Die Filme des Quentin Tarantino

Für die Filmkenner: In unserem Cinema könnt ihr über den neuesten Blockbuster im Kino, alten Klassikern, neuen Kultfilmen bis hin zu euren Lieblingsserien uvm. diskutieren! Alles aus der TV/Kinowelt, das nicht ins Bondforum passt, bitte hier herein!

Welcher ist der beste Film von Tarantino?

Reservoir Dogs
2
7%
Pulp Fiction
8
28%
Jackie Brown
2
7%
Kill Bill: Volume 1
2
7%
Kill Bill: Volume 2
0
Keine Stimmen
Death Proof: Todsicher
0
Keine Stimmen
Inglourious Basterds
6
21%
Django Unchained
6
21%
The Hateful Eight
3
10%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 29
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HCN007
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20. August 2019 23:01

Ich fand das "Gemetzel" am Ende auch richtig komisch und im reichlich gefüllten Kinosaal ging da auch ordentlich die Post ab, genauso wie bei nahezu allen Szenen, in denen sowohl Brad Pitt als auch Leonardo DiCaprio total freigedreht haben. Dass man hier auch noch einen Bogen zu einer Filmproduktion von Rick Dalton geschlagen hat, hat diese komische Situation beim "Gemetzel" auf die Spitze getrieben.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "
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Filmzähler Sammlung iHaveCNit/HCN007:
Stand: 22.12.2018

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DukeDuck
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21. August 2019 20:59

also ich war eher enttäuscht.
OUATIH größter Mangel ist, er besteht eigentlich aus zwei Filmen, die (fast) nichts miteinander zu tun haben.
Im ersten und das ist der größte Teil, Rick Dalton, ein C-Star Hollywoods Ende der 1960iger Jahre kämpft gegen seinen Abstieg und sein Stunt Double Cliff hängt halt mit ihm so ab und hat so seine eigene Probleme. Aber nach einer halben Stunde weiss man, was einem die nächsten 1 1/2 Stunden erwartet. Man hätte diese Colage des B-Movie Hollywoods anno 1969 bei einer halben Stunde belassen können. Stattdessen wurde gedehnt, wo es nur ging, was aber dann mit dem weitern Verlauf der Handlung null Effekt hat (z.B. Ricks Dialog mit dem Teenie Star , Sharon Tates Kinobesuch, Cliffs Philosophiererei mit Bruce Lee etc.).
Zum zweiten: man kann es Quentin zugestehen, den Lauf der Geschichte im Finale umgeschrieben zu haben. Das fällt unter künstlerische Freiheit; dennoch, er mußte halt noch was finden, wo er seine Gore and Splatter Sequenzen einbauen hat können, ansonsten wäre es kein QT! Das Finale war derartig vorherzusehen und man merkt es ihm an, dass er sich hier von alten Romero Horror-Filmen inspirieren hat lassen. Sich von Billigfilmen inspirieren zu lassen, dazu bekennt er sich offen.
Positiv zu vermerken ist, dass Di Caprio sich endgültig von seinem Milchbubi Image befreien konnte.
Auch Mike Moh, der Bruce Lee spielte, war exzellent!
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ToshTogo
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22. August 2019 10:35

Ich hatte wahnsinnig großen Spaß an diesem wahnsinnig abgedrehten Film. Pitt und DiCaprio spielen fantastisch. Optik und Soundtrack sind ein Traum. Das wirre Hin- und Herspringen zwischen den Genres finde ich fantastisch.
Speziell das horrorfilmartig aufgebaute Szenario auf der Hippie-Ranch, das im Gespräch mit Spahn wieder komplett in sich zusammenfällt hat mir einen Riesenspaß gemacht.
Der teils etwas zusammenhanglose Plot stört mich wenig, vielmehr finde ich, dass er den wirren Grundtenor des Filmes unterstützt und den Zuseher im ständigen Ungewissen lässt, was als nächstes passieren könnte - Das blutige Finale lasse ich da mal außen vor, dieses war natürlich nicht unvorhersehbar, dafür aber toll inszeniert und hat für große Heiterkeit im Kinosaal gesorgt. :D
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dernamenlose
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8. September 2019 14:06

