Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#541
Klar treffen die Maßnahmen viele Einrichtungen, die vorbildliche Hygienekonzepte haben, das ist gar keine Frage. Aber was soll die Politik sonst machen? Ich denke auch, dass der größte Anteil der Infektionen durch den privaten Bereich (Reisen, Feiern) verursacht wird. Aber da hat die Politik wenig Eingriffsmöglichkeiten. Die Alternative wäre in der Tat eine Ausgangssperre wie in Frankreich, aber das bekommst du hier nicht durchgesetzt.
#Marburg2021

Though this be madness, yet there is method in’t
William Shakespeare, Hamlet

Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#542
Casino Hille hat geschrieben:
29. Oktober 2020 13:23
DonRedhorse hat geschrieben:
29. Oktober 2020 12:54
Die Leute müssen ja auch zu dem sicheren Konzertsaal (oder Kino) kommen und der öffentliche Nah- und Fernverkehr ist bei weitem nicht so sicher.
Die Leute fahren ja aber auch weiter jeden Tag zur Arbeit ins Büro, wo es statistisch auch unsicherer ist als im Konzertsaal oder Kino.
Nicht zu vergessen die Millionen von Schülern, die sich nach wie vor jeden Morgen in die Schulbusse quetschen ohne dass auch nur im Ansatz an Abstand zu denken ist. Das scheint sich auch jetzt nicht geändert zu haben. Eine höhere Anzahl an Bussen um das Abstandsproblem zu vermeiden? Fehlanzeige. Andere Konzepte? Fehlanzeige.
DonRedhorse hat geschrieben:
29. Oktober 2020 12:54
Bei 75 Prozent der Infektionen ist nicht mehr nachvollziehbar, wo die Ansteckung erfolgte.
Das ist richtig, aber es ist nicht davon auszugehen, dass sich die Orte an denen sich Menschen infizieren deshalb plötzlich ändern. Ja, vielleicht saß im Sommer nur in einem von 100 Kinosäälen eine Infizierte Person und jetzt sitzt in jedem fünften eine. Wenn aber davor aufgrund der Hygienemaßnahmen keine Infektionen vorkamen werden sie das auch jetzt nicht. Man erhöht nur die Anzahl an Situationen in denen es NICHT zu einer Übertragung kommt. Mathematisch ausgedrückt: Man multipliziert hier eine 0. Und ob man die mit 10 oder mit 1000 multipliziert ist egal, es kommt am Ende immer eine 0 raus.

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"You only need to hang mean bastards, but mean bastards you need to hang."

Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#544
DonRedhorse hat geschrieben:
29. Oktober 2020 14:42
Aber was soll die Politik sonst machen?
Für die Schäden aufkommen, die durch die coronabedingte Stilllegung entstehen. Überall ist dieser Tage von Verantwortung die Rede – und die sollten Politik und Gesellschaft vielleicht übernehmen, wenn man wissentlich und größtenteils ohne eine wissenschaftliche Rechtfertigung zwei Millionen Menschen in Deutschland die berufliche Perspektive nimmt. Finanzielle Hilfe muss gestellt werden, genauso eine vernünftige Perspektive für die betroffenen Menschen – und dazu hatte man seit März Zeit, passiert ist so gut wie gar nichts. Wenn man die Bundesliga und die Kirchen am Laufen lassen kann, dann ist das schlicht ein brutaler Schlag ins Gesicht für eine gesamte Branche, dessen Rechtfertigung mir schleierhaft ist, weil sie jeder Grundlage und Aussage des RKI massiv widerspricht.
Prejudice always obscures the truth.

Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#545
Die Regierung hat ja angekündigt, der Kultur- und Veranstaltungsbranche und den Gastronomen zu helfen. Hoffen wir mal, dass das unbürokratisch geschieht.

Warum Kirchen nicht geschlossen werden, verstehe ich auch nicht.

