Re: Das Kino - Erfahrungen, Erlebnisse, Entwicklungen

#346
Casino Hille hat geschrieben:
14. September 2020 09:18
Invincible1958 hat geschrieben:
13. September 2020 17:07
Ein abgefilmtes Theaterstück würde ich nicht in eine Filmliste packen.
Musst du ja auch nicht machen, dafür bin ich doch da. :)

Und doch, bei "Hamilton" mache ich das sogar sehr gerne, denn das ist eben nicht einfach ein abgefilmtes Theaterstück, sondern aufgrund der enorm komplexen visuellen Inszenierung ein waschechter Konzertfilm, wie es zum Beispiel auch "This is it" mit Michael Jackson gewesen ist. Und das ist nicht mehr oder weniger ein Film, als es auch eine Doku ist. Thomas Kail hat dafür gesorgt, dass man nicht einfach nur durch die Kameras an einer "Hamilton"-Aufführung Teil hat, sondern hat filmisch das Bühnentreiben aufbereitet und eigentlich hätte diese Inszenierung auf die größtmögliche Leinwand gehört und nicht auf einen Streamingdienst wie Disney+. Trotzdem: Cineasten müssen ihre Ansprüche an filmische Inszenierungen nicht herunterschrauben, wenn sie die Aufzeichnung dieses Stücks ansehen wollen. Ein Meisterwerk.
Ich finde auch, dass das Stück großartig "festgehalten" und "inszerniert" wurde.
Mein Stammkino hatte auch bei Disney angefragt, ob sie das Werk trotz DisneyPlus-Veröffentlichung im Kino zeigen dürfen, aber Disney stellt sich da quer.

Seit 2017 habe ich es in London dreimal live gesehen, zuletzt dieses Jahr im März.
An das Live-Erlebnis kommt die DisneyPlus-Fassung, die ja ursprünglich für einen Kinostart im Herbst 2021 geplant war, aber für den Streamingdienst um 1,5 Jahre vorgezogen wurde, trotzdem nicht ran.

Aber mir ging es jetzt auch gar nicht um die Qualität, sondern um die Herangehensweise bei Top 10 Listen.

Ich kann ja auch sagen, dass mir die Fernsehregie beim Champions League Finale besonders gut gefallen hat, und deshalb landet diese Sendung dann in meiner Top 10 Filme Liste.

Re: Das Kino - Erfahrungen, Erlebnisse, Entwicklungen

#347
Ja, das kannst du machen, ist aber Blödsinn, weil das Champions League Finale eben kein Film ist. "Hamilton" ist ein Film und das ist definitiv keine Konzert-Aufzeichnung (hier wurden auch verschiedene Aufführungen gefilmt), einige Shots wurden sogar ohne Publikum aufgenommen und das Licht wie die Bühne extra für die Kamera etwas anders angeordnet, um Aufnahmen hinzukriegen, die so bei einer Aufzeichnung nicht möglich sind. Filmisch ist "Hamilton" mit das beste, was es seit Jahren zu sehen gab, da kommt kein "konventioneller Kinofilm" heran. Und ich habe "Hamilton" auch live gesehen, sogar in der Originalbesetzung, und der Film ist eine ganz andere, eigene Erfahrung, gar nicht mit dem Theaterstück vergleichbar. Es ist jedenfalls nicht mehr und nicht weniger eine echte Verfilmung als die Filmversionen von "Mamma Mia", "Into the Woods" oder "West Side Story", auch wenn mit der Originalbesetzung auf der Originalbühne gedreht wurde. Das Filmmedium ist denke ich variabel genug, dass ein solch dogmatischer Blickwinkel die Möglichkeiten des Films eher unnötig einschränkt.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Das Kino - Erfahrungen, Erlebnisse, Entwicklungen

#348
Invincible1958 hat geschrieben:
13. September 2020 13:23
Die ersten 6 Minuten, die von MGM online veröffentlicht wurden, finde ich übrigens göttlich
Leider haben sich meine Befürchtungen nach den krampfhaft unwitzigen ersten Minuten aus "Bill & Ted 3" bestätigt. Der prinzipiell überflüssige Nachklapp zu den zwei schrägen Kultfilmen mit Keanu Reeves ist nicht nur ein laues Aufwärmen der alten Gags, sondern wirkt beinahe, als habe man die alten zwei FIlme einfach punktgenau abpausen wollen. Jede zweite Szene schreit laut: "Witz, komm raus, du bist umzingelt." Trotzdem ist das ein erstaunlich leichter Film, der die Hoschis auch ohne viel Getöse zurückholt und kein großes Bohei um ihre lange Kino-Abwesenheit macht – bis der dritte Akt dann erstaunlicherweise Richtung Pathos abdriftet (ich habe mir sehnlichst gewünscht, es würde wieder ein Kracher wie "Play with Me" gespielt, aber die Zeiten von Extreme sind leider vorbei – genau wie die von Billy und Teddy).