Once upon a time in Hollywood

Für viele war Quentin Tarantinos achter Film „The Hateful Eight“zu lang und zu zäh, gleichzeitig wurde aber auch immer wieder die Kritik laut, dass ihm irgendetwas von Tarantinos Stil fehlen würde. Auch wenn ich keine der beiden Kritikpunkte Teile und „The Hateful Eight“ in meinen Augen sein bester Film ist, kann ich die Kritik verstehen. Mit seinem neuen Film „Once upon a time in Hollywood“ werden die Zuschauer, die noch deutlicher Tarantinos Handschrift sehen wollen, dann deutlich besser zufrieden gestellt werden. Der Regisseur bezeichnete seinen neunten Film als den, der Pulp Fiction am nächsten kommt und tatsächlich fängt er ebenso wie dieser, mit relativ lose miteinander verknüpften Szenen und Handlungssträngen, das Feeling von Los Angeles ein. Der Unterschied ist nur, dass es dieses Mal nicht um ein bestimmtes Milieu (Gangster) geht, sondern um eine bestimmte Zeit (1969). Sei es der Wandel in der Traumfabrik Hollywood, oder die aufkommende Hippiegesellschaft, beides wird stark thematisiert und komplett in den Vordergrund gerückt. Eine wirkliche Handlung darf man dabei nicht erwarten. Einige Szenen, oder ganze Handlungsstränge sind komplett irrelevant und einfach nur drin um den Film mit realen Gegebenheiten des Jahres 1969 zu verknüpfen.
Generell gibt es vor allem im ersten Filmdrittel einige Längen und einen roten Faden sucht man vergebens. Zwar wird es aufgrund der wieder mal genial geschriebenen Dialoge und der Schauspielerischen Leistung (diCaprio und Pitt haben beide eine Oscarnominierung verdient und auch Margot Robbie weiß zu überzeugen) nie wirklich langweilig, aber man fragt sich schon das ein oder andere Mal ob der Film überhaupt auf ein Ziel zusteuert.
Eine weitere Sichtung wird beantworten müssen ob der Anfang wirklich so lang hätte sein müssen, aber eines kann ich auch nach der ersten Sichtung mit Sicherheit sagen. Die anfänglichen Längen sind es definitiv wert überwunden zu werden, das Finale entschädigt für alles. Dort spielt Tarantino endgültig alle seine Stärken aus und entfacht ein gigantisches, vollkommen absurdes Feuerwerk der Filmkunst wie es wohl kein zweiter kann.
Diesen Film muss man im Kino gesehen haben, auch wenn er keinen Effektbombast zu bieten hat, die Stimmung eines vollen Kinosaales lässt sich zu Hause einfach nicht wieder herstellen. Ich saß noch nie in einem Film mit mehr kollektiven Lachern wie in „Once upon a time in Hollywood“. Es ist nicht Tarantinos bester Film, aber definitiv den Kinobesuch wert.

8,5/10
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Casino Hille
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8. September 2019 15:05

Interessant. Die ersten zwei Drittel finde ich prima, erst nach dem Italienaufenthalt von DiCaprio wird OUATIH für mich platt, vorhersehbar und leider auch effekthaschend. QTs schwächste, aber dennoch kein schlechter Film.
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vodkamartini
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8. September 2019 16:07

Ich hab ihn jetzt zwei Mal gesehen und fand ihn noch besser. Langeweile keine Sekunde. Das Ende wie bereits diskutiert ist konsequent, passend, komisch und hat mir viel besser gefallen als jenes von Hateful 8 (wie auch der gesamte Film). Kann verstehen, wenn man sich langweilt, aber dieses sehr persönliche 60s Märchen mit all den Anspielungen auf TV-Western und Kinostars und Hollywood hat bei mir voll funktioniert. Toller Film, der mich emotional so abgeholt hat wie kein QT seit Jackie Brown.
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Agent 009
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8. September 2019 16:51

Ich verpasse ihn wohl im Kino. Seit Death Proof nichts mehr von Quentin im Kino gesehen. Ärgerlich..
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Invincible1958
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8. September 2019 17:04

Agent 009 hat geschrieben:
8. September 2019 16:51
Ich verpasse ihn wohl im Kino. Seit Death Proof nichts mehr von Quentin im Kino gesehen. Ärgerlich..
Der wird noch einige Wochen im Kino laufen.
Da wird sich bestimmt ein Tag finden, an dem du Zeit hast.
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dernamenlose
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9. September 2019 19:22

