Re: die OSCAR-Chancen für SKYFALL

#46
Scorsese hätte den Oscar eigentlich schon für Taxi Driver verdient. Dass er ihn für Departed (eben einen anderen sehr guten Film) bekommen hat, finde ich auch okay. Auch wenn die Konkurrenz da sehr hart war. Eigentlich hätte sein Aviator auch den Oscar verdient, den Film halte ich für total unterschätzt. Inszenatorisch gehört dieser sicherlich zu Scorseses besten Arbeiten überhaupt (für mich wahrscheinlich sogar seine Nr. 1).
Bei Departed hilft mir vielleicht, dass ich Infernal Affairs nie gesehen habe.
Maibaum hat geschrieben: Die 3 schlechtesten Oscar Gewinner:
Ben Hur (1959) (der schlechteste Film den ich von Wyler kenne)
Ghandi (1982) (eine erzähltechnische Katastrophe)
Herr der Ringe 3 (2003) (ok, das ist nicht fair da ich jetzt von LotR 1 auf LotR3 schließe, und ich mir die ganze Trilogie mal komplett ansehen sollte, aber LotR 1 war dermaßen langweilig ...)
Ansonsten wäre In 80 Tagen um die Welt (1956) noch ein Kandidat
Bei Ben Hur finde ich zumindest einige der Oscars verdient. In dem Film entdeckt man inszenatorisch und erzähltechnisch erstaunlich viel Tiefgang, vor allem einiges unterschwängliches wie die berühmten Andeutungen, dass zwischen Juda Ben Hur und Messala mehr als nur Freundschaft wäre. Was mir bei dem Film halt bis heute etwas sauer aufstößt sind die ganzen Bibelkomponenten.
Dass diese beim inoffiziellen Halb-Remake Gladiator fehlen finde ich gut und auch dass Gladiator - aus meiner Sicht - den Oscar als besten Film bekommen hat.

Ghandi hab ich vor Ewigkeiten gesehen aber hatte den auch nicht als wirkliches Meisterwerk im Gedächtnis.

LOTR1 hatte ich nach einer halben Stunde oder so auch weggeschaltet. Finde die komplette Thematik uninteressant. Mag einfach bis auf Ausnahmen kein Fantasy...
"In a Bond film you aren't involved in cinema verite or avant-garde. One is involved in colossal fun."

Terence Young

Re: die OSCAR-Chancen für SKYFALL

#47
Ben Hur halte ich für ein Meisterwerk und die 11 Oscars gerechtfertigt - erst recht wenn ich mir anschaue welche Luftnummern die gleiche Anzahl an Goldjungs bekommen haben (und das ja auch nur wegen der inflationär gestiegenen Anzahl an Kategorien).

Ghandi hat zumindest darstellerisch diverse Glanzlichter setzen können, von der Inszenierung finde ich ihn aber auch dröge. Über LOTR erspare ich mir lieber einen Kommentar getreu Roger Moores Motto.

Und Die Sieger ist in der Tat sträflich unterschätzt und ein großartiger Film.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: die OSCAR-Chancen für SKYFALL

#48
Also:

will sich hier nach dieser Diskussion noch wirklich über den fehlenden Geschmack der Academy-Mitglieder auslassen?

Ich persönlich halte alle drei 11-Oscars-Filme (Ben Hur, Titanic, Herr der Ringe 3) für große Filme, und habe überhaupt kein Problem mit den Oscars.
Und wie man anhand der Besucherzahlen und Einspielergebnisse sehen kann, gibt es nicht gerade wenige Menschen, die diese Filme im Kino gesehen haben und immer und immer wieder reingegangen sind.

Ich selbst liebe aber auch Jim Jarmusch und andere kleine Independent-Filmemacher. Und natürlich sage ich mir: der hätte auch mal einen Oscar verdient. Aber bei über 500 neuen Filmen jedes Jahr (alleine aus den USA) kann man es doch niemandem übel nehmen, dass nicht jeder Filmemacher mit Gold überschüttet wird.