Bill & Ted gehören jetzt zum älteren Kaliber, so wie ihr damals jugendliches Publikum. Und sicherlich gibt es da draußen eine Zielgruppe, die sich einfach 100 Minuten lang daran erinnern will, wie das noch war, als sie damals in den 80ern ins Kino gegangen ist. Einen ganzen Film, der dann auch noch so erschreckend rein gar nichts eigenständiges auffahren kann/will, rechtfertigt das wohl kaum, aber die Frage wird sich beim Dreh (berechtigt?) niemand gestellt haben. Genauso wie es wohl nur Stinkstiefel interessiert, ob zwei leicht ergraute Männer wie Keanu Reeves und Alex Winter als infantile Doofköpfe noch so lustig sind wie zu ihren Jugendzeiten. Man kann wohl geteilter Meinung darüber sein. Eines ist aber sicher: In die Popkultur eingehen (so wie es im nischigen Maße die beiden ersten Filme geschafft haben) kann man mit einer Kopie des Originals nicht. Passender Vergleich: Disney's Live-Action-Remakes.

Als Nächstes bitte Spät-Fortsetzungen von "Wayne's World" und "Beverly Hills Cop". Nieder mit dem Fortschritt, lang lebe die filmische Endlosschleife.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Das Kino - Erfahrungen, Erlebnisse, Entwicklungen

#349
Bitte nicht falsch verstehen: es liest sich ein wenig, als ob dir der Film eher konzeptionell Probleme bereitet denn inhaltlich (was aber natürlich absolut legitim wäre). Ich bleibe hochgespannt und die meisten deiner angeführten Kritikpunkte wären für mich (wenn ich sie denn richtig verstehe) vermutlich eher irelevant. Inhaltlich muss es halt passen, alles andere sehe ich gelassen (bzw. erwarte sogar eine Retroveranstaltung und dass Winter&Reeves ihre Paraderollen in gewohnter Manier liefern). Kann natürlich aber auch daran liegen, dass ich in vielen DIngen mich seit den späten 80ern auch nicht mehr weiterentwickelt bzw. verändert habe (kein Witz). :)
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Das Kino - Erfahrungen, Erlebnisse, Entwicklungen

#350
AnatolGogol hat geschrieben:
25. September 2020 10:53
Bitte nicht falsch verstehen: es liest sich ein wenig, als ob dir der Film eher konzeptionell Probleme bereitet denn inhaltlich (was aber natürlich absolut legitim wäre). Ich bleibe hochgespannt und die meisten deiner angeführten Kritikpunkte wären für mich (wenn ich sie denn richtig verstehe) vermutlich eher irelevant.
Mhm, jetzt machst du mich nachdenklich. Sagen wir mal: Teils teils. Mit der Story (sofern man das Story nennen will) habe ich in dem Sinne glaube ich keine wirklichen Probleme. Die ist zweckdienlich, wie sie es bei einer infantilen Komödie zu sein hat. Konzeptionell nervt es mich tatsächlich, wenn ich haargenau dasselbe aufgetischt bekomme wie in einem dreißig Jahre alten Vorgänger. Natürlich wollen die Fans an und für sich nicht mehr und nicht weniger als genau das, wofür sie die alten Filme geliebt haben, aber muss man deshalb komplett ohne neuen Ansatz und ohne jeden Anflug von Originalität an so etwas herangehen? Da sind wir dann bei den Zuständen, von denen ich in unserer "Psycho"-Remake Diskussion gesprochen habe, als ich behauptete, dass der Unterschied zwischen solchen Filmen und einer 1:1-Kopie so groß nicht mehr ist.

Aber es ist definitiv nicht nur das Konzept. Ich finde schon, dass die Hoschis als alte Säcke (salopp formuliert) nicht mehr so glaubwürdig diesen doofen Humor rüberbringen können. Hab mich da etwas an die "Dumm und Dümmer"-Fortsetzung oder "Mr. Bean macht Ferien" erinnert gefühlt, in denen die Hauptdarsteller auch jeweils ihren Rollen entwachsen schienen. Zudem hat der Humor generell bei mir nicht so gezündet. Bei dir könnte da natürlich eine große Nostalgie-Schippe dazu kommen, aber ich hatte das Gefühl, dass die Witze von damals schlicht nochmal gebracht werden.
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Re: Das Kino - Erfahrungen, Erlebnisse, Entwicklungen

#351
Was mich am neuen B&T mit am meisten reizt ist die Tatsache, dass Winter&Reeves ihre Figuren unverändert spielen, nur eben älter. Den Ansatz finde ich wesentlich interessanter und erfrischender als wenn man den eher "normalen" Weg gewählt hätte und die Figuren anfänglich als erwachsen und "zivilisiert" gezeigt hätte, die erst im Laufe des Films sich wieder ein Stück weit zu den alten Chaoten entwickeln (müssen). Man macht halt einfach da weiter, wo man aufgehört hat - nur knapp 30 Jahre später.

