Re: Zuletzt gesehener Film

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Dinge, die mehr Spaß machen als der neue Masters of the Universe Film:

- Eine Woche lang die Vorabend-Soaps bei RTL Zwei gucken
- Die Intimbehaarung mit einem Flammenwerfer ansenken lassen
- Mit Betonklotz an den Füßen im offenen Meer schwimmen
- In Will Smiths Anwesenheit die Frisur seiner Gattin kommentieren
- ...
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Re: Zuletzt gesehener Film

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Die Quintessenz aller postmodernen Variationen von Boy meets Girl. Ausgehend von der Begegnung zweier Mittzwanziger in einem Zug und ihrem spontanen Entschluss, eine Nacht gemeinsam bei einem Spaziergang durch Wien zu verbringen, fängt Before Sunrise die Naivität junger Liebe so makellos ein, dass es fast weh tut. Es ist ein sanftes Meisterwerk ohne eigentliche Handlung, das ausschließlich aus tiefgründigen und alltäglichen Gesprächen besteht. Beflügelt von der Begeisterung über ihre unmittelbare Verbindung lassen sich Jesse und Céline voll und ganz auf einen gemeinsamen Augenblick ein – sei es nur, um sich später nicht fragen zu müssen: „Was wäre gewesen, wenn..?“

Richard Linklaters für eine ganze Generation prägender Liebesfilm lebt voll und ganz von seinen Hauptdarstellern Ethan Hawke und Julie Delpy, nein, mehr noch: Linklater nimmt sich als Inszenierer zurück und überlässt ihnen das Reden. Eine kluge Wahl: Ihre Chemie ist unwiderstehlich. In ihren endlosen, lebensnahen Unterhaltungen um Sex, Liebe, Kunst, Spiritualität, persönliche Ängste und vergangenen Liebeskummer (eben all die Themen, die bei Dates in dem Alter auf den Tisch kommen) offenbaren sie ihr Innerstes. Schüchternheit, Befangenheit, Zögern, Sehnsucht – und der Wunsch, sich selbst authentisch und selbstbewusst zu zeigen, dominieren ihre Blickkontakte. Linklater fängt perfekt das Gefühl des Verliebtseins ein, assoziiert es mit dem Empfinden, die einzigen beiden Menschen auf der Welt zu sein. Fast jede Einstellung konzentriert sich ausschließlich auf Jesse und Céline, sie sind immer gemeinsam im Bild. Die Sprache des Films setzt nicht auf Shot-/Reverse Shot, sondern begreift die beiden sofort als Einheit. Die idyllische, fast menschenleere österreichische Hauptstadt im Hintergrund verschwimmt immer stärker je länger die Nacht andauert.

Das Ganze ist reinstes Kinos: Naturalistisch in der harmonischen Verbindung von visueller Poesie und fließenden Dialogen, zugleich von betörender Schönheit als bittersüße Erkundung einer vernichtenden Gegenwarts-Nostalgie. Die Liebenden begreifen beide die niederschmetternde Gewissheit, dass ihr nächtliches Abenteuer etwas Einmaliges, Flüchtiges ist. Am Ende der Nacht müssen sie sich trennen und in ihre eigentlichen Leben zurückkehren. Ihre wachsende Intimität ist von kurzer Dauer – ein letzter Moment unbeschwerter, idealistischer Jugend vor dem Eintritt ins Erwachsenenleben. Und genau das macht sie so wahrhaft romantisch. Doch Linklater gab ihrer Liebe die Chance zu wachsen: Gemeinsam mit Hawke und Delpy realisierte er neun und achtzehn Jahre später zwei ebenso brillante Fortsetzungen und schuf damit wohl die authentischste Liebesgeschichte der Filmgeschichte. 10/10
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Re: Zuletzt gesehener Film

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Casino Hille hat geschrieben: 31. Juli 2026 17:06Fast jede Einstellung konzentriert sich ausschließlich auf Jesse und Céline, sie sind immer gemeinsam im Bild.
Ich versuche mich grad an Szenen zu erinnern, in denen es doch Schuss/Gegenschuss-Momente gibt. Vielleicht im Diner, wenn sie imaginär ihre Freunde anrufen oder im Riesenrad im Prater? Sprich: wenn sie nicht durch die Straßen laufen.
Casino Hille hat geschrieben: 31. Juli 2026 17:06 10/10
Da sind wir uns einig.

Du hast ihn wahrscheinlich vorgestern im Metropolis gesehen. Ich konnte es leider nicht einrichten,
hab die Filme aber sowohl einzeln als auch als Trilogie alle mehrfach im Prince Charles Cinema in London gesehen, wo die Triple-Feature-Abende mit diesen Linklater-Perlen immer ausverkauft sind.

2013 bei der Europapremiere von "Before Midnight" auf der Berlinale hab ich im Publikum gespürt wie der ganze Saal Linklater, Delpy und Hawke abfeiert. In solchen Momenten frage ich mich immer (rhetorisch) wie es eigentlich Menschen geben kann, die diese Trilogie oder zumindest "Before Sunset" nicht kennen. Ich bilde mir ein, dass das diese Art Film ist, über die jeder in seinem Leben mal "stolpert", sowas wie ein Weltkulturerbe. Um dann zu verstehen, dass es doch nur eine ganz kleine Bubble an Menschen zu sein scheint, die damit etwas anfangen kann.
Meine Erklärung ist: wenn ein Film eine 10/10 für mich ist, ist das der Fall, weil er mich zu 100% erreicht, ohne in jeder zweiten Szene Kompromisse einzugehen, um ein "kommerzielles" bzw. "breiteres" Publikum zu erreichen. Genauso gibt es Filme, die für andere Menschen eine 10/10 sind, und mich überhaupt nicht abholen. Umso mehr freue ich mich immer, wenn ich Filme wie "Before Sunset" entdecke, die seit der Jugend dann ein ganzes Leben bleiben, und zu denen man immer wieder zurückkehren kann.