Casino Hille hat geschrieben:
8. September 2019 15:05
Interessant. Die ersten zwei Drittel finde ich prima, erst nach dem Italienaufenthalt von DiCaprio wird OUATIH für mich platt, vorhersehbar und leider auch effekthaschend. QTs schwächste, aber dennoch kein schlechter Film.
Sicher war das in gewisser weise effekthaschend, aber ist das nicht ohnehin jede Stelle in einem Film, bei der ein Drehbuchschreiber/Regisseur etwas bestimmtes erzeugen will? Von der Wortbedeutung her ist eigentlich per se jeder Gag in einem Film effekthaschend, oder nicht?
Wie das Finale im Großen und Ganzen aussehen würde habe ich mir auch im Vorfeld bereits gedacht, wie sich das ganze aber dann im einzelnen gestaltete war für mich wiederum null vorhersehbar.
Was das erste Drittel angeht: Es kann durchaus sein, dass sich das noch entwickelt bei weiteren Sichtungen. "The Hateful Eight" erschien mir anfangs auch im ersten Drittel als zäh und zu langsam, inzwischen möchte ich keine einzige Sekunde mehr davon missen.

Um eine ältere Diskussion nochmal aufzugreifen:
vodkamartini hat geschrieben:
20. August 2019 18:39
Ging mir genauso, das Ende war irgendwie lustig, mindestens komisch, hat sich gerade nicht wie die vermeintlich typische Tarantino Schlachtplatte angefühlt. Das ging mir dafür bei H8 so, wo ich das ganze zu lang und zu sehr sich in der Gewalt suhlend empfand.
Was soll denn eigentlich die typische Tarantino-Schlachtplatte sein? Es reicht doch sich mal nur die drei letzten Tarantinostreifen anzuschauen und man bekommt dreimal eine völlig andere Darstellung der Gewalt. Überästhetisiert in "Django-Unchained", eklig-grausam in "The Hateful Eight" und grotesk, witzig überzogen in "Once upon a time in Hollywood". Für mich gibt es nicht die typische Trantino-Schlachtplatte, weil er sie in jedem Film ganz anders inszeniert und zu anderen Zwecken benutzt.
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vodkamartini
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9. September 2019 19:32

Die gibt es definitiv. Seine Filme enden sehr often in sehr blutigen, sehr drastischen Finals, die bewusst auf Schock setzen bzw. die Grenzen des für den Mainstream erträglichen ausloten. Seine Vorlieben für Trash und Exploitation sind besonders da unverkennbar. Manchmal gelingt das grandios, manchmal wirkt es zu gewollt und übertrieben. Mir ging es v.a. bei den beiden Western so, dass ich das ungute Gefühl hatte hier berauscht sich einer etwas zu sehr an seinen Gewaltphantasien. Das sei ihm unbenommen und ich bin ja bestimmt der letzte, der explizite Gewaltdarstellungen per se abstoßend finden würde. Bei mir haben die jeweiligen Enden von DU und v.a. H8 aber eben nicht sonderlich gut funktioniert. In seinem neuesten Werk dafür auf den Punkt. Das hat in jeder Hinsicht gepasst, Ton, Pacing, Humor, Länge und im Gesamtkontext.
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Casino Hille
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10. September 2019 17:48

Nein, da muss ich noname völlig zustimmen, der hat das sehr intelligent beobachtet. QT setzt zwar eigentlich immer auf drastische und sicher auch schockierende Gewaltdarstellungen, aber trotzdem enden seine letzten drei Filme immer mit einer sehr anderen Art von filmischer Gewalt, die jeweils einen ganz anderen Zweck hat, eine andere Wirkung erzielt und auch anders in Szene gesetzt wird. QTs Gewalt über seine Trash- und Exploitationvorlieben zu betrachten ist zu kurz gedacht, das trifft nicht mal in Death Proof zu, der am offensichtlichsten auf dieses Kino abzielt, aber einen viel tieferen Unterbau hat und deutlich substanzieller daherkommt, als ihm gerne zugestanden wird (klassischer Fall von einem weiten Missverständnis seitens des Publikums). Die sehr kathartische Gewalt in Django Unchained, die übrigens ausschließlich dann auf die visuellen Mittel des Splatter-Kinos zurückgreift, wenn Weiße verletzt oder getötet werden, während Gewalt gegenüber den dunkelhäutigen Sklaven naturalistisch und dezent bebildert ist, ist jedenfalls kaum vergleichbar mit den grotesken Ekelszenen in The Hateful Eight, die (weil gegen alle gleichermaßen gezeigt) auch kaum kathartisch oder ironisiert gemeint sein kann. Und Once Upon A Time In Hollywood ist wenn man so will eine Mischung aus beiden, setzt größtenteils auf den komödiantischen Effekt und ist als wuchtiges Unterschreiben des hier alternativen Geschichtsverlaufs zu verstehen.

