Re: Disney-Thread: Realfilme

#17
Aber ob auch bei uns bleibt unklar:
Im Rahmen einer Investorenkonferenz hat Disney angekündigt, „Mulan“ doch direkt über den hauseigenen Streamingdienst Disney+ veröffentlichen zu wollen: und zwar am 4. September 2020. Vorgesehen ist dies aber vorerst nur für Nordamerika, Australien, Neuseeland sowie einige nicht näher genannte europäische Länder. Allerdings wird der Film nicht etwa direkt für Abonnent*innen verfügbar sein, sondern muss über einen einmalig zu bezahlenden Premium-Zugang geliehen werden. Die Kosten hierfür sollen bei 29,99 US-Dollar in den Vereinigten Staaten liegen.
Quelle: https://www.kino.de/film/mulan-2020/new ... isney-plus
Prejudice always obscures the truth.

Re: Disney-Thread: Realfilme

#20
Casino Hille hat geschrieben:
5. August 2020 08:35
War absolut zu erwarten. Wenn man den Film nicht bis irgendwann 2021/2022 rumliegen lassen will, geht es derzeit nur so.
Es ginge auch anders: siehe Tenet.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Disney mit dieser Strategie am Ende den gleichen Gewinn macht wie bei einem exklusiven Kinofenster UND anschließendem VOD.

Re: Disney-Thread: Realfilme

#22
Casino Hille hat geschrieben:
5. August 2020 09:32
Noch läuft Tenet nicht… :wink:

Klar geht es immer auch anders, aber die Studios werden schon exakt durchkalkuliert haben, was für sie das Klügste ist.
Das Gute ist: Warner und Disney geben sich jetzt als Testkaninchen für zwei unterschiedliche Herangehensweisen her. Und dann wird man sehen, was passiert.

Re: Disney-Thread: Realfilme

#23
Spannend. Es fällt mir immer noch schwer mir vorzustellen, dass ein solches Preisniveau durchsetzbar ist für einen Film. Liegt aber im Wesentlichen daran, dass ich da zu sehr von mir ausgehe, ich wäre nicht bereit für weniger Leistung als im Kino mehr zu bezahlen. Wenn man bedenkt, dass aber viele Leute auch bereit sind ähnliche Preise für exklusive Sportveranstaltungen wie große Boxkämpfe hinzulegen, dann könnte das klappen. Bin dennoch skeptisch, weil ich trotzdem mir nur schwer vorstellen kann, dass ein solcher Premiumpreis allzu oft vom einzelnen Verbraucher gezahlt wird. Für Familien ist sowas natürlich super und lukrativ - und da Disney ja eh bekanntlich auf diese Zielgruppe hinarbeitet wird dann auch wieder ein Schuh daraus. Es entfallen zwar die Einzeleinnahmen eines Kinobesuchs (sagen wir 4-5 Tickets pro Familie) zu (Un-)gunsten eines einmaligen Premiumpreises, dafür kann Disney im Gegensatz zum Kinoeinspiel hier praktisch 100% der Erlöse behalten bei überschaubaren Kosten (halt die umgeleten Fixkosten von Disney+). Spannendes Thema, im Disney-Controlling wäre ich momentan gern mal Mickey-Mäuschen (womit auch die tägliche Kalauer-Bringschuld erbracht ist).
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

Re: Disney-Thread: Realfilme

#24
Hier noch was zu Mulan:
"Mulan" - ein Flop auf ganzer Linie

Eigentlich hätte mit Disneys neuem Actionfilm "Mulan" nichts schiefgehen dürfen in China. Er basiert auf einem alten chinesischen Märchen, er spielt in China, er wurde in der Volksrepublik gedreht und die tapfere Titelheldin Hua Mulan wird von Liu Yifei verkörpert, einer der bekanntesten Schauspielerinnen Chinas.

Noch nie gab es einen Hollywood-Film, der so offensichtlich ausgerichtet ist auf den chinesischen Markt wie Mulan, sagen Filmexperten. Trotzdem erwies sich China für "Mulan" und für Disney im Nachhinein als eine Art Fluch.

Problem eins: Wegen der von China ausgehenden Covid-19-Pandemie wurden Anfang des Jahres weltweit Kinos geschlossen. Die Veröffentlichung der 200-Millionen-US-Dollar-Produktion musste mehrmals verschoben werden. In vielen Ländern konnte "Mulan" zunächst einmal nur als Online-Streaming starten, so auch in Deutschland Anfang des Monats.

Problem zwei: die Hauptdarstellerin. Die gebürtige Chinesin Liu Yifei sorgte zum Höhepunkt der Demokratie-Proteste in Hongkong vergangenes Jahr für Aufsehen. Sie unterstütze die Polizei in der chinesischen Sonderverwaltunsgregion, erklärte Liu online - was auch bedeutete, dass sie die Hongkonger Demokratie-Bewegung nicht unterstützte. In Hongkong und darüber hinaus brach ein Proteststurm los gegen Liu Yifei, erste Boykottaufrufe waren die Folge.

Problem drei: die Drehorte des Films in China, genauer gesagt: die Drehorte im nordwestlichen Landesteil Xinjiang. "Klatscht in die Hände, wenn ihr 'Mulan' boykottiert", singt eine Aktivistin in einem Twitter-Video. Denn Disney kümmere sich nicht um die vielen unschuldigen Uiguren, die in Xinjiang in Konzentrationslagern sitzen.

Videos wie diese werden seit Wochen zigtausendfach geteilt, bei Twitter, Facebook und TikTok. Der Disney-Konzern bedankt sich im Abspann von "Mulan" ausdrücklich bei den chinesischen Behörden in Xinjiang für die Zusammenarbeit - bei denselben Behörden also, die mit dafür verantwortlich sind, dass in der Region Xinjiang nach Angaben der UN rund eine Million Menschen in Internierungslagern sitzen - ohne Anklage, ohne Urteil und nach Medienberichten häufig auch in Verbindung mit Zwangsarbeit.

"Im Abspann des Films bedankt sich Disney bei der Regierung Xinjiangs für die Annehmlichkeiten beim Dreh, das ist doch eine ganz normale Sache," versuchte Chinas Regierungssprecher Zhao Lijian das Thema vergangene Woche herunterzuspielen. Zur Hauptdarstellerin sagte er:

"Und was Schauspielerin Liu Yifei angeht: Sie hat sich in der Vergangenheit positiv zur Polizei in Hongkong geäußert. Ich finde, sie ist eine Art moderne Version der Titelheldin Hua Mulan. Ich möchte sie loben: Liu Yifei ist eine echte Tochter Chinas."

Dass der chinesische Regierungssprecher mit dieser Stellungnahme die Kernvorwürfe gegen "Mulan" und Disney noch mal bestätigte, sorgte international für zusätzlichen Ärger. Inzwischen hat Chinas Staats- und Parteiführung die Medien des Landes angewiesen, nur noch sehr zurückhaltend über "Mulan" zu berichten, offensichtlich um nicht für noch mehr Aufmerksamkeit für den Film zu sorgen.

"Es scheint, dass die chinesische Führung nun mehr oder weniger alles vermeiden will, was mit 'Mulan' zu tun hat," sagte der Hongkonger Filmkritiker Philip Ho der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch finanziell entwickelt sich der Film bisher deutlich schlechter als erwartet: In China, wo "Mulan" eigentlich alle Rekorde brechen sollte, erzielte der Film am Startwochenende nur rund 23 Millionen US-Dollar. Eine "glanzlose" Vorstellung, so das Urteil der Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg.
https://www.tagesschau.de/ausland/china ... n-101.html
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."