Ab und zu hebt aber auch die Academy kleine No-Budget-Produktionen auf den Thron, siehe "Once" (2006). Großartiger, kleiner, irischer Film, der für weniger als €100.000 in 2 Wochen produziert wurde, und dann 2008 den Oscar für den Besten Filmsong erhalten hat. Vollkommen zurecht. Und das, obwohl es keine große Werbekampagne oder "For Your Consideration"-Kampagne gab.

Re: die OSCAR-Chancen für SKYFALL

#49
Invincible1958 hat geschrieben:Wie man hier an der Diskussion sieht, sind Geschmäcker verschieden.
Nun die sind ja ohnehin immer verschieden.
Dass der deutsche Filmpreis Qualität auszeichnet, kann ich so auch nicht unterschreiben. Vielmehr wird bei den LOLAs ebenso massentaugliches Mittelmaß ausgezeichnet, um wenigstens noch den ein oder anderen Kinobesucher dazu zubringen, sich den Film anzusehen. Häufig klappt das aber nicht.
Also wenn ich da grob drüber schaue was da nominiert worden, und was da ausgezeichnet worden ist, dann sind das meist gute bis sehr gute Filme.

John Rabe ist da sicherlich das negative Gegenbeispiel.
@Maibaum:

gerade bei den großen Festivals wird noch viel subjektiver Entschieden als bei Filmpreisen, die von einer Academy vergeben werden. Die Filmpreisjurys bestehen ja aus nur einer handvoll Leuten. Und natürlich haben die Ahnung vom Filmemachen. Und ja, jeder ausgezeichnete Filme hat auch etwas Besonderes an sich. Aber meist sind die Gewinner so extrem, dass sie nur den Nerv von einigen wenigen Kinobesuchern treffen.
Das macht die Filme nicht schlechter, aber auch nicht besser.
Nach meiner Meinung ist es gerade der Sinn von Preisen Filme auszuzeichnen die schwierig sind, die besondere Qualitäten haben, die deswegen nur ein kleines Publikum erreichen können. (Für die anderen gibt es doch z.b. den Bambi)
Weil für solche Filme die Aufmerksamkeit die ihnen ein Preis bringt wichtiger ist als für Filme die ohnehin jeder kennt. Was jetzt nicht heißen soll daß man populäre Filme ihres Erfolges wegen übergehen soll wenn diese hohe Qualitäten haben.
Und den anspruchsvolleren Filmpreisen vorzuwerfen daß sie Filme auszeichnen die keiner kennt, das ist wie einer Fußballmannschaft die guten Fußball spielt vorzuwerfen daß sie Spiele gewinnt. Und es ist eine Aufforderung zum Feiern des Mittelmaßes.

Und die Preisvergaben bei egal welchen Filmpreisen sollen und müssen subjektiv sein.

Den Oscars wird von der einen Seite vorgeworfen, dass sie zu sehr auf den Mainstream schielen. Und von der anderen Seite wird ihnen vorgeworfen, dass nur Filme ausgezeichnet werden, die keiner kennt. Was denn nun?
Geschimpft wird vor allem von den großen Studios wenn keiner ihrer Filme ausgezeichnet wird (also mit dem Oscar für den besten Film). Der Oscar ist ein Preis den Hollywood an sich selber vergibt. Also die Filmindustrie an sich selber. Da muß zwangsläufig mehr auf den Mainstream geachtet werden als bei Filmfestivals, oder bei den nationalen Filmpreisen.
Der Oscar ist jedenfalls der künstlerisch uninteressanteste von den allseits bekannten Filmpreisen, und natürlich auch der kommerziell bedeutendste.
Und es ist ohnehin ein Preis nicht für alle Filme, sondern im Prinzip im wesentlichen für die Filme die Hollywood selber herstellt. Im etwas weiteren Sinne für alle englischsprachigen Filme. In den letzten Jahren sind aber tatsächlich vergleichsweise häufig etwas kleinere Filme ausgezeichnet worden, Filme die eher von Außenseitern (nach Hollywood Maßstäben) stammen.
Was dann zu niedrigen Einschaltquoten führt, was dann dazu führt daß alle wieder Oscars für "große" Filme fordern. In Hollywood.

