Re: Zuletzt gesehener Film

#9212
vodkamartini hat geschrieben:
31. Januar 2019 14:53
Warum so verschwurbelt anatol? Man kann auch bei diesem Thema ruhig sagen, dass der Film Mist war.
Das hat in diesem Fall aber weniger mit dem Thema als mit der Machart des Films zu tun. Ich tue mich immer schwer damit etwas zu kritisieren, was ganz offensichtlich genau so gewollt war. Bei mir hat der Ansatz halt überhaupt nicht gezogen.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9213
Schon klar, aber dann war der Film für dich eben schlecht (weil langweilig, ohen Zugang etc.). Hab ihn nicht gesehen, fühle mich aber in deinen Ausführungen in den Befürchtungen bestätigt, die der Trailer bereits suggerierte.
Übrigens finde ich gar nicht, dass etwas wenn es genau so gewollt war schwer zu kritisieren ist. Nur, weil es so gewollt war, muss es noch lange nicht gut sein. Ne, da kann man genauso sagen: das war Mist.
Zuletzt geändert von vodkamartini am 31. Januar 2019 18:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9214
Ich habe Lanthimos' The Favourite und Van Groeningens Beautiful Boy gesehen. Favourite ist mal wieder eine spassige Kreuzung aus messerscharfem Psychodrama und schwarzhumorigen Absurditäten, insgesamt vielleicht etwas zahmer als der kranke Killing of a Sacred Deer, aber das wird eigentlich wieder ausgeglichen durch das historische Setting. Stark gespielt von den drei Leads Colman, Weisz und Stone, und die ungewöhnliche Kameraarbeit mit unterschiedlich weitwinkligen Aufnahmen harmoniert auf ihre eigensinnige Weise perfekt mit der prunkvollen Ausstattung. Unterhaltsames und Lanthimos-typisch eigenwilliges Royalty-Theater, aber am Ende vielleicht etwas zu lang.

Beautiful Boy ist ein biografisches Vater-Sohn-Drogensuchts-Drama, etwas unglücklich strukturiert im Einsatz von Rückblenden, und äusserst wechselhaft in seiner Bildsprache, von Bildausschnitten die in ihrer Schönheit an Terrence Malick grenzen bis hin zu "was macht der denn da und wieso filmt der das so?" ist eigentlich alles vorhanden. Aber die Geschichte wird durchaus einnehmend und ungeschönt emotional erzählt und Carell sowie vor allem der junge Chalamet sind mal wieder sehr stark. 7 Punkte für beide Filme.
We'll always have Marburg

Re: Zuletzt gesehener Film

#9216
vodkamartini hat geschrieben:
31. Januar 2019 16:21
Übrigens finde ich gar nicht, dass etwas wenn es genau so gewollt war schwer zu kritisieren ist. Nur, weil es so gewollt war, muss es noch lange nicht gut sein. Ne, da kann man genauso sagen: das war Mist.
Ich weiss nicht, ich mach da schon einen gewissen Unterschied. Klar, das Resultat ist letztlich das gleiche: mir persönlich gefällt es nicht. Aber davon ab ist schon ein bisschen was anderes, ob mir ein wie geplant durchgezogenes Konzept nicht taugt oder ob ich zB einem Thriller vorwerfe, dass er nicht spannend ist. Bei letzerem kritisiere ich ein handwerkliches Scheitern, bei ersterem (wie zB dem "Allegorie-Wahn" im Hauptmann") ein so gewolltes Konzept. Der Unterschied mag akademisch sein, aber im Zweifel gibt es dann von mir eben doch ein extra-Sternchen für ein ambitioniertes Konzept - ungeachtet ob es mir gefällt oder nicht. Wobei: "retten" in irgendeiner Form wird das einen Film in meiner Kritik auch nicht (ich glaube niemand geht nach dem Lesen meiner Hauptmann-Abhandlung mit dem Gefühl aus dem Forum:"eigentlich mag er den Film ja dann doch ganz gern" :mrgreen: ).
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9217
Ja, das ist dann wirklich rein akademisch. Das habe ich mir abgewöhnt. Ob die Macher aus Dummheit, oder intellektueller Verschränktheit ihr Publikum nicht erreichen, ist im Endergebnis Jacke wie Hose. Ein Film muss irgendwie Zugang finden (denn er ist für ein konsumierendes Publikum gemacht), sei es emotional (spannend, berührend, lustig), oder intellektuell (bringt zum Nachdenken und wirkt lange nach), wobei ich generell die erste Variante bevorzuge.
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9219
iHaveCNit: Green Book (2019)
31.01.2019


Eine schöne Ausbeute gab es schon für „Green Book“ - 3 Golden Globes und 5 Oscarnominierungen mit guten Chancen, den ein oder anderen davon zu holen. Gerade in Anbetracht einiger Vorschusslorbeeren und auch diesem Erfolg war es klar, dass ich mir „Green Book“ auch im Kino ansehen werden. Und „Green Book“ konnte mich durchgehend so gut unterhalten und die Stimmung war auch blendend, so dass der Film bis jetzt der beste ist, den ich dieses Jahr sehen konnte.