Noch eine Anmerkung zu dem von dir angeführten Wayne's World (weniger in Bezug auf deinen Vergleich denn als ein genereller Gedankengang): der wurde bereits in den 90ern immer gerne in einem Atemzug mit den B&T-Filmen genannt und schon damals fand ich das ziemlich unangebracht. Als jemand, der sich selber lange und gerne in der Hard'n'Heavy-Welt bewegt empfand ich WW immer als oberflächliche Verballhornung dieses Kosmos von Leuten, die recht verständnislos von aussen ihren Blickwinkel auf diese Welt wiedergaben. Vermutlich fand ich WW genau deswegen auch immer nicht wirklich lustig, weil es eben nicht überspitzt ist sondern nur alberne Klischees wiederkäut. B&T dagegen merkt man wie ich finde sehr deutlich an, dass hier Leute am Werk waren, die die porträtierte Subkultur kennen und lieben. B&T mögen naive Einfaltspinsel sein, aber sie sind authentisch und keine weichgezeichneten Abziehbilder wie Wayne & Garth.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Das Kino - Erfahrungen, Erlebnisse, Entwicklungen

#353
Bis jetzt hatte ich eigentlich gedacht, dass die begrenzten Platzkapazitäten gar nicht relevant wären fürs Box Office, weil aktuell ohnehin nur wenige ins Kino gehen würden. Dann hab ich mal aus Interesse die Saalbelegungen von Tenet am heutigen Abend angesehen und siehe da: Am fünften Wochenende ist bis auf die ersten beiden Reihen nahezu jeder Platz belegt und das schon alleine durch die Vorbestellungen. Ich wollte eigentlich einen Screenshot davon posten, aber scheinbar geht das inzwischen nicht mehr (oder ich bin schlicht zu blöd/blind). Und auch die später am Abend stattfindende OV-Vorstellung ist recht gut besucht, eine weitere auf Deutsch ebenfalls fast voll. Also entweder das Interesse am Kino geht wieder hoch (möglicherweise auch aufgrund des schlechten Wetters und aufgrund der mancherorts wieder einsetzenden Beschränkungen, oder es ist ein Filmspezifisches Phänomen, denn bei der Abend-/Nachtvorstellung von After Truth gibt es trotz größerem Saal erst zwei Vorbestellungen...
Weiß jemand mehr dazu?
"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Das Kino - Erfahrungen, Erlebnisse, Entwicklungen

#355
Samedi hat geschrieben:
16. Oktober 2020 21:32
Jetzt gibt es auch ein "Verzehrverbot" in den Kinos und damit absolute Maskenpflicht:

https://www.filmfutter.com/news/maskenp ... Fqvk_76GOw
Verzehrverbot ist so fast das Schlimmste, was den Kinos passieren kann. Denn ich gehe davon aus, dass über 50% der Einnahmen eines Filmtheaters aus dem Verkauf von Snacks und Getränken besteht.

Grundsätzlich verstehe ich dieses Verbot auch in keinster Weise.

Kann hier jemand erklären, warum der Verzehr von Snacks während des Films gefährlicher sein soll als zwei Stunden Essen in einem Restaurant?

Meinem Empfinden nach ist das Risiko in einem Restaurant viel höher als im Kinosaal.
Daher müssten ja - bevor es ein Verzehrverbot im Kino gibt - alle Restaurants geschlossen werden.

Re: Das Kino - Erfahrungen, Erlebnisse, Entwicklungen

#356
Für mich ist das der gleiche komplett sinnfreie Aktionismus wie beim Beherbergungsverbot. Die Politik sieht, dass die Zahlen steigen und dann macht man einfach irgendwas, damit man wieder eine PK geben kann und dann vielleicht besser dasteht oder zumindest wieder mehr in der Öffentlichkeit ist. Prinzip Söder also.
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Das Kino - Erfahrungen, Erlebnisse, Entwicklungen

#358
SMERSH hat geschrieben:
17. Oktober 2020 10:47
Invincible1958 hat geschrieben:
16. Oktober 2020 23:32
Kann hier jemand erklären, warum der Verzehr von Snacks während des Films gefährlicher sein soll als zwei Stunden Essen in einem Restaurant?
Schätze weil es fingerfood ist. Aber macht trotzdem keinen Sinn.
Man kann in diversen Restaurants auch viele Sachen mit der Hand essen,
ob es nun Brotbeilagen sind oder ähnliches.

Ich glaube nicht, dass das der Grund ist. Es geht hier der Politik vielmehr darum "irgendwas" zu tun, was aussieht als würden sie sich um die Einschränkung der Infektionszahlen kümmern. Aber der Verbot von Essen im Kino zählt bestimmt nicht dazu.
Denn wie schon häufig erwähnt: seit Mai, in einigen Bundesländern seit Juni oder Anfang Juli sind die Kinos offen. Und es gibt noch keinen einzigen Fall eines Spreader-Events in einer Kinovorstellung. Da besteht überhaupt kein Grund die Regeln zu verschärfen.

Hier wird eine Branche bestraft, die nichts für den Anstieg der Zahlen kann.