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von Agent 009
00-Agent
James Bond 007 – Die Welt ist nicht genug (1999), Michael Apted
Bond #19 ist für mich nicht nur der gelungenste Brosnan-Bond, sondern einer der besten und vielseitigsten Beiträge der gesamten Reihe. Mit Michael Apted als Regisseur, einem starken Drehbuch von Robert Wade, Neal Purvis und Bruce Feirstein sowie einem gewohnt wuchtigen Score von David Arnold stimmt hier fast alles. Neben der Rückkehr von Dench, Llewelyn, Salmon und Kitchen im MI6, verstärken Robert Carlyle, Sophie Marceau und Denise Richards den Cast – und prägen den Film entscheidend.
Bond erhält den Auftrag, Milliardärstochter Elektra King zu beschützen, die nach einem Pipeline-Projekt ins Visier des Terroristen Renard geraten ist. Bald wird klar, dass hinter der Bedrohung mehr steckt, als es zunächst scheint – und dass Bond es mit Gegnern zu tun hat, die näher an ihm dran sind, als ihm lieb ist.
Pierce Brosnan liefert hier seine wohl beste Bond-Performance ab: charmant, glaubwürdig, physisch präsent und mit einer emotionalen Tiefe, die er in den Vorgängern so noch nicht gezeigt hat. Er überzeugt in den Actionszenen genauso wie in den stilleren Momenten, besonders im Zusammenspiel mit Sophie Marceau. Sie ist das Herzstück des Films: Elektra King ist zugleich Bondgirl und Hauptantagonistin – verletzlich, erotisch, manipulierend und letztlich brandgefährlich. Eine Frau, die Bond auf emotionaler und psychologischer Ebene trifft, ihn verführt, manipuliert und beinahe besiegt. Damit gehört sie zu den faszinierendsten Figuren der gesamten Reihe.
Auch Robert Carlyle als Renard ist stark, ein Schurke mit besonderer Tragik, dessen körperliche Besonderheit ihn unaufhaltsam, fast übermenschlich erscheinen lässt. Zusammen mit Marceau bildet er ein spannendes Duo, das den Film trägt. Denise Richards als Dr. Christmas Jones mag weniger ikonisch sein, ist aber ein passender Kontrast zu Marceaus verführerischer Elektra. Besonders hervorzuheben ist zudem Judi Dench: Ihre Rolle als M ist hier so präsent und zentral wie nie zuvor, was viele intensive Szenen mit Bond und Elektra ermöglicht. Tragisch und ergreifend ist außerdem Desmond Llewelyns letzter Auftritt als Q, der wie ein stiller Abschied wirkt – seine letzte Szene ist pure Gänsehaut und ein würdiges Ende für eine ikonische Figur.
Die Action ist erstklassig und abwechslungsreich: Von der spektakulären, fast 16-minütigen Pretitle-Sequenz auf der Themse, über Ski-Szenen in Frankreich, Explosionen in Kasachstan bis hin zum packenden Finale im klaustrophobischen Inneren eines U-Boots. Dort verbindet der Film perfekt Spannung, Enge und Dramatik, während Bond gegen Renard und die Zeit kämpft. Neben der Action glänzt der Film durch eine gelungene Balance aus Humor, Spannung und Emotionalität – Oneliner inklusive, ohne dass sie den Ton zerstören.
Auch die technische Seite überzeugt voll: tolle untypische Locations, große Sets, einprägsame Kameraarbeit von Adrian Biddle und ein Score von David Arnold, der perfekt zwischen Dramatik, Abenteuer und Emotionen pendelt. Das Titellied von Garbage fügt sich nahtlos in diese Atmosphäre ein.
Die Welt ist nicht genug ist kein tiefgründiges Charakterdrama, bietet aber mehr Vielschichtigkeit als viele Bonds davor. Es geht um Vertrauen, Manipulation und Verrat – Themen, die ernsthaft, aber nie schwerfällig behandelt werden. Apted verleiht dem Film damit eine besondere Tonalität, die ihn aus der Reihe hervorhebt.
Unterm Strich: ein großartiges Stück Actionkino, getragen von einem stark aufgelegten Brosnan, einer brillanten Sophie Marceau, einem intensiven Robert Carlyle und einer würdigen letzten Szene von Desmond Llewelyn. Kreativ, spannend, witzig und emotional – für mich der beste Brosnan-Bond und einer der stärksten Teile der Reihe.
9/10