Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Casino Hille hat geschrieben: 23. Juni 2025 20:03 Mir hängen diese ganzen beschissenen Musikerfilme so zum Hals heraus. Aber: Like A Complete Unknown war tatsächlich großes und mitreißendes Kino. Und du sagst es ganz richtig: Dafür muss man sich gar nicht groß für Bob Dylan interessieren, weil seine Lebensgeschichte nur der Aufhänger ist, um etwas über die damalige Zeit zu erzählen, um die Anfänge einer Friedensbewegung in Zeiten konstanter Angst vor nuklearer Auslöschung zu beleuchten. Bockstark, eines der Highlights des Jahres.
Hm. Lahm, belanglos, eine Aneinanderreihung gefühlter random Szenen - das fällt mir dazu ein.
Bin relativ enttäuscht. Hatte wirklich etwas tolles erwartet.
#Marburg4ever

Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Die Kritiker hassen ihn, die Zuschauer lieben ihn. Zumindest in diesem Fall ist der Einfluss von Reviews etc. gleich null. Ich verstehe die geäußerte Kritik, aber bei mir hat sie wenig verfangen. Bin aber auch ein Fan.

Im Kino: Michael

Mitreißende und famos ausgestattete Biographie des größten Popstars aller Zeiten, deren inhaltliche Oberflächlichkeiten und schlaglichtartige Anordnung ein wenig zu sehr der Heroisierung frönen. Jaafar Jacksons brillante Darstellung seines berühmten Onkels bildet dazu aber ein kraftvolles Gegengewicht und sichert fast schon im Alleingang das Prädikat „sehenswert“.

Filmische Biographien über berühmte Musiker haben mindestens gefühlt das Superheldengenre als Leinwand-Dauergast abgelöst. Spätestens seit dem unerwarteten Blockbuster BOHEMIAN RHAPSODY ($910 Millionen weltweit), boomt das lange Zeit eher dümpelnde Subgenre. Inzwischen vergeht kaum ein Monat, in dem nicht Leben und Wirken eines Pop- oder Rockstars um die Gunst der Kinozuschauer buhlt. Das ist mal mehr (ELVIS, LIKE A COMPLETE UNKNOWN), mal weniger erfolgreich (SPRINGSTEEN: DELIVER ME FROM NOWWHERE), mal ambitionierter (ROCKETMAN) mal seichter (BACK TO BLACK), in jedem Falle lassen sich aber meist Heerscharen von Fans mobilisieren, sodass zumindest die Produktionskosten als abgedeckt verbucht werden können.

Vor diesem Hintergrund muss man sich fast wundern, dass ein Biopic über Michael Jackson erst anno 2026 erscheint. Der unbestritten größte Popstar der mindestens letzten 5 Dekaden hält eine Vielzahl von Rekorden, von denen vor allem die globalen Verkäufe aller Tonträger (300-400 Millionen) sowie eines einzelnen Albums (70 Millionen Einheiten von THRILLER, 1982) für die Ewigkeit sein dürften. Insbesondere aber hat er sich über den Tod (2009) hinaus eine Fangemeinde erhalten, von denen viele aktuelle Musikstars nur träumen können. Vielleicht waren es die kontroversen Themen seiner späteren Laufbahn (Vorwürfe wegen Kindesmissbrauchs, zahlreiche Schönheitsoperationen, Medikamentenmissbrauch), die potentielle Filmemacher das Risiko scheuen ließen, aber während ersteres juristisch nie bewiesen wurde, gehören letztere fast schon obligatorisch zu zahlreichen Musikerbiographien.

Das dachten sich dann wohl auch die Produzenten der QUEEN-Biographie BOHEMIAN RHAPSODY und engagierten Antoine Fuqua für die Regie. Der vor allem für Actionfilme (u.a. Die EQUALIZER-Trilogie) bekannte Fuqua ist nur auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Wahl, denn nicht nur drehte er in seinen Anfängen zahlreiche Musikvideos für schwarze Superstars (u.a. Prince, Stevie Wonder, Tony Braxton und Coolio), sondern setzt sich auch seit Jahren für die gezielte Förderung schwarzer Künstler ein. ...

https://www.ofdb.de/film/408944,989003,Michael/review/
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http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Als MJ Fan, weiß ich immer noch nicht ob ich das sehen will. Ich fand den Jaafar in den Trailer gar nicht passend, aber das ist wohl auch schwer, wenn das Original so dermaßen bekannt und prägnant ist.

