00T hat geschrieben:By the way: Fehlt da nicht noch ein Review?

Nein.
Star Trek: The Final Frontier (1989, William Shatner)
Nachdem die Star-Trek-Filme zwei, drei und vier mit ihrer zusammenhängenden Gesamtstory, ihren unterschiedlichen stilistischen Ansätzen und dem charmanten und geistreichen Umgang mit den altbekannten Serienfiguren beim Publikum ordentlich punkten konnten war es an der Zeit, für einen fünften Teil. Auch dieses Mal übernahm wieder einer der Schauspieler aus der Enterprise-Crew gleich auch noch die Regie, und zwar niemand anderer als Kirk-Darsteller William Shatner, der damit Leonard Nimoy ersetzt. Shatner hatte für seinen eigenen Teil der Trek-Saga so Einiges vor. Auf der einen Seite versucht er, die in den Vorgängerfilmen etablierten Abenteuer- und Actionelemente zu wahren, auf der anderen widmet er sich wieder verstärkt dem philosophischen Ansatz des Star-Trek-Universums, und der Suche des Menschen nach den Geheimnissen des Weltraums.
Gerade letzterer Aspekt des Films ist durchaus beachtlich, so schickt Star Trek V seine Weltallforscher dieses Mal als Prämisse auf die Suche nach niemand Geringerem als Gott persönlich, oder eher gesagt dem etwas unparteiischer ausgedrückten „Zentrum des Universums“, von dem die übergeordnete Macht unserer Realität auszugehen scheint. Dieser Ansatz kommt einem nicht zu Unrecht bekannt vor, da Final Frontier darin im Prinzip eine sehr ähnliche Handlungsgrundlage verfolgt wie der erste Star-Trek-Kinofilm aus dem Jahr 1979. ST V verläuft in vielerlei Hinsicht aber deutlich umfangreicher und expliziter und wirft nicht nur klare Fragen nach dem „Woher“ und „Warum“ auf sowie über Sinn und Unsinn, diese Geheimnisse zu erfahren, sondern bietet mit dem ominösen Reiseziel in der Mitte des Universums auch durchgehend einen festen Anhaltspunkt für mögliche Antworten.
Der Weg ist bekanntlich das Ziel, und in diesem Fall ist der Weg zum Zentrum des Universums ein langer und ereignisreicher. Der neue Bösewicht Sybok löst eine Kette von Ereignissen aus, um letztendlich seinen Lebenstraum, die Suche nach Gott, zu verwirklichen. Ein wirklicher Bösewicht ist er dabei nie, eher ein träumerischer Fanatiker der prinzipiell keine bösen Absichten verfolgt, seine Gegner zu überzeugen versucht, sich seiner Suche nach dem grössten Geheimnis unserer Existenz anzuschliessen und dessen Taten nur oberflächlich „böse“ sind. Dies böte durchaus Potential für eine spannende Figur, die sich in unterschiedlichen Grauzonen bewegt, leider wirkt der Charakter stattdessen eher unentschlossen. Laurence Luckinbill verkörpert ihn bis auf einige kleine Ausnahmen fast durchgehend sehr jovial und harmlos, was vom schauspielerischen Handwerk her nicht schlecht ist, der Figur aber fast sämtliche Ambivalenz und Konturen raubt und sein Handeln im Gesamtkontext nicht immer schlüssig erscheinen lässt. Die interessante Fragestellung der Handlung bietet genug Nährboden für die Überlegung, ob man sich einer grossen Veränderung hingeben und das bestgehütete Wissen des Universums aufdecken soll, oder sich lieber verschliessen und damit nichts zu tun haben will, sowie wie weit man dafür geht, um seinen Standpunkt zu verteidigen. Leider versiegen in der Dramaturgie von ST V irgendwann zunehmend all diese Konflikte, und vieles was in der ersten Hälfte angerissen wurde, bleibt nachträglich völlig unberührt.
Shatners Inszenierung ist dafür im visuellen Sinne meist überraschend stark, lässt in anderen Passagen dafür umso mehr nach. Am besten gelungen ist ihm die stimmungs- und kunstvolle Einbindung von Landschaften und Panoramen, so zum Beispiel in der visuell atemberaubenden Prologszene oder in den Szenen am Lagerfeuer im Yosemite Park, die vor verwegener und charmanter Camping-Atmosphäre geradezu sprühen. Die wenigen Actionszenen dagegen, also alles Momente, in die Dynamik und Risiko kommen sollte wie etwa Kirks Klettersturz und generell sämtliche „Raketenschuh“-Szenen sowie die finale Konfrontation mit „Gott“ auf dem Planeten hinter der Barriere, sind richtig behäbig, tempo- und einfallsarm in Szene gesetzt.