Re: Zuletzt gesehener Film

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Habe The Invite gesehen (OV)
Mega!!!

Selten so gelacht - zumindest schon ewig nicht mehr im Kino.
Im Grunde ein ähnliches Setup wie bei Gott des Gemetzels aber in jeder Hinsicht der bessere Film. Die vier Darsteller sind große Klasse, vor allem Seth Rogan ist fantastisch. Unbedingt anschauen wenn man brillant geschriebene und gespielte Kammerspiele mag.
"It's been a long time - and finally, here we are"

Re: Zuletzt gesehener Film

11364
Den 3-Teiler habe ich auch gesehen. Aber ich fand Julie Delpy überhaupt nicht überzeugend. Liegt jetzt nicht an ihrem Aussehen. Die Liebesgeschichte an sich hat mich überhaupt nicht mitgenommen. War langweilig. Hab gestern den alten Schinken " Love Story " wieder mal gesehen - ist immer noch sehenswert. Ali Macgraw war eine richtige Augenweide :-)

Re: Zuletzt gesehener Film

11365
Auch wenn das Vier-Personen-Kammerspiel The Invite um ein dysfunktionales Paar, das seine Nachbarn zum Abendessen einlädt sofort an „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ denken lässt, schlägt es sehr bald eine ganz andere Richtung ein. Über weite Strecken ist Olivia Wildes dritte Regiearbeit eine Komödie des Fremdschämens, die sich um das Aufeinandertreffen eines tief frustrierten, verklemmten Millennial-Ehepaars und zwei Anhängern sexueller Freizügigkeit dreht. Sprechen wir Klartext: Die glamourösen Nachbarn von oben veranstalten gerne Swinger-Partys. Und ihre Gäste sind ebenso irritiert wie notgeil bei dem Gedanken, mitzumachen.

Es hat etwas ungemein Prüdes, wie Wilde Humor aus diesem reißerischen Kontrast zwischen konventioneller Monogamie und progressiver Zügellosigkeit schöpft. Die neurotische Verkrampftheit eines Ehepaars mit der lässigen Offenheit spiritueller Hippie-Typen zu konfrontieren, funktioniert eigentlich nur unter der Prämisse, dass Polyamorie und Swingen die radikalsten, exotischsten und neuartigsten Konzepte sind, die man sich für Heterosexuelle vorstellen kann ... im Jahr 2026?! Geht es vielleicht noch ein bisschen spießiger? Ohne Scheiß: Man sieht die mittelalten Hildegards, allesamt treue Abonnentinnen der Superillu, ganz vornehm mit der Hand vor dem Mund darüber lachen, dass da auf der Leinwand über etwas so Wildes wie Gruppensex gesprochen wird.

Zugegeben: Die Situationen rund um die versuchte spontane Orgie der Paare sind durchaus amüsant. Seth Rogen, Edward Norton, Penélope Cruz und Wilde selbst haben zweifellos ein Händchen für temporeiche Slapstick-Komik. Doch am Ende schlägt der Film einen unangenehm therapeutischen Ton an. Wenn schon nicht körperlich, so doch zumindest emotional offenbaren die Figuren ihr Innerstes. Und dieses „Tennisspiel“ aus Passiv-Aggressivität ist durchweg so breit und überzogen geschrieben und gespielt: schrill, hysterisch, ohne Tiefe oder Nuancen. Die starre Selbstgefälligkeit des Films mündet nie in etwas Produktives, sondern verliert sich in plattem, fantasielosem Hetero-Pessimismus.

Genau darin liegt das Kernproblem: Nichts an Wildes Sex-Farce, die ganz auf ein anspruchsloses Mainstream-Publikum zugeschnitten ist, lädt die Zuschauer dazu ein, ihre eigenen Überzeugungen wirklich zu hinterfragen. Stattdessen bestätigt der Film lediglich das, was das Publikum ohnehin schon für wahr hält. 4/10
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Re: Zuletzt gesehener Film

11366
Der Einladung von Olivia Wilde werde ich die Tage noch nachkommen, aber ich fand mich bei der Sichtung des Trailers erst an den deutschen Film "Der Vierer" erinnert, der ja selbst das Remake eines spanischen Films ist, der nichts mit dem spanischen Original von Olivia Wildes "The Invite" zu tun hat. Aber dennoch stellt sich mir die Frage, ob man das nicht auch eine kreative Bankrotterklärung des Kinos nennen kann, wenn sich amerikanische Filmemacher*innen und auch deutsche Filmemacher*innen von Filmen zumeist aus dem spanischen, italienischen oder auch französischen Raum bedienen und quasi eine internationale oder deutsche Version davon drehen. Zu sehen bei vielen Filmen Sönke Wortmanns der letzten Jahre zum Beispiel oder auch die Vielzahl an Ländern, die zu zigfachen Versionen des italienischen Originals "Perfetti Sconosciuti" - hierzulande als "Das Perfekte Geheimnis" verfilmt worden (bei dem dann mit "Der Perfekte Urlaub" noch unpassender Weise im Oktober, wo der Sommer und Urlaubsstimmung bereits verflogen sind die Fortsetzung folgt) - geführt hat. Die scharfen Dialoge, die Sets, die visuelle Umsetzung des Films mit Licht, Kamera, Schnitt kann ja alles 1:1 ins Drehbuch des Remakes geflossen sein, womit der kreative Eigenanteil eben nur minimal ist. Dennoch schaue ich gerne der Besetzung zu, wie sie ihren Job macht und den Film mit Leben füllt.
"Weiter rechts, weiter rechts ! ..... "