Was ich nicht verstehe ist der immer wieder auftauchende Vorwurf zum Weglassen der Missbrauchsthematik. Die ersten Anschuldigungen sind doch von 1993, als zig Jahre nachdem der Film endet. Oder?
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Ja, dieser Vorwurf ist schlichtweg Quatsch. Da wollte man einfach dieses Thema drin haben. Wird interessant für einen zweiten Teil, zumal ja bis heute rein gar nichts bewiesen ist. Wird spannend, wie sie das Thema angehen.
Ansonsten kann ich nur sagen: ja, das ist eine Heldenverehrung und ja, das kann einen stören. Auf de® anderen Seite steht ein fantastischer Jaafar Jackson, das passt wunderbar.
http://www.vodkasreviews.de


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Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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danielcc hat geschrieben: Gestern 18:30 Was ich nicht verstehe ist der immer wieder auftauchende Vorwurf zum Weglassen der Missbrauchsthematik. Die ersten Anschuldigungen sind doch von 1993, als zig Jahre nachdem der Film endet. Oder?
Das stimmt.

Ich freue mich in ein paar Jahren auf ein O. J. Simpson Biopic, das 1985 endet, als er Heisman-Trophy-Gewinner wird.
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Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Ich beschäftige mich seit über 30 Jahren mit Jackson und auch intensiv mit sowohl seinem Charakter als auch mit denen der Leute, die ihn beschuldigt haben.

Der 1993er-Fall ist ein Hoax, und Evan Chandler war das klar. Wenn man sich genau mit ihm auseinandersetzt, dann kann man kaum zu einem anderen Schluss kommen, als dass Jackson Opfer einer Erpressung wurde. Das ist sicher auch Grund, weshalb Chandler sich hat unterschrieben lassen, dass weder er, noch sein Sohn etc. je in dramatisierter Weise in Film, Theater etc. dargestellt werden dürfen.
Diese Vereinbarung hat ja auch dazu geführt, dass das bereits für den Film gedrehte Material in die Tonne gekloppt werden musste.

Es ist also nicht so als wollte man 1993 im Film nicht darstellen. Man durfte nicht.

Für den zweiten Film muss man da also herumschiffen. Den Prozess 2005 darf man aber darstellen, da kann die Arvizo-Familie nicht gegen vorgehen.
Und Janet Arvizo ist mindestens genauso schlimm wie Evan Chandler.

Die Hauptfrage ist doch aber:
Glaubt man daran, dass es eine Art Peter-Pan-Syndrom gibt oder nicht.
Wenn ja, kann man nachvollziehen, dass Jackson sich selbst als Kind gesehen hat und mit Kindern gespielt hat, ohne sexuelle Hintergedanken.
Klar gab es da Körperkontakt: man hat sich durchgekitzelt, man hat Wasserballonschlachten veranstaltet, man hat im selben Schlafzimmer und teils auch im selben Bett übernachtet. Aber wie gesagt: Jackson beteuert, dass all das ohne irgendeinen sexuellen Gedanken passiert.
Wie gesagt ist die Frage: Gibt es sowas oder gibt es sowas nicht?

Ich tendiere dazu, dass es sowas gibt. Und vor allem bei Jackson, der nunmal garantiert nicht "normal" war, halte ich es absolut nicht für abwegig, dass er komplett asexuell kindlich war.

Dass all das für viele Leute nicht zu verstehen ist, ist sogar verständlich.
Aber dieses kindliche Verhalten macht jemanden noch lange nicht zum Straftäter.

Dass dieses Verhalten aber die Achillesferse ist, mit der man ihn am einfachsten erpressen kann, liegt auch auf der Hand.
Wie gesagt: der 1993er-Fall fällt in sich zusammen wie ein Kartenhaus.
Jackson wollte damals einen Strafprozess, Chandler nicht.

Und wenn 1993 zusammenfällt, dann auch die Folgefälle, die alle nur aufkamen, weil das Image 1993 so beschädigt wurde.

Was einen zweiten Film angeht:
Ich bin mir sicher, dass es thematisiert wird. Und ebenso bin ich mir sicher, dass Jackson als Opfer dargestellt wird.
Und genau das ist es, was er meiner Meinung nach war.