Der Italo-Amerikaner Tony „Lip“ Vallelonga arbeitet als Türsteher in einem Nachtclub und schlägt sich mit Gelegenheitsjob rum, um seine Familie zu ernähren. In einer auftragsfreien Zeit kommt für den einfach gestrickten Mann aus der Arbeiterklasse ein interessantes Job-Angebot. Er soll den hoch angesehenen und virtousen Pianisten und Afroamerikaner Dr. Don Shirley auf einer Tour durch die Südstaaten als Fahrer begleiten. Der Trip wird für beide nicht einfach, denn wir befinden uns im Amerika des Jahres 1962 und Rassentrennung ist immer noch allgegenwärtig. Doch ein kleines grünes Buch ist in diesen Zeiten eine große Hilfe. Während des Trips entfaltet sich zwischen den beiden ungleichen Männern eine ganz spezielle Beziehung.

Das grüne Buch lautet eigentlich „The Negro Motorist Green Book“ und ist ein Reiseführer, der von den 30ern bis in die 60er hinein ein wichtiger Begleiter für Afroamerikaner war, um der Scham zu entgehen, Hotels, Restaurants und andere Etablissements aufzusuchen, die nur den Weißen vorbehalten waren. Diese harte Rassentrennung wird hier im Film sehr stark dargestellt, wenn z.B. Don Shirley in gewissen Etablissements einen Auftritt absolviert, aber dann dort nicht die richtige Toilette benutzen oder auch nicht in einem Restaurant dinieren darf. Solche Momente gibt es im Film immer wieder und er gibt sich auch nicht die Mühe, uns das subtil zu zeigen, sondern driftet dabei gerne mal ins Plakative ab. Das passt aber im Kontext zum gesamten Film. Zum Glück wurde im Jahre 1964 der Civil Rights Act von der Johnson-Administration veröffentlicht, der das Problem der Rassentrennung per Gesetz aufgehoben hat, auch wenn es bedingt durch Vorurteile natürlich heutzutage immer noch aktuell ist. Neben diesem Thema ist aber auch klar das Doppelpack aus Viggo Mortensen und Mahershala Ali die absolute Stärke des Films. Beide spielen ihre Charaktere wunderbar und die Chemie passt einfach richtig gut. Gerade der Kontrast des aus einfachen Verhältnissen stammenden Tony „Lip“ Vallelonga und des sehr eloquenten Dr. Don Shirley. Wobei es natürlich wie bei jedem Film auch die Frage ist, aus welcher Sicht sie erzählt wird. Der älteste Sohn von Tony hat die Geschichte geschrieben und dort ist ein Tony vielleicht etwas zu weichgespült und die Freundschaft etwas zu hochstilisiert worden. Das tut für mich jedoch keinen Abbruch. Auch wenn die Dialoge stellenweise etwas tragisch und dramatisch sind, so überwiegt der herrliche Humor des Films, der einen mit einem sehr tollen Gefühl aus dem Film verabschiedet. Gerade vor allem dieses sehr gefühlsbetonte Kino hat mich super unterhalten, emotional ergriffen und dazu gepaart mit einer wunderbaren Stimmung im Kinosaal den schönsten Kinobesuch in diesem Jahr beschert.

„Green Book“ - My First Look – 10/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
Spoiler
Show
Filmzähler Sammlung iHaveCNit/HCN007:
Stand: 22.12.2018

Spezielle Interessen: 42 DVDS (Musik, Wrestling, sonstiges)
Serienboxen (8 BD / 69 DVD)
DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Zuletzt gesehener Film

#9221
iHaveCNit: Plötzlich Familie (2019)
02.02.2019


Jolie, Cosmopolitan, Petra – diese Namen bekannter Printmedien für Frauen- und Lifestyle-Themen sind mir während dem Schauen des Trailers im Trailer entgegen gesprungen. Da war ich erst kritisch, ob die dort getroffenen Aussagen wirkliche Aussagekraft haben, aber ich habe mich ohnehin für den Film interessiert, so dass ich nun ins Kino gegangen bin. Der Film mit Mark Wahlberg und Rose Byrne basiert auf persönlichen Erfahrungen des Regisseurs Sean Anders und thematisiert Adoption auf sehr schöne ausdifferenzierte Art.

