. „Alles klar“, führt Bond fort. „Gentlemen, dann würde ich vorschlagen, ich entschuldige mich bei Ihnen für das kleine Missverständnis und wir lassen die Angelegenheit auf sich beruhen.“ Er zückt vier Geldscheine hervor und streckt sie den Männern entgegen. Jetzt hat sich auch der strengere Wachmann überzeugen lassen, lässt die Dame los und greift nach dem Geld. „Natürlich, Sir. Diskretion steht bei uns über allem.“ Bond hält der Frau seinen Arm zum Einhaken hin: „Miss Mehoff?“
Sie gehen eingehakt an der Rezeption vorbei. „Sieht man uns noch nach?“, fragt Bond. Die Unbekannte schaut über ihre Schulter. „Die haben es uns abgekauft“, schlussfolgert sie. "Was wollten Sie überhaupt an der Hintertür?", fragt er nochmal nach, doch statt einer Antwort enthakt sie sich von 007. „Alles klar, dann mal vielen ‚Dank‘ ihnen“, sagt sie, und macht bei dem Wort „Dank“ mit ihren Fingern Gänsefüßchen in die Luft. Sofort dreht sie um und will zum Ausgang eilen, da ist es jetzt Bond, der sie am Handgelenk festhält: „Warten Sie“, mahnt er, „was wenn man uns doch noch beobachtet?“ Sie reißt sich augenblicklich los: „Mit dem Problem werden sie wohl allein fertig werden müssen. Auf noch eine Erniedrigung heute Abend habe ich nur wenig Lust.“ „Na hören Sie mal“, wendet Bond ein, „Ich musste doch etwas erfinden.“ Sie dreht sich noch einmal zu ihm um: „Und da ist das das Erste, was Ihnen einfällt?“ Bond öffnet den Mund, hat aber keine Antwort parat. Nach wenigen Sekunden bringt er nur heraus: „Ich wollte Sie wirklich nicht kränken, Miss…?“ Die junge Dame schüttelt den Kopf und setzt eine herabwürdige Fratze auf. „Nein, vergessen Sie es. Sie dürfen mich gerne als Jenny Mehoff im Gedächtnis behalten.“ Sie schiebt den ersten Anflug eines ironischen Lächelns hinterher. Bond aber erhebt den Zeigefinger: „Wissen Sie, eigentlich war es Jackie Mehoff, weil...", aber da stampft seine Gegenüber dann wirklich mit einem letzten Augenrollen davon. Bond schaut ihr noch kurz nach und murmelt dann ein „Nun ja, gern geschehen“ zu sich selbst.
Er geht zurück an seinen Tisch und Grimsby scheint ein Stein vom Herzen zu fallen. Gerade kommt der Kellner mit einem gegrillten Fisch herbei gewuselt, bleibt stehen und blickt entrüstet auf Bonds Füsse. "Bitte ziehen Sie Schuhe aus!"
Ein Audi, aus dem lässig ein Arm hängt, rast über eine Landstrasse in Marokko und biegt auf einen Nebenweg ab. Die Kamera folgt ihm über einen Hügel, und dahinter sieht es aus, als wäre ein UFO in der kargen Ebene gelandet. Es handelt sich um eine teils brutalistische, teils moderne Villa, futuristisch geformt, ganz aus Glas und Beton (Referenzbild
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3). Ein hoher Zaun trennt die künstlich bewässerte, saftig grüne Rasenfläche vom kargen Umland. Der Audi passiert einen Fingerabdruckscanner, der das Tor im Zaun öffnet, und der Amerikaner steigt aus. Er öffnet die Eingangstür mit einem Irisscanner. Als er eintritt, bemerkt er zwei Dinge: zahlreiche Taschen die unordentlich im Korridor verstreut liegen, und ein dumpfes, gleichmässiges Geräusch irgendwo aus den Tiefen des Hauses. Der Amerikaner grinst wie ein Haifisch und folgt der Spur aus Taschen und dem Geräusch in einen grossen, offenen Wohnbereich mit kaltem Marmorboden und einer riesigen Glasfront. An einem langen Tisch sitzt ein mürrisch dreinblickender JAPANER (Ryo Kase) ganz in Schwarz, der penibel ein in seine Einzelteile zerlegtes Scharfschützengewehr reinigt. In einem Ledersessel lümmelt der Mexikaner, wirft gelangweilt immer wieder einen Gummiball auf eine Dartscheibe, trifft jedes Mal perfekt das Bullseye, fängt den Ball, wenn er zurückkommt und vom Boden aufprallt, und wirft ihn erneut. Ohne hinzuschauen fängt der Amerikaner den Ball in der Luft und ihre Blicke treffen sich. "Wurde ja auch mal Zeit!", sagt der Amerikaner. Der Mexikaner steht auf, der Amerikaner wirft seine Autoschlüssel auf einen Tresen, sie umarmen sich und klopfen sich gegenseitig auf den Rücken. "Wie lange bist du schon hier?" – "Ein paar Stunden", antwortet der Mexikaner. "Die Gesellschaft war bisher noch nicht sonderlich gesprächig". Der Japaner blickt mürrisch auf und widmet sich dann gleich wieder seiner Arbeit. "Mach dir keine Sorgen, der ist noch nicht viel länger hier" Der Amerikaner reibt sich beim Anblick der verstreuten Taschen die Hände. "Wie ich sehe hast du etwas mitgebracht" – "Es ist alles da", sagt der Mexikaner. "Ein bisschen Taschengeld hat noch keinem geschadet. Aber ihr habt ja sicher schon ohne mich angefangen. Irgendwelche Probleme?" Der Amerikaner lacht. "Probleme sind da, um aus dem Weg geschafft zu werden!" – "Stufe eins ist also im Gange?", will der Mexikaner wissen. Der Amerikaner breitet stolz die Arme aus. "Vor dir steht der Besitzer und Direktor von Bānshī Industries". Das Lausbubenlächeln des Mexikaners zuckt kurz. "War ja klar, dass du wieder der Boss bist". Der Amerikaner tippt sich mit dem Zeigefinger an die Schläfe. "Weil ich Köpfchen habe. Weil ich schnell und diskret arbeite. Ich habe bei mir zu Hause keine Leiche hinterlassen. Und auch nicht sechs". Der Japaner blickt erneut verdrossen auf, während der Amerikaner lacht, als hätte er gerade einen tollen Witz gemacht. "Komm mit", sagt der Amerikaner zum Mexikaner. "Ich fahr dich hin und zeige dir alles". Er greift nach dem Tresen, doch der ist leer, also streckt er die Hand stattdessen dem Mexikaner entgegen. Der grinst verlegen, holt die Autoschlüssel aus seiner Tasche und wirft sie dem Amerikaner zu.