Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

437
Also...

ich weiß nicht, ob ich Spielberg bewundern soll oder inzwischen bemitleiden. Bemitleiden, weil der Mann scheint verzweifelt auf der Suche zu sein nach einer großen Geschichte, die er noch mal erzählen kann, und landet dann doch wieder nur irgendwie bei Dingen, die er vor 40-50 Jahren schon erzählt hat. Bewundern, weil er es mit 79 schafft, einen Film zu präsentieren, der auch genau so kindlich naiv ist, wie seine Filme damals. Nur hat die Welt sich irgendwie verändert.
Mit viel Wohlwollen könnte man Disclosure Day als Abschluss einer Spielberg-LiebeAlien Trilogie bezeichnen (mit A.I und Indy4 sogar fünf Filme). Der ganze Film fühlt sich über weite Strecken so an wie Close Encounters oder E.T. (wobei ich den ersten nie ganz geschafft habe, weil ich ihn ganz furchtbar finde, und den zweiten vor so langer Zeit gesehen habe, dass ich mich nicht wirklich dran erinnern kann). Hinzu kommt jede Menge Zeugs was man so schon Hundert mal gesehen hat von X-Files über Signs, A.I. bis hin zu - naja zumindest optisch - seinem vierten Indiana Jones. Simple Verschwörungstheorie und Vertuschung durch allmächtige Organisationen,... gähn.

Der 140 Minuten lange Film hat mich zwei Stunden lang zu Tode gelangweilt. Da ist kein Tempo, keine Dynamik, wenig Story, keine Dramaturgie, wenige Figuren die man mögen möchte. Alles schwurbelt irgendwie möchtegern-mysteriös um etwas herum, was von Anfang total klar ist. Es kommt dann auch selbst im Finale nie über das hinaus, was von Anfang an klar ist. Oh, es gibt Aliens, und sie sind gelandet, und die Regierung vertuscht das. Aber weil es Spielberg Aliens sind, sind sie eigentlich ganz nett und emphatisch. Na prima.

Allein die wieder mal großartige Emily Blunt hat mich davon abgehalten, den Saal sehr frühzeitig zu verlassen. Auch Colin Firth spielt eine ungewohnte Rolle stark. Kaminski präsentiert zum hundertsten Male die gleiche verwaschene, lens-flare und Gegenlicht-Optik, Williams Score habe ich nicht bewusst wahrgenommen.

Doch dann... in den letzten 20 Minuten, wenn es zur eigentlichen "disclosure" kommt, blitzt da doch wieder Spielberg-Magie auf. Ja, total naiv, total tränendrüsig, aber irgendwie doch im wahrsten Sinne atemberaubend. Doch dann endet der Film abrupt, weil es ja auch einfacher ist, alles offen zu lassen, anstatt wirklich mal einen Schritt weiter zu gehen.


Gerade gefunden - und so zutreffend:
„Nicht, dass ein Spielfilmregisseur auf alles eine Antwort haben muss, im Gegenteil. Aber zumindest zwei, drei originelle Ideen übers Klischee hinaus wären schon schön gewesen.“
– David Steinitz: Süddeutsche Zeitung[7]
"It's been a long time - and finally, here we are"