Drehbuchautoren Streik - Bond 22 betroffen?

Am 6. November 2008 startete das 22. James-Bond-Abenteuer mit Daniel Craig in seinem 2. Auftritt als 007! Alle Meldungen, Gerüchte, Fakten und Fragen zu QUANTUM OF SOLACE und allen weiteren Bondfilmen (BOND 23 etc.) hier herein! [Leseforum]
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danielcc
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31. Oktober 2009 15:39

ich erinnere mich an diverse nicht ganz schlüssige aussagen, dass Forster und craig das eigentlich skript gar nicht mochten und noch mal alles geändert haben. haggis selbst und forster hatten meiner erinnerung nach gesagt, dass zumindest die actionszenen gar nicht im script berücksichtigt waren... und forsters geheimnissvoller "autor vor ort" hat auch mehr als nur an dialogen gearbeitet.
ist aber auch wurscht, auch früher in "den guten alten zeiten" waren die scripts oft zusammengeschustert und alles andere als schlüssig oder brillant. nur im vergleich zu CR fällt QOS in dieser hinsicht deutlich ab
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Gernot
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31. Oktober 2009 21:49

da hast du wohl nicht so unrecht...

haggis entwickelte die story ja offensichtlich in eine richtung, mit denen die produzenten überhaupt nicht einverstanden waren und jetzt im nachhinein sieht es so aus, als wäre das, mit dem darauffolgenden streik, auch der grund gewesen, warum sie nach haggis arbeit dann dennoch kein fertiges skript hatten (weil sie das meiste davon dann nicht verwenden konnten...?).

was da wirklich genau passiert ist, werden wir wohl erst, wenn überhaupt, in einigen jahren erfahren. aber haggis ist wohl nicht ohne grund nicht mehr bei BOND23 dabei...

ich finde QOS zwar gelungen - hätte mir jedoch noch mehr erwartet...
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chief

31. Oktober 2009 22:27

Wo seht Ihr denn die Defizite im Script von QOS? Mir fällt da spontan jetzt erst mal nichts dramatisches ein. Was ich dem Film anlaste, ist eher im handwerklichen Bereich angesiedelt.
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MX87
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31. Oktober 2009 22:34

chief hat geschrieben:Wo seht Ihr denn die Defizite im Script von QOS? Mir fällt da spontan jetzt erst mal nichts dramatisches ein. Was ich dem Film anlaste, ist eher im handwerklichen Bereich angesiedelt.
Mir persönlich fehlen etwa mind 15 Min Charakterszenen ein die der Film noch gut vertragen könnte. QOS fühlt sich manchmal an, als ob zwischen den einzelnen Actionszenen nur ein paar Sätze gesagt werden um zu erklären wieso die nächte Actionszene am anderen Ende der Welt (von Tahiti nach Össtereich) spielt.

Der Film hätte durch mehr Dialogszenen deutlich gewonnen. Die jetzige Version von QOS ist in Sachen Handlung sehr gestrafft, vielleicht sogar etwas zu sehr...

Allein von Greenes Henchman Elvis soll es zich geschnittene Szenen geben, die laut Schauspielern für ziemlich unterhaltsame Momente gesorgt hätten...
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007James Bond
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1. November 2009 01:52

MX87 hat geschrieben:QOS fühlt sich manchmal an, als ob zwischen den einzelnen Actionszenen nur ein paar Sätze gesagt werden um zu erklären wieso die nächte Actionszene am anderen Ende der Welt (von Tahiti nach Össtereich) spielt.
Es ist doch aber nicht so als ob der Ortswechsel zufällig geschieht.
- Nach Haiti geht’s weil dort die erste Spur ist, denn Greene arbeitet dort zu dieser Zeit noch.
- Nach Österreich geht’s weil sich dort Quantum trifft, die schließlich keine lokale Bande sind.
- Zurück nach Südamerika geht’s, weil dort Greenes neues Einsatzgebiet ist. Er scheint wohl für den ganzen Kontinent beauftragt gewesen zu sein.