Peter und Eleonore Wagner sind ein Ehepaar, die gemeinsam mit der Restaurierung von Häusern beschäftigt sind. Während im Bekannten- und Familienkreis mittlerweile jeder Kinder hat, ist die Ehe von Peter und Ellie kinderlos geblieben. Doch eines Tages entscheiden sich beide an einem Adoptionsprogramm teilzunehmen und lernen dabei die junge Teenagerin Lizzy und ihre beiden Geschwister Juan und Lita kennen und entschließen sich, die 3 Kinder bei sich aufzunehmen. Als die Kinder bei ihnen einziehen und der Alltag beginnt, stellen beide fest, dass es doch nicht so einfach ist, wie sie gedacht haben und es tun sich diverse Konflikte auf.

„Plötzlich Familie“ ist eine tolle Mischung aus Drama und Kömodie. Für den ein oder anderen kann eine solche Mischung ein zweischneidiges Schwert sein. Für den einen ist das ausgewogen – für den anderen kann sich der Film nicht für eine Richtung entscheiden. Für mich ist der Film auf jeden Fall ausgewogen. Und sehr unterhaltsam und emotional. Schön, dass der Film auf persönlichen Erfahrungen des Regisseurs basiert und somit der Film sehr authentisch und ausdifferenziert rüber kommt. Es ist keine klassische Slapstick-Komödie, auch wenn es manchmal zu sehr hektischen, überdrehten und tollpatschigen Situationen kommt, die danach anmuten könnten. Der Film ist sehr leicht- und warmherzig – ein richtiger Wohlfühlfilm für die ganze Familie – und die Ereignisse des Films sind dann auch mal nicht unbedingt vorhersehbar und treffen einen dann auch mal sehr emotional. Mir hat vor allem die Chemie zwischen denen wie immer aufspielenden Mark Wahlberg und Rose Byrne gefallen und auch Isabela Moner, die hier die jugendliche, sich gerade in der Pubertät befindliche Lizzy spielt, liefert mit ihrer Figur eine richtig tolle Performance. Gerade ihr Charakter liefert eben einen noch weiteren interessanten Blick auf das Thema.

„Plötzlich Familie“ - My First Look – 8/10 Punkte.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
Spoiler
Show
Filmzähler Sammlung iHaveCNit/HCN007:
Stand: 22.12.2018

Spezielle Interessen: 42 DVDS (Musik, Wrestling, sonstiges)
Serienboxen (8 BD / 69 DVD)
DVD: 782 Filme
BD: 498 Filme
Gesamt-Filme: 1280 Filme

Re: Zuletzt gesehener Film

#9222
Split, M. Night Shyamalan, 2017

Ich werde mich mal wieder an einer kleinen Rezension versuchen und da ich gestern Abend "Split" sah, der durch „Glass" gerade erst wieder an Bedeutung gewonnen hat, denke ich das das mal ein passender Anlass dafür ist. „Glass" (2019) habe ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesehen, genauso auch nicht „Unbreakable" (2000). Ich denke beide Filme werde ich in Zukunft noch sichten.

Nun aber zum Film: In den letzten Monaten und Jahren habe ich vor allem das Horror- und Psychogenre etwas für mich erschlossen, sowohl über alte Klassiker wie „The Shining" (1980), aber auch durch moderne Filme wie „Get Out“ (2017). Horror bietet immer wieder innovative und vor allem intellektuelle und cineastische Möglichkeiten, die meiner Meinung nach z. B. das Genre der Actionfilme nur stark eingeschränkt in Anspruch nehmen kann. Und mit einer dementsprechenden Erwartung ging ich an „Split“ heran, regulierte diese aber, das der Film von Shyamalan kommt (Stichwort „Die Legende von Aang, die Serie hab ich als Kind geliebt, sein Film war… naja…).

Aber größtenteils konnte der Film meine Erwartungen einholen, McAvoy spielt grandios, auch sonst der Cast weiß was er tut. Das Set, vor allem die Behausung von, nennen wir ihn zur Vereinfachung mal Kevin, war mir etwas zu stereotypisch gehalten, und drängt dadurch die Thematik in den Untergrund und verkapselt sie außerhalb unserer Welt. So war diese Setwahl nicht grottenschlecht, aber vielleicht etwas zu einfach und zu klischeehaft.
Die Dialoge sind mal durchschnittlich gehalten, manche Szenen stechen aber vor allem durch sie heraus. Hier schafft Shyamalan seine Botschaft und die Atmosphäre des Films zu transportieren, was vor allem in den letzten Szenen des Films deutlich klarer gelingt.
Immer wieder versucht der Film kafkaeske Ideen anzureißen. Ob das gelungen ist ist denke ich Geschmackssache, ich fand es gut.
Am Ende des Films kam ich, trotz teilweise etwas plumper Erzählweise und Stereotypisierung, zu der Meinung einen guten Horrorfilm gesehen zu haben, der über die reine Unterhaltung versuchte hinauszukommen und Botschaft und gesellschaftliche Problematik (eine Gesellschaft der Verschlossenen Gefühle und das Risiko dahinter) versuchte mit einzubinden. Und Shyamalan dachte sich: „Hold my Script“. Denn all das was man bis hierhin gesehen hatte, sollte in einem einzelnen Satz gebündelt werden, auf ihn zulaufen und einen sehr verblüffenden Twist verursachen. Wer wissen will, was für ein Twist das ist sollte sich „Split“ anschauen, empfehlenswert ist er auf jeden Fall.


Ich habe lange keine Rezension mehr geschrieben, deshalb würde ich mich sehr über Feedback freuen. Ich habe auch in diesem Fall bewusst eher kürzer geschrieben, da ich mich da erst einmal wieder rein finden muss.
Außerdem würde ich gerne wissen, wie ihr den Film fandet, falls ihr ihn schon gesehen habt.

Schönen Sonntag euch noch :)
Zuletzt geändert von Niklas am 4. Februar 2019 18:02, insgesamt 1-mal geändert.
Euer Niklas :)

Re: Zuletzt gesehener Film

#9223
Hey Niklas! Echt super, dass du wieder zurück bist! Habe Split noch nicht gesehen, aber grade deine Rezension gelesen und muss dir mal ein Kompliment aussprechen, sehr schön geschrieben! Scheint, als hättest du in der forenlosen Zeit kräftig geübt, ich fand‘s sehr viel besser zu lesen als deine früheren Kritiken. (Die ja aber natürlich auch nicht schlecht waren.) Ich müsste eigentlich auch mal wieder was längeres zu einem Film schreiben, ist schon ewig her...
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Re: Zuletzt gesehener Film

#9225
Nico hat geschrieben:
4. Februar 2019 00:46
Hey Niklas! Echt super, dass du wieder zurück bist! Habe Split noch nicht gesehen, aber grade deine Rezension gelesen und muss dir mal ein Kompliment aussprechen, sehr schön geschrieben! Scheint, als hättest du in der forenlosen Zeit kräftig geübt, ich fand‘s sehr viel besser zu lesen als deine früheren Kritiken. (Die ja aber natürlich auch nicht schlecht waren.) Ich müsste eigentlich auch mal wieder was längeres zu einem Film schreiben, ist schon ewig her...
Erstmal danke für dein Feedback :)
Ich muss auch gestehen, dass ich in der forenlosen Zeit mich trotzdem viel mit Filmen auseinandergesetzt habe und ich habe sehr viele Filme nachgeholt, bzw. bin nach wie vor am Nachholen alter Klassiker, alt oft in Anführungsstrichen. Man merkt einfach, dass man dann mit der Zeit ein ganz anderes Verständnis für Filme bekommt und noch mal ganz anders mit der Leidenschaft umgehen kann.
Ich denke mein Plan für die Zukunft ist folgender: Ich werde jetzt versuchen hier möglichst einmal die Woche eine Kritik hochzuladen, mit der Zeit dann vielleicht auch wieder längere. Und wenn ich dann merke, "jetzt bin ich auf dem Level was ich mir als Ziel gesetzt habe", werde ich mal schauen das ich mich an die Königsdisziplin der Bondrezensionen ran wage und vielleicht dann mal nach und nach meine alten Kritiken durch aktuelle ersetze.
Also wundert euch nicht, wenn ich jetzt hier immer mal wieder Rezensionen hochlade, mir hat es Spaß gemacht endlich mal wieder über einen Film zu schreiben :)
Euer Niklas :)