Den Sommer hat man verschlafen, man hätte dort viel mehr Veranstaltung und Feste durchführen können.
#Marburg2021

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Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#546
Casino Hille hat geschrieben:
29. Oktober 2020 15:15
DonRedhorse hat geschrieben:
29. Oktober 2020 14:42
Aber was soll die Politik sonst machen?
Für die Schäden aufkommen, die durch die coronabedingte Stilllegung entstehen.
Das ist nur bei den ganzen freischaffenden Künstler*innen gar nicht möglich. Denn wie sollen die auch belegen können, welchen "Schaden" sie haben?

In der Praxis wird es so sein, dass der Staat Mittel zur Verfügung stellt, die von den Betroffenen aber gar nicht abgerufen werden können, weil sie die erforderlichen Kriterien gar nicht erfüllen.

Die einzige Alternative zur Öffnung der Kulturbranche wäre hier ein bedingungsloses Grundeinkommen mindestens bis zum Ende der Pandemie.
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

"Wo man lacht, da lass dich ruhig nieder. Böse Menschen lachen immer wieder."

Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#547
Samedi hat geschrieben:
29. Oktober 2020 15:26
Casino Hille hat geschrieben:
29. Oktober 2020 15:15
DonRedhorse hat geschrieben:
29. Oktober 2020 14:42
Aber was soll die Politik sonst machen?
Für die Schäden aufkommen, die durch die coronabedingte Stilllegung entstehen.
Das ist nur bei den ganzen freischaffenden Künstler*innen gar nicht möglich. Denn wie sollen die auch belegen können, welchen "Schaden" sie haben?

In der Praxis wird es so sein, dass der Staat Mittel zur Verfügung stellt, die von den Betroffenen aber gar nicht abgerufen werden können, weil sie die erforderlichen Kriterien gar nicht erfüllen.

Die einzige Alternative zur Öffnung der Kulturbranche wäre hier ein bedingungsloses Grundeinkommen mindestens bis zum Ende der Pandemie.
Auf die Ankündigung von Olaf Scholz, dass als Entschädigung 75% des Bruttoeinkommenes vom November 2019 gezahlt wird, hat Helge Schneider heute eine passende Antwort veröffentlicht.

Er hat nämlich betont, dass er im November 2019 gar kein Einkommen hatte, und 75% von 0 wäre immer noch 0.
Und alle Selbständigen, die nicht Helge Schneider heißen und keine Millionen haben, die aber auch im November 2019 kein Engagement hatten, fallen jetzt auch durch dieses Raster?

Da hat die Politik wieder nicht weitgenug gedacht.

Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#548
Das bei Gastronomie und Kultur ist ein schlechter Witz in Kombination mit völlig offenen Schulen. Ein Restaurant in dem ich mit 2-3 Familienmitgliedern 90 Minuten am Tisch sitze und der nächste zwei Meter weg steht oder ein Kinosaal, in dem um mich herum alle Sitze frei gelassen werden ist tausendmal sicher als jedes Klassenhzimmer. Ich weiß wovon ich rede, denn ich darf dieses Realexperiment tagtäglich seit Wochen mitmachen.

30 Leute sitzen da fünf Stunden ohne jeglichen Mindestabstand beisammen in zu kleinen Räumen. Von den Beförderung hin und ab mal ganz zu schweigen. Manche lüften alle 20 Minuten für 5 (gegen allseitiges Gestöhne), manche nicht. Bringt ohnehin kaum etwas. In den Pausen gibt es Zonen, aber du kannst natürlich nicht jeden dazu zwingen in die Kälte zu gehen, also sitzen sie wieder eng beieinander auf den Gängen.
Ein Vollzeitlehrer an weiter führenden Schulen läuft am Tag in 6 verschiedene Klassen, hat also damit 180 Kontakte in geschlossen Räumen, ohne Abstand etc. Aber natürlich laut Politik, die im Großraumbüro und mit Luftfilter online-Sitzungen abhält, völlig ungefährlich. Schulen sind kein Treiber, sagen uns ja die Studien (übrigens alle aus dem Lockdown bzw. kurz danach stammend und damit Aussagekraft gleich null).