Und ich sag mal, wenn Ben Hur schon Tiefgang hat, dann hat so ziemlich alles Tiefgang ...
Bis auf das Wagenrennen (großes Spektakel) ist das ein sehr, sehr öder Film. 3/10 oder so ...
Zuletzt geändert von Maibaum am 17. November 2012 19:04, insgesamt 1-mal geändert.

Re: die OSCAR-Chancen für SKYFALL

#50
Dass der Oscar eine weitgehende Werbeveranstaltung für die Filmwirtschaft ist sieht man ja auch sehr gut an der steigenden Anzahl an Kategorien und der Aufstockung der Nominierungen für den besten Film von 5 auf 10. Es wirbt sich halt immer gut mit dem Verweis auf Oscars bzw Nominierungen.

@Maibaum: da ist schon noch ein bisschen mehr in Ben-Hur als nur das Wagenrennen. Allein Roszas Jahrhundert-Musik sollte doch schon außerhalb jeglicher Diskussion stehen, wie auch der enorme Aufwand der in den Film geflossen ist und die Perfektion in Ausstattung und Setdesign. Dass man bei Inszenierung und Darstellung unterschiedlicher Meinung sein kann ist klar.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: die OSCAR-Chancen für SKYFALL

#51
Maibaum hat geschrieben:Bis auf das Wagenrennen (großes Spektakel) ist das ein sehr, sehr öder Film. 3/10 oder so ...
Tja. Da sind wir wieder beim Geschmack. :-)

Natürlich feiert sich die Filmindustrie mit den Oscars selbst.
Genau dafür wurden sie ja auch ins Leben gerufen.
Warum sollte man sie dafür kritisieren?

(Der Mitarbeiter des Monats bei McDonalds ist auch eine Selbstbeweihräucherung. Mich als Kunden interessiert es kein Stück, wen eine Filale als Mitarbeiter des Monats an die Wand hängt. ;-) )

Was ich den Oscars aber wie gesagt hoch anrechne, ist, dass dort nicht nur Produzenten, Regisseure und Schauspieler ausgezeichnet werden, sondern eben auch Filmschaffende, die im Abspann erst weiter unter auftauchen.

Auf fast allen Filmfestivals und anderen Filmpreisverleihungen wird nur der "Verantwortliche" eines Films ausgezeichnet.

Solange man als Zuschauer weiß wie so ein Filmpreis funktioniert und was ihn von Filmfestivals und anderen Verleihungen unterscheidet, ist doch alles in Ordnung. Dann wird auch niemand geblendet.

Übrigens werden in den nächsten Jahren auch viele der alteingesessenen Academy-Mitglieder wegsterben. Und dann wird es eine Art Generationenwandel geben. Denn noch gibt es viele Stimmberechtigte, die wahrscheinlich schon zu Hollywoods Glanzzeiten in der Academy waren und daher aus Nostalgie-Gründen die klassischen Hollywoodfilme den unbequemeren Autorenfilmen bevorzugen.

Dass die Oscars nicht mehr so spannend sind wie früher, liegt widerum daran, dass alle anderen Preisverleihungen der amerikanischen Award-Season zeitlich vor den Oscars liegen. Vor allem die Awards der Gewerkschaften verraten meist zu 100%, wer am Ende in den Hauptkategorien bei den Oscars abräumen wird, denn fast alle Academy-Mitglieder sind auch Mitglied ihrer jeweiligen Gewerkschaft. Und wenn dann Tom Hooper für "The King's Speech" den Preis der Directors Guild of America bekommt, dann ist es eben zu 99% sicher, dass er auch den Oscar bekommt.