Aber genauso sicher bin ich mir, dass dann wieder von "white washing" geschrieben wird.
Weil sich das alles so verselbständigt hat, dass kaum jemand noch Lust hat das über Jahre detailliert aufzuarbeiten.

Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Invincible1958 hat geschrieben: Gestern 20:11 Was einen zweiten Film angeht:
Ich bin mir sicher, dass es thematisiert wird.
Bei den Worten "zweiter Film" lief mir glatt ein Schauer über den Rücken. Aber der Erfolg macht natürlich tatsächlich klar, dass Antoine Fuqua auf "Michael" auch "Jackson: Neverland Has Fallen" folgen lassen wird.
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Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Casino Hille hat geschrieben: Heute 12:46
Invincible1958 hat geschrieben: Gestern 20:11 Was einen zweiten Film angeht:
Ich bin mir sicher, dass es thematisiert wird.
Bei den Worten "zweiter Film" lief mir glatt ein Schauer über den Rücken. Aber der Erfolg macht natürlich tatsächlich klar, dass Antoine Fuqua auf "Michael" auch "Jackson: Neverland Has Fallen" folgen lassen wird.
Deinen Sarkasmus ignoriere ich.

Dass das bereits gedrehte Material (Police Raid auf Neverland etc) aber auf zwei Filme aufgeteilt werden soll, wurde ja letztes Jahr schon inoffiziell bestätigt.
Und die indirekte "Fortsetzung folgt"-Einblendung am Ende bestätigt die Pläne ja nur.

Umso fragwürdiger die Kritiken, in denen den Lesern verheimlicht wird, dass auch die zweite Lebenshälfte immer schon geplant war und auch aktuell in Planung ist.
In jedem zweiten Red Carpet Interview erzählen die Cast Membrr, dass sie davon ausgehen, dass Teil 2 kommen wird.

Der Lionsgate-Chef hat kürzlich in einem Interview sogar von evtl. drei Filmen gesprochen.

Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Stimmt, ich hatte das "Michael Jackson will return in Avengers: Doomsday" am Ende auch gelesen.

Was an den Kritiken fragwürdig sein soll, bleibt offen. Ich wette mit dir, mein oben vorgeschlagenes "O. J. Simpson Biopic, das 1985 endet, als er Heisman-Trophy-Gewinner wird" würde auch verrissen werden, selbst wenn eindeutig klar wäre, dass ein zweiter Teil folgt.
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Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Mr.Chrismas Jones hat geschrieben: Heute 14:41 Ich glaube O.J. Simpson hat den Sport aber damals nicht so geprägt, wie Michael Jackson die Musik.
Simpson war einer der besten und popkulturell markantesten Runningbacks in der Geschichte des American Football. Er hält nach wie vor Rekorde, die trotz der langen Zeit bis heute unerreichbar scheinen (kein anderer NFL-Spieler lief je wieder in sechs Spielen über 200 Yards). Wenn man einen Sport überhaupt richtig prägen kann, ist es ihm damals definitiv gelungen.
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Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Casino Hille hat geschrieben: Heute 14:23Was an den Kritiken fragwürdig sein soll, bleibt offen. Ich wette mit dir, mein oben vorgeschlagenes "O. J. Simpson Biopic, das 1985 endet, als er Heisman-Trophy-Gewinner wird" würde auch verrissen werden, selbst wenn eindeutig klar wäre, dass ein zweiter Teil folgt.
Ich denke es gibt Unterschiede zwischen den beiden Fällen.
Klar. Simspon wurde auch nicht strafrechtlich verurteilt.
Aber in seinem Fall gibt es eindeutige Hinweise, dass er ein Täter ist,
bei Jackson nicht.

Anders gesagt: Ich glaube, dass Jackson unschuldig ist, und Simpson schuldig.

So wie ich oben geschrieben habe, sehen das andere Menschen anders. Und das wird immer so bleiben.

Die Leute, die kritisieren, dass im ersten Film die Missbrauchsvorwürfe nicht thematisiert werden, würden es genauso kritisieren, wenn sie im Film schon vorgekommen wären. Denn der Film würde ihn (und mit Blick auf Teil 2 bin ich mir da auch sicher) als unschuldig darstellen.
Und das wäre den Kritikern auch nicht recht.

Ich habe das Gefühl, dass es Menschen gibt, die wollen, dass er als Täter gezeigt wird - oder diese Sichtweise in ihren Kritiken zumindest zwischen den Zeilen andeuten.