Ob der Film länger sein könnte ist ja so lange irrelevant, wie er in seiner Spielzeit funktioniert und das tut er.
Für wenige Dialoge muss ein Film sich nicht rechtfertigen. Dialog soll nur schmücken und nicht erklären. Ganz im Gegenteil, Dialogfilme sind es, die sich dafür rechtfertigen müssen warum sie dem Zuschauer die Ohren voll schwätzen wenn sie ihm das ganze doch schon durch bewegte Bilder zeigen können (bsp.: Erste Minute von Das Fenster zum Hof). :wink:
(BTW: Die 12 Geschworenen ist ein hervorragender Dialogfilm)



Natürlich können einem weniger Action und dafür mehr Dialog besser gefallen, aber das Gegenteil muss deshalb keine Schwächen im Drehbuch haben (um das jetzt nur mal prinzipiell hervorzuheben, denn QOS stieß ja oft auch nur deswegen auf Missgunst, wie ich mich erinnere). Es zählt allein wie ein Werk in sich funktioniert.
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1. November 2009 02:40

defizite skript-seitig in QOS:
- die erste stunde ist was die handlungsorte angeht konfus und total unausgewogen. da wird ständig hin und her gefolgen und obwohl das allein tage lang dauern würde, wirkt es so als geschehe alles in einer stunde. zudem machen die reisen teilweise keinen sinn: warum fliegt der CIA mit greene von haiti (??) nach österreich nur um dann wieder zurückzufliegen? warum trifft sich quantum überhaupt in österreich, wenn doch deren operation (und auch die zweite operation) in südamerika (bzw. kanada) abspielen und auch alle leute dort involviert sein sollten... (pipeline bestellungen...)
- die nach CR notwendige charakterentwicklung findet nur bruchstückhaft statt. dies gilt für bond, der viel zu wenig szenen hat, zum nachdenken, aber es gilt auch für camille, die eigentlich eine starke figur ist, deren parallelen zum bond/vesper schicksal aber gar nicht entwickelt werden.
- sämtliche handlungen und handlungsstränge, die wichtig zum verständnis sind, werden nur angedeutet
- praktisch keine der actionszene bringt bond weiter und ist somit (nicht) gerechtfertigt: er verfolgt spektakulär mitchell, nur um ihn zu töten. er fliegt im flugzeug ohne etwas zu entdecken und nur der abschuss durch die angreifer bringt ihn durch zufall weiter. in der bootsszene handelt bond unüberlegt aber die szene ist sowieso eine klasse für sich (im negativen)
- außerdem fehlt der story leider jede rafinesse im sinne eines übergeordneten motivs, eine metapher, eben das was CR so reizvoll gemacht hat (das thema war da ja vertrauen/verrat und eben das bluffen auf mehreren ebenen)
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1. November 2009 13:07