Zur Frage nach dem Begriff "effekthaschend": Der Term ist für mich eindeutig negativ besetzt. Natürlich ist alles im Film, was auf eine bestimmte Wirkung abzielt wenn man kleinlich sein will "effekthaschend", gemeint ist mit dem Wort aber eher, dass hier zu offensichtlich der gewünschte Effekt im Mittelpunkt steht, sodass die Szene für sich plump rüberkommt. Und so geht es mir leider bei vielem im dritten Akt des vorher vorzüglichen Films (gut, die doof rassistische Bruce Lee Szene mal außenvor). Der blöde Off-Kommentator, der eine Pseudo-Korrektheit vorgaukelt nervte mich, genauso wie die auf einmal sehr viel plumperen Dialoge und ja, auch das Gewaltende hatte auf mich keine Wirkung. Das eigentliche Ende am Polanski-Tor war dann wieder ganz stark.
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10. September 2019 19:29

Natürlich haben die drei letzten Fime alle eine andere Aussage und die Gewaltdarstellungen stehen jeweils in deren Diensten. Dazu braucht man nun sicher keine überragende Beobachtungsgabe. Nur haben sie für mich weder in DU (viel zu lang, ausufernd und redundant und noch weniger in H8 funktioniert (eine groteske Splatterorgie). Darüber hinaus haben sie aber einen Überbau, an dem man Tarantino imo sofort erkennt.
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22. Oktober 2019 17:26

Pulp Fiction

Pulp Fiction gilt gemeinhin als Quentin Tarantinos bester Film und als vielleicht einflussreichster Film der letzten 30 Jahre. Letzteres mag richtig sein, doch ersterem wage ich zu widersprechen. Tarantino ist hier fraglos ein toller Film gelungen, der legendäre Szenen enthält und immer wieder sein großes Talent sowohl als Drehbuchschreiber, als auch als Regisseur beweist. Dennoch ist er für mich als ganzes nicht so stimmig wie einige seiner anderen Werke. Zwar bin ich froh wenn es Drehbücher gibt, die aus den ausgetretenen Pfaden ausbrechen und einen völlig eigenen Stil entwickeln, dennoch ist es meistens von Vorteil wenn man als Zuschauer merkt, wo der Film hin will, wenn es ein Ziel oder einen roten Faden geht. Der fehlt in Pulp Fiction jedoch. In dieser Hinsicht ist es auch verständlich, dass Tarantino sein neuestes Werk „Once upon a time in Hollywood“ als den Film bezeichnet, der Pulp Fiction am nächsten kommt, er teilt diese Eigenschaft in gewissem Sinne.
Pulp Fiction schafft es mich zwar in vielen Szenen zu begeistern, doch er entwickelt in meinen Augen nie einen solchen Flow wie beispielsweise Kill Bill. Als Gesamtwerk hat er mich erstaunlich kalt gelassen, auch wenn ich beim Schauen immer wieder richtig begeistert war. Denn die einzelnen Szenen sind brilliant geschrieben, auch wenn die ein oder andere vielleicht nicht nötig wäre; die Schauspieler liefern, außer Tarantino himself, allesamt eine tolle Leistung ab und man schaut dem Treiben einfach gerne zu. Hierran merkt man einfach das Genie Tarantinos: Auch wenn er keine erkennbare Geschichte erzählt, er schafft es einfach den Zuschauer zu fesseln, ihn dazu zu bringen, sich für das Geschehen auf der Leinwand/Bildschirm zu interessieren.
Die Musikauswahl ist natürlich erstklassig, dennoch sehe ich auch in diesem Punkt andere seiner Filme vorne.
Pulp Fiction hat mir besser gefallen als bei meiner ersten Sichtung und er ist definitiv in der Orginalfassung stärker als in der deutschen Synchro (Der Tomatenwitz beispielsweise funktioniert im Deutschen ja überhaupt nicht). Dennoch bleibt er in meiner persönlichen Tarantino-Rangliste verhältnismäßig weit unten, er hat da doch mehrfach noch besser abgeliefert.

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29. November 2019 01:08

Death Proof

Quentin Tarantinos fünfter Film ist sicherlich sein streitbarster. Zwar ist er recht kurz, doch durch die schiere Länge der Dialoge, die oftmals nichts zur Handlung beiträgt. Auch nach der nun wiederholten Sichtung erscheinen sie mir nach wie vor zu großen Teilen völlig belanglos. Das macht sie nicht schlecht, es sind immer noch typische Tarantino-Dialoge, die die Figuren lebensnäher machen, als man es in den meisten anderen Hollywoodfilmen findet. Dennoch gefällt es mir besser, wenn die Dialoge auch eine Bedeutung für den Film haben, was hier nicht gegeben ist, weshalb „Death Proof“ immer wieder droht ins langweilige Abzudriften, auch wenn er sich immer wieder rechtzeitig davor bewahrt. Tarantinos Wahl, hier mit Ausnahme von Kurt Russel eher auf unbekannte Schauspieler zurückzugreifen stellt sich in meinen Augen als zweischneidiges Schwert heraus. Zum einen ist es positiv, da zu große Namen den Charakteren hätten schaden oder ein Ungleichgewicht in der Gruppe hätten herstellen können. Negativ bemerkbar macht sich allerdings die Tatsache, dass die meisten Skripte des Kultregisseurs durch große Schauspieler oft nochmal auf ein anderes Level gehoben werden, weil sie aus den Figuren unter seiner Regie außergewöhnliches herauszuholen wissen. Schauspielerisch am beschränktesten ist eindeutig Zoe Bell, was jedoch kein Wunder ist, schließlich ist sie hauptberuflich Stunt-Woman, was man „Death Proof“ in seinen überragend inszenierten Actionszenen in der Schlussviertelstunde auch überdeutlich ansieht. Es ist schon bemerkenswert, wie voiel man aus einer Actionszene herausholen kann, wenn die Hauptdarstellerin Stund-Woman ist.
Die Musikauswahl ist wieder einmal äußerst gelungen, wenn auch nicht ganz so einprägsam und prägnant wie in manch anderem Streifen Tarantinos. Außerdem gefielen mir die den Film auf alt trimmenden Effekte nicht wirklich, auch wenn es eine Hommage an Exploitation-Filme der 70er Jahre sein soll hätte ich das nicht gebraucht, micht stört es zu Beginn eher. Insgesamt ist Death Proof wohl Tarantinos schwächster Film, auch wenn er immer noch ziemlich gut ist. Außer ihm hätte wohl kein anderer eine solche Handlung interessant machen können. Dennoch hat der Film in diesem Punkt ein massives Steigerungspotential sodass am Ende zwar eine gute, aber keine überragende Wertung heruaskommt.

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Samedi
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29. November 2019 01:27

dernamenlose hat geschrieben:
22. Oktober 2019 17:26
Zwar bin ich froh wenn es Drehbücher gibt, die aus den ausgetretenen Pfaden ausbrechen und einen völlig eigenen Stil entwickeln, dennoch ist es meistens von Vorteil wenn man als Zuschauer merkt, wo der Film hin will, wenn es ein Ziel oder einen roten Faden geht. Der fehlt in Pulp Fiction jedoch. In dieser Hinsicht ist es auch verständlich, dass Tarantino sein neuestes Werk „Once upon a time in Hollywood“ als den Film bezeichnet, der Pulp Fiction am nächsten kommt, er teilt diese Eigenschaft in gewissem Sinne.
In OUATIH fehlt mir dieser "rote Faden" durchaus. Bei Pulp Fiction fällt das aber meiner Meinung nach nicht so stark ins Gewicht, weil die Geschichte von Vincent, Jules und Mia für mich schon irgendwie spannender ist als das, was Rick und Cliff treiben. Noch dazu sind die verschiedenen Episoden von Pulp Fiction auch besser miteinander verknüpft.
#SanMonique2020

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