Und wie ich in meinem Text oben geschrieben habe, geht es nur darum, ob man Jacksons Peter-Pan-Syndrom für glaubwürdig hält oder ob man der Meinung ist, dass es sowas nicht gibt. Also: Kann es einen erwachsenen Menschen geben, der mit nicht verwandten Kindern das Schlafzimmer/Bett teilt, ohne sexuelle Gedanken zu haben?
Einige sagen Ja, andere sagen Nein.

Um von Jackson über O.J. Simpson jetzt zu David Bowie zu kommen:
Da gab es 2020 ein Biopic namens "Stardust", welches nur einen Teil seines Lebens abgedeckt hat.
Und die bewiesenen strafrechtlichen relevanten sexuellen Kontakte (inkl. Entjungferungen) von 14-jährigen, während er selbst schon fast 30 war, werden da auch nicht thematisiert.
Es gibt auch weitere Ikonen (neben Bowie), die eindeutig Täter waren, z.B. Miles Davis.
Da finde ich allerdings nur selten diese Diskussion wie bei Jackson.

Klar, alles wurde nie vor Gericht verhandelt, aber im Fall von Davis (Frauen verprügelt, Frauen zur Prostitution gezwungen) und Bowie (Sex mit Minderjährigen) gibt es keine Zweifel, dass sie das, was ihnen vorgeworfen wird, auch getan haben, da sie es selbst bestätigt haben (Davis) oder zumindest nicht dementiert (Bowie). Anders als bei Jackson.
Und es gibt noch viele mehr, die eindeutig Täter waren/sind - und in der heutigen Zeit sofort gecancelt worden wären - aber weiterhin in der Öffentlichkeit ein viel höheres Ansehen genießen als Jackson.

Meist wird dann argumentiert:
Ach was: Miles Davis hat ja selbst gestanden alles getan zu haben. Das rehabilitiert ihn. Und zudem passt das doch alles zu seinem Bad Boy-Image. Wir hätten uns eher gewundert, wenn der sauber gewesen wäre.
Bei Bowie heißt es dann auch: War doch damals ganz normal, dass man mit "Baby-Groupies" Sex hatte.
Da wird viel relativiert und runtergespielt.

Aber mal sehen, was die Jury im Zivilprozess von Robson und Safechuck Ende 2026/Anfang 2027 gegen die Firmen MJJ Ventures Inc. und MJJ Productions Inc. entscheiden wird.
Da geht es nicht darum, ob Jackson schuldig oder unschuldig war, sondern ob seine Firmen ihre Aufsichtspflicht nicht erfüllt haben bzw. absichtlich eine Umgebung geschaffen haben, in der Missbrauch theoretisch möglich gewesen wäre.
Anders als in einem Strafprozess muss in einem Zivilprozess die Schuld nicht bewiesen werden, sondern es reicht eine Neigung der Jury im Sinne von "eher wahrscheinlich" oder "eher unwahrscheinlich". Robson und Safechuck verlangen über $400 Mio.

Anders gesagt: Wenn sie den Prozess gewinnen, heißt es nicht, dass Jackson schuldig war. Wenn sie ihn verlieren, heißt es aber auch nicht, dass er unschuldig war.
Daher wird die öffentliche Meinung auch danach weiterhin so gespalten sein wie immer schon. Und das wird sich auch in 100 Jahren nicht ändern.

Müssen wir alle mit Leben.

Re: Biopics / Filmbiographien - it's personal

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Fans, die entsprechend kein Problem damit haben eine komplett unkritische, glatt polierte, nostalgische, verklärende und fast an Camp grenzende Heldenverehrung von Michael Jackson auf der Leinwand zu bekommen werden ihren absoluten Spaß im Kino haben und da wird auch der zweite Teil komplett so weitermachen (gerade weil auch die Familie als Mitproduzenten sicherlich ein kreatives Mitspracherecht hat), womit die Kritik an der Person Michael Jackson und sein entsprechendes Fehlverhalten auf den kleinsten gemeinsamen Nenner im 2. Teil einreduziert wird. Im Grunde fand ich den 1. Film okay, aber bis auf den USP des dargestellten Hauptcharakters hebt sich das Biopic absolut nicht von der Masse an Biopics über Musiklegenden der letzten Jahre signifikant ab.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "