Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Also...

ich weiß nicht, ob ich Spielberg bewundern soll oder inzwischen bemitleiden. Bemitleiden, weil der Mann scheint verzweifelt auf der Suche zu sein nach einer großen Geschichte, die er noch mal erzählen kann, und landet dann doch wieder nur irgendwie bei Dingen, die er vor 40-50 Jahren schon erzählt hat. Bewundern, weil er es mit 79 schafft, einen Film zu präsentieren, der auch genau so kindlich naiv ist, wie seine Filme damals. Nur hat die Welt sich irgendwie verändert.
Mit viel Wohlwollen könnte man Disclosure Day als Abschluss einer Spielberg-LiebeAlien Trilogie bezeichnen (mit A.I und Indy4 sogar fünf Filme). Der ganze Film fühlt sich über weite Strecken so an wie Close Encounters oder E.T. (wobei ich den ersten nie ganz geschafft habe, weil ich ihn ganz furchtbar finde, und den zweiten vor so langer Zeit gesehen habe, dass ich mich nicht wirklich dran erinnern kann). Hinzu kommt jede Menge Zeugs was man so schon Hundert mal gesehen hat von X-Files über Signs, A.I. bis hin zu - naja zumindest optisch - seinem vierten Indiana Jones. Simple Verschwörungstheorie und Vertuschung durch allmächtige Organisationen,... gähn.

Der 140 Minuten lange Film hat mich zwei Stunden lang zu Tode gelangweilt. Da ist kein Tempo, keine Dynamik, wenig Story, keine Dramaturgie, wenige Figuren die man mögen möchte. Alles schwurbelt irgendwie möchtegern-mysteriös um etwas herum, was von Anfang total klar ist. Es kommt dann auch selbst im Finale nie über das hinaus, was von Anfang an klar ist. Oh, es gibt Aliens, und sie sind gelandet, und die Regierung vertuscht das. Aber weil es Spielberg Aliens sind, sind sie eigentlich ganz nett und emphatisch. Na prima.

Allein die wieder mal großartige Emily Blunt hat mich davon abgehalten, den Saal sehr frühzeitig zu verlassen. Auch Colin Firth spielt eine ungewohnte Rolle stark. Kaminski präsentiert zum hundertsten Male die gleiche verwaschene, lens-flare und Gegenlicht-Optik, Williams Score habe ich nicht bewusst wahrgenommen.

Doch dann... in den letzten 20 Minuten, wenn es zur eigentlichen "disclosure" kommt, blitzt da doch wieder Spielberg-Magie auf. Ja, total naiv, total tränendrüsig, aber irgendwie doch im wahrsten Sinne atemberaubend. Doch dann endet der Film abrupt, weil es ja auch einfacher ist, alles offen zu lassen, anstatt wirklich mal einen Schritt weiter zu gehen.


Gerade gefunden - und so zutreffend:
„Nicht, dass ein Spielfilmregisseur auf alles eine Antwort haben muss, im Gegenteil. Aber zumindest zwei, drei originelle Ideen übers Klischee hinaus wären schon schön gewesen.“
– David Steinitz: Süddeutsche Zeitung[7]
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Ich weiß nicht ob sie immer unglaubwürdiger werden, aber sie werden immer irrelevanter.

Über den Rotten Wert habe ich mich auch gewundert, vor allem im Vergleich zu früheren Werken.

If the Universal and Amblin theatrical release hits those figures stateside, the $115M net production will likely be No. 1. However, since the reviews have hit Rotten Tomatoes, the certified grade has eased from 90% to currently 85% at the time of publication. That figure is higher than Spielberg’s War of the Worlds (76%) and A.I. (76%), but slightly lower than Close Encounters of the Third Kind (91%) and Minority Report (89%)
(Quelle: Deadline)

Wie immer wird word of mouth eine Rolle spielen und auch Mehrfachsichtungen sind zumindest in den USA ein Faktor. Bei beiden sehe ich für Disclosure Day aber kein großes Potential.
http://www.vodkasreviews.de


