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von Casino Hille
'Q Branch' - MODERATOR
James Bond 007 - Moonraker
"The Sky is not the limit." - Nach dem "Der Spion, der mich liebte" bewiesen hatte, dass die Lust auf neue Abenteuer von Geheimagent 007 größer war als jemals zuvor, war es Produzent Albert R. Broccoli und Regisseur Lewis Gilberts größtes Bestreben geworden, den größten James-Bond-Film von allen ins Kino zu bringen. Auf dem Ende der 70er aufkommenden Sci-Fi-Boom mitreiten wollend, machte man sich an eine Verfilmung von Ian Flemings Moonraker, auch wenn am Ende wie so oft nicht mehr als ein paar Namen aus der Vorlage übrig blieben und das Drehbuch selbst größenteils die Handlung des Vorgängers kopierte und an andere Orte verlagerte. Den Wunsch, alles noch eine Nummer größer anlegen zu wollen, sieht man dem fertigen Resultat nicht nur an, es ist auch das Ergebnis eines 11-Filme-lang andauernden Entwicklungsprozesses von Bond-Filmen, der in "Moonraker" auf lange Sicht seinen spektakulären Höhepunkt finden sollte.
Gilberts "Der Spion, der mich liebte" war in jeder Hinsicht der vollkommene Bond-Film und eindeutig das beste, was man aus der etablierten Bond-Formel machen konnte. An diesem heiligen Gral herumzupfuschen, hatte daher keiner so recht vor und es verwundert wenig, dass die Handlung um einen am Gott-Komplex erkrankten größenwahnsinnigen Weltverbesserer, der hier von Michael Lonsdale ähnlich ruhig und majestätisch wie von Curd Jürgerns zuvor verkörpert wird, nicht groß verändert wurde. Doch wie gehabt gelingt es Gilbert erneut, Action, Humor und Exotik (die drei wichtigsten Zutaten eines Bonds) so gekonnt und einfallsreich zu vermischen, dass die zwei Stunden Laufzeit in Windeseile vergehen und man vom hohen Tempo wieder einmal mitgerissen wird. Dass Roger Moore als James Bond ein absolut würdiger Connery-Nachfolger ist, will hier niemand mehr bezweifeln, seine Selbstsicherheit in der Rolle lässt ihn ungemein überlegen vorkommen und sein Auftreten gestanden wirken und seine ironischen Kommentare sind eh längst zum Markenzeichen seiner Ära geworden. Auch so muss man aber einfach anerkennen, dass es einfach nur ein wunderbar spaßiges Vergnügen ist, den tollen Verfolgungsjagden (besonderes Highlight: eine modifizierte Gondel) und Kampfszenen zuzuschauen, die wie immer den benötigten selbstironischen Touch haben.
Ansonsten ist "Moonraker" zweifelsohne wahrlich der optisch beeindruckendste Bond von allen geworden. Mit den atemberaubend hübschen Frauen bis in kleinste Nebenrollen (Lois Chiles, Corinne Cléry, Emily Bolton, Leila Shenna etc.) besetzt und einigen der beeindruckendsten Locations der Welt, wie Venedig, Rio de Janeiro oder dem Schloss Vaux-le-Vicomte, wird dem Auge ein Fest nach dem anderen präsentiert und die Ausstattung ist wahrlich gigantisch. Dazu kommen die wie immer einfallsreichen Gadgets von Desmond Llewelyns Q, aber noch wichtiger die gigantischen Sets von Ken Adam, der sich in seinem letzten Auftrag für 007 selbst übertraf und seine ganze Kunst noch einmal zur Schau stellte. Man muss zugeben, dass Gilbert, dessen erster 007-Film "Man lebt nur zweimal" noch einige Kinderkrankheiten hatte, das Konzept Bond nun perfekt verstanden hat: Ohne dramaturgische Probleme hetzt er seinen Protagonisten von einer Gefahrensituation in die nächste und einmal um die Welt, bis er ihn im letzten Drittel darüber hinaus sogar in die Weiten des Universums entlässt und "Moonraker" mit den gelungensten Special Effects der 70er ein Finale bietet, dass einen inszenatorisch nur noch ungläubig staunen lässt. Wenn sich das Schicksal der Menschheit plötzlich in ungewohnten Territorien entscheidet und die letzten 20 Minuten dann noch gleich mehrere Wendungen und ein riesiges Gefecht entfesseln, dann ist das Bond im allerbesten Sinne und bildlich festgehaltene Freude. Überhaupt zeigt Gilbert ein Talent dafür, den Zuschauern im Rahmen des Vorhersehbaren zu überraschen, besonders als er eine ungewöhnlich brutale Tötungssequenz einbaut, die ob ihrer Grausamkeit den bekannten Kloß im Hals erzeugt.
Man mag "Moonraker" dank der im Finale völlig ignorierten Logik (die bei 007 allerdings selten relevant war) für überzogen halten, doch wenn es wirklich etwas auszusetzen gäbe, dann eher, dass die spektakulärste Szene (die man für sich als Stärke verbuchen sollte) gleich zu Beginn verpulvert wird: Direkt in den ersten fünf Minuten wartet Gilbert mit der - ohne Übertreibung - besten Stuntarbeit der Filmgeschichte auf. Klar, dass er dies später nicht mehr toppen kann. Auch die musikalische Rückkehr von John Barry verlässt sich dieses Mal etwas zu sehr auf ein großes (tolles) Thema, während die vielen unauffälligeren Melodien immerhin besonders zum Schluss hin zur Atmosphäre und Spannung beitragen. Als größter Störfaktor erweist sich allerdings die wichtigste Kopie aus "Der Spion, der mich liebte": Richard Kiels zweiter Auftritt als Gegenspieler Jaws. Während dieser aus Gilberts vorheriger Arbeit als erschreckend unüberwindbare Hürde in Erinnerung blieb, wird er hier leider zum Pausenclown degradiert und reichlich erzwungen in die Handlung reingequetscht (so kommt es mit ihm zur überflüssigsten Actionszene der gesamten Reihe: einer zweiten (!!) Bootsverfolgungsjagd), zumal der Slapstick-Humor um ihn herum immer eine Spur zu viel des guten ist. Am Ende macht das alles nicht so viel, da "Moonraker" immer noch ein mitreißendes Stück Film ist, doch unterscheiden diese kleineren Probleme "Moonraker" dann eben vom meisterhaften Vorläufer.
Fazit: Das deftige Budget von etwa 30 Millionen Dollar sieht man zu jeder Sekunde auf der Leinwand. Doch der wahre Verdienst von "Moonraker" liegt besonders in den Personen Roger Moore, Lewis Gilbert und Ken Adam begründet, die auf dem Höhepunkt ihres Könnens vielleicht durch die etwas zu großen Ähnlichkeiten zu "Der Spion, der mich liebte" nicht das zweite ganz große Meisterwerk zu Stande brachten, dank eines optisch überragenden und temporeichen Abenteuers auf mehreren Kontinenten allerdings dafür ein kleines Meisterwerk schufen, dass ohne Frage zu den besten Bond-Filmen gezählt werden kann und neben dem Protagonisten selbst auch die Reihe finanziell in ganz neue Sphären vordringen ließ. Da kann man sich nur eines wünschen: Take us around the world one more time, James.
9/10
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Let the sheep out, kid.