Komisch nur, dass dauernd Klassen in Quarantäne maschieren, dass die meisten Infektionen im privaten Raum stattfinden und nicht nachvollzogen werden können. Aber von der Schule hat die bestimmt niemand mit gebracht. Sind zwar jeden Tag etwa 20% erkennbar erkältet, aber das ist nur Schnupfern, testen muss man da nicht. Viele Kinder sollen ja auch sehr schwach symptomatisch oder gar symptomlos sein, was das stille weitertragen noch sehr viel wahrscheinlicher macht. Wird dann zwei Wochen später im Haushalt einer krank, denkt natürlich niemand mehr an das für einen Tag leicht indisponierte Kind.

Söder war diese Woche endlich mal ehrlich. Schulen müssen offen bleiben, damit die Eltern arbeiten können. Die Verräumung ist das Oberstre Prinzip. Nur fragt man sich schon, warum bei einem Schüler ab Klasse 5 jemand zu Hause bleiben muss, wenn der tageweise oder wochenweise im Homeschooling ist. Bei normaler Erziehung kann der locker allein zu Hause bleiben (wir reden also nur von der Grundschule, aber diese Unterscheidung wird gar nicht getroffen).

Ich bin sehr skeptisch dass die nun überaus drastischen Maßnahmen wirken, wenn man den größten Massenbetrieb des Landes ohne irgendein Hygienekonzept, das den Namen auch verdient, weiter laufen lässt, als gäbe es das Virus nicht. Am ende sind die Schulen dann für Monate zu, weil es kein Personal mehr gibt, das sich reinstellen kann. Aber da habe ich dann wirklich null Mitleid.
Zuletzt geändert von vodkamartini am 29. Oktober 2020 16:30, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#549
Invincible1958 hat geschrieben:
29. Oktober 2020 16:24
Da hat die Politik wieder nicht weitgenug gedacht.
Oder einfach nicht weiter denken wollen.

Es macht sich doch gut, für die Presse Summe X als Hilfe für die Kulturbranche zu präsentieren. Das steht dann auch groß auf Seite 1 der Zeitung oder als "Breaking News" im Netz. Die Details interessieren dann leider oft keinen mehr.
Böser schwarzer Mann

#SanMonique2020

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Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#551
Systemrelevant aber nur insofern, dass ich mein Geld kriege. :) Und aufgrund exorbitanten Personalmangels (schon seit Jahren). Was den Gesundheitsschutz angeht rangieren wir auf der alleruntersten Stufe, der sogenannte Dienstherr hat eine fest geschriebene Fürsorgepflicht die er fröhlich komplett ignoriert.
Ich habe Freunde in 2-3-Mannbetrieben, die schütteln nur den Kopf über die schulischen "Hygienekonzepte". Die haben bereits im März in wenigen Tagen mehr hingebracht als die werten Kultusministerien in einem halben Jahr. Gut, klar, nicht schwer, denn mehr als nichts ist zu schaffen.
http://www.vodkasreviews.de

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Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#552
vodkamartini hat geschrieben:
29. Oktober 2020 17:10
Systemrelevant aber nur insofern, dass ich mein Geld kriege. :) Und aufgrund exorbitanten Personalmangels (schon seit Jahren). Was den Gesundheitsschutz angeht rangieren wir auf der alleruntersten Stufe, der sogenannte Dienstherr hat eine fest geschriebene Fürsorgepflicht die er fröhlich komplett ignoriert.
Ich habe Freunde in 2-3-Mannbetrieben, die schütteln nur den Kopf über die schulischen "Hygienekonzepte". Die haben bereits im März in wenigen Tagen mehr hingebracht als die werten Kultusministerien in einem halben Jahr. Gut, klar, nicht schwer, denn mehr als nichts ist zu schaffen.

