Welcher Film der "Die Tribute von Panem"-Reihe ist der beste?

The Hunger Games (2012)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (50%)
Catching Fire (2013) (Keine Stimmen)
Mockingjay Teil 1 (2014) (Keine Stimmen)
Mockingjay Teil 2 (2015) (Keine Stimmen)
The Ballad of Songbirds and Snakes (2023)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 1 (50%)
Insgesamt abgegebene Stimmen: 2

Re: Die Tribute von Panem-Thread

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iHaveCNit: Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes (2023) – Francis Lawrence – Leonine
Deutscher Kinostart: 16.11.2023
gesehen am 16.11.2023 in Dolby Atmos
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 1 – Reihe 8, Platz 8 – 20:30 Uhr


Der wohl größte Kinostart des aktuellen Kinowochenendes ist die neue Verfilmung aus dem Panem-Universum mit dem Titel „Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes“ von Regisseur Francis Lawrence. Selbst wenn ich nur rudimentär bis überhaupt nicht mit den bereits verfilmten Büchern und den Filmen mit Jennifer Lawrence in Kontakt gekommen bin, habe ich dennoch einen Blick auf den Film riskiert, in den ich auch ohne Probleme einsteigen konnte und der mir durchaus mit einigen Ansätzen gefallen konnte.

Der junge, verwaiste Coriolanus Snow wächst unter ärmlichen Verhältnissen auf und steht durch die Berühmtheit und den Erfolg seines verstorbenen Vaters unter Druck. Deswegen ist ihm die anstehende Vergabe eines hochdotierten Stipendiums so wichtig. Noch ahnt er nicht, dass diese Vergabe im 10. Jahr der Hungerspiele an eine Voraussetzung geknüpft wird. Jeder Uni-Absolvent bekommt als Mentor ein Tribut zugeteilt und mit dem Gewinn der Hungerspiele gibt es auch das Stipendium. Snow bekommt hier aus dem 12. Distrikt die schmächtige, aber sehr einnehmende Lucy Gray Baird zugeteilt, die eigentlich keine Aussicht auf den Sieg hat. Dennoch ist Snow fest entschlossen in einem von Tumulten geprägten Wettbewerb mit hohem Einsatz ans äußerste zu gehen, um für sich und Lucy den Sieg zu holen. Seine Entscheidungen und sein Handeln werden nicht nur die Spiele beeinflussen, sondern auch die Beziehung zu Lucy und seinen gesamten weiteren Weg.

Mit 158 Minuten ist der Film schon lang, aber durchaus eindrucksvoll gelungen. Mit Blick darauf, dass große Teile des Films in Deutschland in unter anderem Berlin und Nordrhein-Westfalen gedreht worden sind und durch gute digitale Effekte in die Welt von Panem umgewandelt worden sind zeigt der Film, dass sich Deutschland als Drehort sehr gut eignen kann. Gepaart mit dem Set-Design und dem Kostüm-Design ergibt sich ein stimmiges, atmosphärisches Bild, dass mich durchaus begeistern konnte. Darstellerisch ist hier auf jeden Fall der von Tom Blyth gespielte Coriolanus Snow hervorzuheben, der einen fazinierend vielschichtigen Charakter darstellt, dessen gesamte Charakterentwicklung eine der wichtigen Triebfedern des gesamten Films ist. Aus dieser sehr vielschichtigen und faszinierenden Charakterentwicklung mit all ihren kleinen Elementen und Konflikten wird schon einiges an Potential herausgeholt, aber nicht alles. Dafür hätte es an manchen Stellen interessant sein können, Konflikte komplett auszuerzählen und auch darstellerisch bekommt Tom Blyth eher wenig herausforderndes von Rachel Zegler, die die doch auch faszinierende Lucy Gray Baird spielt, aber bis auf den Look und einem vorhandenen musikalischen Talent und Grundvermögen darstellerisch keine Gegenakzente liefern kann. Ebenfalls positiv bei mir zurückgeblieben ist die Tatsache, dass der Film auch mit absolut keinem Vorwissen aus dem Panem-Universum eigenständig genossen werden kann, selbst wenn einem damit kleine Insider und Querverweise entgehen könnten. Nun kommt es natürlich darauf an, ob und wie die Geschichte um Coriolanus Snow weiter erzählt und inszeniert werden könnte, weil der gesamte Weg noch interessant sein könnte. Und für mich käme es nun auf den Faktor Zeit und auch den Faktor Muße an, ob ich mich ein wenig tiefer in die Welt von Panem filmisch eintauchen lassen kann.

„Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes “ – My First Look – 8/10 Punkte
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "

Re: Die Tribute von Panem-Thread

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Gestern auch gesehen obwohl mir der Trailer sehr nichtssagenden erschienen war.

Black Snow - oder Tribute an die dunkle Seite der Macht

as haben „Der Herr der Ringe“, „Harry Potter“, „Alien“ und „Star Wars“ gemeinsam? Also abseits ihrer Status als SiFi/Fantasy-Filmklassiker und polkulturelle Elementargewalten? Genau, bei allen kamen wir mit teilweise großer zeitlicher Verzögerung in den Genuss nicht minder episch erzählter Vorgeschichten, neudeutsch auch als „Prequels“ bekannt. Daß diese nicht zwingend nötig gewesen wären, mitunter teilweise sogar den Nimbus der Originale beschädigten, Mythen entmystifizierten und Außergewöhnliches plötzlich profan erscheinen ließen, steht auf einem anderen Blatt. Rein monetär - und die Filmindustrie ist nunmal, na ja, eine Industrie - haben sie sich allerdings definitiv gelohnt.

Das dachte sich wohl auch Suzanne Collins, ihres Zeichens erfolgreiche Epigonin im Kielwasser J.K. Rowlings. Ihre dystopische Jugendroman-Trilogie „The Hunger Games“ generierte vier Blockbuster und einen neuen Filmstar (Jennifer Lawrence). Auch wenn der Fantasy-Platzhirsch Potter weder literarisch noch filmisch und schon gar nicht hinsichtlich seines popkulturellen Impacts in Schlagdistanz kam, so sprechen doch 100 Millionen verkaufte Bücher und fast 3 Milliarden Dollar an den Kinokassen eine imposante Sprache. Da kann man schon mal darüber nachdenken, wie es eigentlich zu dem kam, was später so viel Reibach machte. Gesagt, getan und so veröffentlichte Collins 10 Jahre nach dem Finale ihrer Hunger-Games-Trilogie („Mockingjay“, 2010) das mehr oder weniger heiß ersehnte Prequel ...

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Re: Die Tribute von Panem-Thread

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Mir hat der wie oben geschrieben auch gut gefallen, die hiesigen Kritiker scheinen ihn ja in Mehrheit abzulehnen. Ich fand vor allem Tom Blyth als Snow toll, da sieht man, was man bei bessererem Scripten und einem anderen Darsteller aus Phantom Menace hätte machen können. Ein wenig nervig war Viola Davis im Operation-Modus und Dinklage als zu offensichtliche Kopie seiner Lannister-Figur. Schön waren auch die "bundesdeutschen" Schauplätze wie Stadion, Zoo und District 12.
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Re: Die Tribute von Panem-Thread

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Blyth ist klasse, ich mochte aber auch die Freakshowauftritte von Viola Davis. Einzig Rachel Zegler könnte wohl selbst dann nicht glaubhaft auftreten, hinge ihr Leben davon ab - aber wirklich gestört hat sie auch nicht.

Ansonsten: Der reifste Film der Reihe, die intelligenteste Handlung der Reihe, mehr Charakterstudie als Teenie-Actioner.

Und der Vergleich zu den furchtbar unterirdischen Star-Wars-Prequels verbietet sich eigentlich. Gegen Hayden Christensen war selbst George Lazenby nah am Vollprofi.
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Re: Die Tribute von Panem-Thread

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Na ja, den Vergleich habe ich nur herangezogen weil die Ausgangslage ähnlich ist, eine Vorgeschichte zeigt wie ein fieser Charakter zu einem fiesen Charakter wird. ;) Außerdem war es ein schöner Aufhänger für das Review. ;)
Ohne Frage sind da qualitativ - also was rein diesen Aspekt betrifft - Welten dazwischen. Witzig, dass du es erwähnst, Zegler fand ich auch nur ok, in vielen Kritiken wird sie überschwänglich gelobt und weit vor Bath gestellt. Ggut, die Dame kann singen, aber ansonsten? Da finde ich die Lawrence charismatischer und auch natürlicher.

Eine wirklich interessante Charakterstudie. Hab vor ein paar Stunden die Videokritik von Hoffman gesehen und stimme ihm in keinem Punkt zz, Aber das nur am Rande.
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Re: Die Tribute von Panem-Thread

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Na, jetzt seid nicht immer so gemein zu dem armen Hayden Christensen, der kann schließlich nichts dafür, dass man ihm so furchtbare seifenoper Dialoge gegeben hat.
Das er schauspielern kann, hat er, meiner Meinung nach, in "Das Haus am Meer" und "Shatterd Glas" bewiesen..
"Verstehen Sie mich nicht falsch es ist nichts persönliches, es ist was rein geschäftliches."

Re: Die Tribute von Panem-Thread

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Das ist nicht gemein, sondern mein brutal ehrliches Empfinden. Mir fällt kaum ein Darsteller (mit so hochbudgetierten Filmografie-Einträgen) ein, den ich durch die Bank über seine gesamte Karriere hinweg so desaströs mies finde. Jede Szene mit dem in "Star Wars", "Jumper", "Life as a House", "Awake" etc. empfinde ich als Graus, als totaler Graus.
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Re: Die Tribute von Panem-Thread

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Ja, kenne ich, und ich weiß, dass der Christensen da Preise gewonnen hat und für einen Globe nominiert wurde. Nachvollziehen kann ich es nicht, ich find's unterirdisch schlecht gespielt (und den Film selbst auch enorm medioker). Ich hab aber nix gegen den Hayden per se, das scheint in Interviews und Promo-Auftritten ein anständiger Kerl zu sein.
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Schnee, der auf Zegler fällt

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Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes

Wenige jüngere Filmreihen sind so eng mit ihrem Star verknüpft wie "Die Tribute von Panem" mit Jennifer Lawrence. Die vierteilige dystopische Actionsaga, die von 2012 bis 2015 zum Popkultur-Phänomen wurde, ist undenkbar ohne die Oscar-Preisträgerin, die in der Figur der selbstbewussten Rebellin Katniss Everdeen zur Heldin einer ganzen Generation wurde – und nicht wenige Teenager-Mädchen dazu animierte, sich im Bogenschießen zu versuchen. Dementsprechend muss das Filmstudio Lionsgate vor einem Dilemma gestanden haben, als Romanautorin Suzanne Collins ihr Panem-Universum um ein neues Buch bereicherte, in diesem Katniss aber keine Rolle spielte – immerhin spielt es inhaltlich 64 Jahre vorm ersten Teil.

Trotzdem versucht sich Regisseur Francis Lawrence (er inszenierte bereits die Teile 2 bis 4) wagemutig ohne Katniss an einer Wiedergeburt der Hungerspiele. Der Film mit dem Zusatztitel "The Ballad of Songbirds and Snakes" muss aber nicht ohne bekannte Figuren auskommen. Im Mittelpunkt steht nämlich eine Figur namens Coriolanus Snow. In den Originalfilmen wurde der – großartig diabolisch – von Donald Sutherland gespielt und war der tyrannische Herrscher über Panem, sozusagen Katniss‘ Erzfeind. Im neuen Film ist er selbst noch 18 Jahre jung und auf dem Weg nach oben, vor allem aber ist in seinen ersten Szenen noch keine Spur von jenem Scheusal zu sehen, zu welchem er später werden sollte.

Newcomer Tom Blyth ist als junger Snow zu sehen und er dürfte die Entdeckung des Kinojahres 2023 sein. Von Beginn an brilliert er als blonder Jüngling, der sich als Akademiker mit hohen Ambitionen aus seiner verarmten Oberschichtenfamilie an die Spitze der High Society arbeiten will. Sein alkoholkranker Dekan Casca Highbottom (Peter Dinklage) hat es mit Vehemenz auf ihn abgesehen, doch die verrückte Wissenschaftlerin Dr. Volumnia Gaul (Viola Davis) sieht sein Potenzial und bittet ihn um Reformvorschläge für die Hungerspiele, welche sich in einer Krise befinden. Nach einem unerbittlichen Bürgerkrieg wurden diese ins Leben gerufen, um die rebellierenden Distrikte stets an ihre Schande zu erinnern, doch schon nach nur zehn Jahren brechen die Einschaltquoten und das Interesse der breiten Masse weg.

Als Akademie-Absolvent ist Snow nun gezwungen, als Mentor für einen der 24 Tribute zu fungieren. Der, dessen Tribut die beste Show liefert und somit für die höchsten Quoten sorgt, soll ein vielversprechendes Stipendium erhalten. Das Losverfahren bringt Snow mit der Wandermusikerin Lucy Gray Baird (Rachel Zegler) aus Distrikt 12 zusammen. Obwohl diese keine Kampferfahrungen hat, glaubt Snow, dass sie das Publikum der Hungerspiele durch ihren engelsgleichen Gesang für sich einnehmen kann. Doch je besser er sie kennenlernt, umso mehr entwickelt er Gefühle für die schöne und lebenslustige Frau – und bald schon schreckt er auch vor Betrug nicht zurück, um ihr Überleben in der Arena zu garantieren.

Für eine Jugendfilmreihe überraschte "Die Tribute von Panem" schon immer mit sehr nachdenklichen und dystopischen Themen. Neben den zentralen Tötungsspielen Minderjähriger à la "Battle Royale" verhandelten die Filme sozioökonomische Ungleichheiten, neoliberale Gewaltdiktate autokratischer Regime, die Werkzeuge und Wirkungsmechanismen von Propaganda und deren mediale Zurschaustellung auf beiden Seiten eines Konflikts. In der "Panem"-Reihe findet Gewalt nicht nur statt, ihre Wirkung wird immer auch thematisiert, hinterfragt, in ihren Ursprüngen untersucht.

Dreimal wird Snow im neuen Film gefragt, warum die Hungerspiele nötig sind. Erst antwortet er, es ginge darum, die rebellischen Distrikte zu bestrafen, später rät er, es sei eine Warnung an die wohlhabenden Bewohner des Kapitols, ihren Reichtum zu ehren. Beide Antworten benennt ihm die exzentrische Dr. Gaul als falsch. Erst beim dritten Versuch wird ihm zugenickt: "Die ganze Welt ist eine Arena". Passend, der Begriff "Panem" selbst leitet sich schließlich aus dem bekannten Ausdruck über die Gladiatorenkämpfe des römischen Imperiums ab: ‚Panem et circenses‘ ist lateinisch für ‚Brot und Spiele‘.

In den vorherigen Filmen waren die Hungerspiele vor allem ein Anschauungsbeispiel. Sie verdeutlichten für ein jugendliches Publikum, das im Zeitalter der Sozialen Netzwerke aufwuchs, in denen Gewaltdarstellungen jederzeit omnipräsent verfügbar sind, dass Sensationsgier ihren folgenschweren Preis hat – und dass ein aggressiver Imperialismus die Entmenschlichung des Individuums nicht nur begünstigt, sondern gar benötigt. Dennoch scheiterten die Filme selbst an ihrer Vermarktbarkeit. Das zentrale Liebesdreieck à la "Twilight" rund um Katniss und ihre Verehrer Peeta und Gale verwässerte das intelligentere Material, und das Moralsystem der Filme blieb stets binär: Auf Katniss‘ Seite kämpften die Guten gegen Snow und seine Schergen des Bösen.

Die große Überraschung des Prequels ist nun, aus diesen Fesseln auszubrechen. Francis Lawrence erzählt die Wandlung vom ambitionierten Studenten zum soziopathischen Mörder, die Snow im Film durchläuft, mit hoher Intensität als intimes Epos. In drei Kapiteln schildert er erst die überraschend rührende Romanze zwischen Tribut und Mentor, dann den Verlauf der Hungerspiele und schließlich Snows Wandlung zum gefühllosen Tyrannen, der er später werden soll. Dafür nimmt er sich stolze 157 Minuten Zeit und nutzt diese exzellent: Der moralische Fall Snows (bzw. sein Aufstieg zur Macht) verläuft äußerst subtil und bleibt dabei dennoch immer glaubhaft. Blyth navigiert zielsicher durch die Stationen seines Charakters, aber wichtiger noch: Er findet die menschliche Komponente in diesem Mann, der – wie die anderen Filme zeigten – selbst irgendwann nur noch zu unmenschlichen Taten fähig ist.

Dass selbst der schrecklichste Diktator als junger Mann mit Träumen und Idealen begonnen hat, wird hier in aller Ausführlichkeit dargestellt und so stecken die Zuschauer ob ihres Vorwissens in einer bösartigen Zwickmühle: Wenn nämlich Tom Blyth und Rachel Zegler nun wirklich authentisch und fast schon unschuldig ihre jugendliche Liebe füreinander spielen und dabei eine exzellente Chemie entwickeln, dann lässt sich nur zu gerne vergessen, welches Vorwissen man über Snow eigentlich mit in den Kinosaal gebracht hat.

