Re: Zuletzt gesehener Film

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Freut mich, dass er dir auch so gut gefallen hat. :D
Das mit dem charakterdienlichen Humor kann ich nur voll bestätigen, die Szene mit den Tifosi war für mich eine der besten des Films, weil sie einerseits richtig witzig war -
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sowohl was die Reaktionen der Tifosi angeht, aber eigentlich noch witziger war Marlenes Verhalten ("Beeindruckt?") und die Tatsache, dass die Tifosi dann halt doch nicht wegen ihr gebremst hatten
- andererseits aber auch Laudas Charakter effektiv gekennzeichnet hat
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indem er zunächst langsam und ökonomisch fährt und erst als es für ihn etwas zu gewinnen gibt (nämlich Marlenes Gunst) Gas gibt bis zum Anschlag - sehr zur Freude der juchzenden Tifosi
. Solche Szenen machen einen Großteil der Qualität des Films aus und hier würde ich die Verantwortung weitgehend Peter Morgans Arbeit zurechnen, da man auch in vielen anderen von ihm geschriebenen Filmen eine ähnliche Vorgehensweise sehen kann. Auch die Szenen mit Regazzoni - obwohl verhältnismäßig kurz - machen den Zuschauer mit Laudas Charakter sehr schnell vertraut. Als die beste Pointe des Films fand ich die Szene,
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in der Hunt von seiner Frau verlassen wird und sie es ihm gegenüber mit den Worten begründet:"Ich brauche jetzt jemanden Verlässliches und Stabiles" - und ihn dann zugunsten von Richard Burton verlässt. :!: :lol: - Na dann Prost!
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Zuletzt gesehener Film

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Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn

Über 70 Jahre ist es jetzt schon her, dass der belgische Comiczeichner Hergé seine beiden Kultfiguren Reporter Tim und Hund Struppi erfand und damit einen Mythos erschuf, der viele Künstler Jahrzehnte später noch inspirieren sollte, dies war unter anderem bei Andy Warhol der Fall. Oder halt bei Regisseur Steven Spielberg, der insgeheim immer den Wunsch hegte, eine angemessene Verfilmung im Geiste der beispiellosen Originale ins Kino zu bringen. Ist ihm und seinem Co-Produzenten Peter Jackson dieses Unterfangen geglückt? Nein! Hat er dennoch jedwede Erwartung übertroffen und einen spaßigen Krimi für Jung und Alt gedreht? Aber sowas von! Es ist eigentlich unter diesem Gesichtspunkt sogar unfassbar, wie unterhaltsam "Tintin"s großer Kinoausflug letztendlich geworden ist. Dies liegt auf der einen Seite natürlich an der grandiosen Besetzung, die mit Andy Serkins als saufenden Captain Haddock, Simon Pegg und Nick Frost als ulkiges Kriminalduo Schultze und Schulze und Daniel Craig als boshaften Sakharin mehrere starke Mimen vorweisen kann, welche hier durch das Motion-Capture-Verfahren ihren großen Vorbildern optisch angeglichen wurden. Hinzu kommen aber auch die zahlreichen visuellen Gags, die sich oftmals im Hintergrund abspielen und das rasante Tempo, dass die Handlung vorlegt. Wenn ich es mir recht überlege habe ich eigentlich nie einen Film gesehen, der vergleichsweise schnell erzählt wird, ohne jemals durch den Verlauf der erzählten Geschichte zu hetzen. Hier ist Spielberg in seinem Element, hat seinen Streifen fest im Griff und verliert nie den Überblick, ob nun in der Luft, auf dem Wasser, bei einer wahnwitzigen Verfolgungsjagd quer durch Marokko, die ähnlich wie die famose Exposition des akutellen Kinofilmes "Gravity" so wirkt, als sei sie mit nur einer einzigen Kamerafahrt gefilmt worden und den Höhepunkt des Filmes darstellt oder im spektakulärem Endfight im Hafen... Das Actionverhältniss stimmt, der Humor sowieso, aber wie sieht es mit ernsthaften Momenten aus? Auch hier hat man einiges zu bieten, natürlich sind die Dialoge relativ einfach und leicht verständlich, aber erfüllen stets ihren Zweck und dienen der Entwicklung der Geschehnisse, die immer wieder zu fesseln wissen und richtige Spannung entwickeln. Gekonnt werden hier leichter Grusel, Drama und ein gewisses Maß an Brutalität miteinander verwoben und zu einem spannenden Ganzen geschaffen, dass nicht nur die kleinen Zuschauer mitreißt, dass nebenbei auch noch in einer technischen Perfektion, die Hergés altmodischen Charakteren zu neuem Glanz verhilft. Am besten ist aber die Art und Weise, wie alle Beteiligten hier die Charaktere getroffen haben: Tim ist der neutrale Beobachter, der seine Gedanken (freundlich wie er ist) stets mit uns teilt und ansonsten wenig bis gar keine Charakterisierung benötigt, weil er den Leser (oder in diesem Fall "Seher") wiederspiegelt, Struppi ist der Held der Kleinen, was dieses Mal in einer besonders komischen Verfolgungsjagd gipfelt, Haddock der Säufer und Nörgler (das "Moment des Chaos") und Schultze und Schulze sorgen dann für ordentlich Slapstick. So kennen wir es und so wollen wir es sehen, da verzeiht man Spielberg dann gerne den Umstand, der etwas zu einfach gestrickten Handlung (die immer hin aus drei Comicbänden besteht) und auch die 2-3 Momente, welche dann doch über das Ziel hinausschießen und nicht mehr unbedingt kindgerecht sind. Hier gilt dann für die Eltern, selbst zu entscheiden, ob ihren Sprösslingen dies zuzumuten ist.
Fazit: "Das Geheimnis der Einhorn" ist Kino Pur! Er kann es noch! Regie-Maestro Steven Spielberg zaubert den alten und jungen Fans mit seiner zeitlosen (beinahe sogar altmodisch anmutenden) Interpretation von Tim und Struppi immer wieder ein Lächeln auf ihr Gesicht und verblüfft mit einer ungewohnt erwachsenen Inszenierung, die so manchen Pixar-Film hinter sich lässt. Ein mehr als gelungener Kinderfilm, dem demnächst mindestens ein weiteres Sequel folgen wird. Fraglich nur, ob Peter Jackson als Regisseur ein ähnliches Feuerwerk der Unterhaltung abliefern kann...

9/10
Prejudice always obscures the truth.

Re: Zuletzt gesehener Film

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Prisoners (2013)
von Denis Villeneuve

Prisoners ist einer der mitreissensten Filme die ich jemals gesehen habe.
Von der ersten bis zur letzten Minute wird die Spannung gehalten.

Der Film trägt die ganze Zeit über ein Geheimnis mit sich. Nach und nach bekommt man mehr Informationen wer nun der Entführer der Kinder ist. Man kann sich ständig seine eigene Theorie überlegen, es ist einer der Filme bei dem man als Zuschauer ständig am mitgrübeln ist, wer hier nun der Täter ist.

Allerdings ist der Film nichts für Schwache Nerven, es gibt ein par sehr brutale Szenen zu sehen.

Hugh Jackmann und Jake Gylenhall spielen ihre Rollen sehr überzeugend.


(9/10)
"Erschießen Sie mich, da wohn ich lieber im Leichenschauhaus"
- Quantum of Solace (2008)

Re: Zuletzt gesehener Film

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Im Kino :

PRISONERS

Der beste Thriller seit langem. Ein sehr realistischer Film, welcher aus vielen Puzzleteilen besteht, die sich am Ende alle nahtlos ineinander einfügen. Religion und schockierende Momente ziehen sich über die ganzen 153 min durch den Film, welcher trotz der langsamen Inszenierung und der sehr sehr schönen und ruhiger Bilder von Roger Deakins, keineswegs langatmig daherkommt. Hugh Jackman spielt seine Rolle wunderbar, nicht einmal kam der Wolverine bei mir durch. Auch Jake Gyllenhaal, nach seiner Glanzparade als harter Cop in End of Watch, hier wieder als Detektiv mit Gefühlen. Einer meiner Lieblingsschauspieler.