https://www.ofdb.de/autor/reviews/45039/

Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Inzwischen sind es 82% aber auch die sind doch ein Witz. RT ist aber auch eine merkwürdige Sache. Wenn 100 von 100 Journalisten sagen, ein Film ist "halbwegs OK" dann hat er 100%.
Wenn du aber 70 der Kritiker hast die sagen "bester Film aller Zeiten und die restlichen 30 sagen "ne, war nicht so dolle", dann bist du bei 70%.
Kann mir nicht ernsthaft vorstellen, dass irgendwer in Disclosure was großartiges sieht.
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Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Casino Hille hat geschrieben: Heute 08:38
Gernot hat geschrieben: Gestern 23:38 Es nervt, wenn diese Reviews immer unglaubwürdiger werden.
Werden sie nicht. Hier haben einfach drei Leute im Forum eine andere Meinung als die Mehrheitsmeinung der Kritiker ist. Soll vorkommen.
Also ich vertraue 3 Expertenmeinungen aus dem legendären und weltweit einzigartigen JamesBond.de-Forum mehr als 100 „echten“ „Filmexperten“ von RTT.

Du etwa nicht??! 🤣
Bond... JamesBond.de

Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Weiß nicht, den Christopher-Nolan-Vergleich verstehe ich nicht wirklich, mit dessen Kino hat "Disclosure Day" wenig bis nichts zu tun. Ich würde den auch - trotz seines Marketings - gar nicht groß als Science-Fiction-Film ansehen. Die Außerirdischen oder der Kontakt mit ihnen ist ja bloß ein Gimmick. Im Kern ist Spielbergs neuer Film näher an sowas wie "Auf der Flucht" oder "Die Bourne Identität", ein Verschwörungsthriller, der vor allem durch seine Vielzahl an Verfolgungsjagden zusammengehalten wird. Bloß fehlt es diesem Drehbuch massiv an Kohärenz und Zusammenhang. Die Motivation der Figuren kommt über Plattitüden nicht hinaus, was eigentlich wirklich auf dem Spiel steht habe ich gar nicht so richtig verstanden. In seiner Weltanschauung wirkt "Disclosure Day" unfassbar naiv, und weil seine Grundlage zu dünn für echte Philosophie ist, versucht er sich dann eben ein wenig an religiösem Kitsch. Da darf dann eine Nonne irgendwas über Gott und seine Schöpfungen und sein Ebenbild faseln, und während man noch mit den Augen darüber rollt, dass Ami-Filme wohl wirklich denken, ohne die biblischen Testamente gäbe es gar keine Freuden auf Erden, werden Josh O'Connor und Emily Blunt schon wieder über eine Wiese gejagt und springen über Zäune.

Ich bin hier im Forum wohl von den regelmäßigen Postern der mit Abstand größte Spielberg-Fan, und betrachte wirklich nur eine Handvoll seiner Filme als unterdurchschnittlich, aber dieser neue Film gehört leider dazu. Spielberg kann immer noch inszenieren, und in einigen Szenen findet sich ein Gespür für sorgfältiges Blocking, das vielen heutigen Regisseuren gänzlich abgeht. Aber es hilft alles nicht viel, wenn das zentrale Fundament so löchrig ist. Schade drum. Er hätte mit "Die Fabelmans", einem seiner allerbesten Filme, aufhören sollen. Es wäre ein sehr würdiges Ende gewesen. Ob er so eines jetzt nochmal an "Disclosure Day" anschließen kann, bleibt abzuwarten.
https://filmduelle.de/
https://letterboxd.com/casinohille/

Let the sheep out, kid.

Re: Senses of Wonder – Die Filme des Steven Spielberg

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Sehr schön (sowohl die gepostete Kritik als auch das von Hille)

Ach, man könnte noch viel mehr kritisieren. Schlimm wie der Film einfach kein Thema wirklich durchdringt. Alles wird angedeutet und bleibt doch unterwegs liegen.
Ging es euch auch so, dass dieser scheinbar drohende dritte Weltkrieg und die Angst davor gar nicht rüberkommt? Ich hätte das fast verpasst. Aber auch da: Als dann die Aliens enthüllt werden, ist der Film zu Ende, und beantwortet somit keine Frage in Bezug auf die Auswirkung der Enthüllung.
Wirklich, das muss das so ziemlich unbefriedigendste Skript sein was je von Spielberg verfilmt wurde. Das Ganze wirkt, als habe es selbst M. Night Shyalaman abgelehnt... Der ja auch mit Signs eine viel coolere Variante gedreht hat.

Fandet ihr auch, dass selbst die eigentlich als spannend gedachten Flucht-Momente total banal und naiv inszeniert waren? Zum Beispiel wie der Protagonist sich an die Agenten "anschleicht", deren Auto entwendet, und dann durchs Haus fährt. Die Agenten wirken alle so dermaßen dämlich...
"It's been a long time - and finally, here we are"