Dieser regelmässige qualitative Bruch in der Filmsprache wird durch die Spezialeffekte noch weiter verstärkt. Die Tricks in Final Frontier erreichen nämlich so gut wie nie das Niveau der drei Vorgängerfilme, geschweige denn die brillante Qualität der Weltraumeffekte im Erstling. In Final Frontier sieht das meiste sehr dürftig aus oder ist einfach schlecht gealtert, auch hier können Kirks Sturz an der Bergwand und das Auftauchen der übernatürlichen Gestalt auf Sha-Ka-Ree als Höhe- bzw. Tiefpunkte genannt werden. Insgesamt ist das Effektniveau zwar mit einem zugekniffenen Auge noch ganz okay, aber gerade gemessen an dem was die vorherigen Filme auf diesem Gebiet geleistet haben dürfte der Rückschritt eigentlich nicht sein. Positiv zu vermerken ist hingegen die Rückkehr von Komponist Jerry Goldsmith, der sein Meisterwerk zu Star Trek I zwar nie erreicht und schon gar nicht überbietet, aber durchaus stark abliefert und auf jeden Fall die Soundtracks der Teile III und IV überbietet.
Was Shatner und dem Drehbuch nur sehr bedingt liegt ist der Einsatz von Humor. Zwar ist gerade Star Trek eigentlich ideal dazu geeignet auch eine ernst angelegte, philosophische Geschichte mit Charme und einem Augenzwinkern zu erzählen, jedoch kommt der Witz in Final Frontier allzu oft mit dem Holzhammer. Insbesondere werden einige der beliebten Enterprisler mitunter zu Pausenclowns degradiert, man denke etwa an Uhuras Ablenkungsmanöver in Gestalt eines stripteasigen Orienttänzchens auf einer Sanddüne oder an Mister Scotts „umwerfende“ Kollision mit einem Stützbalken des Raumschiffes. An diesen platten Gags stört mit am meisten dass die dafür geopferten Figuren ansonsten so gut wie kein Aufgabengebiet in der Geschichte haben.
Wesentlich besser sieht die Situation beim „Triumvirat“ der Enterprise, also Kirk, McCoy und Spock aus. Die längst etablierten Charakterzüge und Beziehungen der drei werden gewohnt charmant und geistreich ausgespielt, und das vollkommen ohne Flachwitz. Wenn der kühle Logiker Spock den Sinn eines Lagerfeuer-Liedchens hinterfragt und McCoy sich darauf wieder mal von der besonnenen Attitüde des Vulkaniers genervt zeigt passt das wie die Faust aufs Auge und vertieft die Charaktere, die man kennen- und lieben gelernt hat umso mehr. Die umrahmenden Szenen am nächtlichen Lagerfeuer bieten dabei auch genau die richtige Klammer der Geschichte.
Eine weitere Rolle wird dem kriegerischen Volk der Klingonen zugetragen, die zuletzt in ST III eine wichtige Rolle einnahmen. Nur leider macht Teil V in Hinsicht auf die temperamentvollen Aliens alles um Klassen schlechter. Den Grossteil der Laufzeit über haben die Klingonen praktisch nichts zu tun und laufen nur so neben der Handlung her, wobei aber zumindest immer wieder eine mögliche Dreifrontenkonfrontation zwischen den Enterprislern, Sybok und den Klingonen angedeutet wird. Nur leider passiert in dieser Hinsicht bis zuletzt nichts, stattdessen kommen und gehen die Klingonen wie auf Druck des Lichtschalters und ihre Rolle wird am Ende auf dem einfallslosesten aller Wege aufgelöst. Da auch Design und Make-Up im Vergleich zu Search for Spock eklatant nachgelassen haben erschleicht sich insgesamt der Eindruck, dass hier leider nur ein paar Minuten Laufzeit vergeudet wurden.
Ja, es gibt viel auszusetzen am fünften Streich in der Serie. Und das obwohl das grundlegende Szenario, die philosophischen Denkansätze und Teile der Inszenierung wirklich zu gefallen wissen und der Film auch nie wirklich ins Schlechte abdriftet. Die mitunter sehr wechselhafte Qualität des Films und das generell eher irritierende Niveau von Humor, Action und Effekten haben aber ihre Spuren hinterlassen. Ausserdem wird man gerade in Angesicht der spannenden Ausgangslage und der gelungenen Ansätze das Gefühl nie los, das ein erheblicher Teil des vorhandenen Potentials ungenutzt blieb. Wirklich schade darum, aber so macht es auch Sinn, dass William Shatner im Anschluss nie mehr hinter die Kamera eines Star-Trek-Films durfte.
Wertung: 5 / 10