Und wenn Snow im finalen Akt schließlich seine Schurkenwerdung vom Empathen zum Egoisten abschließt, dann geschieht dies nicht aus einer Laune heraus, sondern ist ein Resultat der gestörten Bedingungen, unter denen dieser junge Mensch sich ausprobieren, entwickeln und verlieben musste. Verständnis für das "Böse" zu wecken, ist die Herkulesaufgabe dieses Stoffs und "Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes" meistert sie mit Bravour.

In vielen Aspekten übertrifft dieses Prequel seine Vorgänger (bzw. inhaltlichen Nachfolger) nahezu spielerisch. Die Hungerspiele etwa sind hier, mehrere Dekaden vor Katniss, noch keine durchgetakteten Medienspektakel, sondern in ihrer Essenz nicht mehr als ein brutales Arena-Gemetzel, und wirken so glatt so erschreckend und bedrückend wie nie zuvor. Auch für atmosphärische Einlagen ist Zeit: Rachel Zegler hatte in "West Side Story" schon ihr gewaltiges Gesangstalent unter Beweis gestellt und darf auch hier so häufig singen, dass man sich glatt in einem Folk-Musical wähnen könnte. Es sind aber genau diese Augenblicke, in denen die Welt von Panem zum ersten Mal tatsächlich greifbar wird.

Die tollen Kulissen (gedreht wurde u.a. in Breslau, Berlin, Leipzig, Düsseldorf und Duisburg), die wuchtige Filmmusik von James Newton Howard und das starke Ensemble überzeugen fast durch die Bank, besonderes Lob verdient Jason Schwartzman, der als "Moderator" der Hungerspiele quasi den Part von Stanley Tucci aus der Originalreihe übernimmt und mit seinem energetischen Spiel für gehörig viel Spaß sorgt. Einzig Rachel Zegler spielt abseits ihrer Gesangseinlagen an manchen Stellen deutlich zu aufgesetzt: Die Natürlichkeit einer Jennifer Lawrence fehlt ihr. Und es lässt sich kaum bestreiten, dass "The Ballad of Songbirds and Snakes" zeitweise über wenige Stolpersteine ins Wanken gerät. Der Film hat sicherlich ein paar Figuren zu viel, zeigt einige Actioneinlagen zu ausgedehnt und findet in den letzten 15 Minuten mehrfach nicht den richtigen Abschluss.

Letztlich aber gelingt dieser "Die Tribute von Panem"-Vorgeschichte, was vor Kinostart wohl niemand vermutet hätte: Die Reihe hat sich erfolgreich von Jennifer Lawrence abgekapselt und emanzipiert. Wer damals im Teenie-Alter im Kino mit Katniss mitfieberte und das Ende von Snows Herrschaft bejubelte, darf nun im Erwachsenenalter feststellen, dass selbst ein ruchloser Tyrann mehr als eine Seite hat und die Frage nach "Gut" und "Böse" oft nur eine des Standpunkts ist. "Schnee landet immer ganz oben", lässt der junge Snow zu Beginn des Films bereits seine Angehörigen wissen. Am Ende soll er rechtbehalten – nur interessiert es ihn nicht mehr, wen oder was der Schnee unter sich begräbt.

Original-Link: https://www.tvspielfilm.de/news/filme/a ... ticle.html
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

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Re: Die Tribute von Panem-Thread

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BlofeldsKatze hat geschrieben: 23. November 2015 20:36
Casino Hille hat geschrieben:
BlofeldsKatze hat geschrieben:Wer das Rennen letztendlich macht, Gale oder Peeta, verrate ich an dieser Stelle nicht. Ich kann nur so viel sagen: Es wird euch überraschen!
Die Frage ist, ob man da wirklich mitfiebern kann. Ich finde diese Beziehungsdreiecke immer total lästig, ein Grund, warum ich Young Adult Action oft ziemlich nervtötend finde.
Ja, ich weiß was du meinst. Wirklich mitfiebern kann man nicht, da Katniss einfach zu sehr mit den zweien spielt und immer so verwirrt wirkt... Mir haben die Jungs grundsätzlich leid getan, da Katniss einfach eine blöde Kuh in diesem Thema war. Das war auch mit ein Grund, warum ich sie nie so recht leiden konnte.
Da das aber schon von Anfang an so war, konnte ich mich in diesem Teil auch nicht mehr so wirklich darüber aufregen, selbst als sie es nochmal richtig auf die Spitze getrieben hatte.
Aber die letztendliche Entscheidung ist dann doch noch ganz interessant. In gewisser Weise war es wirklich bis kurz vor Schluss noch komplett offen. Allerdings macht dann einer der beiden einen Fehler, welcher extrem ausschlaggebend ist. ;)

Peeta ist das auf jeden Fall. Würde er zu unserer Zeit leben, wäre er der klassische nette Typ, den jede Frau als Kumpel haben wollte, aber niemals als Freund. Weil er einfach zu nett und langweilig ist. :D Durch seine Folterungs-Schäden ändert sich das leider auch nicht wirklich. Er wirkt zwar bedrohlich, aber die Schäden halten auch nicht ewig.