Sorry dass ich das sage aber genau wegen dieser Denkweise geht eben auch in privaten Betrieben sehr schnell sehr viel während in Schulen und Behörden fast gar nichts geht.
Selbst ist der Mann!
Wer hält euch auf andere Wege zu gehen? Macht kleinere Klassen, teilt die heutigen 45min auf zwei mal 30 auf, lasst unwichtige Fächer ruhen, schafft Raumfilteranlagen privat an,... und dann noch schlimmer: was helfen all die Massnahmen wenn die Schüler immer noch zu Hunderten in zu wenig Schulbusse gezwängt werden? Auch da: nicht warten sondern mit den Gemeinden Lösungen finden. Alles machbar

Es gibt Tausend DInge die jeder Betrieb oder jeder Gaststättenbetreiber seit März ruckzuck selbst auf die Beine gestellt hat. Nur in den Schulen sagen manche nach 7 Monate der Pandemie: "Der Dienstherr kümmert sich nicht um uns"

abgesehen davon:
Neuerdings (endlich!) veröffentlicht zB Bild Online eine Übersicht wo sich die Menschen anstecken auf Basis der RKI Daten. Das ist zwar sehr grob und hilft nicht wahnsinnig viel aber es zeigt eigentlich: Alles was man jetzt schließt, hat kaum was zur Pandemie beigetragen. Alles was man jetzt weiter offnen lässt aber sehr wohl. Hinzu wird kommen dass die Schließung der Gastronomie mit Hygienekonzepten noch stärker die Zusammenkünfte in den privaten Bereich verlegen wird wo niemand kontrollieren kann.

Es gebe ein ganz einfaches Konzept welches ich implementiert hätte: Gastronomie ist ausschließlich mit SItzplätzen erlaubt und zwar mit m Abstand zwischen Tischen. Wenn dann eine Corona-Kontrolle einen Betrieb sieht, in dem die Menschen stehen, wird dieser geschlossen. Punkt. Gleiches gilt natürlich im Kulturbetrieb - wo dies aber ohnehin schon erfolgreich implemtiert wurde
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#554
Wenn Schulen nicht einmal die Mittel zur Verfügung haben, die eigenen Toiletten zu sanieren, woher sollen diese dann für private Busfahrten, dutzende Luftreiniger und extra Klassenräume kommen?
Die ganze Schulthematik ist auch ohne Pandemie eine Katastrophe.
Uralte Unterrichtssysteme, Mangel an Geld und chronischer Lehrermangel rächen sich jetzt derbe.

Alle nun vom Shutdown betroffenen Branchen beteuern sie hätten keinerlei Anteil an der Verbreitung. Selbst die Gastronomie.
Heißt also, die Zahlen dürften in den kommenden Wochen nur marginal sinken. Irgendwas sagt mir, das es so nicht kommen wird...

Re: Coronakrise 2020: Diskussionsthread zu Covid-19

#555
SMERSH hat geschrieben:
30. Oktober 2020 11:27
Wenn Schulen nicht einmal die Mittel zur Verfügung haben, die eigenen Toiletten zu sanieren, woher sollen diese dann für private Busfahrten, dutzende Luftreiniger und extra Klassenräume kommen?
...
Uralte Unterrichtssysteme, Mangel an Geld und chronischer Lehrermangel rächen sich jetzt derbe.
....
Liegt eben an der geringen Wertschätzung für Bildung. Das ist ähnlich wie mit der Ernährung in Deutschland.

Wenn die Mehrheit in Deutschland das will und weiterhin die Parteien wählt, die zB die ohnehin reiche Automotive Branche subventioniert oder sich gegen eine Börsensteuer sträubt, statt in Bildung zu investieren, dann muss man das als Wählerwille betrachten.

Auto und Geld kommen halt vor gesunder Nahrung und Bildung 🤷🏻‍♂️.

Freedom of choice.