1. Ich kann mich an keinen Continuity Fehler erinnern, der diesen Eindruck hervorrufen könnte, wie zum Beispiel die Zugfahrt in CR, während der Bonds Narben im Gesicht völlig verheilen. Die Narben hätten schon vor der Zugfahrt verheilen müssen, was symbolisiert hätte, das mehrere Wochen bis Monate vergangen sind, die vergangen sein müssen! Stattdessen sieht es so aus, als ob Bond einen Monat mit dem Zug unterwegs gewesen wäre.
Da wir alle wissen, das bei Ortswechsel Zeit vergangen sein muss und diese anhand der relativen Entfernung der Orte abmessen können sollten, ist eine "3 Tage Später"-Einblendung total überflüssig. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass mal anders in den Bondfilmen verfahren wurde.
Das mit der CIA ist tatsächlich unlogisch (man könnte es sich mit Termindruck und die bevorzugtem Sicherheits-Vakuum eines Flugzeugs erklären, aber irgendwann hört es auch mal auf), Quantums Treffen aber nicht, denn, wie schon geschrieben, ist es keine lokale Bande. Die Organisation operiert weltweit, und Europa liegt ungefähr in der Mitte. :wink:
2. Ich schätze damit meinst du Szenen à la vor dem Spiegel stehen und sich angucken. Da erinnere ich an die Szene im Flugzeug mit und ohne Mathis; die mit Camille in der Schlucht, im Auto und vor dem Wüstenhotel; die mit M im Hotel und am Ende; die Gun-Barrel Metapher am Schluss - es ist doch solange egal wie lange diese Szenen sind, wenn der Inhalt rüberkommt. Bond steht im Konflikt zwischen Auftrag und Vesper-Vendetta; M weiß das und traut ihm deshalb immer noch nicht richtig; Camille will Rache für ihre getöteten Eltern was sie in der Schlucht offen legt, Bond sagt ihr bewusst nicht das er in einer ähnlichen Situation ist, weil er dies unterdrückt und es auch gar nicht zu seinem Charakter passen würde. Erst im Auto sagt er ihr das er glaubt das die Toten Rache überhaupt nicht interessiert (hat was poetisches). Damit können wir natürlich mehr als Camille anfangen, wir kennen seine Vorgeschichte.
Und wieder: ich finde es unlogisch QOS das vorzuwerfen, von dem CR mehr hat und haben musste. Bonds Charakter entwickelt sich sehr stark in CR, vom schnaufenden Amokläufer zum over-dressed Attentäter. In QoS ist seine Entwicklung bis auf den einen Aspekt schon abgeschlossen - Vesper und da sind die Schritte: kann die Angelegenheit nicht in den Hintergrund kehren (stielt das Photo in Siena) - muss es aber (mit Alkohol im Flugzeug) - leugnet es vor M, Camille - kommt wegen Camille zur Erkenntnis, das Rache nichts ändert - verzichtet auf seiner Rache, obwohl es ihm sichtbar am Abzugfinger juckt - Charakterentwicklung endgültig abgeschlossen. Nichts ist mehr offen.
3. Die Handlung ist so simpel wie die von Goldfinger.
4. Bringt Bond die Baustelle in CR weiter (mal von zahlreichen in den vorigen 40 Jahren ganz zu schweigen)? Nein, nur die Botschaft ist in der Story verankert. Ist sie deshalb ungerechtfertigt? Finde ich auch nicht, denn es ist nicht unrealistisch, das eine Verfolgungsjagd dort stattfindet. Das gleiche gilt bei der ähnlichen Szene in Siena. Die Boots- stellt eine Grundlage für Bond und Camilles Kooperation in Zukunft dar. Die Flugzeugs- finde ich auch schwierig, weil wir nicht wissen wie Bond weiter verfahren wäre, wenn er nicht angegriffen worden wäre. Für die Lokalisierung brauchte er das Flugzeug, was er danach getan hätte erfahren wir wegen dem "unwahrscheinlichen" Angriff nicht. Der ihn dann ironischer Weise direkt in so einen Krater bringt. Unwahrscheinlich, aber wen interessiert das außer ein paar Hitchcock-Kritikern :wink: es bleibt realistisch.
5. Und wieder wird QOS für etwas kritisiert, weil es CR hatte. Dafür hat QOS Forsters visuellen Metaphern, wie das Bregenz-Auge oder die Gun-Barrel zum Schluss. Das hat CR nicht, folglich sind starke Defizite in der Inszenierung vorhanden. :wink:
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1. November 2009 13:28

meine kritik bezog sich in der tat nur auf den vergleich zu CR, das hatte ich auch gesagt oder? mir ist klar, dass die alten bondfilme nicht ansatzweise so clevere stories und dialoge haben... aber CR hat eben einen neuen maßstab gesetzt.