Gale ist da schon besser, man merkt in diesem Film auch wie facettenreich er ist. Um ihn richtig einschätzen zu können, muss man Mockingjay II wirklich gesehen haben.
Im Gegensatz zu den Jungs beschäftigt sich Katniss überhaupt nicht mit Liebe und Sexualität.
Zu Beginn von Teil 1 möchte sie auf keinen Fall Kinder bzw. kann sich unter diesem Regime keine Kinder vorstellen. D.h. sie würde womöglich nie heiraten und als alte Singlejungfer sterben. Folglich nimmt sie Gales unterschwellige Avancen gar nicht wahr, für Katniss sind Katniss und Gale zwei Bros, die das Überleben ihrer Familien sichern müssen.

„Gale gab mir ein Gefühl der Sicherheit, das mir seit dem Tod meines Vaters gefehlt hatte. Seine Gesellschaft ersetzte die langen einsamen Stunden im Wald. Ich wurde ein viel besserer Jäger, wenn ich mir nicht ständig über die Schulter schauen musste, wenn jemand auf mich aufpasste … Mit Gale im Wald unterwegs zu sein … manchmal war ich wirklich glücklich.“ – Die Hunger Spiele


Während Peetas Gefühle für sie seit Kindheitstagen stark sind, auch wenn er das erst während der 1.Spiele offenbart, ist Katniss davon völlig überfordert, sie kennt Peeta auch kaum und will eigentlich nur die Spiele überleben (ohne zu wissen wie sie das schaffen soll, notfalls mit dieser dummen "tragisches Liebespaar aus 12"-Nummer).

In Teil 2 muss Katniss die Traumata der ersten Spiele verarbeiten, zeitgleich für die Öffentlichkeit mit Peeta das verliebte Pärchen mimen, was Gale ihr ziemlich übel nimmt, weil er Katniss wirklich liebt, aber sie ist sich nicht so richtig über ihre Gefühle für beide im Klaren. Zudem wird sie von Präsident Snow (wegen der Unruhen) stark unter Druck gesetzt, will ihre Familie schützen, landet trotzdem wieder in den Spielen. Ich glaube erst als in der Arena Peeta fast im Kraftfeld stirbt und sie sein Armband mit den Bildern ihrer Familie sieht und Peeta ihr sagt, dass sie das wichtigste in seinem Leben sei, wird ihr klar wie ernst und aufrichtig die Sache für Peeta ist.

Diese Probleme ziehen sich für Katniss in Teil 3 und 4 fort. Aufgrund der Zerstörung ihrer Heimat ist die Regierung/Snow zu ihrem völligen Feindbild geworden und K. ist klar, dass die Rebellion einzig mit einem Sieg um jeden Preis enden kann. Die Jungs haben in Ks. Kopf aktuell gar keinen Platz.
Denn es heißt "Jetzt oder nie" für die Rebellen!!
Aber dieses um jeden Preis wird unterschiedlich interpretiert, so sieht Gale, dessen Familie und Heimat tot ist, in jedem auf der Gegenseite einen Feind, alle sind mindestens Mitläufer, vielleicht sogar Kollaborateure, des Systems. Gale verrennt sich hier in etwas, während Peeta stets für das Mitmenschliche, den Frieden, Liebe, ein unausweigerliches späteres Miteinander plädiert. Hierfür kritisiert Katniss Gale und Beetee scharf, weil "wir jetzt auch so hinterhältig arbeiten wie das Kapitol"; #Fallen. Das führt meines Erachtens zum ersten Bruch zwischen Katniss und Gale und seine indirekte Beteiligung an Prims Tod im Finale den endgültigen Bruch und bedeutet die totale Entfremdung der beiden.

Im Epilog des Buches resümiert Katniss für sich, dass Peeta die richtige Wahl für sie war denn: Sie besäße Feuer, Energie, Wut, Zorn, Leidenschaft.... zur Genüge, während Peeta quasi das sie ergänzende Yang sei.

(Ich habe gerade das Zitat nicht)