9/10


GRAVITY

Ein sehr aussergewöhnlicher Film, den man so noch nicht gesehen hat. Wäre dieser Film schon einige Jahrzehnte alt, wäre er heute sicherlich ein großer Kultfilm.
Eindrucksvolle Bilder und brummender Score, machen einen Besuch im Kino zu einem Muss. Auch wenn sich die 91 min hier und da mal ziehen, weil einem einfach nichts neues innerhalb des Films geboten wird, so hat er mir dennoch gut gefallen.

8/10
Ohne Top ? Onatopp !

Re: Zuletzt gesehener Film

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"prisoners" möchte ich auch gerne sehen, die kritiken sind ja bis jetzt großartig.

die begeisterung für RUSH kann ich nun nachvollziehen, wirklich ein großartiger film mit phantastischen darstellern, toller regie und einem sehr gelungenen drehbuch. brühls leistung war wirklich herausragend, sollte man sich vielleicht wirklich auch in der OV ansehen, weil howard anscheinend darauf geachtet hat, brühl bzw. lauda sowohl deutsch als auch englisch sprechen zu lassen, je nach gesprächspartner - was das ganze sehr realistisch macht, wie ich finde.

da wirds sicher die ein oder andere oscarnominierung geben, ich denke auch, dass peter morgan eine nominierung erhält.
Bond... JamesBond.de

Re: Zuletzt gesehener Film

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Gernot hat geschrieben: die begeisterung für RUSH kann ich nun nachvollziehen, wirklich ein großartiger film mit phantastischen darstellern, toller regie und einem sehr gelungenen drehbuch. brühls leistung war wirklich herausragend, sollte man sich vielleicht wirklich auch in der OV ansehen, weil howard anscheinend darauf geachtet hat, brühl bzw. lauda sowohl deutsch als auch englisch sprechen zu lassen, je nach gesprächspartner - was das ganze sehr realistisch macht, wie ich finde.

da wirds sicher die ein oder andere oscarnominierung geben, ich denke auch, dass peter morgan eine nominierung erhält.
Wollen wirs hoffen. Auch Brühl würde eine Nominierung auf jeden Fall verdienen.
We'll always have Marburg

Re: Zuletzt gesehener Film

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Auf DVD - High Noon / Zwölf Uhr Mittags (1952)
Drehbuch: Carl Foreman
Regie: Fred Zinnemann
Darsteller: Gary Cooper, Lloyd Bridges, Grace Kelly, Katy Jurado, Harry Morgan, Otto Kruger, Ian McDonald


Heute hatte ich einfach Lust auf einen straighten Western; da war Zinnemanns Klassiker von 1952 genau der richtige. Die Geschichte ist im Kern so simpel, aber Zinnemann beleuchtet verschiedene Aspekte davon. High Noon ist das Portrait der Gesellschaft einer Kleinstadt, bringt Licht in die Grauzonen zwischen Gesetz und Verbrechen, aber vor allem ist es die Geschichte des Sheriffs, den Gary Cooper hier auf ehrliche und bodenständige Weise verkörpert. Eine Stunde hat der Sheriff Zeit, und eine Stunde hat auch Zinnemann Zeit, um seinen Film zu erzählen. Wenn der Zeiger gegen Mittag rückt zieht die Schlinge sich zu, die Aussichtslosigkeit der Lage wird spürbar. Der Showdown ist dann natürlich das Sahnehäubchen.

8,5 / 10
We'll always have Marburg

Re: Zuletzt gesehener Film

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vodkamartini hat geschrieben:Na ja, er hat bis jetzt 72,5 Millionen eingespielt, bei einem Budget von 38 Millionen. Das ist kein gnadenloser Flop für einen "Independent"-Film. Da wird noch was dazukommen und der DVD/Blu-Ray-Markt steht auch noch aus.
Die Erwartungshaltung bei der Vermarktung und dem Cast/Crew war aber wohl eine andere.
"It's been a long time - and finally, here we are"