die story mag zwar "so simpel wie die von goldfinger" sein aber im gegensatz zu QOS wird in GF sehr viel zeit darauf verwendet, eben diese einfache story dem publikum wirklich klar zu machen. und daran felt es in QOS absolut, was die unzähligen kommentare von leuten zeigen, die überhaupt nicht verstanden haben was quantum vor hat und damit worum es eigentlich geht. klar, man muss sich nicht an den dümmsten zuschauern orientieren aber klar ist doch, dass in QOS fast alles wichtige in nebensätzen oder in blitz-einstellungen erzählt wird. höhepunkt in dieser hinsicht ist die mit doppelt-überkreuzten untertiteln versehen taxifahrt,die an sich sehr wichtig ist für das verständnis
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1. November 2009 14:21

Ich halte QOS nach wie vor für einen sehr guten Bondfilm (8 von 10 möglichen Punkten), allerdings ist die Laufzeit wie gesagt zu kurz und könnte etwa 15 Min zusätzlicher Nicht-Action-Szenen vertragen. Dies ist auch der so ziemlich einzige triftige Kritikpunkt von mir. Der Film funktioniert, begeistert aber nicht übermäßig.

Wieso das so ist?

Der Plot von QOS ist im Vergleich zu manch anderen Plots der Serie relativ kompliziert. Dazu kommen noch die Leichen die CIA und MI6 im Keller haben. Alles in allem also eine Menge zu erzählen. Auf etwas mehr als 100 Min (Bondfilme sonst meist im Bereich von 120 Min) wirkt dieser vielschichtige Plot sehr gestrafft, wenn nicht sogar bemüht. Gut so hat der Film kein "Fett" auf den Hüften, den Vorteil sehe ich auch. Dennoch werden weitere Möglichkeiten des Films so auch verschenkt. Der Film gönnt sich insgesamt kaum Ruhepausen, entweder wird Action geschoben oder die Story vorangetrieben.
Wie bereits erwähnt klappert Bond eine Location nach der anderen ab, kaum lässt man sich als Zuschauer auf Tahiti ein ist man schon in Össterreich. Vor allem in der ersten Hälfte finde ich, dass man die Locations schon geradezu verheizt. In Siena verweilt man immerhin noch etwas, Bregenz wird mit der Konferenz allerdings sehr schnell abgehakt.
Schliesslich noch die erwähnten Charakterszenen. Es werden mehrere Nebenfiguren eingeführt (oder tauchen wieder auf) die zwar scheinbar sehr interessant sind, von denen der Zuschauer aber nur kurz etwas sieht. Bestes Beispiel dafür ist Elvis. Aus den Hintergrundberichten wissen wir, dass die Rolle des Charakters im Film ursprünglich ziemlich skurril und weitaus amüsanter war. Das meiste landete auf dem Boden des Schneideraums. Elvis hätte ein wunderbares Schmankerl am Rande des Filmes sein können. Ähnlich der Konflikt zwischen Mathis und Bond. Die beiden Charaktere hätten mehr gemeinsame Momente gebraucht, in der jetzigen Fassung führen sie im Film nahezu ausschleißlich sehr bedeutungsschwangere Dialoge. Gut diese sind durchweg gut, aber ein paar Moment mehr hätten beiden Charakteren gut getan, vor allem könnte dann Mathis' Tod den Zuschauer wesentlich mehr berührt haben. Bill Tanner wird ebenso verschenkt und ist in QOS leider nicht mehr als derjenige der M anruft, sie an die CIA erinnert etc.. In GE hat man das Miteinander von M ("Zahlenhexe") und Tanner in weniger Zeit wesentlich schöner ausgearbeitet.
Bei den Nebencharakteren verschenkt QOS für mich vieles, was einen grandiosen Bondfilm ausmacht.
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1. November 2009 20:27

@ danny
Aber genau das finde ich falsch anderen Filmen vorzuhalten ob sie nun danach oder davor kommen/kamen. Was CR übrig gelassen hatte (Vesper-Rache, Vertrauen), hat QOS zum Abschluss gebracht.
In einem sind wir uns aber einig. CR hat einfach eine grandiose Story und sehr gutes Drehbuch. :wink:

@MX
Ich fange an dich nachvollziehen zu können. Zumindest solange ich den Film nicht wieder gesehen habe :D
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