So läuft es seit Anfang der 90er-Jahre, seitdem die Gewerkschaften ihre eigenen Preise vergeben.
Für alle, die auf den Ausgang der Oscars wetten wollen, ist das natürlich super. Denn die Trefferquote wird dadurch extrem erhöht. :-)

Re: die OSCAR-Chancen für SKYFALL

#52
AnatolGogol hat geschrieben: @Maibaum: da ist schon noch ein bisschen mehr in Ben-Hur als nur das Wagenrennen. Allein Roszas Jahrhundert-Musik sollte doch schon außerhalb jeglicher Diskussion stehen, wie auch der enorme Aufwand der in den Film geflossen ist und die Perfektion in Ausstattung und Setdesign.
Wenn man Ben Hur mag sicherlich.

An die Musik habe ich ungefähr Null Erinnerung. War die nicht auch arg bombastisch?

Heston fand ich, wie meist, schon gut. Aber er hat intensivere Rollen gespielt damals. Z.B. in Wylers The Big Country. Das ist ein Film den ich sehr mag, und den ich Ben Hur in jeder Hinsicht vorziehe. Und der hatte einen bemerkenswerten Score, an den ich mich auch noch gut erinnern kann.

Re: die OSCAR-Chancen für SKYFALL

#53
Maibaum hat geschrieben: Wenn man Ben Hur mag sicherlich.

An die Musik habe ich ungefähr Null Erinnerung. War die nicht auch arg bombastisch?

Heston fand ich, wie meist, schon gut. Aber er hat intensivere Rollen gespielt damals. Z.B. in Wylers The Big Country. Das ist ein Film den ich sehr mag, und den ich Ben Hur in jeder Hinsicht vorziehe. Und der hatte einen bemerkenswerten Score, an den ich mich auch noch gut erinnern kann.
Ich weiss nicht ob ich den Score bombastisch bezeichnen würde, dass klingt für mich dann immer nach dem süsslichen Zimmer-Pomp. Kraftvoll und rahmenfüllend ist er aber in jedem Fall, darf ja bei der Größenordnung des Films auch fast nicht anders sein. Als Kontrast ist die Musik in vielen Szenen aber auch sehr subtil, typisch Rozsa eben. Hier kannst du deine Erinnerung etwas auffrischen:


Ich finde The Big Country auch klasse, gerade auch die Musik von Moross. Hestons Darstellung ist hier - natürlich irgendwo auch rollenbedingt - aber doch sehr steif, ähnlich wie beispielsweise auch in DeMilles 10 Gebote. In Ben-Hur war seine Darstellung da doch deutlich facettenreicher, wenngleich er natürlich nie der abwechslungsreichste Darsteller war und sein Spiel eigentlich immer sehr kraftvoll angelegt war. Aber es gibt gerade in Ben-Hur schon diverse Szenen in denen er sehr sehr gut gespielt hat, vor allem in den Szenen mit Boyd. Der Darsteller-Oscar geht daher schon ok, auch wenn immer gewitzelt wird er hätte den Oscar nur für seine Wagenlenk-Fähigkeiten bekommen. Wobei die allerdings wirklich sehr sehr beeindruckend waren, vielleicht eine der größten physischen Szenen überhaupt die von einem Schauspieler selbst übernommen wurde. Ich mag Chuck Heston sehr gern, seine besten Leistungen brachte er imho in Carol Reeds The Agony and the Ecstasy und in Basil Deardens Khartoum - da trumpft er darstellerisch wirklich groß auf. Für die großen Monumentalfilme der späten 50er und 60er Jahre gab es eh keinen besseren.
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Re: die OSCAR-Chancen für SKYFALL

#54
Das ist nicht so die Musik die ich mag. Es kommt auch eher darauf an wie sie dann im Film selber eingesetzt wird.

Daß du Heston in Big Country etwas steif fandest überrascht mich. Ich fand ihn da mit am faszinierendsten. Wie er überhaupt in Western oft sehr gut war. da sind noch 2 kleinere Western aus der Zeit in denen er großartig war. In Pony Express und in Arrowhead. Später noch in Major Dundee und Will Penny. Seine Monumentalfilme finde ich alle nicht so aufregend.
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